Big Money kauft Finanztitel !

Der Buchwert ist eine Kennzahl, die immer wieder bei der Bewertung von Aktien aufkommt. Dabei sagt die Relation von Buchwert zu Aktienkurs aus wie viel Eigenkapital ( Vermögen minus Schulden ) dem aktuellen Aktienkurs gegenüber stehen.

Generell ist es natürlich immer interessant sich Aktien anzuschauen deren Aktienkurs günstiger ist als der Buchwert. Der Logik halber sollte bei einem gesunden Unternehmen der Kurs der Aktie nämlich irgendwann mindestens den Buchwert pro Aktie erreichen.

Diesem Ansatz folgen derzeit sehr viele Hedgefonds und andere Großanleger und kaufen in Amerika massiv Aktien großer Banken und Versicherungen, da diese aktuell noch immer weit unter ihrem Buchwert notieren.

Big Money kauft also Citigroup, AIG und Bank of America….

Buchwert pro Aktie* Aktienkurs
AIG 68.87 $ 37,57 $
Citigroup 61,57 $ 43,22 $
Bank of America 20,24 $ 11,80 $
Allianz 113,86 € 104,60 €
Munich Re 151,30 € 134,33 €
Commerzbank 4,18 € 1,48 €
Deutsche Bank 58,99 € 36,14 €

*Daten von yahoo.com und finanzen.net

Es besteht also an der Börse gerade eine Differenz zwischen den Aktienkursen und den Buchwerten und dies ist normalerweise unüblich. Selbst ehemalig große Goldkäufer wie George Soros investieren aktuell massiv in diese Titel.

Vor der Finanzkrise waren zum Beispiel große amerikanische Finanzinstitute mit einem Kurs / Buchwertverhältnis von 1,5 bis 3 bewertet. Auf solche hohe Verhältnisse würde ich zwar nicht setzen, da man bedenken sollte, dass vor der Krise Banken mit hohen Eigenkapitalrenditen glänzen konnten (bis …).AIG Hauptquartig Konzernzentrale USA, Hochhaus, FInanzberatung, Altersvorsorge, Aktien kaufen, goldmünzen

Befand sich die Eigenkapitalrentabilität des weltweit größten Versicherungskonzerns AIG ( American International Group ) vor 2008 oft bei fast 15 % sind es im Jahr 2012 nur noch magere 5,1 % und bis 2015 hofft das Management auf 10 %.

Die Vorkrisenbewertungen werden wir also erst einmal nicht mehr erleben. Gehen wir aber allein von einem Kurs/Buchwertverhältnis 1 in der Zukunft aus dann haben einige dieser Aktien noch ein großes Steigerungspotential.

Noch immer haben diese Aktien einen negativen Touch

In Finanztitel zu investieren bedarf doch einer gewissen Überwindung, da viele dieser Unternehmen noch vor wenigen Jahren ohne Staatshilfen nicht überlebt hätten und daher über den Aktionären das Damoklesschwert des Totalverlusts schwebte. Das die von mir oben aufgeführten Unternehmen jedoch noch zusammenbrechen halte ich für extrem unwahrscheinlich, zum einen wurden die Unternehmen vom Management auf stabilere Beine gestellt, wobei die Commerzbank hier nach wie vor der größte Wackelkandidat ist, was sich auch in der Bewertung widerspiegelt.

Zum anderen stellt die EZB den Banken mehr als genug Liquidität zur Verfügung und ein plötzlicher Zusammenbruch dürfte von daher schon ziemlich ausgeschlossen sein. Die Lage vieler Finanzinstitute in der Eurozone ist jedoch noch immer nicht gut und mit dem Konkurs der großen spanische Immobilienfirma Reyal Urbis geht schon wieder die Angst um und auch die deutsche Commerzbank scheint wieder einmal verwickelt zu sein.

Amerikanische Situation anscheinend besser

Die Bilanzen der amerikanischen Banken scheinen da aktuell wesentlich solider zu sein und große Unternehmen wie die AIG scheinen den Turnaround geschafft zu haben und sind dabei Schulden zu tilgen und haben sich von staatlichen Beteiligungen inzwischen getrennt. Viele dieser Unternehmen haben sogar inzwischen schon wieder große Pläne für Dividenden und Aktienrückkäufe, jedoch muss hierfür erst noch bei der FED vorgesprochen werden.

Die Zukunft

Allianz, Muenich Re ( Thread im Forum ) und andere Versicherungen befinden sich aktuell durch niedrige Anleihenzinsen in einer schwierigen Situation. Das Geld, welches zum Beispiel bei Lebensversicherungen eingesammelt wird muss gesetzlich vorgeschrieben zu einem großen Teil in Staatsanleihen sicherer Schuldner fließen und hier ist die Verzinsung aktuell sehr mau. Es ist also offensichtlich aktuell nicht die Zeit der dicken Renditen für diese Institute.

Doch heute ist nicht morgen und aktuell tun sich jenseits des Atlantiks bei Notenbänkern ernste Inflationssorgen auf und vielleicht erleben wir ja die Zinswende früher als erwartet.

11 Gedanken zu “Big Money kauft Finanztitel !

  1. AIG habe ich mir vor kurzem auch angeschaut, da Berkowitz seit gefühlt 5 Jahren dafür Werbung macht und nun auch Seth Klarman eingestiegen ist.
    Als Buchwert kommt bei mir ca. 61$ raus, außerdem ist laut Fairholmes Case Studie mit nicht viel mehr als einem KBV von 0.9 zu rechnen…

    Die Firma ist groß, macht wieder Gewinn und hat die ein oder andere Sparte die sicher einen guten Verkaufspreis machen würde.
    Die Derivate wurden stetig zurückgefahren. Der Cashflow ist wieder positiv. Ich denke das könnte ein gutes Investment sein, einfach weil der Preis stimmt.

  2. Guter Artikel. Viele Value-Investoren tummeln sich momentan in dem Bereich (Stichwort Berkowitz von Vorposter Alex). Da es im Artikel um den Buchwert geht: was dabei auch interessant ist, ist der ‚Tangible Book Value‘, also der Buchwert nachdem er um immaterielles (und im Falle einer Liquidation wohl wertloses) Vermögen bereinigt wird – vor allem Goodwill. Z.B. bei Bank of America entspricht der bereinigte Wert nur ca. 13 bis 14 USD pro Aktie – was immer noch über dem aktuellen Kurs liegt.

    Zur Bank of America habe ich auch einen kurzen Artikel geschrieben: http://commentsonpositions.blogspot.co.at/2013/01/bank-of-america.html

    Darin enthalten ist auch ein Link zur Fairholmefunds-Homepage (Berkowitz), mit Präsentationen zu seinen Investment-Thesen zur AIG, und Bank of America (u.a.), die ich für sehr gelungen halte – er beschreibt einfach das Wesentliche.

  3. Mein Favorit ist Wells Fargo! Buffett sagt es sei die beste Bank der Welt und er hält glaube ich in seinem Depot sehr viele, glaube sein Depot besteht zu 22% aus Wels Fargo.

  4. @ Andreas B:

    Richtig. Wells Fargo ist seit dem 4. Quartal 2012 Warrens größte Position. Nun sogar größer als Coca Cola.

    Ich bin seit gefühlten Ewigkeiten Allianz Aktionär (vor 2008, also Kursgewinne wären steuerfrei). Seit heute
    bekannt wurde, dass die Dividende noch mal auf 4,50 € bleibt (3. Mal in Folge) überlege ich ernsthaft zu verkaufen.
    Mein Kaufkurs lag bei 111 €. Würde also sogar einen Verlust realisieren. Die Allianz und der Diekmann gehen mir
    langsam auf die Nerven. Seit über vier Jahren warte ich nun auf Kurse über meinem Einstandskurs.
    Münchner Rück erhöht kräftig die Dividende, Swiss Re (hatte ich auch mal) schüttet sogar eine Sonderdividende
    in Höhe von 4 Franken aus. Höher als die reguläre DIvidende. Wenigstens auf 4,60 oder 4,70 hätten sie mal
    erhöhen können, damit ein Aufwärtstrend erkennbar wäre!

    Bei gurufocus gibt es einen der rigoros nur Dividenden Aristokraten kauft. Wird bei einem Unternehmen die Dividende
    gekürzt wird sofort verkauft. Ich glaube diese Strategie ist nicht schlecht. Da werden viele Loser-Aktien automatisch
    rausgekickt. Da wird nichts lange mitgeschleift was sich dann doch nicht entwickelt…

    Was mich abhält zu verkaufen ist nur die Angst, dass es nach dem Verkauf steil nach oben geht mit dem Kurs!
    Ist mir nämlich schon mehrmals passiert. Und da zuzugucken finde ich noch viel schlimmer als auf Verlusten zu
    sitzen:-)

    Gruss

  5. Hi Stefan,
    Ich hab zu deinem „Problem“ zwei Anmerkungen:

    1. Höre nicht auf Tips von anderen aus dem Internet. Wenn du den richtigen Gedanken hast und jemand anderes (unbekanntes) redet es dir aus und dein Gedanke stellt sich als richtig heraus; ich glaube es gibt keinen schlimmeren Fehler.
    Was uns nun zu zweitem Führt 😉

    2. Ich bin kein Allianz Aktionär, aber sieh es mal so: als europäischer Finanztitel sind sie doch recht gut durch die (europäische) Finanzkriese gekommen, oder? Eigentlich haben Sie doch stärke bewiesen, oder? Die Dividende zu halten ist sicher auch keine schlechte Leistung.
    Auf jeden Fall besser als in AIG vor 2008 Investiert zu haben, oder Unikredit, oder Crédit Agricole, oder Generali SpA, …

    Ich an deiner Stelle würde nicht über die 3 Jahre gleichbleibender Dividene meckern, oder darüber dass du momentan gering im Minus bist. Auf 20 Jahres sicht ist das nicht relevant, dein Abgeltungssteuerfrei-Bonus aber doch. Was uns jedoch wieder zu Punkt 1. Bringt 😉


    Es liegt mir eigentlich nix ferner, als Dividenden Arsitokraten zu kritisieren (wieso gibte es da verdammt nochmal keinen ETF!!!)
    aber manchmal kommt es mir so vor, dass da 0,5% Steigerungen gemacht werden nur um den „Status Arsitokrat“ behalten zu können….
    während andere Firmen die Dividende nahe an der betrieblichen Wirklichkeit halten, 4 Jahre nicht erhöhen und dann auf einen Schlag 20, 30, oder sogar mehr Prozent erhöhen…
    Aber Ansich liebe ich die Aristokraten 🙂

    • Guter Trost und ich denke auch, dass die Allianz in den letzten Jahren nie am Abgrund stand und stets Dividenden auszahlen konnte war ein Zeichen der Stärke.

      Natürlich schmerzt es wenn man sieht wie andere mit Käufen in letzter Zeit Rendite gemacht haben und man selbst seit Jahren auf „Dead Money“ sitzt. Aber man sollte auch mal an frühere Lehman, Hypo Real Estate Aktiionäre oder die Kämmerer von Städten wie Pforzheim denken, die in der Finanzkrise wirklich ihr Geld (oder das Geld anderer) verloren haben und dies kann auch nie mehr zurückkommen.

      @all: Wie geht’s euch eigentlich mit der langfristigen Sorge mit Finanztiteln?

      Persönlich habe ich langfristig bei Finanztiteln immer ein bisschen Furcht davor, dass hier über Nacht plötzlich Horrormeldungen kommen. Aktuell ist man vielleicht vorsichtiger mit risikoreichen Deals, jedoch wird die Gier sicher irgendwann wiederkommen und dabei werden sicher zu große Risiken eingegangen.

      Obwohl ich eigentlich kein Befürworter von Regelungswut bin sehe ich gerade in dieser Branche nach wie vor in einigen Teilen einen Bedarf an mehr Regulierung/Überwachung.

      • Mir gehts mit meinen Microsoftpapieren genauso, oder auch mit IBM (beides in der zweiten Jahreshälte 2012 gekauft. Da hatte ich vom allgemeinen Kursaufschwung auch nix.
        Umgekehrt hab ich im letzten Sommer Sanofi für 60€ verkauft, weil ich es für nicht sinnvoll halte, wenn ein Pharmaunternehmen siein Forschungsabteilung zusammenstreicht. Nun der Kurs ging auf über 70€, meine neugekauften Titel liefen seitwärts bzw. sogar rückwärts.
        Problem bei der Allianz sind vor allem die Zinsgarantieprodute im Segment Leben. Die hat MunichRe über die ERGO zwar auch mit drin, aber es spielt bei weitem nicht so eine zentrale Rolle.

  6. Ich finde Kursaufschwung und opperative Erfolge sind oft zwei par Schuhe… vor allem bei Microsoft. Habe da noch einen Artikel im Kopf der ungefähr lautete „Microsoft hat den S&P Fundamental die letzten 10 Jahre outperformt“

    Zitat:
    „@all: Wie geht’s euch eigentlich mit der langfristigen Sorge mit Finanztiteln?

    Persönlich habe ich langfristig bei Finanztiteln immer ein bisschen Furcht davor, dass hier über Nacht plötzlich Horrormeldungen kommen. Aktuell ist man vielleicht vorsichtiger mit risikoreichen Deals, jedoch wird die Gier sicher irgendwann wiederkommen und dabei werden sicher zu große Risiken eingegangen.“

    Ich denke eine gewisse Diversivikation ist Pflicht (mir persönlich würden hier die 3 Titel wie von Charles Munger empfohlen nicht reichen)
    Ich tendiere eher zu Versicherungen als zu Banken, eher zu Nordländern als zu Südländer (wobei BNP mir schmeichelt), eher konservatives als verwegenes Image…
    Außerdem finde ich den Sector „Finanzdienstleister“ Interessant: Ratingagenturen, Börsen, Indexzusammensteller, Direktbanken, Vermögensverwalter uws…

    alternativ kann man natürlich auch gleich die ganze Sparte sein lassen wenn man sich so wohler fühlt

    • BNP ist eine der am stärksten gehebelten Banken der Welt (Hebel über 20), wenn man mal auf echtes Kapital und nicht auf die wünsch-dir-was Modellgrößen nach Basell II schaut (gilt übrigens für die meisten europäischen Banken, der europäische Bankensektor ist bezogen aufs BIP viermal so groß wie der amerikanische und damit hoffnungslos überdehnt).
      BNP macht 30% seines Geschäfts in Frankreich, wo die Regierung grad im Eiltempo alles gegen die Wand fährt, weitere 20% in Italien und Belgien, sowie weiter 27% in der restlichen EU (da ist dann Spanien auch noch mit drin).
      Also ich würde mich da nicht wohlfühlen, unabhängig einer etwaigen Niedrigbewertung.
      Ansonsten halte ich 8-12 Werte für eine gute Diversifakation für völlig ausreichend, aktuell liege ich da mit fünf sogar noch drunter und schlafe dennoch ausgezeichnet.

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