US-RüstungsAktien – Militärisch-industrieller Komplex vor Rebound?

Vielleicht habt Ihr ja schon einmal vom Militärisch Industriellen Komplex gehört. Der Begriff ist natürlich die kritische Sichtweise auf die Verwebung zwischen Politik und der Waffen und Verteidigungsindustrie.

Diese Verwebung zwischen Herstellern von Rüstungsgütern und neuerdings auch der informationstechnologischen Kriegsführung ist eines der ganz alten Konstrukte der menschlichen Zivilisationen. Jedes Gesellschaftssystem hat ein vitales Interesse daran sich nach außen hin zu schützen. Bei Staaten mit Großmachtanspruch wie China, den USA oder Russland geht es nicht nur um das Sicherheitsbedürfnis, sondern militärische Macht ist sehr eng mit anderen politischen und wirtschaftlichen Interessen verknüpft. Eine Weltmacht oder zumindest eine regionale Großmacht zu sein hat diverse Vorteile und keiner, der in dieser Stellung ist, wird diese gewollt aufgeben…

Darum besteht eine offensichtliche Beziehung und Klüngelei zwischen der politischen Führung und den Rüstungskonzernen. In den USA ist dies vielleicht am offensichtlichsten; ich bin mir aber sicher, dass dieses System in jedem größeren Staat vorhanden ist.

Ein großer Staat braucht konventionelle Waffensysteme und heute auch in sehr großem Maß fortgeschrittene Informationstechnologie um sich gegen sogenannte Cyberangriffe zu schützen. Glaube mich daran zu erinnern, dass die NATO bereits 50% ihres Budgets für die elektronische Kriegsführung einplant.

Aus Investorensicht besteht bei dominanten Rüstungskonzernen eine grundlegende Geschäftssicherheit, die aus dem engen Verhältnis zum Staat herrührt. Der Staat benötigt Waffen, die den Waffen anderer Staaten ebenbürtig sind, daher ist man hier nicht ganz so knausrig wie vielleicht in anderen Ressorts und will die eigene Rüstungsindustrie um jeden Preis erhalten. Die Rüstungsindustrie benötigt den Staat, weil privater oder industrieller Konsum in dieser Größenordnung nicht vorhanden ist. Über 90 % der großen Rüstungskonzerne wird direkt durch den US-Staat erzeugt.

Das ganze ist auch ziemlich krisensicher, da ja der Staat in konjunkturell schlechten Zeiten nicht auf die Wartung seiner Verteidigungsanlagen oder auf die technologische Anpassung seiner Streitkräfte verzichtet.

Rüstungswerte und die Moral?
Dieses Thema will ich hier nicht nebenbei abhandeln und verweiße auf den Artikel und die Diskussion meines Bloggerkollegens Stefan auf http://simple-value-investing.de. Investitionen in Rüstungsunternehmen: moralisch vertretbar?

Haushaltsstreit in den USA belastet Rüstungswerte

Gerade sind die großen amerikanischen Rüstungskonzerne jedoch recht unbeliebt bei Anlegern. Der Hauptgrund sind die Budgetdebatten rund um den amerikanischen Haushalt. Streicht die USA ihren Verteidigungsetat zusammen, dann schlägt dies unmittelbar auf die Umsätze der Rüstungskonzerne durch.

Das jedoch beim Verteidigungshaushalt radikal gekürzt wird halte ich für sehr unwahrscheinlich. Dies liegt neben dem Weltmachtanspruchs wohl auch schlicht daran, dass in den USA das Abstimmungsverhalten von Abgeordneten veröffentlicht wird und eine Stimme gegen Verteidigungsausgaben unmittelbar eine Stimme gegen einen Arbeitsplatz daheim in der Wahlregion ist. Bedenkt man wie viele Millionen Arbeitsplätze in den USA in engem Zusammenhang mit der Rüstung stehen ist eine Stimme für Rüstungskürzungen der sichere politische Selbstmord.

Lockheed Martin – das Dividendenass der Rüstungsindustrie

Kurs KGV Dividendenrendite Marktkapitalisierung Schulden/EK EK-Rendite
Lockheed Martin 88,01 $ 10,53 5,20% 28,25B $ 2,7 schwankend (15% – 200%)
General Dynamics 66,82 $ 9,6 3,10% 23,63B $ 0,34 circa 20 %

Die Lockheed Martin Aktie fällt durch zwei Dinge auf. Hohe Dividende und hohe Schulden, wobei es unwahrscheinlich ist, dass Schulden hier jemals das Unternehmen gefährden. Lockheed Martin ist der führende Versorger der US-Streitkräfte für Kampfjets und IT-Sicherheit und genießt so eine ausgezeichnete StLockheed MArtin F35 figher, kampfluigzeug, aktien, börse, finanzberatung, sparkasse vs volksbank, riester-rente, altersvorsorge, vermögensaufbau, goldmünzen, silbermünzen, wo investieren, welche aktien kaufen, depotgebühren, forex, devisenhandel, dollar, euro,yenellung bei Gläubigern. Rüstungstechnik ist derart komplex und wntwicklungsintensiv, dass es für Lockheed Martin schlicht keine Alternative gibt.

Andere Rüstungskonzerne mit weniger Schulden sind aber dennoch vorzuziehen; schon allein, weil die Rüstungsindustrie vor milliardenschweren Pensionsverpflichtungen in den nächsten Jahren stehen (allein auf Lockheed Martin kommen mittelfristig 15 Milliarden Dollar zu). Dies ist auf den Rüstungsboom der 80er Jahre unter US-Präsident Ronald Reagon zurückzuführen, in dem riesige Belegschaften eingestellt wurden, die nun am Ende ihres Berufslebens stehen.

Wachstumsaussichten

Gerade bei Lockheed Martin gab es in den letzten Jahren ein sehr starkes Dividendenwachstum. Dies ist jedoch auf sehr hohe Aktienrückkäufe auf Pump und nicht durch starkes eigenes Wachstum zurückzuführen. Der amerikanische Rüstungssektor ist ein langsam wachsender Bereich und ich würde bei Lockheed Martin eher mit einem einstelligen Wachstum von 5 oder 6% rechnen. Das gilt wohl auch für andere Rüstungsanbieter außerhalb der wachstumsstarken IT-Verteidigung.

Zudem werden bei den langfristigen Rüstungs- und Wartungsverträgen nicht die Gewinnspannen erzielt, die man von normalen Technik oder Maschinenbaubetrieben gewöhnt ist. Ganz so spendabel ist das Pentagon dann doch nicht. Dem gegenüber steht jedoch die sehr hohe Absatzsicherheit gegenüber.

Auf die letzten Jahrzehnte zurückschauend waren die großen Rüstungsaktien jedoch klare Gewinner und auch General Dynamics Aktionär Warren Buffett spricht sich bis heute wohlwollend über seine Investition aus.

Fazit

Ein Investition in Rüstung hat natürlich eine gewisse moralische Hemmschwelle, die jeder für sich selbst entscheiden muss. Ob Waffen nun Leid verursachen oder Leid verhindern ist nicht Augenmerk dieses Artikels.

Aus Anlegersicht bergen die Aktien von Lockheed Martin ( WKN 894648 / ISIN  US5398301094), General Dynamics ( WKN 851143 / ISIN US3695501086)  und anderen Rüstungsgiganten aktuell eine langfristige Einstiegschance, die durch den Haushaltsstreit in den USA aufgestoßen wurde.

Dennoch möchte ich darauf hinweisen, dass eine Veränderung der US-Rüstungspolitik natürlich schwerwiegende Folgen auf die Kurse dieser Werte haben könnte.

4 Gedanken zu “US-RüstungsAktien – Militärisch-industrieller Komplex vor Rebound?

  1. Und genau an diese Änderung der US-Rüstungspolitik glaube ich. Die Amerikaner können sich diesen Luxus schlicht nicht mehr leisten. Heute wurde bekannt, dass Obama das Atomwaffenarselal zusammenschrumpfen will. Eventuell um ein Drittel!

    • Dazu sind allerdings einige Anmerkungen zu machen:
      1. Die Zahl der Atomwaffen soll nach dem Willen Obamas tatsächlich reduziert werden. Allerdings ist dieser Sachverhalt keineswegs neu, sondern auch im Hinblick auf „New START“ aus den Anfängen seiner ersten Amtszeit bereits bekannt. Des Weiteren werden die restlichen Atomwaffen modernisiert – darunter auch jene, welche der deutsche Außenminister ursprünglich aus der BRD entfernen wollte. Im Rahmen der nuklearen Teilhabe ist damit übrigens u.a. eine Instandhaltung der deutschen Tornado-Kampfflugzeuge bis über das Jahr 2020 hinaus verbunden.

      2. Atomwaffen haben nicht zuletzt im Zuge der strategischen Neuausrichtung der NATO nach dem Kalten Krieg (von der Abschreckung hin zu den Herausforderungen der asymmetrischen Konflikte) an Bedeutung verloren. In diesem Maße haben aber andere Produkte der Rüstungsindustrie einen Zuwachs an militärischer Relevanz bekommen. Hierbei sind zuallererst die Kapazitäten im Cyber-Warfare und nicht zuletzt auch die Drohnen zu nennen.

      3. Abgesehen davon, dass es sich beim Rüstungsbudget in den USA zweifelsohne um ein heikles Thema handelt, die Zustimmung der Republikaner nicht gesichert sowie die Kontinuität in der amerikanischen Außen- und Sicherheitspolitik in der Zeit nach Obama eine Variable ist, werden die USA ihre militärische Macht trotz der vielfach genannten Haushaltsproblematik in ihrem eigenen Interesse nicht abgeben. Es scheint sich stattdessen ein Wandel der Prioritäten abzuzeichnen. Dies wird sich in Zukunft vor allem dadurch manifestieren, dass die USA nicht mehr in jedem regionalen Konflikt eine herausragende Rolle spielen werden, sondern stattdessen die europäischen Partner stärker in die Pflicht nehmen werden – so Geschehen beim Mali-Scharmützel.

      Fazit: Für Rüstung wird auch in Zukunft viel Geld ausgegeben, auch in den Vereinigten Staaten, allerdings wohl weniger für große Panzerheere, als vielmehr für Aufklärung und eine Weiterentwicklung der Drohnentechnologie.

  2. Mich stört an Rüstungskonzernen primär, dass sie von wenigen, sehr wenigen einzelnen Kunden abhängig sind. Phil Fisher hat in „Common Stocks and Uncommon Profits“ zurecht darauf hingewiesen, dass Militärlieferanten für Investoren vor allem dann interessant sind, wenn bei der Entwicklung Abfallprodukte für zivile Produktlinien anfallen. Er nennt als konkretes Beispiel Texas Instruments.

  3. Pingback: Kleine Presseschau vom 11. Februar 2013 | Die Börsenblogger

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