Social Trading und WikiInvest und Sie können nicht mehr ruhig schlafen!

Vor einiger Zeit bin ich auf das Projekt wikifolio gestoßen. Das ganze ist eines dieser neuen Social Trading Projekte bei denen man sich praktisch an einen hoffentlich erfahreneren und geschickteren Anleger ranhängt und man dessen Portfolio durch den Kauf eines Zertifikats nachbilden kann.

Das ganze läuft auf den ersten Blick super transparent und leicht durchschaubar ab. Als Anleger kann ich die Portfolios der einzelnen Wikifolios einsehen und gefällt mir die Zusammenstellung und die sich abzeichnende Ausrichtung kann ich dann über ein Zertifikat die Entwicklung dieses Portfolios nachbilden…

Das ganze klang für mich auf den ersten Blick recht interessant. Finden Sie zum Beispiel die Aktienauswahl meines Blogs vielversprechend könnte ich mich anmelden und ein ValueBlog.de Portfolio zusammenstellen und es würde dann über Wikiinvest und seinen Partner Lang und Schwartz (die wohl lediglich die Handelsplattform bereit stellen!) ein Zertifikat mit einer ISIN-Kennung erstellt, welches sie einfach über ihren Broker erwerben können und welches meine Aktienkäufe und Verkäufe abbildet

Selbst könnte ich mir dieses Vorgehen durchaus vorstellen, wen ich zum Beispiel in einer speziellen Branche wie dem Minengeschäft oder ähnlichen speziellen Gebieten Geld anlegen wollte und mir ein wirklich erfahrener Spezialist bekannt wäre, der die Entwicklung hier regelmäßig aufwendig erfolgt.

Um als Anleger Sicherheit zu gewinnen kann man sich nach Portfolios mit „Real Money“- Auszeichnung umsehen. Diese Auszeichnung wird laut WikiInvest nur an die Depotbastler verliehen, die selbst nachweislich 5000 Euro in ihre Strategie investiert haben.

Für den Aufwand und den Erfolg können diese Depotverwalter dann eine Erfolgsprämie festlegen. Möchte der Verwalter 10% Gebühr wird diese von sein Investoren nur fällig, wenn diese auch einen Gewinn durch das Zertifikat, welches mein Depot abbildet, gemacht haben.

Das ganze klingt klar nach Win Win Situation

Kennt man einen erfahrenen Anleger, dessen Strategie gut ins eigene Schema passt kann man sich praktisch für ein paar Prozent Erfolgsprämie dessen Investmententscheidungen 1 zu 1 nachbilden.

Leider ist die Sache dann doch nicht so toll wie es sich auf den ersten Blick liest

Bei dem Zertifikat wird die Entwicklung der Aktien nämlich nicht einfach nur 1:1 wiedergegeben und zwar täglich!

Als Beispiel habe ich einmal ein Depot ausgewählt, welches auch vielen meiner Leser gefallen könnte.

Es handelt sich um das Depot „Krisensichere Investments“ in dem sich konservative Blue Chips-Aktien wie SABMiller, Coca Cola und Nestle befinden. Die Aktien weißen seit Emission des Depots als Zertifikat ( DE000LS9AAE7 ) eine leicht positive Kursentwicklung auf. Wer nun also am Emissionstag ( dem 12. Juli 2012 ) gekauft hat und nun wieder in sein Depot schaut wird nicht schlecht staunen, wenn er bemerken muss, dass das Zertifikat trotz positive Depotperformance nun niedriger gehandelt wird als im letzten Juli.
Performance Wiki invest, lohnt sich social trading, tagesgeld, festgeld, forex, versicherungen, lebensversicherungen, finanzberatung, börse, geld langfristig investieren
Es scheint als würde sich der Kurs des Zertifikats täglich neu berechnen, dies lässt sich auch darauf folgen, dass die Erfolgsprämie täglich verrechnet wird. Macht das Zertifikat also am ersten Tag 10 % Verlust, muss es am zweiten Tag 11,12% Gewinn machen um am Ende des zweiten Tages wieder beim Emissionskurs zu stehen. Das ganze ist also nur etwas für Anleger, die auf DayTrading setzten und leider verlieren langfristig unter dem Strich die meisten der Day Trader (nicht alle ! ).

Das ganze ist also gerade für Anleger, die hoffen sich entspannt zurücklehnen zu können rein überhaupt nichts. Selbst wenn der Depotverwalter langfristig richtig liegt und Jahr für Jahr mit seinen Aktien im Plus ist, so kann der Käufer des Zertifikats durch die Volatilität dennoch dick im Minus sein.

Social Trading ist auch wenn viele Portfolios Wörter wie langfristig oder krisensicher in Namen haben bestimmt nichts, was man unbeobachtet im Depot liegen haben will. Wer hier von konservativ oder krisensicher spricht versucht an das Geld unerfahrener Anleger zu kommen, die hoffen durch den einmaligen Kauf eines Zertifikats langfristig auf der sicheren Seite zu sein.

Fazit

WikiFolio ist sicherlich interessant für Neulinge, die sehen wollen was erfahrenere Anleger so kaufen und welche Performance sie damit erzielen. Auf keinen Fall sollten unerfahrene Anleger oder Menschen, die nicht täglich die Wertpapierkurse verfolgen aber in Zertifikate von WikiInvest investieren. Hier können sämtliche Gewinne in Windeseile durch die Volatilität zerstört werden.

17 Gedanken zu “Social Trading und WikiInvest und Sie können nicht mehr ruhig schlafen!

  1. Servus Ulrich!
    In diesem Spezialfall der Social-Trading-Realisierung über Zertifikate muss man sicher feststellen, dass die Performanceberechnung nachteilig ist für Anleger – was aber ein Konstruktions“fehler“ des Zertifikats ist, nicht aber des Social Tradings. Alternativen des Social Tradings bspw. im ForEx-Bereich haben dieses Problem nicht (z.B. copytrading bei etoro).
    VG, geldschläftnicht

    • hey, was ist eigentlich aus deinem Blog geworden ?

      „The authors have deleted this blog.“

      Hoffe Du ziehst nur um und machst bald weiter …

      Gruß Ulrich

      • Ich wollte das ganze ja anonym betreiben, das ist es leider aufgrund einer Unachtsamkeit von mir nicht geblieben. Die Überlegung eines neuen Blogs, vielleicht mit stärkerem Fokus auf Werbeeinnahmengenerierung, oder Gastbeiträge oder andere Projekte gibt es aber durchaus. Keine Sorge, ich bin nicht weg vom Fenster und sollte es was Neues geben, melde ich mich 😉

  2. So wie ich das verstehe, ließe sich das Problem also zumindest Mindern, wenn die Performance-Prämie nicht täglich sondern einmal im Monat verrechnet wird. So läuft es ja auch bei Fonds, wenn ich mich nicht täusche.

    • Hey Rico,

      Wie geldschlaeftnicht auch bemerkt hat: Es ist einfach sehr unvorteilhaft gestaltet und man könnte fast schon unterstellen, dass hier nicht ausgeschlafene Anleger hier ein wenig gefleddert werden sollen.

      Die Vergütung findet erst wieder statt, wenn frühere höchststände überschritten wurden; dies muss man zu gute halten.

      Die Erfolgspremiengeschichte finde ich an sich gut, da man nur bei Erfolg bezahlt; bei einem Fond ist dies gerechtfertigt und absolut ok.

      Gruß Ulrich

      • Das gleiche „Problem“ gibt es auch bei Faktorzertifikaten, die seit 2010 meine ich von der Commerzbank aufgelegt werden. Volatile Seitwärtsmärkte sind dort auch performancemäßig tödlich, sollte es aber langfristig und wenig volatil aufwärts gehen, würde man von dem Effekt sogar profitieren gegenüber einer Normalanlage.

  3. Hallo Rico,
    du täuschst dich. Bei „normalen“ Fonds wird einmal am Tag Vermögen minus Schulden gerechnet und als Ergebnis kommt der Anteilswert heraus, zu dem du über die KAG kaufen kannst (bei ETFs sogar intraday fortlaufend über indikative Nettoinventarwerte). Da ergibt sich die Performance aus der Wertentwicklung seit Basiswertkauf, weil die Basiswerte ja tatsächlich gehalten werden und die beschriebene „synthetische“ Performancenachbildung nicht notwendig ist.
    VG

  4. Danke für diesen informativen Artikel Ulrich, wollte mir die Sache auch schon angeschaut haben um evtl ein Blogportfolio aufzulegen, hatte aber bisher noch keine Zeit dazu…

    Grüße

    Thomas

  5. Nach meiner Meinung liegt der beschriebene Unterschied an der Zertifikategebühr. Diese beträgt 0,95% pro Jahr und wird anteilig täglich berechnet, siehe auch KONTOAUSZUG im wikifolio, unter dem Chart. Ansonsten wird die Entwicklung des wikifolios 1 zu 1 im Kurs nachgebildet. Das läuft schon fair!

  6. Hallo ValueBlog,

    ich möchte als Geschäftsführer von moneymeets.com auf genau diese Alternative aufmerksam machen. Sie können die gleichen Strategien wie bei wikifolio darstellen, sogar nich erweitert um alles, was bei Vollbanken wie Consors, DAB oder Augsburger Aktienbank möglich ist. Jeder Follower baut das Depot entsprechend selber nach – ein mirroring bieten wir bei moneymeets (noch) nicht an. Der große Vorteil ist aber, dass wir die „guten“ Produkte im Depot nicht teurer machen, weder über Performancegebühren noch über Zertifikategebühren. Wir kennen daher auch keine Bonitätsrisiken von Lang & Schwarz…

    Darüber hinaus bieten wir komplette Transparanz für alle Provisionen, die wir „innen“ erhalten und geben diese je nach sozialer Aktivität an unsere Mitglieder zurück.

    Schauen Sie es sich gerne einmal an.
    Grüße, Johannes Cremer

  7. Social Trading ist der Heiliger Gral. In der Theorie zu mindestens. Ganz simpel: Hat ein Trader eine langfristig profitable Strategie, profitieren die Verfolger davon. Die Bank gewinnt natürlich immer 😉

    Die Praxis zeigt ein anderes Bild. Social Trading befindet ganz am Anfang und es gibt einiges zu verbessern. Ich vergleiche das immer gerne mit dem iPhone. Vom ersten Release mit Unmengen an Fehlern bis hin zu immer besserer Qualität. Ein weiteres Problem sind die Trader, bei denen der überwiegende Teil schlicht und einfach umprofitabel ist. Durch fehlende Schutzmaßnahmen wie Handelszertifizierung oder Echtgeldkonten tummeln sich zu viele Zocker als Signalanbieter. Zocker ist das richtige Stichwort, denn das sind auch viele Anleger. Kein Verständnis von CFD’s bzw. Money Management folgen sie den „Top Tradern“ blind mit riesen Hebeln und verzocken ihre Kohle schneller als Ihnen lieb ist.

    Insgesamt ist Social Trading wohl die beste Innovation im Finanzsektor, doch allen Seiten steht ein haufen Arbeit ins Haus.

    Ich versuche auf meinen Blog die ehrliche Vision von Social Trading zu vermitteln und verspreche keinem das blaue vom Himmel. Leider sind die Menschen zu gierig und deswegen funktionieren solche Scams wie binary option und co leider noch zu oft.

    Bei Interesse mehr auf meinem Blog:
    http://www.socialtrading-aula.com/

  8. Ich finde die Geschichte von wikifolia auch ganz interessant. Den Kostennachteil sehe ich auch „nur“ bei der 0,95% Fee an die Depotbank / bzw. den Zertifakateemittent (L&S) und dann halt die Performancefee. Auf Deinem Chart, der leider nicht zeitlch ganz übereinstimmt da die eine Grafik einen deutlich längeren Zeitraum umfasst, daher ist es schwer zu erkennen, aber ich meine zu sehen, daß doch das Depot selber von dem markierten Startpunkt bis zum markierten Endpunkt sogar etwas gefallen ist (nur optische Täuschung?), dann passt doch die Entwicklung des Zertifikates. Ich bin mir da ziemlich sicher, daß es nur diese 0,95% Fee ist. Und hier eine andere Berechnung stattfindet als bei div. Zertfikaten bei denen man wirklich angeschmiert ist falls die Volatilität mal über Monate/Jahre fast bei null ist.

    Ich probiere das jetzt auch mal bewusst aus, mit echtem Geld und mal sehen was sich ergibt. Diese Moneymeets Geschichte ist wieder etwas anderes. Man spart Kosten wenn man Investmentfonds kauft indem man einen Teil der Bestandsprovisionen bzw. Ausgabeaufschläge zurückbekommt. Na toll. Dadurch sind aber immer noch Kosten in den Fonds an denen man nicht rütteln kann.

    Bei wikifolio habe ich wenn ich z.B. viel auf Aktien setze und diese langfrist halte fast gar keine Kosten mehr. Bei dem durchschnittlich aktiv gemanagten Aktienfonds werde ich jedoch immer noch (auch wenn ich Kickbacks erhalte) einen Renditenachteil von 0,5% haben oder sogar 1%. Das wiegt sich dann wohl fast auf. Bei wikifolio hat man ja doch eine erhebliche Anzahl von Einzelaktien mit denen man seinen eigenen „Fonds“ gestalten kann der dann als Zertifikat aufgelegt wird.

    Die Gefahr sehe ich ganz woanders. Einige der wikifolios sind ganz, ganz kurz am Markt. Auch die Top Depots die bereits einiges unter Management haben sind gerade mal 1-2 Jahre alt. Und ich habe mir inzwischen ca. 50 dieser Wikifolio Depots angeschaut. Und deren Strategien sind für mich zumindest etwas „hanebüchen“, ich komme ja aus dem Valuelager und bin eher langfristiger Anleger. Da sehe ich das Risiko, das Geld investiert wird in Produkte die spätestens nach dem nächsten Crash ganz deutlich federn lassen werden. Ich bin mir fast sicher, daß 90% dieser Depots beim nächsten Crash weg vom Fenster sind mit erheblichen Einbrüchen (stärker als der Markt, da die Werte im Depot teilweise nicht einmal zweite Reihe sind). DIe Märkte sind mit Stand August 2013 nach 3-4 Jahren guten Kurssteigerungen nicht mehr das was man als billig bezeichnen könnte (Gegenteil). Ich sehe z.B. bei den Top Depots einige die mit rund 40% in der TESLA Aktie drin sind. Diese Aktie ist meiner Meinung nach eher der Top Kandidat für ein Short „Investment“….. und dieses Depot hat wohl gut 500.000 Euro unter Management. Mal sehen wo dieses Depot und die AUM nach dem nächsten Crash stehen. Ich bin schon neugierig.

    Ein klarer Nachteil und den gibt es nicht wegzudiskutieren ist die Zertifikategeschichte. Im Falle einer Pleite von L&S ist das Geld wohl weg, egal wie toll das Depot doch lief. Das heisst, ich werde in mein eigenes Zertifikat auch nicht Haus und Hof investieren, aber einige hundert bis tausende Euros soll mir der Spaß durchaus wert sein. Es gibt ja tatsächlich einen Vorteil in steuerlicher Hinsicht im Vergleich zu meinem privaten Depot wo ich jeden Gewinn seit der Abgeltungssteuer versteuern muss. In dem Zertifikat sind Kursgewinne erst einmal nicht steuerpflichtig. Ist nicht zu verachten dieser Effekt auf lange, lange Sicht …

    Ich habe gerade gestartet, so wie ich es verstanden habe benötigt man noch einige die sich anmelden und „völlig unverbindlich“ eine Reservierung machen damit das Depot dann bald online und „live“ gehen kann. Bitte macht das doch für mich :). Vielen Dank.

    Mein Wikifolio wird gerade noch geprüft und es dauert wohl noch 2 Tage (gerade ist Wochenende) bis es freigeschaltet wird. Es läuft unter den folgenden Kennungen, damit solltet Ihr in der Lage sein es zu finden dann:
    Symbol: WF0VALUEZZ
    mein Anzeigename ist : DasZuckerdepot
    Mein Depotname ist : Fundamentale Aktienanalyse

    (bitte reserviert in ein paar Tagen wenn es live ist ein paar Euro und lasst Euch vormerken, das sind wie gesagt virtuelle Euro / keiner muss echte Euro investieren!, dann kann ich schneller mit dem echten Depot und meinem eigenen Real Money starten. Danke)

    Falls es Spaß macht könnt Ihr ja mal auf meinem Blog reinschauen : http://aktienanalyse-fundamental.blogspot.de/

    Lange nichts mehr passiert auf dem Blog, aber ich hoffe wirklich bald wieder eine Analyse nachlegen zu können. Ansonsten schöner Blog hier. Der kommt auch in meine Readinglist.

    Bis bald!
    Robert

  9. Hi,
    auf meiner Seite gibt es eine ganz neue Möglichkeit. NUR DIE User entscheiden welche Aktien in den Index aufgenommen werden. Hier möchte wir mir der „Weisheit der Vielen“ beweisen, dass Entscheidungen, die in Gruppen getroffen werden oft besser sind als Entscheidungen einzelner. Die User entscheiden in regelmäßgen Abstimmungen welche Aktien in den Index kommen und bestimmen und die Zusammensetzung des Index.

    Eine Alternative für Leute, die nicht einem einzigen Trader oder Analgeberater ihr Geld überlassen möchten.
    http://www.socialFolio.de

    Freue mich über Anregungen.

    • Interessantes Konzept, leider für einen einzelnen wohl etwas zu viel. Ich hab mir deine Seite mal angesehen und ich würde mir mehr Meinungen wünschen :). Sind im Moment noch nicht so viele aktiv. Vor allem wäre es gut wenn für die Entscheidungen technische und fundamentale Analysen bereitstehen würden und wenn man die Entscheider qualifizieren könnte, damit nicht nur Anfänger-Entscheidungen berücksichtigt werden. Ich finde es gehört da schon etwas Know-How dazu um eine fundierte Meinung abgeben zu können. Aber an sich eine tolle Idee die du da hast. 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *