Es ist mir zu viel Optimismus am Markt!

Wer beim Aktienkauf schnell viel Geld verdienen will muss: Günstig Kaufen!

Im Moment ist die öffentliche Berichterstattung über Börsenkurse ja sehr positiv und wo man hinhört wird Optimismus gesät. Anlass dazu gibt es sicherlich. Die Problematik im Euroraum ist zwar noch lange nicht gelöst, aber sie ist politisch so verpackt, dass man damit wohl irgendwie leben kann. In China und den USA läuft die Wirtschaft doch ganz solide und so reden nun alle vom Kaufen.

Hier sollte man jetzt vorsichtig werden. Die Masse kann nie outperformen und wen alle Kaufen oder Verkaufen schreien ist es meist Zeit den eigenen Grips zu bemühen. Hier gibt es ja den schönen Spruch: wenn selbst ihr Taxifahrer davon spricht Aktien zu kaufen, dann sollten Sie verkaufen.

Sollte man jetzt Aktien kaufen?

Aktien kann man aus zwei Gründen kaufen

a) Fundamentaldaten

Ist die Aktie einer Firma gerade günstig oder gerechtfertigt bewertet und ergibt sich daher aus dem wirtschaftliche Erfolg eine Begründung für weiter steigende Kurse.

b) die Aktie ist nicht günstig, aber ich gehe davon aus morgen jemanden zu finden, der sie mir dennoch zu einem höheren Kurs abkauft.

Nun bemühen ich einmal den Shiller PE Chart, in dem die Kurs-Verlust-Verhältnisse seit dem 19. Jahrhundert erfasst sind. Hier handelt es sich also um das Durchschnittliche KGV des S&P 500 ( 500 der meist gehandelten amerikanischen Aktien).
Shille P/E ratio, historisches KGV, geld langfristig anlegen, riester-rente, altersvorsorge, tagesgeld, festgeldzins, finanzberatung, beste bank, niedrigste gebühren, devisen, rohstoffe, goldmünzen, dollar, silbermünzenHier sehen wir als Durchschnittsbewertung die runde 15. Mal steigen die KGVs darüber und mal darunter. Wir sehen hier schön, wie besonders hohe Ausschläge des Index meist auf eine scharfe Korrektur hindeuten (siehe Ende der 90er und Anfang 2000er und der Zusammenbruch der New Economy-Blase).

Aktuell befinden wir uns mit 16,9 nicht so weit von der magischen 15 entfernt und damit dürfte rein aus dieser Beobachtung jetzt kein fundamental begründeter starker Abrutsch der Kurse kommen. Dennoch ist immer zu bedenken, dass Börse zum großen Teil auch Psychologie ist.

Andererseits kann man rein aus diesem Chart jetzt auch nicht herauslesen, dass dies jetzt eine Zeit ist in der man von explodierenden Kursen ausgehen kann, da wir uns ja schon über der 15 befinden.

Der deutsche Dax

Im Dax befinden wir uns aktuell bei einem Durchschnitts-KGV von 10,83. Dies ist schon einmal von der Zahlendreherei her nicht schlecht für künftig stärker steigende Aktienkurse.

Hier ist aber natürlich zu bedenken, dass 2013 mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht das Jahr wird, in dem die Gewinne der Dax-Konzern unbedingt wachsen. Bei vielen werden sie eher schrumpfen, zwar ist die Eurokrise inzwischen politisch irgendwie verpackt, die Probleme wie hohe Arbeitslosigkeit in der Eurozone und vor allem bei den Abnehmern deutscher Waren im Süden sind alles andere als gelöst.

Daher kann man bei vielen exportabhängigen Daxwerten schon einmal von schrumpfenden Gewinnen ausgehen und damit wird sich im Laufe des Jahres auch das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis wieder erhöhen.

Dass der Dax also Ende 2013 wirklich einiges höher notiert hängt von den Wirtschaftsdaten die im Laufe des Jahres gemeldet werden ab. Sollte sich die Lage wirtschaftlich in der Euro-Zone nicht aufhellen könnten die aktuellen Bewertungen gar nicht mehr so günstig sein, wie jetzt alle verkünden.

Die europäischen Probleme könnten durch neu erstarkende politische Richtungen wieder aufbrechen. Die sozialen Probleme wie die extrem hohe Jugendarbeitslosigkeit in Griechenland, Spanien und auch die fanzösischen Wettbewerbsschwierigkeiten könnten die Gut-Wetter-Stimmung in Europa schnell ein paar Schrammen versetzen.

Generell ist nicht jeder große deutsche Wert aktuell unheimlich günstig. Nehmen wir eine Henkel-Aktie. Diese steht mit einem Gewinn pro Aktie (geschätzt 2012) von 3,68 und dem aktuellen Kurs von 63,15 € bei einem KGV von über 17 und wenn alles gut läuft wird die magische 15 erst 2014 nach unten durchbrechen. Man kann die Aktie zu solchen Kursen sicher kaufen, da aber hier auch keine Wunder beim Gewinnwachstum erwartet werden dürfen, würde ich den Kurs als gerade noch gerechtfertigt, aber nicht als klare Kaufempfehlung aussprechen.

Mein kleines Fazit

Es gibt in Deutschland immer noch sehr viele interessante und „aktuell“ günstig bewertete Aktien. Man sollte sich jetzt aber auch nicht von Dingen wie einer Detroit Auto Show blenden lassen, es stehen gerade für die Autobauer hoch wahrscheinlich niedrigere Gewinne in nächster Zeit an.

Nur weil die Euro-Krise vielleicht ihren Höhepunkt an Explosionspotential verloren hat sind die Probleme doch noch lange nicht gelöst. Franzosen und Co. Werden nicht ohne weiteres bereit sein Arbeitszeiten wie in Deutschland zu übernehmen um die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern und die Südländer leiden nach wie vor unter einem starken Euro, der den Tourismus schwächt und hohen Arbeitslosenzahlen. Diese Probleme können nicht einfach auf einem EU-Gipfel weg beschlossen werden.

Um es ehrlich zu sagen bin ich aber auch für den Dax nicht pessimistisch für 2013; will aber einfach zur aktuellen Jubelstimmung auch zur persönlichen Risikobewertung auffordern.

7 Gedanken zu “Es ist mir zu viel Optimismus am Markt!

  1. Aus meiner Sicht fehlt ein Aspekt für steigende Aktienkurse:

    Der Mangel an Alternativen. Auf Sicht werfen sichere Anleihen 1-2%p.a. ab, während die Dividende vieler Werte doppelt so hoch ist und zusätzlich Steigerungspotenzial hat.

  2. Der Punkt mit dem Anlagenotstand ist ein sehr wichtiger. Wo soll man denn noch anlegen um eine halbwegs vernünftige Rendite zu bekommen?

    Ich denke, dass es noch ein Weilchen aufwärts gehen wird. Die Masse der
    Kleinanleger ist noch nicht zurück an der Börse. Dies passiert jetzt so langsam.

    Der Großteil der Gewinne dürfte aber wirklich schon gelaufen sein. Wenn man
    an die Krisenkurse denkt: eine BASF für 25 €! Allianz um die 40€! Wells Fargo
    für unter 10 $, jetzt wieder bei 35 $. Da kommen einem echt die Tränen da nicht
    stärker zugegriffen zu haben. Hatte da leider nicht die nötige Liquidität. Von den Emotionen her hätte ich kein Problem gehabt da zuzugreifen…

    • nicht nur du, ausgerechnet da fast alles noch fest angelegt -.-

      aber auch später konnte man mit einer BASF ja noch verdienen und die werden auch weiter einen guten Job machen

      • Zurückblickend war 2009 echt eine große Chance, aber ich hab es abgehakt mich damals nicht besser aufgestellt zu haben.

        Denke auch bei jetztigen Kursen kann mann noch optimistisch in die Zukunft blicken. Buffett hat eine Coca Cola auch bei einem KGV von über 15 gekauft und das Investment hat sich seit Ende der 80er allein vom Kurs mehr als verzwölffacht (hätte man jetzt noch reinvestiert…).

        Da die Bewertungen jetzt aber immernoch im historischen Schnitt sind sollte es (falls es nicht wirklich noch zur jahrelangen weltweiten Krise kommt) die nächste Dekade wieder gesund aufwärts gehen.

        Von daher sollte man sich eher freuen jetzt zu investieren und nicht 1999 😉 .

  3. Nachtrag:

    Die Autobranche ist für mich ebenso uninteressant wie die Luftfahrtbranche. Warren Buffett hat das mal in einer Rede gesagt: in den USA gab es einst über 3000 Autohersteller. Heute noch drei. Und selbst die haben Probleme.
    Die Branche ist viel zu kapitalintensiv. Genau wie die Luftfahrtbranche. Außerdem ist der Konkurrenzdruck zu groß und die haben ihre Kosten nicht unter Kontrolle sondern sind von äußeren Umständen abhängig.

    • Ja, da hat er sicher recht. Habe auch einmal einen Daimler Artikel hier verfasst ( Daimler-Artikel ) und es ist wirklich ziemlich riskand in solche Unternehmen langfristig zu gehen.

      Kaum verschieben sich die Marktanteile ist das enorme Investment schon lang nicht mehr so toll wie vorher ( Verluste beim Premiumsegment an AUDI und BMW). Zum investieren machen solche kapitalintensiven Firmen nur Sinn, wenn diese wirklich langanhaltende Verträge und Marktpositionen haben, die die Investition rechtfertigt und dies hat ein Automobilbauer schlicht nicht.

      Das Problem haben wir momentan auch im MIkrochipbereich. Dort sind MIlliarden für neue Fertigunsanlagen notwendig, würde Intel jetzt Marktanteile an die ARM Prozesoren verlieren (die heute bereits in fast jedem Smartphone und GameBoy sind).

  4. Hallo,

    ich denke dieses Jahr wird im DAX die Karte „politische Börse“ durchgespielt.
    Bis zur Bundestagswahl könnten wir seitwärts bewegende Kurse haben, denn störende Nachrichten möchte niemand vor den Wahlen haben, damit es nicht zu Verzerrungen kommt.
    Würde die Stimmung ins negative drehen, könnten Randparteien erstärken. Daher wird vermutlich alles versucht werden, bis zu den Wahlen alles unter den Tisch zu kehren.
    Womöglich wird die Börse Ihr wahres Gesicht nach den Wahlen zeigen.
    Das ist nun meine bescheiden Prognose 2013 🙂

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