DRIP – das automatische Reinvestieren (leider nicht in good old Germany)

Horst schrieb mir gestern eine eMail in der es um das sogenannte DRIP ( dividend reinvestment plan ) geht. Dieses Anlageverfahren ist in den USA gang und gäbe und so ziemlich jede größere Aktiengesellschaft mit Dividendenzahlungen bietet dies ihren Aktionären an.

Was ist DRIP?

Der Gedanke hinter dem DRIPen ist die sofortige Wiederanlage der Dividenden in neue Aktien des Unternehmens. Habe ich jetzt zum Beispiel 100 Aktien der XY Company und diese schüttet am 2. Februar eine Dividende aus, so werden sofort am 2. Januar für diesen Betrag wieder Aktien der XY Company gekauft (zum dann gültigen Tageskurs).

Dadurch vergrößert sich also mein Aktienbestand mit jeder Dividendenzahlung weiter und der Sinn ist es über die Jahre dadurch einen schönen Besitzstand an Aktien aufzubauen…

Vorteile

Die Vorteile für Anleger, die sich nicht dauernd mit der Aktienbewertung beschäftigen wollen ist recht leicht ersichtlich. Habe ich mir einmal die Aktie zu einem nicht überteuerten Preis gekauft, wächst meine Zahl an Firmenanteilen ohne eigenes Zutun weiter. Dadurch, dass von meinen Dividenden regelmäßig weitere Aktien ins Depot wandern habe ich auch das Risiko generell zu teuer zu kaufen minimiert. Mal wird die Dividende eben automatisch in einer Marktphase relativ hoher Bewertungen und einmal in Marktphasen niedriger Bewertungen reinvestiert. Dadurch ergibt sich dann ein Durchschnittskurs der langfristig sinnvoll erscheint.

Zudem muss man sich praktisch um nichts kümmern. Die Anlageform wird gerne zum Beispiel von Großeltern benutzt, die ihre Kinder beschenken wollen. Letztens las ich in einem amerikanischen Forum von einem Mann, der zum Beispiel seinem Enkel Aktien des Spielzeugherstellers Hasbro (derzeit circa 4% Dividende) im DRIP-Verfahren angelegt hat, da das Geschäft mit Spielzeug ihm langfristig als krisensicher erscheint und Hasbro ein 90 Jahre altes Schwergewicht dieser Branche ist.

Der Enkel muss sich also um nichts kümmern und es werden mit jeder Dividendenzahlung neue Hasbro Aktien in sein Depot gebucht. Mit der Volljährigkeit kann er dann also mit den zusätzlichen Aktien und den zu erwarteten Dividendensteigerungen hoffentlich auf ein schönes Vermögen blicken.

Kontra
Die ganze Sache sollte nur mit Unternehmen durchgeführt werden, welche es in 10 Jahren noch mit großer Sicherheit geben wird und deren Geschäftskonzept weiter gut funktionieren sollte. Eine Hasbro, Coca Cola oder Procter & Gamble Aktie eignet sich also gut, während ich jetzt einem kleinen Kind nicht unbedingt die Aktie von Facebook im DRIP Verfahren ins Depot legen würde.

Praktisch

Nun möchte ich einmal an Screenshots aufzeigen, wie diese ganze Sache also konkret über die Zeit abläuft.

Dazu logge ich mich in meinen Account bei Computershare ein, in dem meine Schmuckaktie von Coca Cola seit 2010 im DRIP-Verfahren verwaltet wird.
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Unter Quantity sehen wir, dass ich also 2,114757 Aktien der Coca Cola Company besitze. Darunter sehen wir nun unter Share Types drei Arten aufgelistet.

Eine Aktie unter im Status „Book“. Diese eine Aktie bekam ich für meine Coca Cola Schmuckaktie bei einem Aktiensplit 2012 als Bucheintrag eingebucht.

Eine Aktie im Status „Certificated“. Dies ist die eine Aktie, die ich mir im Jahre 2010 von OneShare als effektives Stück gegönnt habe und die bei mir als Urkunde an der Wand hängt.

0.114757 Aktie im Status „Plan Holdings“. Dies sind die Aktien, die mir durch die Dividenden bisher dazukauft wurden. Man wird sich vielleicht erst wunden, wie kann man den 0,xx Aktie besitzen. Ganz einfach Computershare rechnet auch in Kommastellen (sie kaufen ja nicht nur Aktien für mich, sondern für tausende Aktionäre) und buchen mir dann beim Erreichen von ganzen Aktien diese einfach als Book Eintrag ganz ein.

Wie läuft das ganze ab, wenn eine Dividendenzahlung erfolgt?
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Also hier zeige ich jetzt einfach einmal den Bescheid, den ich auf Computershare, für die letzte Dividendenzahlung abrufen kann. Die Dividende wurde am 17/12/2012 ausbezahlt und am gleichen Tag zum damaligen Tageskurs von Coca Cola ( hier 37.62$ ) reinvestiert. Von den 0,46 $ (nach Steuerabzug USA) gingen also sofort 0,44$ in zusätzliche 0.011697 Aktien ( übrigens werden auch Dividenden für diese 0,xx Aktien bezahlt ).

Die Gebühren bemessen sich bis zu einem Limit prozentual an der Dividendensumme, auch kleine Dividenden werden dadurch nicht durch Gebühren aufgefressen; so bezahlte ich für diese Transaktion nur 2 Cent.

Übrigens, lässt sich das ganze auch so einrichten, dass ich zum Beispiel nur eine Aktie DRIPe und beim restlichen Aktienbestand mir die Dividende als Cash ausbezahlen lasse.
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Fazit

Das ganze läuft und läuft jetzt wahrscheinlich noch ziemlich lange so weiter und vielleicht werde ich ja durch diese eine Schmuckaktie in vielen Jahren richtig reich. Coca Cola sollte weiter seine Dividenden erhöhen und der Kurs sollte langfristig steigen; also brauche ich nur mal zu warten.

Natürlich ist das ganze jetzt nur ein Beispiel, da ich eben wie gesagt anfangs nur eine einzige Schmuckaktie in diesem DRIP-Account hatte. Die Screenshots sollten aber schön zeigen, wie sich nach und nach aus diesen Anfangswerten eine größere Position aufbaut.

Horst machte mich darauf aufmerksam, dass es auch Unternehmen in Europa gibt, die einen solchen Service anbieten. Auf der Seite von GDF Suez International Power bin ich auch fündig gewurden. GDF Suez International Power ist an der englischen Börse gelistet und arbeitet mit dem britischen Wertpapierbroker shareview zusammen.

Auch in Amerika wird die Abwicklung nicht direkt von den Firmen durchgeführt, sondern über Banken wie Wells Fargo oder Wertpapierverwaltern wie Computershare. In Deutschland ist dieses schöne System des langsamen Ansparens anscheinend nie angekommen, obwohl es doch einige schöne Aktien gibt bei denen dieses Verfahren ebenfalls Sinn machen würde ( @Henkel, @Siemens).

Anscheinend sehen werde Depotbanken, Wertpapierverwalter oder Unternehmen keinen Anreiz daran ein solches System einzuführen. Die Großaktionäre haben bezahlte Vermögensverwalter und die Zahl der Kleinaktionäre ist in Deutschland seit Jahren auf dem Rückzug, es wird sich also nichts ändern. Wäre vielleicht eine Geschäftsidee?

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