Devisenkurse sind kurzfristig schwer vorauszusagen, langfristig wird’s einfacher

Schaut man sich im Fernsehen Kurz-Intervies mit Chefstrategen großer Banken, Wirtschaftsweisen und Professoren an gibt es vom Moderator meist eine Frage „Wohin geht der Euro?“. Hier gibt es aktuell die häufige Antwort: „US-Dollar zu Euro Ende 2013 bei 1,20“.

Dies mag stimmen oder auch nicht. Mit Devisen ist es ein wenig wie bei Aktien, es gibt immer gute Gründe warum Kurse anziehen oder warum sie fallen sollten, so ist es auch beim Euro, beim Pfund, beim Yen und bei allen anderen frei handelbaren Währungen. Hinterher findet sich natürlich für jede Kursveränderung ein Grund. die Erklärungen im Nachhinein bringen einem aber überhaupt nichts, weil man in der Zukunft gut dastehen will und nicht heute wissen will, was man hätte gestern tun sollen…

Das die großen Währungen verschwinden, davon ist trotz aller Probleme nicht auszugehen. Wir werden wohl in 10 Jahren immer noch einen Dollar, einen Euro und einen Yen haben; es ist aber davon auszugehen, dass diese an Kaufkraft verlieren werden und selbst dies ist nicht zu 100% sicher.

Nun nehmen wir einmal die Wirtschaftsräume USA, Europa und Japan. Hier sehen wir aktuell, dass der Euro mehr wert ist als ein Dollar und der Yen gerade sinkt.

Warum ist der Dollar gesunken?

Ein US Dollar war um die Jahrtausendwende mehr wert als ein Euro. Die USA hatten in den 90ern solide Wirtschaftsdaten und der Fiskus war in der Spätzeit Clintons in einer guten Verfassung. Dann folgte die Auslagerung der Produktion nach China ( erinnern wir uns noch an die „Dienstleistungs-Gesellschafts-Debatte?“ und zwei viel zu teure Kriege und der Dollar wurde schwächer“. Was nun folgt ist also die AnstrengProduced in USA, fertigung in amerika, daimler produziert in den usa, aktien, forex-handel, lebensversicherungen, tagesgeldkonten, festgeld, Honorarberatung, Anlageberatung, Geld langfristig Anlegenung wieder mehr Produktion in die Staaten zu holen und von teuren Kriegen nimmt man auch Abschied. Man wird die Probleme wieder in den Griff bekommen, so wie man sie immer irgendwie in den Griff bekommt.

Wenn ein Produkt nicht besser seien kann, muss es günstiger sein

Der Yen sinkt, weil die japanische Regierung unter ihrem neuen Premierminister Shinzō Abe den Yen schwächen will und von einer Notenbank mit dem Leitspruch Geldwertstabilität nichts hält. Eine Währung abzuwerten ist generell wesentlich einfacher als eine Währung aufzuwerten (außer natürlich alle kommen gleichzeit auf die Idee des billigen Geldes 😉 ).

Unser Wohlstand hängt ja bekanntlich von unserer Bildung ab und ob sich unsere Produkte im Ausland verkaufen lassen. Für mich liegt hier die Hauptaussage nicht auf der Bildung, sondern auf dem “verkaufen lassen”.

Intelligenz ist ja bekanntlich gleichmäßig verteilt. Nur weil der Vater eine Genie war, sind nicht automatisch alle seine Kinder auch super-intelligent. Deutsche, Italiener, Japaner, Engländer und Amerikaner haben also gegenseitig keinen Intelligenzvorteil. Durch das Internet, Auslandstudien und anderes ist auch das Wissen heute nicht mehr wie im Mittelalter ein exklusives Recht bestimmer Menschen. Wie gut unser Schulsystem in irgendwelchen Rankings ist, ist also letztlich lange nicht so entscheidend wie uns dies Politiker vielleicht glauben machen möchten.

Nehmen wir die USA; das Highschool-System in den USA ist nach unseren hiesigen Bildungsvorstellungen ein völlig verrotetes System mit niedrigstem Niveau. Dennoch sehe ich gerade im Bereich der Medizin, der Wirtschaftswissenschaften, der Informationstechnologie stets Amerikaner ganz vorne.

Wenn alle gleich gut sind muss es die Währung richten

Japaner, Deutsche und Amerikaner können alle gute Autos bauen. Lassen wir jetzt einmal Prestigeprodukte wegfallen entscheidet doch einfach der Preis, wir sind nicht schlauer als andere Menschen auf unserem Planeten. Ob sich unsere Produkte also gut verkaufen wird am Preis oder besser zum großen Teil an den Devisenkursen entschieden.

Deswegen ist Deutschland ja auch ein Profiteur des Euro. Die DMark wäre ohne die Südländer viel stärker als der Euro und vielleicht wäre Italien mit einer schwachen Lire heute Exportweltmeister ( wilde These ).

Nun stelle ich also einmal die These in den Raum, dass wir als Europa, ohne gigantische Rohstoffschätze, früher oder später gezwungen sein werden unsere Währung gegenüber den anderen großen Weltwährungen wieder schwächer werden zu lassen oder die anderen Währungen werden wieder stärker, weil deren Wirtschaftskraft aufgrund ihrer günstigeren Währungenw wieder steigen. Das Resultat ist jedoch das Gleiche und man hört aus Frankreich seit Jahren die Klagen über den viel zu starken Euro.

Diese sehr simple Grundüberlegung halte ich langfristig für wesentlich Treffsicherer als irgendwelche Charts.

Bei der Investmentauswahl sollte man also nicht vor Ländern mit schwachen Währungen zurückschrecken, wenn es nicht gerade der Simbabwe Dollar ist. Es gibt zwar einen Angstreflex, wenn man sieht, dass andere Währungen in den letzten Jahren im Vergleich zum Euro gefallen sind. Über den langen Zeitraum gedacht liegt das Fremdwährungsrisiko aber eher in den stärkeren als in den schwächeren Währungen.

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