Welche Rolle spielt das Firmenguthaben bei der Aktienbewertung?…

Die Bewertung von Aktien ist eine sehr spannende Sache und sehr entscheidend darüber ob man an der Börse gewinnt oder verliert.

Schaue ich mireine Aktien an, so schaue ich zumindest ganz spontan aus das KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) des vergangenen Jahres, diesen Jahres und des nächsten Jahres. Dann schaue ich auf die Branche. Es ist nämlich generell so, dass zum Beispiel eine Aktie aus dem Bereich der Erdölraffinerien anders bewertet wird als jetzt zum Beispiel ein Verkäufer von Keksen oder Schokoriegeln. Die Begründung dafür ist auch schnell erkennbar, während das Geschäft einer Raffinerie sehr schwankend verläuft, ist das Geschäft mit Schokoriegeln wesentlich besser vorherzusehen und die Aktie bekommt daher einen Bewertungsbonus.

Dann gibt es das liebe Wachstum, was natürlich auch eine wesentliche Rolle spielt. Ein Lebensmittelkonzern, der nur in Europa oder den USA aktiv ist ( zum Beispiel Kraft Foods )hat wesentlich beschränktere Wachstumsaussichten wie ein Konzern ala Yum! Brands Brands, der in China stark wachsen kann.

Ok, hier soll es aber jetzt nicht darum gehen gängige Bewertungsmuster durchzugehen, sondern es geht heute um eine Bewertungsgrundlage über die sich viele ( mir inklusive) enorm den Kopf zerbrechen und zwar um den Cashbestand einer Firma…

Wenn es Staaten und Unternehmen gibt, die unheimlich verschuldet sind, muss es der Logik halber ja auch irgendwo Gegenstücke geben, die über enorme Guthaben verfügen. Es spielt bei der Aktienbewertung durchaus eine Rolle inwieweit ein Unternehmen verschuldet ist und ob diese Schulden finanziert werden können. Dabei gilt bei vielen großen Unternehmen der gleiche Grundsatz wie bei Staaten, es geht nicht darum, ob es jetzt einer kapitalintensiven Gesellschaft wie einem Eisenbahnunternehmen oder einem Maschinenbauer je in der Lage sein werden die Schulden komplett zu tilgen, sondern lediglich darum, ob diese Schulden bei Ablauf wieder zu verträglichen Zinssätzen in neue Schulden weiter gerollt werden können. Daraus ergibt sich auch der Umstand, dass Griechenland mit einer wesentlich geringeren Verschuldung als Japan bereits pleite ist, während im Land der aufgehenden Sonne kein Staatsbankrott ansteht.

Schulden sind ein Minus. Sind Guthaben deswegen ein Plus?

Generell wird in letzter Zeit wesentlich mehr über Schulden als über Guthaben geredet, da Guthaben ja erst einmal keine Probleme hervorrufen, während zu hohe Schulden sowohl bei Staaten, Privatpersonen als auch Unternehmen zu enormen Problemen führen ( nein, ich will jetzt nicht auf eventuelle Problematiken unseres GeldsyCashbestand MIcrosoft Apple, barvermögen pro aktie, finanzberatung, riesterrente, lebensversicherung, bankvergleich, wo geld anlegen, forex handel, devisenhandel, goldmünzen, rohstoffe investierenstems eingehen 😉 ).

Kommen wir also einmal zum berühmten Kurs-Gewinn-Verhältnis. Nehmen wir an eine Unternehmen macht im Jahr einen Gewinn von 1 000 000 € und besitzt an der Börse eine Marktkapitalisierung von 10 000 000 €; daraus ergibt sich ja jetzt ein KGV von 10.

Ok, einfach Rechnung. Wie ist jetzt aber anhand dieser Rechnung zum Beispiel ein Unternehmen wie Apple, Microsoft, Cisco, Nintendo oder viele andere zu bewerten, die über mehr Guthaben als Schulden verfügen.

Würde es sich bei einer Aktie um ein Sparbuch handeln und es würde mich jemand nach dem Wert eines Sparbuchs, mit einem Guthaben von 1000 €, fragen, würde ich dieses Sparbuch ohne große Denkanstrengung auf einen Wert von 1000 € beziffern.

Beispiel Microsoft

Nehmen wir nun also Guthaben als Bewertungsgrundlage und schauen uns die Microsoft Aktie an, dann kommen wir hier auf eine Marktkapitalisierung von 228 Milliarden US-Dollar. Würden wir jetzt einmal Schulden, Cash und andere Guthaben verrechnen kämen wir auf ein Vermögen von aktuell circa 53 Milliarden $.

Also könnte man ja diese 53 Milliarden $ der Marktkapitalisierung theoretisch abziehen, da sich dieses ja bereits existierendes Guthaben, egal wie die Geschäfte laufen, nicht über Nacht auflöst.

Nun ergeben sich für uns aber zwei KGVs.

Einmal haben wir die Marktkapitalisierung von 228 Milliarden Dollar und einen erwarteten Firmengewinn von 27,1 Milliarden $ und damit ein KGV von 8,4.

Subtrahieren wir jetzt aber das bereits vorhandene Guthaben von der Marktkapitalisierung, käme diese nur noch auf einen Betrag von 175 Milliarden $ und damit auf ein KGV von 6,46.

Die Bewertungsproblematik wird hier sicherlich schnell ersichtlich. Wie bewertet man Unternehmen, die nicht über Schulden, sondern über Guthaben verfügen?

Die Frage dreht sich für mich gerade im Kopf, weil ich sowohl die Apple (eher kurzfristig) und die Nintendo Aktie beobachte. Bei Nintendo ist es sogar der Fall, dass fast die gesamte Marktkapitalisierung als Cash und kurzfristige Finanzanlagen verfügbar ist und sich so einem wirklich die Frage stellt, wie man so etwas bewerten soll.

Als Klein-Aktionär habe ich natürlich das Problem, dass mir Milliarden auf einem Firmenkonto nichts nutzen, wenn der Kurs fällt und die Firma das Geld nicht in Form einer Dividende an mich ausschüttet.

Das ganze war jetzt mehr ein Denkanstoß und es würde mich sehr interessieren, wie Ihr die Sache mit Aktien seht, die nicht von Verbindlichkeiten belastet sind und welchen Bewertungsansatz Ihr fahrt.

6 Gedanken zu “Welche Rolle spielt das Firmenguthaben bei der Aktienbewertung?…

  1. Ich finde den Enterprise Value bzw. die EV/EBIT Kennzahl die du hier quasi hergeleitet hast recht vernünftig und logisch…

    Wenn ich mir ein Haus kaufe und weiß, dass auf dem Dachboden 100.000€ liegen kann ich diese vom Kaufpreis abziehen.
    Wenn Lufthansa die AUA für 1€ kauft, aber gleichzeitig Schulden von 20 Mio. übernimmt war der Kaufpreis nicht 1€ (Zahlen erfunden).

    In bezug auf Wertung für den Kleinanleger fällt mir die momentane Diskussion zwischen Gannon und MMI ein.
    Wenn die Firma bewiesen hat, dass vorhandenes Kapital vernünftig einsetzt, dann ist 1€ auf dem Firmenkonto mind. 1€ wert.
    Wenn die Firma ein Meister im „Frösche küssen“ ist, sollte das Geld auf der Bank diskontiert werden.

  2. 1€ auf dem Konto von Berkshire wird erfahrungsgemäß sinnvoll verwendet und es wird ggf. ein Gegenwert von 1,20€ gekauft.

    1€ auf dem Konto der Deutschen Telekom wird wohl irgendwo in Amerika abgeschrieben werde oder muss in teuere Infrastruktur gesteckt werden.

    Sicher kann man sich bei beidem nicht 100%ig sein, aber ich denke die Tendenz ist richtig und logisch.

  3. Pingback: Kleine Presseschau vom 18. Dezember 2012 | Die Börsenblogger

  4. Cash ist nur eine Variable unter vielen. Kann aber ein Unternehmen attraktiver machen („Einen Dollar für 50 Cent kaufen“). Es gibt dividendenstarke Titel, bei denen aber quasi kaum mehr Wachstum vorhanden ist.
    Wichtiger sind für mich die Geschäfts-/Gewinnaussichten in der Zukunft und die Marktposition – droht die zu kippen, kann sich auch der Cashbestand schnell reduzieren.

  5. Zu bedenken geben würde ich, dass ein Unternehmen; was über 50 Milliarden Euro in Cash aufweist und sonst über keine weiteren Assets verfügt sicherlich keine 50 Milliarden Euro an Marktkapitalisierung haben würde/sollte, da das Geld aus steuerlichen Gründen für den Anleger weniger wert wäre. Cash einfach von der Marktkapitalisierung abzuziehen ist daher nicht immer sinnvoll, aber eine nützliche Daumenregel, wenn davon auszugehen ist, dass das Unternehmen weiter profitabel investieren kann.

  6. Bei den ganzen US-Cashriesen nicht vergessen, dass ohne Taxbreak vor einer Verteilung an Aktionäre, der Cash nachversteuert werden müsste (ca. 25%).
    Aber es wird früher oder später wieder einen Taxbreak geben und dann gibts auch bei MSFT mal wieder einen 3$-Sonderdividende…

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