Deutsche Telekom – das Trauma des deutschen Anlegers

Die ehemalige deutsche Volksaktie Deutsche Telekom hat vielen Anlegern sehr wenig Freude gemacht. Nachdem die Aktie im November 1998 zu einem Ausgabekurse von 14,57€ an die Börse ging und am 28. Februar 2000 ein All-Zeit-Hoch von 102,90 € erreichte ging es bei dieser Aktie erst schnell und seitdem langsam kontinuierlich bergab.

Viele Deutsche leiden sogar unter einem regelrechten T-Aktien-Trauma, wie ich letztens wieder bei einer Geburtstagsfeier eines älteren Bekannten bemerken musste. Dort wurde ich von einer Rentnerin darauf angesprochen, dass ihr Mann 1999 die T-Aktie gekauft hätte und diese sich noch immer in dessen Besitz befinden würde. Irgendwie kam mir nichts anderes über die Lippen als „da haben Sie das Schlimmste schon überstanden“. Der Satz wurde wohl Missverstanden und als Optimismus interpretiert.

Generell würde ich sagen, dass die T-Aktie und ihre massive Bewerbung bei der deutschen BevölkeruDeutsche Telekom Aktie, Riester Rente, geld langristig anlegen, was machen mit telekom aktien, telekom aktien kaufen, telekom aktien verkaufen, dividende für telekom, dividendenentwicklung telekom, warum divididende steuerfrei, riester-rente, depotvergleich, devisenhandelng ( wir erinnern uns sogar an Fernseherwerbung für eine Aktie ) der Aktienkultur in Deutschland wohl zurückblickend enorm geschadet hat.

Natürlich ist aber jeder selbstverantwortlich und durch die Liberalisierung des Telefonmarkts war natürlich das Risiko für den Margenverfall und zunehmenden Konkurrenzdruck bereits in den den 90ern vorherzusehen…

Die Dividende hält die Telekom-Aktie am Leben

Obwohl eigentlich niemand ernsthaft einen größeren Turnaround der T-Aktie glaubt ist das Thema Deutsche Telekom einer der ganz großen Dauerbrenner in deutschen Aktien-Foren. Der Grund sind die „zu“ großzügig hohen Dividenden, die oft sogar völlig steuerfrei waren ( Ausschüttung aus Substand / Steuerbilanzierung negativ).

Dennoch kann auch eine hohe Dividendenrendite einen Anleger nicht retten, wenn der Kurs immer und immer weiter sinkt. Wer natürlich bereits zum Börsengang ’98 eingestiegen ist und durchhielt ist durch die Dividende wenigstens noch einigermaßen über die Runden gekommen. Ein gutes Investment wurde die Telekom aber letztlich nur für diejenigen, die um 2000 verstanden haben, dass es für die hohen Kurse keinerlei substanzielle Begründung gibt und rechtzeitig verkauft haben.

In der nun vorübergehenden Woche gab es auch gleich den nächsten Schock für Telekom-Investoren. Die auszuzahlende Dividende soll im Jahr 2013 von 70 Cent auf 50 Cent fallen (-30%), dafür sollen Investitionen ins amerikanische Mobilnetz und eine Bandbreitensteigerung der deutschen Internetanschlüsse die Marktposition verbessern. Hat gerade die hohe Dividende noch einige Anleger bei der Stange gehalten ist bei anhaltend niedrigeren Dividenden natürlich Polen offen.

Wie sollen sich die Margen den wieder verbessern?

Persönlich glaube ich nicht mehr an die Fantasie, dass Investitionen in die Netze die Ertragssituation langfristig verbessern. Das ganze scheint mir wie bei Computerhardware zu sein. Kostete ein 1000 Mhz Prozessor vor 12 Jahre noch an die 1000 Dmark, bekommt man heute bereits für 40 Euro einen Mehrkernprozessor mit mehreren Gigahertz und integrierter 3D-Grafikkarte. Genau das gleiche ist doch auch der Punkt bei den Mobilnetzen. Zwar steigt das Datenvolumen durch Smartphones und ihrem Zugang zu Sozialen Netzwerken und den Apps, deswegen wird der Kunde aber langfristig nicht mehr Geld an die Telekom überweisen. Die Konkurrenz wird nachziehen und die Margen werden nicht steigen, weil das höhere Datenvolumen schlicht zur Normalität und zum Mindeststandard wird.

In das Management der Telekom setzte ich persönlich keinerlei Hoffnung mehr. Da werden Funkmasten in den USA verkauft und teuer zurückgemietet, nur um kurzfristig die Schuldenlast zu kürzen und so den Eindruck zu schönen.

Deutsche Telekom und eine weitere griechische Baustelle

Auch den Einstieg der Deutschen Telekom beim griechischen Telefonkonzern Hellenic Telecom (inzwischen werden 40 % daran gehalten) ist für mich ein zweischneidiges Schwert. Einerseits ist die OTE ( Hellenic Telecom ) stark auf dem Balkan, Rumänien und Bulgarien vertreten und hat damit wirklich die Chance auf Märkte die telekommunikationstechnisch noch nicht gesättigt sind. Auf der Schattenseite steht, dass die Hellenic Telecom von den Strukturen die Deutsche Telekom im Quadrat ist. Sind sich bei der deutschen Telekom die Anleger einig, dass es in der Konzernzentrale in Bonn noch viel zu viel alten und teuren Speck gibt, ist dies bei der OTE noch viel schlimmer. Wer sich einmal ein bisschen mit früheren griechischen Staatskonzernen beschäftigt hat wird wissen, dass auch diese nach dem bekannten Hellas-System funktionieren. Dies bedeutet Korruption, Posten werden vererbt, wer zu viel arbeitet wird rausgemobbt und vieles weitere, was wohl in jahrelanger Arbeit nur sehr langsam aufgelöst werden kann. Die Probleme mit den internen Strukturen der deutschen Telekm haben sich also durch den Einstieg bei Griechenlands Telefongiganten noch verschlimmert.

Fazit

Als Fazit kann ich sagen, dass trotz einem einstelligen Eurokurs bei der Telekom-Aktie ( WKN 555750 / ISIN DE0005557508 / DTE ) von mir ohne Probleme noch niedrigere Kurse gesehen werden. Vor allem, wenn man die Telekom zum Beispiel mit anderen europäischen Telekommunikationskonzernen ( ich schaue nach Frankreich ) vergleicht, scheint die Tele zu diesen Kursen gar nicht einmal so günstig. Die Kaufempfehlung vieler Analysten und Banken führe ich darauf zurück, dass sich bei diesen wohl noch größere Telekom Aktienbestände in den Depots befinden.

Wer langfristig auf höhere Kurse beim DAX setzten will, ist wohl bei fast jedem anderen Wert besser bedient. Auch wenn ich sonst ein Fan von Dividenden bin; die Telekom wegen der Dividende zu kaufen kann kräftig nach hinten losgehen.

7 Gedanken zu “Deutsche Telekom – das Trauma des deutschen Anlegers

  1. Ich frage mich nur ob man die massieve Überbewertung damals hätte erkennen können. Schließlich wurde die Bilanz wohl auch geschönt. Erinnere mich da an
    Immobilien die viel zu hoch bewertet waren.

    Ich würde die Telekom auch nicht kaufen. Wobei irgendwo schon ein Tiefpunkt
    erreicht sein muss. Richtig nachvollziehen kann ich den Niedergang ehrlich gesagt
    trotzdem nicht. Die Telekom ist doch trotz Konkurrenz der Platzhirsch. Die meisten
    haben doch ihren Telefon- und Internetanschluss bei der Telekom. Dazu bieten die
    noch verschiedene Entertain Produkte an. Von anderen Anbietern kassieren sie
    Gebühren dafür, dass diese die Leitungen nutzen dürfen…
    Also ich hätte diese schlechte Entwicklulng nicht vorhergesehen.

    Meinst du denn, dass Eon einen ähnlichen Niedergang erleben wird? Die haben
    ja noch massivere Probleme. Dazu die immensen Kosten für den Kraftwerks-
    rückbau…

    • Dadurch, dass die Telekom auch verdient, wenn sie nicht den Auftrag vom Kunden erhält, ist die Bilanz der Telekom besonders grauselig.

      Das Problem der Telekom dürfte sein, dass sich beamtische Strukturen erhalten haben und sehr ineffizient gearbeitet wird.

      Nur mal so ein Beispiel: Ich hatte vor neun Jahren mal einen Telekomiker bestellt, weil die Fernanschaltung nicht funktionierte. Dann war aber einer einen Tag vor im Haus, aber nicht wegen meiner Angelegenheit. Nicht nur, dass er von meinem Problem nichts wusste, nein, darauf angesprochen zuckte er nur mit den Schultern. – Mit solchen Mitarbeitern und mit solchen Informationsflüssen verhagelt man sich die Bilanz.

      Und es sind auch viel zu viele Mitarbeiter. Die Telekom hat sage und schreibe 234.040 Mitarbeiter. Die Deutsche Post hat 424.351. Die Deutsche Post hat aber aufgrund des Kerngeschäfts einen viel größeren Personalbedarf. Die Zusteller müssen täglich raus zu den Kunden. Dann hat die Post auch noch Zentrallager, wo Leute arbeiten. Die Telekom aber schickt ihre Monteure raus, aber die müssen nicht täglich alle Kunden abklappern, noch nicht einmal jede Woche, obwohl die Anzahl des Personal es möglich macht. Die Telekom hat aber bestimmt nicht so viele Monteure wie die Post Zusteller hat. Aber was machen dann die anderen Leute? Rechnungen werden schließlich automatisch erstellt und verschickt. Kurzum: Im Bonn muss es einen ziemlich großen Wasserkopf geben.

      Die Deutsche Post hat sich zu einem achtbaren Weltunternehmen gemausert. Ich weiß, warum ich meine Post-Aktien habe. Bei der Post wird solide gewirtschaft.

      Wenn großflächig für eine Aktie geworben wird, sollte man skeptisch sein.

      • Oder um es etwas überspitzt zu formulieren: die Aktionäre der Deutschen Telekom bezahlen die vielen Schlafzimmer der eigenen Beamten 😉

  2. Pingback: Kleine Presseschau vom 10. Dezember 2012 | Die Börsenblogger

  3. Ich habe seit Jahren ein paar Telekom Aktien. Im Schnitt zu etwas über 10 Euro gekauft und nach Dividenden war die Rendite damit halbwegs ok. Über eine Aktienanleihe bekomme ich noch mehr von der Kurs unter 6,50 geht. Damit könnte ich leben, sofern es nicht zu richtig fundamental schlechten Nachrichten kommt. Zum aktuellen Kurs würde ich aber auch nicht nachkaufen.

    Ich habe eine kleine Frage zu diesem Abschnitt:
    „In das Management der Telekom setzte ich persönlich keinerlei Hoffnung mehr. Da werden Funkmasten in den USA verkauft und teuer zurückgemietet, nur um kurzfristig die Schuldenlast zu kürzen und so den Eindruck zu schönen.“

    Hast du dazu Details oder ist das nur eine These? Könnte ja immerhin sein, dass die implizite Verzinsung der Mietverträge geringer ist als das (alte) Fremdkapital, dass mit dem Verkauf getilgt wurde. Ich glaube, dass das letztlich so oder so nicht viel ausmacht, aber interessieren würde es mich schon mal.

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