Aktien Rückkäufe – I’m loving It…

Aktienrückkäufe oder englisch Share Buybacks sind eines der ganz umstrittenen Themen. Die Logik dahinter ist recht einfach zu verstehen. Kauft eine Firma eigene Aktien zu vernünftigen Kursen am Markt zurück, reduziert sich die Gesamtzahl an ausstehenden Aktien. Dadurch wächst der Anteil der „treuen“ Aktionäre am Unternehmen nach und nach. Folglich steigert ich pro Aktie der Anteil am Gewinn und folglich die Dividende, der Wert an Assets usw. (genaues Rechenbeispiel gibt es in diesem Artikel).

Klingt alles ja erst einmal alles ganz gut, dennoch sind Aktienrückkäufe umstritten. Zum einen wird ja Geld nicht für den Ausbau der Produktion, neue Produktentwicklungen oder andere Firmeninvestitionen benutzt um längerfristig den Umsatz, die Effizienz oder die Markenbekanntheit zu steigern.

Gerade in Deutschland muss ich leider sagen, dass Aktienrückkäufe hier zu Lande oft nichts gutes bedeuten. Oft hat das Management Mist gebaut und versucht eben durch den Rückkauf eigener Aktien den Kurs zu stützen ( um eventuell an irgendwelche kursgebundenen Boni-Zahlungen zu kommen)…

Jedoch muss man hier jeden Fall einzeln untersuchen. Seien wir ehrlich, hätte mancher deutscher Konzern nicht den Traum von der Welt-AG geträumt und versiebt! und hätte stattdessen Aktien zurückgekauft würden wohl einige Aktionäre deutscher Großunternehmen wohl wesentlich mehr bei ihren Depotauszügen zu lachen haben.

Persönlich bin ich ja ein Fan von Aktienrückkäufen. Es gibt ja diese Unternehmen, die einen recht stabilen Cash Flow haben und für die Expansionen mit großen Risiken verbunden sind. Hat ein Unternehmen einen stabilen Umsatz, gute Marken und wären Erweiterungen mit größeren Risiken verbunden gebe ich oft ganz klar Aktien von Unternehmen mit großen Aktienrückkaufprogrammen den Vorzug.

Ein ganz entscheidender Schritt den eine Unternehmenslenkung begreifen muss, um effektiv für den Aktionär zu arbeiten, ist die Entscheidung: Ist mein Unternehmen ausgewachsen oder nicht? Solange ein Unternehmen natürlich starke Wachstumspotentiale hat ist es Unsinn großes Geld in gigantische Aktienrückkäufe zu stecken und dabei die Forschung oder das Marketing zu vernachlässigen.
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Aktienrückkäufe sind oft besser als wirre Wachstumsphantasien

Gerade Menschen, die sich dem Thema Börse neu annehmen versuchen die nächste gewinnbringende Goldmine oder das nächste erfolgreiche Pharma Start-Up zu finden.

Oft sind dies jedoch Unternehmen, die noch gigantische Investitionen tätigen müssen und es ist ungewiss ob dieses Geld je wieder für den Aktionär erwirtschaftet wird. Auch Giganten / Blue Chips sind nicht davor gefeit unheimlich viel Geld in sinnlosen Aktionen zu verbrennen. Anfang der 2000er kaufte zum Beispiel die Deutsche Telekom und Vorstandschef Ron Sommer für 40 Milliarden Euro den amerikanischen Telekommunikationskonzern Voicestream. Was danach folgt ist bekannt: Zusätzlich zu den Kaufkosten kamen riesige Investitionen in neue Netze und Marketingausgaben. Am Ende konnte man sich gegen die amerikanische Platzhische AT&T und Verizon nicht durchsetzten und das USA Geschäft hat unterm Strich nur Geld verbrannt.

Nehmen wir einmal an dieses Geld wäre nicht in Übersee verbrannt worden und wäre stattdessen über die letzten 10 Jahre in Aktienrückkäufe geflossen. Die Deutsche Telekom würde vom Kurs und der Dividendenrendite heute wohl beim doppelten Kurs stehen.

Meine Sicht der Dinge finden jetzt vielleicht manche langweilig, aber „It’s all about the Benjamins“. Es interessiert mich als Aktionär letztlich nicht wie das Unternehmen (abgesehen von ethischen Gesichtspunkten) einen Mehrwert für mich generiert; Hauptsache es generiert einen.

Dabei will ich kurz auf ein Unternehmen kommen, welches mir unter diesem Gesichtspunkt gut gefällt. Es handelt sich um den amerikanischen Getränkekonzern Dr. Pepper Snapple Group ( DPS ). DPS ist ein Unternehmen, welches die Rechte an seinen Hauptmarken Dr. Pepper und Schweppes nur in Nordamerika besitzt und daher Wachstumstechnisch eh schon limitiert ist. Das Management musste sich also überlegen, was es tun kann um seine Aktionäre dennoch gut zu entlohnen. Also hat man sich auf die Stärken des Unternehmens besonnen. Das Unternehmen besitzt unheimlich starke Marken, ist in manchen Regionen der USA der führende Cola-Produzent und hat einen großen und stabilen Cash Flow. Also entschied man sich bereits vor einigen Jahren viel Geld für regelmäßig Aktienrückkäufe zu nutzen.

Reales Beispiel für effektive und sinnvolle Aktienrückkäufe

Schauen wir uns einmal kurz den letzten Quartalsbericht von DPS an. Es ist im Prinzip ein absoluter Gähner.

 

For the

For the

Three Months Ended

Nine Months Ended

September 30,

September 30,

2012

2011

2012

2011

Net sales

$

1,528

$

1,529

$

4,511

$

4,442

Cost of sales

626

672

1,895

1,881

Gross profit

902

857

2,616

2,561

Umsatz um 1,5 % gesteigert und die Kosten um 0,74 % gesenkt. Aber dafür werden dieses Jahr wohl insgesamt für 400 Millionen US$ eigene Aktien zurückgekauft und zwar aus dem freien Cash Flow. Das Unternehmen steht gerade bei einem KGV um die 15 und sehr nahe an seinem Allzeit-Hoch und besitzt eine Marktkapitalisierung von 9,46 Milliarden Dollar. Es können 2012 also wohl wieder mindestens zwischen 4 und 5 % an Aktien zurückgekauft werden (eher mehr, da der Kurs der Aktie am Anfange des Jahres schon niedriger stand). Diese 4, 5 oder 6 % an weniger Aktien werden den Gewinn pro Aktie im nächsten Jahr für jeden Alt-Aktionär wieder steigern, es werden nach und nach Preisanpassungen bei den Produkten vorgenommen um die Inflation auszugleichen und am Ende kommen wir dann auf Gewinn und Dividendensteigerungen irgendwo bei 7 oder 8 % pro Jahr.

Langweile Aktienrückkauftaktik schneidez gut ab im Vergleich

Dies ist auch genau das Szenario, welches auch Analysten für Dr Pepper in den nächsten 5 Jahren sehen, durchschnittlich 7,33% Wachstum. Mit 7,33 % Wachstumserwartung bewegt sich also DPS mit dieser mehr als langweiligen und risikoarmen Taktik leicht unter der Wachstumserwartung von MCDonald’s ( 8,39 % ) und über der sehr viel größeren Pepsi Cola ( erwartet werden die nächsten 5 Jahre hier nur 4 bis 6 % Wachstum ). Muss ich erwähnen, dass die DPS Aktie auch noch niedriger bewertet ist als diese beiden anderen Aktien?.

Bevor jetzt die Kritik kommt. Ja, DPS ist eine amerikanische Firma und es gibt daher ein gewissen Fremdwährungsrisiko und keine Risikostreuung, falls es zu einem Einbruch des US-Konsums kommt. Mein Anliegen ist jedoch hier nicht irgendjemandem Dr. Pepper Snapple-Aktien ins Depot zu legen, sondern aufzuzeigen, dass mit stabilen Einnahmen und konsequenten Aktienrückkäufen eine ziemlich sichere Rendite eingefahren werden kann. Für Empfehlungen europäischer Aktien mit stabilen Cashflows und konsequenten Aktienrückkäufen wäre ich sehr dankbar ;) .

4 Gedanken zu “Aktien Rückkäufe – I’m loving It…

  1. Warren Buffett achtet auch sehr darauf ob Unternehmen eigene Aktien zurückkaufen und ob dies zu vernünftigen Kursen geschieht. Rückkaufe machen laut Buffett nur Sinn wenn die Aktie unterhalb ihres inneren Wertes notiert. Nur dann wird ein Mehrwert für die Aktionäre generiert.

    So wie ich es aus Interviews herausgehört habe war dies für Buffett mit einer der Hauptgründe so groß bei IBM einzusteigen.

    • Hey Stefan,

      Berkshire hat heute bekannt gegeben, dass man für 1,2 Milliarden $ Aktien von einem Anleger zurückgekauft hat. Dies ist ein gutes Zeichen, da Buffett ja immer davon spricht nur Aktien zurückzukaufen, wenn diese unterbewertet sind.

  2. Eine Anmerkung, weil du hier hauptsächlich US-Aktien empfiehlst: Der Anteil der Unternehmensgewinne am BIP dort ist auf einem Rekordhoch, daher wäre ich was Gewinnwachstumsprognosen, grader langfristiger Natur, dort angeht eher etwas pessimistischer. Früher oder später werden sich der Staat und die Arbeiter wieder ein größeres Stück des Kuchens sichern und dann kann der kaum so stark wachsen, um das zu kompensieren.

    • @Makro: Stimmt, persönlich nehme ich die Schätzungen auch nicht als wahre Münze. Kennt ja jeder, läuft das Geschäft schreiben Analysten diese Entwicklung gern unendlich in die Zukunft fort.

      Es ist aber doch eine Möglichkeit abzuschätzen wo das Unternehmen innerhalb seiner Peer-Group steht.

      Schätzen Analysten bei Unternehmen einer Branche im Durchschnitt 8 % Wachstum und bei Unternehmen X werden nur 4% gesehene gibt es zumindest irgendwelche Unsicherheitsfaktoren.

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