Mediaset – Berlusconis Medienimperium unter Druck

Von Silvio Berlusconi mag man halten was man will, als Geschäftsmann war er meist ganz hervorragend. Die Familie Berlusconi kontrolliert über ihre Holding Fininvest weite Teile der italienischen Medien und den Fußball-Primus AC Mailand. Das Kernstück Berlusconis Fininvest ist die italienische Mediaset. Sie kontrolliert mit ihren drei überregionalen Fernsehsendern Italia 1, Canale 5 und Rete 4 einen großen Teil des Italienischen Medienbildes. Die Aktie befindet sich auf einem historischen Tief; Angst vor neuer Konkurrenz und dem Machtschwinden Berlusconis hat den Kurs abstürzen lassen. In der Vergangenheit konnte Berlusconis Gefahren für Mediaset immer rechtzeitig aus dem Weg räumen, mit dem Verlust seiner Macht wird dies nun schwieriger…

Verfahren um Schwarzgeld, erschlichene Subventionen und Medienrechtsverletzungen sind bei Berlusconis Mediaset schon von je her an der Tagesordnung. Das dickste Ei, für den deutschen Beobachter, ist wohl, dass Mediaset drei Sender überregional ausgestrahlt. Obwohl rechtlich klar nur zwei davon erlaubt sind. In Deutschland wäre dies kaum denkbar, da der dritte Sender sowohl gegen Medienrecht, als auch gegen das Wettbewerbsrecht, verstößt. Berlusconi juckt dies reichlich wenig. In über zwanzig Jahren wurden um das Thema schon tausende Gerichtssäle gefüllt und dass Mediaset den Sender „Rete 4“ illegal ausstrahlt wird von vielen Juristen behauptet. Auf Sendung ist „Rete 4“ übrigens ununterbrochen seit 1992.

Mediaset, das Unternehmen
Berlusconi im TV
Mediaset betreibt in Italien die drei großen Fernsehsender Italia 1, Canale 5 und Rete 4. Produziert und ausgestrahlt werden Nachrichten, Talk Shows, tägliche Telenovelas und die großen amerikanischen Serien wie 24 oder CSI. Über das PayTV werden noch zahlreiche Spartenprogramme und Sportereignisse übertragen. Dazu ist Mediaset Hauptanteilseigner am größten spanischen Fernsehsender Telecinco und Cuatro. Mediaset ist auch im Internet und Teleshopping engagiert.

Gegenwind

Mediaset bekommt in Italien mächtig Gegenwind. Der australische Medienriese News Corporation ( Rupert Murdoch ) macht sich nämlich in Italien breit. Mit bereits 5 Millionen Kunden hat Sky Italia ( News Corp.) Mediaset, im PayTV, bereits überholt und konnte bereits die wichtige Fußballliga Serie A ins Programm nehmen.Auch rechtlich läuft alles nicht mehr so gut wie früher; die EU-Kommission nimmt Mediaset immer mehr in Augenschein und hat sie bereits zu Millionenschweren Rückzahlungen für frühere Subventionen verdonnert.

Zum großen Unglück Mediasets kommt dies alles auch noch mit dem Machtverlust Berlusconis zusammen. Mediasets und Berlusconis politischer Erfolg sind eng verstrickt. So wurden in Berlusconis politischen Glanzzeiten viele teure Werbespots bei Mediaset geschaltet, um Berlusconi gegenüber der Industrie freundlich zu stimmen. Zudem steuerte ein Ministerpräsident Berlusconi nicht nur Mediaset, über seinen Sohn, sondern auch die Geschicke der staatlichen italienischen Medien. Durch die Kontrolle über die staatliche Konkurrenz konnte er seinem Medienimperium eine starke Programmkonkurrenz ersparen.

Als ob dies nicht schon genug für die frustrierten Mediaset-Aktionäre wäre kommt auch noch das schwierige wirtschaftliche Umfeld in Italien und Spanien dazu.

Durch die großen Probleme der südeuropäischen Wirtschaft sinken die Werbeeinnahmen dramatisch. In Spanien allein wurde bei den Werbeeinnahmen ein Minus von 10% verzeichnet.

Mediaset Gewinn

Mediaset wirkt alt und geschlagen. Das Konzept mit wenigen überregionalen Medien eine große Zuschauerschaft und damit Werbeeinnahmen zu bekommen scheint überholt. Die Menschen verbringen zwar immer mehr Zeit vor den Medien, wollen aber ein individuelles Programm erleben. Das erstellen vieler kleiner Spartenkanälen kostet aber viel mehr Geld als das Senden weniger großer Kanäle.

Wo Risiken sind, sind aber auch Chancen. Zu erst ist ja gar nicht gesagt, das Mediaset durch den Machtverlusts Berlusconis so enorm unter Druck gerät, die Familie wird einflussreich bleiben und Mediaset ist ja nicht erst seit gestern im Geschäft. Zum anderen ist es ja nicht so, dass nur Mediasets Aktienkurs leidet. Das wirtschaftliche Umfeld ist einfach sehr schwach, sollte früher oder später die Wirtschaft in Italien und Spanien wieder Fuß fassen werden auch die Werbeeinnahmen wieder kräftig steigen. Die Welt wird auch Italien nicht untergehen und mit unter zwei Milliarden Euro Schulden bei fast acht Milliarden Euro Vermögenswerten sieht es alles andere als einem Untergang aus; vor allem das Berlusconi nach wie vor einer der reichsten Männer Italiens ist. Man sollte aber nicht unterschätzen, dass Berlusconi bereits auf die 80 zugeht und vielleicht keine Lust mehr hat sich um das tägliche Geschäft zu kümmern; was seine Kinder und Erben allein fertig bekommen steht in den Sternen.

Mediaset Aktie ist tief gefallen
Mediaset Chart
Mediaset [ WKN:901402 ISIN:IT0001063210 ] ist mit einem Kurs von 1,77 € bei einem neuen Tiefpunkt angekommen (KGV von 8,96), der Chart sieht aber alles andere als gut aus. Die Dividenden ist bei 10 Cent, was einer Rendite von 5,64 % entspricht.Die Dividende ist in den letzten Jahren aber stets gefallen.

Die Aktie ist sehr spekulativ, die Probleme beim Geschäftsmodell sind nicht zu leugnen und nach einem schnellen wirtschaftlichen Aufschwung in Südeuropa sieht es auch nicht aus.

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