Auch beim Untergang der Eurozone sind deutsche Sparguthaben „erst“ einmal sicher!

Da das Thema bei vielen Menschen mit Vermögen aktuell ein Thema ist, hier einmal meine Meinung zum Thema „meine Euros werden plötzlich wertlos werden, Schuldenkrise außer Kontrolle“.

Heutzutage muss man ja um sein Geld im Ausland zu investieren nicht einmal mehr den Umweg über einen deutschen Börsenplatz nehmen, auch Klein-Investoren können heute mit dem Online-Banking Anleihen, Aktien und Derivate direkt in New York, London oder Hong Kong kaufen und verkaufen.

Gerade bei Investments in Wertpapiere, die ihre Heimatbörse im Ausland haben oder ausländische Währungen gibt es dabei das berühmte Fremdwährungsrisiko…

Was ist das Fremdwährungsrisiko?

Nehmen wir an Sie investieren heute 1000 Euro in die Aktie eines britischen Altersheims. Nach dem heutigen Wechselkurs ( 27.11.2012 ) ist 1 Euro = 0,8101 britische Pfund. Nun nehmen wir an die Aktie des Altenheims würde 0,8101 Pfund kosten, wir erwerben also heute 1000 Aktien. Das Altersheim läuft gut und der Kurs steht in einem Jahr auf 0,9 Pfund; also ein Kursplus von 11,1%. Nun könnte es ja aber passieren, dass der Kurs des Euros gegenüber des Pfunds stärker wird. Also ist in einem Jahr 1 Euro = 1 Pfund, dadurch ist unser Aktieninvestment dann trotz guter Unternehmensentwicklung nur 900 Euro wert. Durch den stärkeren Euro oder schwächeren Pfund, je nach Sichtpunkt, haben wir also in unserer Heimatwährung einen Verlust gemacht.

Diese Sichtweise hinterfragt

Diese Sichtweise kann man natürlich hinterfragen. Habe ich wirklich einen Verlust an Kaufkraft gemacht? Dies hängt vom Lebensstil ab. Beim Bäcker um die Ecke und beim Friseur sind ihre 900 Euro jetzt weniger wert als ihre anfangs investierten 1000 €, da ja in ihrem Umfeld alle für Euros arbeiten. Kaufen sie aber zum Beispiel einen Artikel bei ebay U.K. (die britische Version des Onlineauktionshauses ) dann kann es gut sein, dass sie für ihre 900 Euro jetzt das bekommen, was sie früher für 1000 Euro bekommen haben.

Da der Normal-Mensch aber die meisten Ausgaben an seinem Wohnort tätigt und auch unser Staat sein Geld in Euros eintreibt ist diese Entwicklung für den Normal-Menschen doch real negativ.

Warum doch in Fremdwährungen investieren?

Zum einen kann dies daran liegen, dass Sie die Entwicklung von Firmen oder Staaten im Ausland als wesentlich optimistischer einschätzen. Wäre ich ein Grieche, würde ich auch versuchen einen Teil meines Geldes in die Schweiz zu bringen, da ich ja nie weiß, ob mich nicht vielleicht morgen wieder die Drachme erwartet. Diese Situation haben wir so in Deutschland aber nicht. Wer sein Geld zum Beispiel in Deutsche Bundesanleihen angelegt hat kann zwar über schwache Zinsen klagen, dass er sein Geld aber heute auf morgen verliert, dieses Risiko sehe ich nicht.

Besteht Gefahr, dass meine Euros auf einem deutschen Sparbuch / Tagesgeld / Festgeldkonto plötzlich massiv an wert verlieren, wenn die Euro-Krise eskaliert?
Dmark Münze, Aktienrecht, Finanzberatung, Versicherungen, ETFs, Devisenhandel, Forex-Hanel, Bankkonten
Selbst wenn die Eurozone zersplittern würde, säßen wir in der BRD im Nest der stärkeren Währung. Der frühere BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel spricht ja gerne von der Option des Nord-Süd-Euros. Wenn so etwas wirklich kommen sollte und Deutschland sich plötzlich in einer Währungszone mit Österreich, den Niederlanden und Finnland befindet, dann wäre dies erst einmal ein großer Gewinn für den deutschen Sparer; da die in Deutschland ansässige Währung ohne Griechenland, Portugal und Co. wohl aktuell wesentlich stärker wäre und so Importe aus dem Ausland sich verbilligen würden. Längerfristig führt natürlich eine solche Aufwertung natürlich zu eventuell höher Arbeitslosigkeit (weil unsere Produkte im Ausland teurer werden) und anderen Folgeerscheinungen. Die Gefahr, dass das Geld auf einem „deutschen“ Konto also durch einen Zerfall der Eurozone plötzlich wertlos wird besteht nicht. Es könnte aber zu Verwerfungen bei Anlagen wie Lebensversicherungen kommen, da die Versicherungsgesellschaften auch in die „schwachen“ Euro-Länder investiert haben.

Die Älteren erinnern sich vielleicht noch an den riesigen Währungsschnitt nach dem zweiten Weltkrieg, bei dem die alte Reichsmark 10 : 1 in die Deutsche Mark umgetauscht wurde ( bei Umtauschsummen über 1000 RM galten schlechtere Wechselkurse). So etwas wird aber in Deutschland nicht passieren, auch wenn es bald eine neue Deutsche Mark oder einen Nordeuro gäbe

Erklärung: Geld spiegelt immer den Wert der Produkte, der Leistungsfähigkeit usw. eines Landes wieder. Nun war es bei der Reichsmark jedoch so, dass die Produktionsanlagen in Deutschland vernichtet waren, Millionen früherer Arbeitskräfte nicht mehr aus dem Krieg heim kamen und dadurch natürlich die Leistungsfähigkeit Deutschlands enorm geschwächt war. Dadurch war dann auch die Reichsmark fast nichts mehr wert, da der Gegenwert in Form wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit nicht mehr bestand. So etwas steht heute aber nicht auf der Tagesordnung, weder beim US-Dollar, noch beim Euro oder dem britischen Pfund; auch wenn dies viele Panikmacher erzählen. Der Euro und auch der Dollar werden wahrscheinlich weiter an Wert verlieren, deswegen aber noch lange nicht wertlos werden. Dies könnte nur passieren, wenn in Europa aus der Schuldenkrise ein Krieg entsteht, der Fabriken, Infrastruktur und Arbeitskräfte vernichten würde.

Dennoch habe ich Angst und will Geld in andere Währungen investieren!?

Falls Sie ein größeres Geldvermögen erhalten wollen und wirklich massive Angst vor der Entwicklung der europäischen Situation haben, dann machen sie bitte nicht den Fehler und setzten nun alles auf eine einzige Fluchtwährung wie den Franken, den Singapur Dollar, den australischen Dollar oder die norwegische Krone.

Devisenkurse langfristig vorauszusagen ist sehr, sehr schwer bis unmöglich und es gibt auf der Welt keinen Experten, der hier genaue Vorhersagen treffen kann. Wenn sie nur einmal in der Wirtschaftspresse lesen, was Experten zum Thema US-Dollar / Euro sagen, werden sie sehen, dass es hier alle möglichen Voraussagen gibt. Die einen sagen der US-Dollar die massiv steigen, die anderen behaupten dies vom Euro. Bei Wechselkurs-Entwicklungen spielen derart viele Faktoren eine Rolle, dass man hier nicht langfristig spekulieren sollte.

8 Gedanken zu “Auch beim Untergang der Eurozone sind deutsche Sparguthaben „erst“ einmal sicher!

  1. Danke für den Beitrag, der meine Befürchtungen (und vermutlich die vieler anderer Mitbürger) aufgreift. Ich möchte folgendes zu bedenken geben:

    1. Vorhersage von Währungsentwicklungen
    Natürlich ist es schwer bis unmöglich, den künftigen Kurs einer Währung vorherzusagen. Allerdings spricht mE einiges dafür, daß Währungen, die in der Vergangenheit zur DM/€ kontinuierlich aufgewertet haben, dies auch künftig tun werden. Ich denke da z.B. an CHF.
    Man muß sich einmal vor Augen führen, daß der CHF zu Beginn der 70’iger Jahre mit 100 CHF = 84 DM gehandelt wurde.

    http://www.bundesbank.de/Navigation/DE/Statistiken/Zeitreihen_Datenbanken/Makrooekonomische_Zeitreihen/its_details_value_node.html?tsId=BBK01.WJ5016

    Heute wird er von der SNB massiv bei 1:1,2 gedeckelt, das entspricht fast einer Kursverdoppelung zum niedrigsten CHF/DM-Kurs.
    Wie es bei den anderen im Artikel erwähnten Währungen (NKK usw.) aussieht, habe ich noch nicht geprüft.
    Natürlich sollte man nicht sein gesamtes Vermögen in einer Fremdwährung anlegen, aber ich (!) lege jetzt mehr in Fremdwährungen an, als ich früher beabsichtigt habe – denn dem Euro traue ich nicht.

    2. Auseinanderbrechen des Euros
    Besteht hier für die Politik nicht auch die Möglichkeit, sich eines Teils der Staatsschulden zu entledigen, indem man die bisherigen Schulden weiterhin in Euro bestehen läßt und praktisch wie Fremdwährungsschulden behandelt? Für Rückzahlung dieser Schulden müßten dann weniger – im Kurs zum Euro gestiegene – DM aufgewandt werden.
    Müssen wirklich alle Schulden und Guthaben bei der Einführung einer DM (neu) umgestellt werden?
    Zu Beginn der Griechenland-Krise kann ich mich an Überlegungen erinnern, daß man die Drachme (neu) einführen, gleichzeitig aber die Altguthaben (-schulden) in Euro belassen könnte.
    Wäre nicht auch der umgekehrte Weg denkbar?

    Ich will deutlich sagen, daß ich hier keine Lösung zur praktischen Umsetzung habe – nur Befürchtungen, daß man sich diese „Gelegenheit“ nicht entgehen läßt. Wie gesagt – ich traue weder dem Euro noch den handelnden Politikern.

    • Also zu 1) denke für den deutschen Sparer war die Zusammenlegung der DMark mit den anderen Währungen erstmal kein positives Ereignis. Hätte man die DMark mit der Dänischen Krone oder ähnlichem Zusammengelegt kein Problem. Sieht man es aber nüchtern waren Lire, Drachme und auch der französische Franc keine derart starken Währungen.

      Wobei ich Italien generell positive sehe als viele andere Länder in der Eurozone. Italien hat im Norden viele starke Unternehmen und eine starke Wirtschaftszone, die durchaus konkurrenzfähig ist.

      Ob an den Gerüchten was dran ist, dass Frankreich den Euro als Bedingung für die deutsche Einheit gestellt hat weiß ich nicht. Eines ist jedoch klar; die Menschen mit großen Geldvermögen in Frankreich konnten durch die Zusammenlegung mit der DMark ersteinmal profitieren. Frankreich wird zwar immer als starkes Land in Talk-Shows genannt, doch gibt es auch dort massive Probleme.

      2). Theoretisch könnte natürlich die BRD ihre Schulden in der dann schwächeren Euro-Währung belassen und selbst die starke DMark einführen. Jedoch würde mir hier zuerst einfallen, dass dies wohl zu einem großen Vertrauensverlust der Gläubiger führen würde; da die sich dann veräppelt vorkämen; da sie ja bewusst in die „sichereren“ deutschen Staatsanleihen investiert haben.

      Generell sehe auch ich den Euro und die Entwicklung kritisch. Als wesentlichen Nachteil sehe ich eben die verschiedenen Interessen in der Euro-Zone. Jetzt wo auch große Länder wie Frankreich Probleme bekommen glaube ich nicht, dass sie die sehr wenigen starken Länder hier noch in Abstimmungen durchsetzten können.

  2. @kaunlaran:

    2.) ist ein interessanter Gedanke. Bei Bundesanleihen könnte man das ja tatsächlich machen, ohne innenpolitische Probleme zu kriegen. Die paar Leute, die privat Schatzbriefe oder Anleihen halten, kann man ja leicht als „Reiche“ abqualifizieren, sollten die bei einer solchen Abwertung protestieren.

    Was hingegen auf jeden Fall bei einer Währungsreform / Aufsplittung sicher sein sollte, sind die Guthaben auf Giro- und Sparkonten. Denn erstens bringt eine Abwertung von Kontoguthaben dem Staat nichts und zweitens trifft man damit ausnahmslos jeden, und vor allem: Man entzieht damit dem Wirtschaftssystem jegliche Legitimationsgrundlage.

    • Ich hatte ja geschrieben, daß mir die praktische Umsetzung nicht klar ist. Deswegen nur mal einige Anregungen:

      1. Kamen bei der „Währungsunion“ mit dem Osten nicht auch unterschiedliche Umtauschsätze zur Anwendung (1:1 oder 1:2)?
      Eine „Sozialklausel“ geisterte ja auch bei dem „freiwillig erzwungenen“ Schuldenschnitt GR durch die Gazetten. Warum sollten Anleihen/Guthaben oä bis zum Nennwert x nicht zum günstigen Kurs in DM(neu) getauscht werden können?

      2. Bei Bundes-Anleihen usw. hat man in Euro investiert und man erhält vom Bund Euro zurück – wo ist das Problem (= der Betrug)?

      3. Für GR wurde ein „Zwei-Währungsmodell“ vorgeschlagen, also Euro und Drachme (neu). Wäre das auch ein Weg in die umgekehrte Richtung für D?

      Die Gefahr ist mE, daß die Regierung/Politik in den nächsten Jahrzehnten wohl kaum einen eleganteren Weg finden wird, sich eines mehr oder weniger großen Teils der Staatsschulden zu entledigen.

      • 1. Also, es gibt in Deutschland durchaus eine große Grube von Menschen mit reinem Geldvermögen. Gerade die CDU oder auch die Grünen (viele Lehrer haben enorm viel Geld auf Konten und LVs…) würden es wohl kaum waagen dieses Geld nicht voll in eine neue DM umzutauschen, wenn es sich nicht irgendwie vermeiden lässt.

        2. Nunja, also gut ankommen würde eine solche Aktion sicher nicht 🙂 .

  3. Pingback: Kleine Presseschau vom 27. November 2012 | Die Börsenblogger

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