Gehört mir als Klein-Aktionär wirklich ein Teil des Unternehmens?

Guten Abend. Thomas schrieb mir heute eine Email in der es um eine Diskussion in einem Forum gibt. Dabei schien Thomas anscheinend auf einen Menschen zu treffen, der sich für ganz besonders Clever hält, aber sein Wissen zum Thema Aktien und Börse noch einmal hinterfragen sollte.

Bei der Diskussion ging es darum, ob mir eine Aktie wirklich einen Besitz an einem Unternehmen bringt und ob ich als Klein-Aktionär überhaupt etwas zu sagen habe…

Als Aktionär gehört mir de fakto gar nichts?

Die Meinung des Aktien-Kritikers war: „Als Aktionär gehört einem nichts!, selbst wenn ich für eine Aktie 100 Euro bezahle gehört mir am Stammkapital unter Umständen nur wenige Cents“. Dies stimmt und stimmt reine wertemäßig auch wieder nicht. Für mein Beispiel nehme ich jetzt einmal die Firma Henkel, weil diese wohl jedem in Deutschland ein Begriff ist. Die Henkel AG wurde 1876 in Düsseldorf gegründet und ich habe mich jetzt nicht intensiv in die Rechtsformgeschichte der Firma eingelesen, aber dies tut meinem Beispiel keinen Abbruch. Also die Henkel AG startete im 19. Jahrhundert mit einem Stammkapitel von 1 000 000 Euro. Damals brachte also der Unternehmensgründer Fritz Henkel 600 000 Euro in sein Unternehmen ein und suchte dann noch einen anderen Investor, der die übrigen 400 000 € beigetragen hat.

Als Stückelung der Aktien hat man sich auf eine Größe von 5 € festgelegt und damit gehörten Fritz Henkel 120 000 Aktien und seinem Mitaktionär 80 000 Henkel-Aktien.

Nun lief die Firma Henkel gut und das Unternehmen wuchs. Am Anfang waren es 10 Mitarbeiter und es wurde nur die Stadt Düsseldorf beliefert, dann bald ganz NRW, dann die ganze BRD und so weiter. Heute hat die Firma Henkel fast 50 000 Mitarbeiter und machte 2011 einen Gewinn von 1,283 Milliarden Euro.

Würde Fritz Henkel heute noch leben und die Firma hätte nie eine Kapitalerhöhung durchgeführt besäße Fritz Henkel immer noch 120 000 Aktien und hält 600 000 € am Stammkapital.

Dennoch würde Fritz Henkel vom Vermögen her sicher zu den reichsten Deutschen zählen, obwohl er ja „nur“ 600 000 € am Stammkapital einer großen Firma besitzt. Dies spielt aber heute keine Rolle mehr, die Firma verfügt über Fabriken, Patente, Marken, macht gute Umsätze und Gewinne. Das Unternehmen ist heute viel, viel mehr wert. Die 60 % der Aktien vom alten Fritz machen heute einen Gewinn von 770 Millionen Euro pro Jahr. Würde ich jetzt zu Fritz fahren und sagen: „Hör zu Fritz, ich gebe dir 600 000 Euro für deine Aktien, dann würde dieser wahrscheinlich die Psychatrie anrufen“, denn seine Aktien sind zwar nur 600 000 € am Stammkapital, aufgrund der Wertschöpfung, die diese verbriefen aber inzwischen viel, viel mehr wert.

Natürlich kann die Sache auch andersherum laufen und ich gründe heute die Ulrich (so heiße ich 😉 ) Döner AG und mache alles falsch. Die Dönerbude ist mitten im Wald, der Döner schmeckt schlecht und aus meinen anfangs 20 000 Euro Stammkapital sind am Ende nur noch 5 Euro geworden, weil dies noch die Servietten wert sind. Entscheidend ist also nicht das Stammkapital, sondern was die Unternehmensleitung, die Anteilseigner und die Mitarbeiter seit der Gründung daraus gemacht haben.

Im Normalleben wäre dies genauso, wie wenn ich mir 1950 ein Haus für damals 50 000 Dmark gekauft hätte, welches heute allein 40 000 € Miete abwirft. Nun habe ich zwar damals nur 50 000 investiert, das Haus dürfte aber beim heutigen Verkauf unter Umständen schon auf die Millionen zugehen.

Das dies so ist, kann man schön an einer Aktienurkunde oder im elektronischen Depot ablesen:
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Auf jeder Henkel Aktie sind die 5 Dmark als Stammkapital aufgedruckt. Eine Henkel Aktie schüttete aber allein 2012 0,78 € an Dividenden aus. Die Aktei ist also viel mehr Wert und handelt heute zu einem Kurs von 51,57€.

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In unserem elektornischen Depot sehen wir den gleichen Effekt. Zwar ist meine eine Kellogg Aktie nur mit 0,25 $ am Stammkapital beteiligen, da die Firma aber seit vielen Jahren erfolgreich ist, ist der Wert der Aktie tatsächlich wesentlich höher.

Die Gewinnverteilung steht an, wer sagt mir, dass ich etwas bekomme?

Das Verfahren zur Ausschüttung einer Dividende ( Gewinnbeteiligung ) läuft ja wie folgt ab: der Vorstand schlägt eine Dividende vor und die Hauptversammlung nickt diese ab oder eben nicht.

Nun kann ich natürlich sagen: Mir kleinem Fisch gehören nur 100 Aktien von der Coca Cola Company, da habe ich ja eh nichts zu melden. Stimmt es gehören mir tatsächlich nur 0,00..2 % der großen Coca Cola Firma. Bin ich nun mit der Unternehmensleitung oder meiner Gewinnausschüttung total unzufrieden habe ich die Möglichkeit andere Coca Cola Aktionäre aufzurütteln, durch eine Webseite oder Foren oder sonst etwas. In Ordnung dies ist jetzt für einen Klein-Aktionär ein Ding der Unmöglichkeit.

Allerdings sollte ich mich einmal Fragen: „Haben meine Mitaktionäre ein Interesse daran einen schlechten Vorstand wiederzuwählen oder die Gewinn in blödsinnigen Aktionen zu verballern?“ – Nein, den jeder Aktionär will normalerweise sein Geld möglichst stark vermehren. Auch die Großaktionäre werden also versuchen vernünftig zu handeln und je nach Situation für Gewinnausschüttungen oder lieber für Investitionen stimmen, je nachdem was ihnen langfristig als sinnvoller erscheint. Warum soll ein Großaktionär mich als Kleinaktionär schädigen, es würde ihn ja selbst treffen, da jede Aktie ja gleichwertig ist.

So könnte ja auch ein Warren Buffett sagen: „Warum soll ich Cola Aktien halten; meiner Investmentgesellschaft gehören nicht einmal 9 % der Cola Aktien“. Auch Buffett muss also darauf vertrauen, dass die anderen Cola Aktionäre nicht eine völlig blödsinnige Firmenpolitik unterstützen.

Nun gibt es sicher auch Gegenbeispiele in der Wirtschaftsgeschichte, bei der ein Großaktionär bewusst die Kleinaktionäre aus dem Unternehmen ekeln wollte. Auch kann ein Risiko sein, wenn Staaten oder Stiftungen an einem Unternehmen beteiligt sind; diese verfolgen oft schlicht nicht das Renditeinteresse, sondern werden von Ideologien oder schlicht klammen Kassen geleitet.

Auch sollte sich nichts vormachen, es gibt viele reiche Leute und Großaktionäre die von Finanzen und ihren Unternehmen keinen Schimmer haben. Diese Leute haben ihre Aktien geerbt und freuen sich nun über ihr Vermögen, wirklich selbst Entscheidungen zu treffen haben sie nie gelernt und es war auch nie nötig.

Ein prominentes Beispiel ist sicher die Arcandor-Insolvenz 2009( Thomas Cook, Quelle, Karstadt ) . Bei diesem Unternehmen war schon viel Jahre vor der Insolvenz erkennbar, dass es bergab geht. Die alleinige Erbin und Tochter von Gustav Schickedanz, der einst das Quelle Versandhaus gegründet hat, Madeleine Schickedanz schien sich aber für das Thema Firma überhaupt nicht zu interessieren. Sie war bis zum Schluss größte Aktionärin des Unternehmens und vertraute die Geschicke des Unternehmens einem Vorstand an, der (eventuell) bewusst das Unternehmen schädigte um selbst Kasse zu machen.

Wenn man eine Aktie kauft sollte man sich also darüber Informieren ob das Unternehmen gut geführt wird und sollte sein Investment auch im Auge behalten, falls man irgendwann zur Überzeugung kommt, dass die Mitaktionäre einen inkompetenten Vorstand unterstützen muss man eben aussteigen!

Wer sich einmal mit dem amerikanischen Investor Carl Icahn beschäftigt hat wird wissen, dass dieser gerne von den dummen Erben und den eingeschlafenen Aktionären spricht.

Thomas will ich noch einen letzten Tipp geben: Es bringt nichts mit Deutschen über Finanzthemen zu diskutieren, was hier zu Lande als Finanz- / Geldverständnis gilt ist meistens höchstens Bauernschläue.

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