Altria und der Zigarettenmarkt – Dividendenaristokrat am Limit!

Altria wurde vom Konzern zum Konzern der Sünde. Heute verkauft Altria nur noch Alkohol und Tabak, während Altria bis März 2007 noch 87,2% der Kraft Foods Aktien hielt. Altria hat sich in den Jahren 2007 und 2008 jedoch stark gewandelt; Phillip Morris International und die bereits angesprochene Kraft Foods wurden vollkommen eigenständige Konzerne (Altria-Aktionäre bekamen damals die Aktien von Kraft eingebucht).

Altria selbst konzentriert sich seitdem auf das USA-Geschäft mit Tabak und Alkohol. Ganz stimmen tut dies nicht, gerne wird übersehen, dass Altria auch 27,3 % der Aktien am weltweit zweitgrößten Bierbrauer SAB Miller hält und damit durchaus noch ein kleines Wachstum auf internationalen Märkten erzielt wird (die SAB Miller Aktien von Altria sind aktuell 12,13 Milliarden britische Pfund wert)…

Altria ist eine dieser Aktien, bei der jeder sofort ein gewisses Misstrauen hat, zwar entwickeln sich Unternehmensgewinne und Dividenden nach wie vor positiv, doch erschreckt vor allem die Konzentration auf den US-Markt. Das Problem von Altria ( Phillip Morris USA) gerade im traditionellen Zigarettenmarkt ist mitnichten die Konkurrenz. Mit Marlboro, LM und James Bonds Lieblingsmarke Chesterfield besitzt Altria die bekanntesten Marken und das Aufkommen neuer Konkurrenz ist durch immer stärkere Werbeverbote ausgeschlossen. Das Problem ist, dass aufgrund des gesellschaftlichen Drucks und immer härterer Sanktionen ( manche US-Betrieb stellen schon gar keine Raucher mehr an) der Anteil der Raucher in der US-Bevölkerung sinkt (heute raucht noch jeder fünfte US-Amerikaner regelmäßig; haben sie mal alten amerikanische Filme gesehen 😉 ).
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Was bringen Altria also die stärksten Zigarettenmarken, wenn keiner mehr Zigaretten kauft?

Es stimmt zwar, dass Altria auch im Bereich der rauchlosen Tabakprodute inzwischen eine starke Marktstellung besitzt und auch einige Weinmarken zum Portfolio gehören, 2011 wurden aber immer noch fast 90% des Umsatzes mit herkömmlichen Zigaretten generiert.

Um jetzt aber nicht das Bild eines nahenden Zusammenbruchs der US-amerikanischen Tabakindustrie an die Wand zu malen, bis jetzt läuft noch alles eingermaßen Rund bei Altria.

Hier einmal die Entwicklung des Zahlenwerks der letzten 5 Jahresberichte:
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Jetzt reiben Sie sich vielleicht kurz die Augen. Ja, sie sehen richtig; obwohl in manche US-Gegenden sogar das öffentliche Rauchen verboten ist, die Werbeverbote sich ausweiten und die Altersgrenze zum Tabakkauf angehoben wurde hat sich der Umsatz in den letzten Jahren sogar erhöht. Dies ist eben der Vorteil, wenn man mit Suchtstoffen handelt und es keine neue Konkurrenz zu befürchten gibt; man kann sinkende Verkaufsvolumen schön durch Preissteigerungen ausgleichen oder sogar überkompensieren. Das Volumen an verkauften Zigaretten nahm bei Altria von 2007 bis 2011 übrigens um 22,84% ab ( von 175,1 Milliarden Zigaretten (2007) auf 135,1 Milliarden Zigaretten im Jahr 2011). In den letzten Jahren sinkt das Verkaufsvolumen von Zigaretten jedes Jahr. Besonders Extrem war der Rückgang an Zigarettenverkäufen übrigens im Jahr 2009 (-20,7 Milliarden Stück), was wohl an der wirtschaftlich schwierigen Situation der Konsumenten lag. Es stimmt also nicht, dass in Zeiten von wirtschaftlichen Krisen automatisch mehr geraucht wird.

Dennoch ist ein Fakt, dass Altria kein Wert ist, der wachsen wird. Eher kann man froh sein, wenn der Umsatz noch weiter gehalten werden kann. Der einzige Grund für viele, den Wert doch ins Auge zu fassen, ist die üppige Dividenden-Rendite von aktuell 5,4 % (beim aktuellen Kurs von 32,86 US$, Stand 22.11.2012). Jedoch ist man hier schon ziemlich am Limit. Es gab letztes Jahr einen Gewinn pro Aktie von 1,64$ und 1,58$ Dividende (Ausschüttungsquote: 96,34%). Schaut man sich den freien Cash Flow an wird es hier noch düsterer:
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Hier sind die Limits erreicht. Es gibt bei Altria keine großen Investitionsausgaben, die hier in Zukunft frei werden könnten. Dividendensteigerungen oder weitere große Aktienrückkäufe können nur noch mit neuen Schulden finanziert werden.

Fazit:

Finger wer bei der Altria Aktie ( WKN 200417 / ISIN US02209S1033 / MO); auch wenn gerade auf amerikanischen Boards viele noch von der Aktie schwärmen, die Zeiten haben sich hier gründlich verändert. Die Altria-Aktie ist durch den Wegfall von Kraft Foods und Phillip Morris International nicht mehr der Wachstumswert, der er einmal war. Altria wird sich noch einige Zeit halten können, jedoch zeigt der starke Wegfall im Zigarettenvolumen, dass es längerfristig wahrscheinlich eher schlechter als gleichbleibend bleibt. Die üppige Dividende von über 5% wird eher schwache Steigerungen erleben, mehr Geld ist einfach nicht da und weitere Aktienrückkäufe wird man sich auch nicht mehr lange leisten können. Altria hat aktuell noch die günstige Situation aktuell ihre Schulden günstig refinanzieren zu können; sobald die Zinsen für neue Altria-Schulden jedoch anziehen wird auch das bisherige Glück der Altrra-Aktionäre schwinden. Der Kurs der Altria-Aktie kann zudem von der unsicheren gesamtwirtschaftlichen Lage profitieren, in der viel Geld in Aktien mit krisenresistenten Geschäft fliest und die längerfristigen Probleme vom Markt erst einmal ausgeblendet werden.

7 Gedanken zu “Altria und der Zigarettenmarkt – Dividendenaristokrat am Limit!

  1. hey jens, ja da gibts noch kleinere Bereiche; abr wie gesagt 90 % kommt noch von der guten alten Zigarette.

    Wenn also dieses Zigarettengeschäft im Trend eher abnimmt und es sich nicht zeigt, dass ein anderer Bereich hier wesentlich mehr Umsatz bringt siehts düster aus 🙁 .

  2. Pingback: Kleine Presseschau vom 23. November 2012 | Die Börsenblogger

  3. Also mich stört die Abhängigkeit vom Zigarettengeschäft. Raucher sind einfach am aussterben (und das im wahrsten Sinne des Wortes).

    Eigentlich war beim Verkauf (Ausbuchung) von Kraft schon klar, dass die Zukunft düster wird.

    Die Gesetze werden immer schärfer. Ich glaube irgendwo gelesen zu haben, dass in Australien alle Zigarettenschachteln einheitlich aussehen müssen. Damit wird die Marke nach und nach Wertlos. Noch wehrt sich die Zigarettenindustrie dagegen, aber lange wird das nichtmehr gut gehen.

  4. Alles Effekte die graduell auftreten. Die Raucher, die ich kenne, wollen „ihre“ Marke und der Herstellername wird wohl auch weiterhin auftauchen dürfen. Da der Prozess in erster Linie politisch motiviert ist und nicht ökonomisch, denke ich dass diese Entwicklung ohnehin nicht linear so weiterverlaufen wird, wie die letzten 15-20 Jahre. Da wird es auch mal wieder entgegengesetzte Bewegungen geben…
    Das größte Risiko bei Altria sehe ich wirklich in der einseitigen Abhängigkeit von den evtl. auch politischen Kapriolen des US-Marktes und des US$.
    PMI hat da schon eine ganz andre Risikostreuung…

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