Anleihen bringen nur niedrige Zinsen, schon mal über Mikrofinanz nachgedacht?

Vielleicht haben Sie ja schon einmal etwas von Muhammad Yunus gehört, der aus Bangladesch stammende Wirtschaftswissenschaftler bekam 2006 als Gründungsvater der Mikrofinanz-Idee den Friedensnobelpreis.

Für diejenigen, die von Mikrofinanz noch nie etwas gehört haben möchte ich die Sache einmal erklären: Bei der Mikrofinanz geht es darum in armen Regionen der Welt Kredite und Versicherungen auch Menschen zukommen zu lassen, die ansonsten bei den Banken gleich durchs Raster fallen würden. Durch Mikrofinanz haben also viele Menschen, die ansonsten nie die Chance gehabt hätten sich eine eigene Existenz aufzubauen, eine Chance bekommen sich selbst zu versorgen und damit der Armut mindestens ein Stück weit zu entkommen. Bei den Kreditvolumen geht es oft um winzige Beträge von 20 oder 100 Euro, was bei uns jedoch vielleicht nur reicht um einmal Essen zu gehen ist in anderen Teilen der Welt viel Geld und reicht um Landwirte über eine Dürre oder ähnliches hinwegzuhelfen… Bei den Krediten wird fast nie die Summe von 1500 bis 2000 Euro überschritten und dies zeigt für mich, wie günstig doch eigentlich die Hilfe zur Selbsthilfe ist. Anders als bei üblichen Spenden haben Mikrokredite nämlich eine nachhaltige Wirkung auf die Armut. Es wird geschätzt, dass 80 % der selbstständigen Beschäftigungen inReisbauer Indien, Mikrofinanzkredite, geld ethisch anlegen Entwicklungsländern nur durch solche Kleinstkredite überhaupt möglich gemacht worden. Doch vor allem die schwächsten Glieder der armen Gesellschaften, nämlich Frauen und Kinder kommen oft nur mit Mikrokrediten durch Krisenzeiten. Die Grameen-Bank von Muhammad Yunus gibt an, dass 97 % der Kunden Frauen sind. Diesen wird dann auch nicht nur plump das Geld in die Hand gedrückt, sondern es wird auch über Versicherungen, Geschäftskonzepte und Ackerbau beraten.

Die Rückzahlungsquote liegt übrigens laut den Vereinten Nationen bei erstaunlichen 98 % und damit stellenweise über dem deutsche Kreditrückzahlungsverhalten (das aber auch bei über 95 % liegt). Dieses übrigens bei Zinsen um die 20 % pro Jahr, was sich aber wohl durch die hohen Inflationsraten in den entsprechenden Ländern wohl mehr anhört als es wirklich ist. Eines der großen Probleme in armen Ländern ist nämlich, dass es für normale Menschen oft nur sehr, sehr schwierig ist in Notfällen das notwendige Geld für Medizin oder temporäre Arbeitslosigkeit zu bekommen. Nach einer Studie der Universität Kopenhagen verlangen Geldverleiher auf den Philippinen oft 1000 % Zins und mehr pro Jahr, dadurch kommen viele arbeitswillige Menschen in eine Schuldenfalle, aus der sie nie mehr entkommen können. Kritiker der Mikrofinanzidee sollten sich also überlegen, was besser für die Menschen ist. Die Mikrofinanzfonds müssen schlieslich auch leben und die Anleger wollen ja auch eine positive Rendite. Zudem belaufen sich die Kleinkredite im Schnitte auf circa 500 $, dadurch sind wohl relativ hohe Zinsen allein für die Verwaltungsaufwendungen nötig.

Laut Deutsche Bank Research bieten Investitionen in Mikrofinanzkredite „…ein attraktives finanzielles Risiko-Rendite-Profil ; das von relativ stabilen Erträgen, sehr geringen Kreditausfallraten bei den MFJs und einer potenziell geringen Korrelation mit etablierten Kreditmärkten und der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in den jeweiligen Entwicklungsländern geprägt ist“.

Für Menschen, die also eh schon genug Geld haben und davon gibt es in Deutschland immer noch jede Menge können sich also ernsthaft überlegen in Zeiten einer ungewissen Entwicklung von Aktien und den derzeitig so gut wie nicht existenten Zinsen auf dem Bankkonto ein wenig Geld in ein ethisch gutes und nachhaltiges Projekt zu stecken. Mikrofinanzfonds bieten im Durchschnitt Renditen von 3 bis 6 % jährlich. Selbst im weltweiten Krisenjahr 2009 konnten Mikrofinanzfonds noch mit 3,1 % rentieren. Nachdem ich vor einigen Jahren schon einmalauf der Suche nach einem Mikrofinanzinvestment war, da dieser langfristig Geld anlegen wollte und in Deutschland das Thema noch nicht angekommen schien (es gab nur eine Anleihe von einer österreichischen Bank, die ich aber damals über meinen Broker nicht bekommen konnte); gibt es inzwischen auch deutsche Anbieter. Einer davon, der auch noch andere nachhaltige Produkte wie Investments in Holz oder regenerative Energien anbietet ist die Firma www.gruenesgeld24.de. Also wer hier wirklich viel Geld hat und wie ich vom Gedanken des Hilfe für Selbsthilfe überzeugt ist und wenig von dauernden Almosen halte wird hier aufgefordert sich mit dem Thema einmal zu befassen 😉 .

3 Gedanken zu “Anleihen bringen nur niedrige Zinsen, schon mal über Mikrofinanz nachgedacht?

  1. Danke Hans für die beiden kritischen Links. Das Problem, das wohl gibt ist, dass wohl jeder Kredit in kleiner Höhe ein Mikrokredit ist. Wenn ich einem Hartz4-Empfänger 100 Euro gebe um sich Bewerbungsbilder machen zu lassen und sich eine neue Jeans zu kaufen ist dies auch ein „Mikrokredit“.

    So ist jeder Kredithai in Indien wohl auch ein Vermittler von Mikrokrediten. Bei uns in Deutschland ist durch den Nobelpreis von Yunus aber von vornerein der Begriff „Mikrokredit“ positiv besetzt. So sehr es mich sträubt neue Richtlinien zu fordern, benötigen ethnische Anlagen wohl so einer Art Prüf-Siegel. Generell gilt aber, wenn die Renditen zu hoch sind (also weit über 5 %) sollte man wohl generell misstrauisch werden. Dennoch sollte man nur wegen schwarzer Schafe nicht aufhören sich mit diesem denoch wichtigen Thema zu beschäftigen. Anscheinend nehmen viele Kreditgeber von den Armen zu viel, was der Idee des moralisch vetretbaren Zinses umso mehr seine Berechtigung gibt.

    Auf alle Investments gesehen hat man es einfach immer sehr schwer unter moralischen Gesichtspunkten. Man kann zwar bewusst keine Pharmawerte kaufen wenn man gegen Tierversuche ist oder keine Waffenproduzenten… jedoch kann man bei großen Unternehmen eben kaum überüberprüfen wie diese (oder einzelne regionale Führungskräfte) vor Ort handeln. In den aufwendigen Präsentationen werden ökologische / soziale Nachteile des Unternehmens wohl kaum aufgeführt.

  2. Hallo Ulrich,

    interessantes Thema. Ich habe mich vor vier Jahren mal mit einem kleinen Betrag über die Plattform MYC4.com ins Abenteuer Microlending gestürzt. Fazit: Daraus mache ich demnächst einen Beitrag für meine Serie „Fehler eines Privatanlegers“. Viel ist nicht mehr übrig von meinem damals „investierten“ Geld – und das, obwohl da unglaublich hohe Zinsen (inkl. Kosten) von 30 – 70 Prozent p. a. verlangt wurden. Immerhin: So richtig ausgebeutet wurden offenbar nur die wenigsten – denn die meisten haben sich einfach mit der Kohle vom Acker gemacht. 😉

    Zur Ehrenrettung der Plattform muss man aber wohl sagen, dass sie ihre Risikomanagement-Vorkehrungen inzwischen deutlich verbessert haben, sonst wären sie wohl kaum noch am Markt.

    Also: Ist wohl die Frage, ob man dafür ein vernünftiges Investmentvehikel findet. Oder ob man lieber auf traditionellen Wegen Geld anlegen und dafür anderswo etwas spenden will.

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