Obama vs. Romney oder Anleihen vs. Aktien

Das ist sie endlich; die US-Präsidentschaftswahl 2012. Die ersten Abstimmungsergebnisse trudeln auf CNN ein und wie aussieht gibt es einen Patt, zumindest im 10 Einwohner-Dorf Dixville Notch, New Hampshire, in welchem traditionell die US-Wahl beginnt und welches aufgrund von nur 10 Wahlberechtigten auch schnell ausgezählt ist. US-Wahlen gehen eigentlich immer recht knapp aus, der deutliche Vorsprung an Wahlmännern liegt eben daran, dass durch das Mehrheitswahlrecht in den Staaten eben die Minderheiten-Stimmen (auch wenn diese 49,99% sind) einfach verfallen.

Es sieht aber gut für Obama aus und da Sandy ohne erkennbares Versagen des Regierungsapparates über die Bühne ging dürfte Obama wohl einen Vorteil als Amtsinhaber haben.

Die Börse konnte sich aber dennoch gestern nicht wirklich entscheiden, ob sie jetzt steigen soll oder nicht. Beobachtungen des S&P 500 zeigen folgendes: Historisch sind in US-Wahljahren der November und der Dezember immer recht gute Monate für steigende Kurse sind, egal ob Republikaner oder Demokraten gewinnen.

Bei einer vor kurzem veröffentlichten NBC Umfrage unter Anlagemanagern, die ein Vermögen von über 10 Billionen $ verwalten, kam man zu folgendem Ergebnis: Romney steht langfristig eher für steigende Aktienkurse und Obama eher für steigende Anleihenkurse. Dies wird dadurch begründet, dass man sich von Romney einen größeren Fokus aus wirtschaftliches Wachstum erwartet und dadurch Aktien die bessere Performance hinlegen sollten…
Obama vs Romney, cage fight, versicherungen, riester rente, ergebnis us wahl, romney hat gewonnen, romney ist neuer us-president, obama ist wiedergewählt, aktien markt steigt nach wahlsieg, Riester-Rente, private Vorsorgen, Bankkonto, Versicherungsvergleich
Eine Gefahr für US-Anleihen wird auch in der Kritik Romneys an US-Notenbankchef Ben Bernanke gesehen. Romney kritisiert inzwischen offen die immer neue Injizierung von billigem Geld durch die Notenbank. Dieses Geld landet zu großen Teilen in US-Anleihen. Wenn Romney also die Wiederwahl Bernankes (der am Ende seiner zweiten Amtszeit steht) verhindert, könnte diese zu einer Abkehr des Quantitive Easing (des Geldschwemme ) führen und so die Kurse am Anleihenmarkt senken.

Ein weiterer Grund für die eine vermutlich bessere Aktienperformance bei einem Sieg der US-Republikaner wird darin gesehen, dass Romney wohl eher dazu in der Lage seien sollte das sogenannte Fiscal Cliff, welches Anfang 2013, ansteht zu lösen. Demokraten und Republikaner konnten sich bis jetzt nicht auf Einsparungen oder Steuererhöhungen im Bundesbudget einigen und dadurch würden gesetzlich für das nächste Jahr automatische Kürzungen nach der Heckenscheren-Methode anstehen. Genauso würden die Steuerbeschlüsse aus der Bush-Zeit außer Kraft gesetzt (über die Problematik für Dividendeninvestoren gibt’s das Ganze hier zum nachlesen ). Generell ist ein Nicht-Lösen der Haushaltsproblematik in den nächsten 2 Monaten die große Angst bei Anlegern rund um den Globus. Die immerhin schwach wachsende US-Wirtschaft könnte durch automatisierte Kürzungen bei den Staatsausgaben und steuerlichen Mehrbelastungen für die Konsumenten abgewürgt werden und so das Risiko auf eine weltweite Rezession erheblich erhöhen.

Was ich bisher bei den meisten Talk-Shows verschiedener Sendern und selbst von vielen Obama-Sympathisanten vernehmen konnte war, dass Romney wohl eher eine Einigung zum US-Haushalt im Kongress vermitteln könnte als sein Kontrahent. Dies liegt daran, dass Obama als stärkerer Ideologe als Romney gesehen wird. Obama ist fest von seinen Plänen überzeugt und wird daher in keinem wichtigen Streitpunkt nachgeben, da er sonst ja bei allen Wahlkampfversprechungen aus dem Jahr 2008 gescheitert wäre. Romney hingegen ist auch aus meiner Sicht kein Ideologe. Auch wenn dies vielleicht in Deutschland so rüber kommt, sehe ich Romney als einen sehr gemäßigten Republikaner, der von seinen Überzeugungen ein stärkerer Mann der Mitte ist als Obama. Viele Beobachter sehen Romney auch vom Lebensweg her eher kompromissbereit, wenn es um die Lösung der US-Haushaltsproblematik geht. Romney ist schlicht ein Mann der aus seiner Tätigkeit als Geschäftsmann und Pastor gewohnt ist Kompromisse schließen zu müssen und zu diesen hinzuarbeiten. Obama wäre aber ja so oder so noch bis Januar im Amt und man kann nur hoffen, dass er dann im Angesicht seiner Niederlage bereit ist endlich zu einer Lösung mit den Republikanern zu kommen.

Den Begriff Pastor (oder im englischen Bishop) im Zusammenhand mit Mitt Romney möchte ich hier kurz erklären. Bei einem Pastor der Mormonen handelt es sich nicht wie bei der evangelischen oder katholischen Konfession um einen lebenslangen hauptamtlichen Beruf. In einer Mormonen-Gemeinde wird das Amt des Bishop lediglich für eine bestimmte Zeit, unentgeltlich und neben dem regulären Beruf übernommen.

Welche Aktien jetzt Konkret von Romney oder Obama profitieren können ist schwer zu sagen. Persönlich bin ich der Meinung, dass die Politik sich oft mehr Einfluss aus wirtschaftliche Entwicklungen zuschreibt als sie wirklich hat. Obama sollte kurzfristig gut für die Kurse von US-Krankenversicherten sein, da durch seine Pläne fürs Gesundheitssysteme bald wesentlich mehr Beitragszahler existieren. Ob dies langfristig aber wirklich so positiv für Investments im Gesundheitsbereich ist weiß ich nicht. Es könnte dazu kommen, dass es zu stärkerer Preisregulierung im Pharma-Bereich kommt um eine Kostenexplosion durch die dann vielen einkommensschwachen Krankenversicherten abzufangen.

9 Gedanken zu “Obama vs. Romney oder Anleihen vs. Aktien

  1. Ken Fisher stellte den Zusammenhang mal anders dar.

    Wird ein Republikaner gewählt steigen zunächst die Kurse im ersten Amtsjahr und fallen anschließend. Wird ein Demokrat gewählt ist das genau umgekehrt. Er begründet das lapidar, dass die Märkte wenn ein Republikaner gewählt wird, mehr Kapitalismus erwarten und dann merken, dass sie nur nen Politiker kriegen. Und wird ein Demokrat gewählt erwarten sie mehr Sozialismus um dann zu merken, dass sie nur nen Politiker kriegen.

  2. Deine Einschätzung zu Romney teile ich. Ich gehöre zu einer Minderheit in Deutschland, die Romney für den besseren Kandidaten hält und zwar genau aus dem Grund: Romney kann besser mit den Demokraten zusammenarbeiten, als Obama mit den Republikanern.

  3. Rommney wäre die bessere Wahl gewesen 🙁

    Seine Steuersenkungen hätten zu mehr Konsum und größeren Privatvermögen geführt.

    Das täte den AGs sicherlich gut.

  4. Aber auch Obama scheint die Unternehmen entlasten zu wollen.

    Hab gerade gelesen, dass er die Körperschaftsteuer auf 27% (von über 30%)
    senken will.

  5. Puuh, das habe ich heute aber auch nicht erwartet. Alles tief rot! Vorallem wohl auch aus Angst, dass Obama das Fiscal Cliff nicht verhindern kann.

    Denke mal die Obama Wahl ist alles in allem gut für Gold und vielleciht auch spätere für alle anderen Assets, da das billige Geld nun weiter gedruckt wird. Ob dies Gesund ist…

    Viele Menschen (vorallem hierzulande) kann ich aber überhaupt nicht verstehen. Einerseits ist man schokiert über Armut! zum Anderen scheint Wirtschaftspolitik und die Schaffung von Arbeitsplätzen völlig nebensächlich zu sein. Was viele hierzulande anscheinend gar nicht blicken, dass es bei wirtschaftlicher Schwäche der Masse nicht besser, sondern schlechter gehen wird; egal was man sich da an Sozialromantik vorstellt.

    • @Value Admin
      Dazu passt, dass Forsa und Co. nach den wichtigsten Themen fragen. Zur Auswahl steht neben der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit die Wirtschaftspolitik, dabei wird ersteres von den Befragten als wichtiger eingeschätzt.

      Und ich dachte immer, die Arbeitslosigkeit wäre ein wirtschaftspolitisches Thema.

  6. Sind die angeblich nur 5% Deutschen, die Romney wählen würden den alle hier versammelt?

    Gruß Thomas
    (ich bin ebenfalls ein „Würde-Romney-wählen“)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.