In Deutschland kämpfen noch Menschen für die Aktie

Die deutsche Politik will angeblich die Deutschen wieder mehr ermutigen ihr Geld in Aktien anzulegen und dies will nun lautstark auch die Chefin des deutschen Aktieninstituts Christine Bortenlänger.

Das deutsche Aktieninstitut ist ein Verein der die deutschen Unternehmen vertritt, die an deutschen Börsen notiert sind. Hauptaufgabe sieht der Verein darin das Vertrauen der Menschen in Aktien zu steigern. Dies versucht der Verein übrigens seit 1953 (gegründet als Arbeitskreis zur Förderung der Aktie ), es wird also hier mal Zeit für einen großen Durchbruch.

Frau Bortenlänger hat aber zumindest eines geschafft: sie kam mit Ihrer Forderung nach mehr finanzieller Grundbildung sogar in meine regionale Zeitung und dies ist zumindest doch schon einmal ein kleiner Teilerfolg.

Einer der Streitpunkte zwischen dem deutschen Aktieninstitut e.V. sind dabei die Produktinformationsblätter, die seit einem Jahr beim Bankberater zu den Finanzinstrumenten und damit auch zur Aktie ausgehändigt werden müssen…

Christine Bortenlänger fordert: „Berater sollen wieder in die Lage versetzt werden, über die Aktie zu beraten. Das geht nicht, wenn für jede einzelne Aktie ein Produktinformationsblatt gefordert wird. Sinnvoller wäre ein Infoblatt für das Produkt Aktie“. Ehrlich gesagt habe ich so ein Informationsblatt noch nie gesehen, weil ich einfach nie etwas am Schreibtisch meines Bankberaters ordere. Wer hat hier Ahnung? Gibt es jetzt zu jeder Aktie ein eigenes Informationsblatt oder wie muss ich das verstehen?
Christine Bortenlänger, Börse München, Frauen an der Börse, Versicherungen, KFV-Versicherungen, Riesterrente, GEld anlegen, finanzielle Vorsorge, Bankkonto, Festgeld, Tagesgeld, Anleihen
Beim Thema Informationsblätter sehe ich aber folgendes Problem. Natürlich gibt es grundsätzliche Informationen wie „die Aktie verbrieft einen Teil des Unternehmens“ und „als Aktionär hat man das Recht bei einer Hauptversammlung mit abzustimmen“. Nun soll ein Informationsblatt ja aber über das Risiko einer Aktie aufklären und hier sehe ich schon ein sehr großes Problem.

Wie hoch ist den das Risiko einer Aktie? Dies hängt von unheimlich vielen Faktoren ab. In welcher Branche bewegt sich ein Unternehmen, wie stark sind die Marken… Die Risikoklasse einer Henkel oder Coca Cola Aktie ist doch langfristig eine ganz anderes als das Risiko bei der Aktie eines kleinen mongolischen Silbermine. Genau so verhält es sich auch mit Anleihen und anderen Anlageprodukten.

Nehmen wir also an ich habe mich als Max Mustermann nun entschlossen der Aktie offener gegenüber zu stehen. Nun will ich mich beim Bankberater informieren und frage ihn immer nach dem Risiko irgend einer Einzelaktie. Nun will ich einmal nicht auf die oft fahrlässigen Bankberater einschlagen, den in einem solchen Fall kann der Anzugträger überhaupt nicht immer kompetent sein.

Von mir selbst kann ich zwar sagen, dass ich seit Jahren in der Lage bin gute Renditen für das Depot von mir und meinen engsten Verwandten zu erwirtschaften. Dabei bleibe ich aber meist bei Firmen aus Branchen bei denen ich mich auskenne. Wer hier mitliest weiß, dass es sich meistens um Eisenbahnen, Getränke und so etwas dreht. Dazu kommt auch ein Interesse was zum Beispiel die Computerindustrie betrifft und auch hier beschäftige ich mich regelmäßig mit den Aktien dieser Unternehmen.

Wer mich jetzt also auf der Straße spontan zu einer Aktie von Dr.Pepper, Pepsi oder Intel fragen würde, dem könnte ich sicherlich recht kompetent über Risiken und Chancen beraten und ob die Aktie gerade zu teuer ist oder nicht. Nur weil ich mich hier aber ziemlich gut auskenne heißt dies aber noch lange nicht, dass ich jetzt spontan irgend etwas sinnvolles über einen kleinen Pharmabetrieb oder einen Rüstungskonzern sagen könnte. Was kann der Bankberater also nun tun, wenn ihm genau das passiert. Herr Bankberater was halten sie von der Harley Davidson Aktie? Der Bankberater hat sich mit dieser Aktie noch nie auseinandergesetzt und muss nun irgendwas daher erzählen um nicht inkompetent dazustehen. Es käme sicherlich das übliche „Harley Davidson ist eine große Firma und Motorrad gefahren wird auch morgen…“. Diese Informationen sind aber völlig wertlos wenn es darum geht ob eine Aktie gerade eigentlich zu teuer ist, ob es Chancen auf Wachstum gibt oder wie es mit der Verschuldung aussieht.

Jetzt kann der Bankberater natürlich sagen „Herr Mustermann, ich informiere mich und rufe sie in 2 Tagen noch einmal an“. Nun kämpft der Bankberater die Jahresberichte von Harley Davidson durch, vergleicht das Unternehmen mit der Peer-Group… das ganze ist schlicht eine Illusion. Diesen Zeitaufwand kann doch der Bankberater überhaupt nicht bringen, selbst wenn er das Wissen dazu hätte.

Was man also machen könnte wäre zum Beispiel eine Fernsehsendung in der Grundwissen vermittelt wird. Wie entsteht ein Kurs und vielleicht einmal ein paar große und langweilige Werte durchgekaut werden. Also: Was macht das Unternehmen, wie hat sich der Umsatz entwickelt, was macht die Konkurrenz, wie sieht es mit Rohstoff und Entwicklungskosten aus, was macht die Politik… dieses Bewertungswissen könnte dann durch selbstständiges anlesen von Wissen ausgebaut werden. Dass dies aber alles in einem seriösen Format umgesetzt würde bezweifle ich, das ganze würde den meisten wohl zu langatmig und die Quote würde schnell in den Keller rutschen.

Mein Fazit: Jeder muss sich selbst informieren, wenn es um sein Geld geht. Wer dabei keinen Bekannten oder Verwandten hat, der hier hilfreich zur Seite steht muss sich eben selber weiterbilden. Die finanzielle Planung kann einem eben niemand anderes komplett abnehmen, dafür sind die Menschen zu verschieden. Vergessen sollte man aber nicht das viele Menschen in Foren, auf Blogs und so weiter eigentlich einen sehr tollen Job machen und ihre Informationen Neulingen oft sehr bereitwillig zur Verfügung stellen. Vielleicht sollte der Aktienverband mal den Kontakt zu diesen Leuten suchen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.