Obamas Steuerpläne könnten die Aktienkurse purzeln lassen

Seit einiger Zeit gibt es auf amerikanischen Diskussionsseiten rund ums Thema Börse ein Thema, welches immer wieder auftaucht. Dabei geht es um die geplanten Besteuerungsänderungen auf Dividenden für US-Bürger. Wie man sich natürlich denken kann geht es bei den Plänen nicht darum die steuerliche Belastung für Aktionäre zu senken, sondern diese zu erhöhen. Ähnliche Diskussionen wurden ja auch in Deutschland zuletzt auch wieder vom designierten SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück angestoßen, der auch hierzulande die Kapitalertragssteuer anheben möchte.

Die Rechnung, die nun viele Aktienkäufer ausmachen, ist, dass sich durch eine höhere Versteuerung von Dividenden natürlich die Rendite verschlechtert und dadurch Aktien generell in der Bewertung sinken…

Unter der Regierung Bush wurde das hier folgende, bis heute geltendes Steuerrecht, eingeführt: Menschen mit einen Einkommen von unter 35350 $ oder Ehepaare mit einem Einkommen von unter 70700 $ bezahlen aktuell überhaupt keine Steuern auf ihre Dividenden. Alle darüber liegenden Steuerklassen bezahlen 15 %, die einem ja auch als deutschem Aktionär von amerikanischen Aktien sofort vom US-Fiskus abgezogen werden.

Obama grinst, Obama wirtschaft, steuererhöhungen für reiche, mitt romney steuerpläne, steuern, aktien, Versicherungen, Bankkonto, KFZ-Versicherungen, Depotwechsel, Stocks, tax plans, SteuerberatungDie Obama-Administration hat hier jedoch ab Januar 2013 eine gravierende Änderung angedacht und zwar soll dann generell für alle die Dividendensteuer angehoben werden. Die Steuerbefreiung für niedrige Einkommen soll dabei völlig wegfallen und die Besteuerung von Dividenden soll mit dem normalen Einkommenssteuersatz mitlaufen. Wer also zum Beispiel ein Einkommen von über 85651 $ besitzt soll ab 2013 36% Steuern bezahlen (von jetzt 28 % ), diese Steuer fällt dann auch auf Dividenden an. Statt aktuell 15% müssen also schon diese Menschen 36 % ihrer Dividende ans amerikanische Finanzamt abgeben. Die oberen 1 % mit einem Jahreseinkommen von über 250000 US$ sollen sogar 43,4% abgeben. Als Gegenleistung will Obama dafür die Unternehmensbesteuerung von aktuell bis zu 35% auf 28% senken. Großen Unternehmen wird dadurch zwar ein klein wenig mehr Geld für Ausschüttungen zur Verfügung stehen; auffangen wird dies aber die starke Anhebung der Steuern für Privathaushalte nicht.

Obamas Pläne könnten also gerade für die sogenannten Dividendenaristokraten seine negativen Folgen haben und die Kurse drücken, da die Renditen sinken.

Im Extrembeispiel kauft ein Spitzenverdiener heute eine McDonald’s Aktie und hat eine Nettodividendenrendite von 2,975 %. Nach den geplanten Steueränderungen wären es hingegen nur noch 1,98%. Die Befürchtung vieler Aktionäre ist nun natürlich, dass sich dadurch die Kursentwicklung ihrer Dividendenwerte sich massiv verschlechtert. Viele Menschen kaufen ja gerade wegen der wesentlich besseren Dividendenrendite Aktien und legen ihr Geld nicht auf irgendwelche konventionellen Bankkonten ( siehe auch Dividendenaristokraten – deshalb haben wir Kaufkurse. ).

Zusätzlich zu den höheren Steuersätzen könnte sich auch die Ausschüttungs-Mentalität der US-Unternehmen dadurch verschlechtern. Nach dem Absenken der Dividendenbesteuerung im Jahr 2003 gingen viele Unternehmen dazu über wesentlich mehr auszuschütten, da das Geld nun mit sehr geringen Abzügen beim Aktionär ankam. Microsoft und andere Unternehmen schütteten kurz nach der Steuerreduktion sogar große Sonderdividenden aus.

Auch wenn der Steuersatz für uns Deutsche bei 15% bleibt, könnten die Dividendensteigerungen bald lange nicht mehr so üppig ausfallen und der Plan des regelmäßigen Einkommens würde doch um einiges zurückgeworfen. Ein weiteres Problem könnte sein, dass es uns mit US-Aktien bald so geht wie mit Aktien aus Portugal, Italien oder der Schweiz und wir die zu viel gezahlte Steuer über ewig dauernde Verfahren im Ausland einfordern müssen ( Thema Doppelbesteuerung und Quellensteuer-Rückerstattung: Ausländische Aktien und die Quellensteuer ).

Das Thema sollte man unbedingt im Auge behalten und die US-Wahl dürfte schon aus diesem Gesichtspunkt für Aktionäre von amerikanischen Unternehmen extrem interessant sein. Übrigens treffen Obamas Pläne weitaus mehr Menschen als man hier vielleicht denkt. Anders als in Deutschland sind in Amerika sehr viele Menschen direkt Aktionäre eines Unternehmen. Schätzungen gehen davon aus, dass über 100 Millionen Amerikaner Aktien direkt besitzen und noch einmal Millionen Amerikaner dazu kommen, die über Fonds am Aktienmarkt investiert sind.

18 Gedanken zu “Obamas Steuerpläne könnten die Aktienkurse purzeln lassen

  1. IBM hat in den vergangenen 10 Jahre mehr als 136 Mrd. USD an die Aktionäre ausgekehrt in Form von Dividenden und (deutlich mehr) in Form von Aktienrückkäufen. Diese Option bliebe den Unetrnehmen, die ja selbst steuerlich entlastet werden sollen und daher im internationalen Wettbewerb besser dastehen würden.

    Ob die Pläne also einen so großen und negativen Einfluss auf die Aktienkaufkultur der Amerikaner haben werden, muss man mal abwarten. Denn wenn die Maßnahmen dazu führt, dass z.B. in der amerikanischen Industrie wieder mehr investiert wird, weil mehr geld zur Verfügung steht, haben auch wieder mehr Amis einen (gut bezahlten) Job – und die legen ihre Altersversorgung in Aktien an.

    Ich teile aber zumindest Deine EInschätzung, dass Obamas Steuerplan für die Börse kein Bonus ist. Auch wenn ein jährliches Haushaltsdefizit von 1 Billion USD dringend reduziert werden muss. Und das geht in dieser Dimension eben nicht nur über Ausgabenkürzungen, sondern auch über Einnahmeverbesserungen.

  2. Stimmt, viele Firmen stecken mehr in Rückkäufe als in Dividenden. Jedoch ist für die meisten Anleger die Dividende entscheident, weil dies für sie das berechenbare Zusatzeinkommen ist. Viele Investoren sind wegen einem Einkommen in der Rente in Dividendenwerte eingestiegen. Vorallem hab ich die Dividende im Sack, kann schon mal nicht irgend ein Vorstand das Geld verdummen (zB. in Aktienrückkäufe zu Höchstkursen stecken). Erstmal abwarten, es ist wie Du sagst kein Untergang…

  3. Das Problem von Amerika ist ganz einfach, dass diese hoch verschuldet sind und der Staatshaushalt muss saniert werden. Entweder macht man dies, indem man auf dem sozialen Sektor Kürzungen vornimmt oder indem man Dividenden oder Unternehmen höher besteuert und sich das Geld aus der Wirtschaft sozusagen holt. Allerdings finde ich Obama seinen Plan nicht sehr gut, da dies auch gerade kleine Leute trifft die vielleicht auf Dividenden an gewesen sind, zur Aufbesserung des Gehaltes oder für das Alter.
    Auf Dividenden kann man sich nicht als Einkommen sicher verlassen. Das beste Einkommen ist das, was man durch eigene Arbeit erwirtschaftet, außer man hat (was aber 99 % nicht haben) viel Geld auf der hohen Kante und kann davon sein Leben bestreiten.

  4. Lieber Martin,

    das Problem sehe ich einfach darin, dass es eben nicht so ist, dass nur Super-Reiche Aktien oder sonstige Wertpapiere halten; sondern eben vorallem in Amerika auch viele ganz normale Menschen; die diese eben vorallem für harte Zeiten oder für die Versorgung im Ruhestand halten. Wie gesagt über 100 Millionen Aktionär sind sehr viel und darunter befindet sich eben hauptsächlich der gute alte Mittelstand. Wenn hier die Steuern höher gefasst werden führt dies gleichzeitig auch wieder zu einer schlechteren Versorgung im Alter und macht den Sozialstaat wieder nötig; übertreibt man es damit hat man einen Teufelskreis. In Deutschland ist es doch das selbe Problem, dass eben Altersvorsorge sehr schwierig zu realisieren ist (mit derart niedrigen Renditen bei den meisten Formen).

    Das sichere Einkommen ist eben so eine Sache, natürlich gibt es Berufe in denen dieses immer gegeben ist. Dies ist aber heute einfach keine Realität mehr und viele Jobs sind derart schlecht bezahlt, dass man eigentlich ohne Zusatzeinkommen gar keine Familie unterhalten kann. Der Staats muss doch in erster Linie überlegen, wie er Menschen nicht soweit runter bringt, dass sie auf Hilfe von au0en angewiesen sind.

  5. Interessanter Beitrag, aber ich denke einen allzu radikalen Veränderung werden Lobbyvertreter in den USA zu verhindern wissen. Außerdem hält ein großer Teil der Bevölkerung dort Aktien und die wären ebenfalls unzufrieden, wenn ihr Portfolio durch so eine Maßnahme mal eben um 20% abschmiert. Insgesamt ist der US Markt aber sowieso bereits überbewertet, gerade in Relation zu Europa und ich denke es ist Zeit größere Teile in Eurokrisenländer umzuschichten. Spanien würde ich dabei aufgrund des hohen Defizits und der noch zu erwartenden Konsolidierungsrezession untergewichten, aber in Italien oder Griechenland bestehen auch mittelfristig schon gute Chancen. Die USA schneiden auch bei einem meiner bevorzugten Indikatoren, dem Verhältnis der Kurse zu den Gewinnen der letzten 10 Jahre am Schlechtesten ab, wie man hier nachlesen kann: http://makrointelligenz.blogspot.de/2012/10/wohin-mit-dem-geld-investitionsmoglichk.html

  6. Auch der US-amerikanische Staat hat keine Einnahmenprobleme. Die müssten eigentlich nur aufhören pausenlos Krieg zu führen und das Problem wär weitgehend behoben…

  7. Warum sollen Einkünftige aus Kapitalerträge nur mit 15 % versteuert werden? Ist das nicht ungerechnet gegenüber dem Arbeiter, dessen Erträge aus seiner Arbeitskraft wesentlich höher besteuert werden?

    • Hi,

      also erstmal werden ja die Gewinne der Firma bereits in der Firma schon einmal versteuert. Als Aktionär werde ich also bereits bei den Unternehmensgewinnen versteuert und dann noch einmal.

      Der Arbeiter hat eben in unserem Wirtschaftssystem meist nur die Chance sich selbst am Produktivkapital zu beteiligen (ja, ich weiß; dass dies für manche Berufsgruppen mit Familie nicht möglich ist). Dennoch denke ich das eine niedrige Besteuerung für nicht reiche notwendig ist, damit diese überhaupt den Aufstieg schaffen können oder fürs Alter vorsorgen. Machen wir uns nichts vor die Zeiten des Hocharbeitens sind vorbei; Menschen die nicht in eine Familie geboren sind, in der sie Rückendeckung bekommen, müssen anders aufsteigen.

  8. Pingback: Aus anderen Blogs – KW 43 | Kapitalmarktexperten.de

  9. Der Plan ist gar nicht gut. Wie wollen die bei einem ausländischen Investor die Einkommensklasse feststellen? Oder einfach pauschal mit dem Höchststeuersatz besteuern? Na dann Prost! So verjagt man ausländische Investoren.

  10. „Warum sollen Einkünftige aus Kapitalerträge nur mit 15 % versteuert werden? Ist das nicht ungerechnet gegenüber dem Arbeiter, dessen Erträge aus seiner Arbeitskraft wesentlich höher besteuert werden?“

    ==> Schließe mich hier dem Admin direkt an: Die Einkünfte, mit denen ich meine Kapitalerträge erziele, habe ich ja bereits voll versteuert, z.B. in Form von Einkommenssteuer. Deshalb ist hier eine weitere hohe Besteuerung nicht einzusehen.

    Und gleichzeitig kann nicht die Politik permanent nach privater Altersvorsorge schreien, dann aber diejenigen mit hohen Steuern bestrafen, die, z.B. in Form der langfristigen Aktienanlage, dann tatsächlich vorsorgen. Macht irgendwie nicht so richtig Sinn…

  11. Das der Gewinn bereits versteuert wurde ist schon richtig, aber ich hoffe auch, dass ihr wisst, wie hoch die Körperschaftsteuer z.B. in Deutschland ist.
    Das der Kleinsparer dadurch nicht gerade ermutigt wird sich etwas auf die Seite zu legen ist mir auch klar. Das steht aber auf einem anderen Blatt. Es geht darum die Vermögenden gerechter zu besteuern.
    Ich würde deshalb den Freibetrag kräftig anheben, so dass jeder belohnt wird, der sich zusätzlich zur Rente etwas auf die Seite legt.
    I

    • Körperschafts- und Gewerbesteuer zusammen ergeben im Normalfall ca. 30% Steuerbelastung…
      Wird darüber hinaus noch mit 28% Aktienvergeltungssteuer gerechnet, so liegt die Gesamtbelastung bei knapp 50%.
      Dazu kommen noch langfristig ca. 3 % Inflation als zusätzliche Substanzsteuer (Besteuerung von Scheingewinnen auf beiden Ebenen der Besteuerung) .sowie etwaige nicht anrechenbare Quellensteuern, Zeitaufwand zu deren Rückholung (in manchen Ländern wie Italien oder Frankreich dem Vernehmen nach besonders spaßig)…
      Und darauf wollen nun manche noch eine Vermögenssteuer satteln, die natürlich wieder nur für normales Vermögen gelten soll, nicht aber für die versicherungsmathematischen Pensionsvermögen der Damen und Herren Berufsparasiten, die sich auch noch Einkommen in Form von steuerbefreiten Sonderpauschalen auf andrer Leute kosten gönnen…

  12. Die Mehrfachbesteuerung von Geld ist kein wirklich stichhaltiges Argument, denn das Geld im Umlauf ist, wurde ja größtenteils auch schon mehrfach versteuert. Ich denke es ist es eher eine Frage von Gerechtigkeitsvorstellungen und ökonomischer Effizienz.

  13. Es ist aber ein und dasselbe Einkommen, dass mehrfach besteuert wird. Das ist ungefähr so als würde dein Netto-Arbeitseinkommen, nochmal einer 25%-Steuer unterworfen, wenn du das Geld abheben oder per Überweisung ausgeben willst…
    Dann zu behaupten, die 25% wären ja ein geringer Steuersatz ist schlichtweg zynisch und hetzerisch.

  14. Ob die Zinsen aus einer Anlage von Lohn- oder Kapitaleinkommen dann das gleiche Einkommen darstellen, lässt sich durchaus bestreiten. Aber ich denke es ist müßig, dass theoretisch durchzudiskutieren da keine Meinung dazu sich als objektiv richtig herausstellen kann. Letztlich entscheiden Politiker darüber, auf Basis demoskopischer, ideologischer und hoffentlich auch ökonomischer Überlegungen.

  15. Pingback: Obama vs. Romney oder Anleihen vs. Aktien | Der Value Blog

  16. Es geht nicht um Einkommen aus Lohn und Kapitalanlage es geht um das Einkommen, dass durch die Aktivität des Unternehmens entsteht. Mit Hilfe des Kapitals der Eigentümer wird eine Tätigkeit in Gang gesetzt die einen Gewinn erwirtschaftet. Dieser Gewinn wird versteuert (in D mit ca. 30%). Sobald der Gewinn an die Eigentümer geht, wird der Rest dieses Einkommens ein zweites Mal besteuert (mit 28%). Es handelt sich dabei um ein und dasselbe Einkommen. Deswegen stimmen auch all die angeblich niedrigen Steuerquoten von Buffett und Konsorten nicht, weil sie den bereits auf Unternehmensebene angefallen Steuerteil unterschlagen. Was den linken Berufsparasiten vorschwebt ist eine Besteuerung auf Unternehmensebene von 50% und anschließend auf Eigentümerebene von 50% und eine Substanzsteuer auf das Vermögen. Das entspräche einer realen Einkommensbelastung (ohne Berücksichtigung der indirekten Steuern) von über 75%.

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