Wal-Mart; die Aktie der größten Firma der Welt ist nicht ohne Risiken

Wal*Mart ist eine der ganz ganz großen Erfolgsgeschichten des letzten Vierteljahrhunderts. Das Unternehmen, aus dem heute das umsatzstärkste Unternehmen und der größte private Arbeitgeber der Welt geworden ist, hat Ende der 80 und 90er einen Lauf hingelegt, wie man ihn nicht oft erlebt. Den richtig großen Auftritt schaffte das bereits 1962 von Sam Walton gegründete Unternehmen dabei Ende der 80er mit seiner ersten Hypermarket. Hypermarkets sind riesige Verkaufsflächen, die an gigantische Supermärkte erinnern. Am ehesten würde ich es in Deutschland mit den oft eher einfacher gestalteten Marktkauf-Filialen vergleichen (natürlich viel viel größer). Man bekommt in diesen Läden also nicht nur die normalen Lebensmittel, sondern auch eine große Auswahl an Büchern, Elektronikgeräten, Basis-Bekleidung. Praktisch kann man bei Walmart alles kaufen, was man im täglichen Leben braucht.

Wie es für einen Giganten wie Wal Mart üblich ist mangelt es hier nicht an negativen Schlagzeilen, wie angeblichen Arbeitslagern in Mexiko, Kinderarbeit und unmenschlicher Behandlung von Mitarbeitern. Das Image von Wal*Mart ist gerade bei den gebildeten Bevölkerungsschichten nicht das Beste. Was sich auch an zahlreichen Seitenhieben bei den Simpsons bis zu den Alien Filmen (in denen Wal Mart sogar den bösen Weyland Konzern aufkauft) widerspiegelt. Geschadet hat dies alles dem Unternehmen natürlich nicht wirklich; wie bei den Discountern hierzulande wird das Konsumentenverhalten von solchen Meldungen nicht wesentlich beeinflusst…
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Für die Aktionäre war Wal-Mart wohl eines der besten Investments der letzten Jahrzehnte und lässt sich nur mit Erfolgsgeschichten wie Coca Cola oder Caterpillar vergleichen. Der Aktienkurs hat sich seit 1990 fast verdreizehnfacht ( Dividenden nicht mitgerechnet ). Außergewöhnlich ist zudem für eine derart große Aktiengesellschaft mit einer Marktkapitalisierung von über 250 Milliarden $ zudem, dass die Walton Familie aktuell knapp über 50 % der Aktien hält. Dieser Anteil vergrößert sich zudem durch groß angelegte Aktienrückkäufe dauernd weiter. Die Familie rund um die Walton-Erben gehört sicherlich zu den Reichsten der Welt…
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Die Umsätze wachsen natürlich bei einem solchen Riesen nicht mehr in den Himmel und Wal*Mart hatte nach dem wirtschaftlichen Einbruch 2008 / 2009 im Jahr 2011 und 2012 mit 3,4 % und 5,9 % Wachstum wesentlich schlechtere Wachstumszahlen wie vor der Krise. Noch 2008 wuchst der Umsatz um 8,4 %. Wichtig dabei ist jedoch zu wissen, dass der traditionelle Wal*Mart Umsatz eigentlich gar nicht mehr wächst. Das Umsatzwachstum ist auf die Unternehmenssparte Sam’s Club zurückzuführen, einen Großhändler ähnlich der Metro oder den Cash & Carry Märkten. Positiv ist anzumerken, dass sich die Brutto-Gewinn-Marge konstant zwischen 19 und 20% bewegt.
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Die Zeit der überraschend großen Wal-Mart Zuwächse für den Aktionär scheinen aktuell eher vorbei zu sein. Gewinn und Dividende schieben sich zwar voran, jedoch ist das Wachstum nichts besonderes mehr. Das Wachstum liegt hier nicht mehr über 10% bei den Aktionärsgewinnen und von daher ist Wal Mart wohl ganz klar kein Wert für gigantische Wachstumszahlen mehr.

Dies muss aber langfristig nicht schlecht sein, dennoch gibt es einige Risiken für Wal*Marts Zukunft.

Die Risiken

Das Erste ist das Ausland und betrifft die Wachstumschancen: Wie auch andere Großkonzerne versucht Wal*Mart natürlich auch in Wachstumsregionen wie China mächtig mitzuspielen. Gerade hier zeigt sich jedoch ein Szenario, welches Wal*Mart auch in Deutschland erleben musste und zwar, dass das Konzept von riesigen Verkaufsflächen für Endverbrauchen aus den USA nicht überall funktioniert. Wal*Mart versuchte auch hierzulande sein Glück und scheiterte bis sich der amerikanische Riese 2006 komplett aus Deutschland zurückzog. Auch die Metro, die die Wal*Mart Märkte unter dem Namen „real“ weiterführt, kam damit bisher auf keinen grünen Zweig. In China zeigt sich ein ähnliches Phänomen. Zwar läuft es nicht so schlecht wie damals in Deutschland, jedoch scheint auch hier der Konsument eher zu den traditionellen Märkte mit tausenden einzelnen kleinen Händlern zu rennen als in die große stickige Wal-Mart Filiale.

Der zweite große Risikofaktor wird im Online-Handel gesehen. Gerade Amazon wird hier von Analysten als große Gefahr wahrgenommen. In den Bereichen Elektronik, Bücher und anderer Artikel, die nicht täglich gebraucht werden scheint der Internethandel Wal-Mart die Marktanteile für hochpreisige Artikel abzunehmen. Walmart kontert jedoch bereits mit einem eigenen erfolgreichen Online-Shop und Angeboten, die online bestellte Ware im nächsten Wal*Mart Supermarkt abzuholen. Bedenkt man, dass fast alle Amerikaner im Umkreis von 80 Meilen um eine Wal*Mart Filiale wohnen ( in Ballungsräumen sind diese Entfernungen natürlich viel kleiner )ist dies ein nicht zu unterschätzendes Argument. Dieses Risiko wird aber Wal*Mart sicher nicht in die Knie zwingen, selbst wenn weiter Marktanteile im Elektronikbereich verloren gehen sollten werden Lebensmittel wohl noch viele Jahre traditionell mit dem Einkaufswagen beschafft werden.

Auch die Konkurrenz von Wal*Mart scheint wiedererstarkt zu sein. So melden sich bereits abgeschriebene Konkurrenten wie die Kroger-Kette zurück oder Konkurrenten versuchen mit wesentlich kleineren Märkten (u.A. Dollar General) in Gemeinden und Stadtviertel vorzudringen, in denen sich ein riesiger Wal*Mart Hypershop nicht rentieren würde. Generell scheinen also Groß-Märkte nach Jahrzehnten wieder an Faszination zu verlieren und es wurden 2011 erstmals Marktanteile verloren. Ob dieser Effekt gestoppt werden kann muss sich erst noch zeigen. In anderen Bereichen wie dem Fast-Food man in den 90ern bei McDonalds oder Burger King beobachten, wie die einstig erfolgreiche Geschäftsaufmachung einfach nicht mehr funktionieren wollte.

Fazit

Trotz allem bleibt Wal*Mart jedoch die Umsatzstärkste Firma der Welt, die von einem weiteren US-Aufschwung profitieren kann. Zudem verfügt Wal*Mart durch die riesige Produktabnahme und die beste Logistik über Vorteile bei der Preisgestaltung ( viele Produkthersteller aber beklagen die harten Preisverhandlungen mit Wal*Mart und würden den Konzern liebend gern vom Thron gestoßen sehen). Die Aktie notiert bei 75,62 $ und einem KGV von 15,94 mit einer Dividendenrendite von 2,1%. Die Aktie könnte bei einem anhaltenden US-Aufschwung natürlich weiter profitieren. Jedoch gibt es langfristig die Gefahr, dass das Wal*Mart Konzept einfach nach und nach an Akzeptanz beim Konsumenten verliert und dieser lieber wieder in kleiner Märkte einkaufen geht. Auch werden in China Marktanteile verloren. Das Wal*Mart System muss also erst noch beweisen, ob es auch in den Wachstumsmärkten funktioniert. Es gibt also weitaus erfolgversprechendere Plays für die Wachstumsmärkte dieser Welt.

3 Gedanken zu “Wal-Mart; die Aktie der größten Firma der Welt ist nicht ohne Risiken

  1. Prinzipiell nicht teuer bewertet für einen vom Wirtschaftszyklus wenig beeinträchtigten Wert. Aber grundsätzlich denke ich das die USA überbewertet sind. Wie du im aktuellsten Beitrag ja schon erwähnst stehen möglicherweise auch Steuererhöhungen ins Haus, um das Haushaltsdefizit von über 8% des BIPs runterzudrücken. Mir erscheint die Eurozone weiter attraktiver und das auch wegen dem Krisengerede. Sicher wird es noch das ein oder andere Problem geben, Spanien steht sehr schlecht da mit den Konsolidierungsanforderungen ( http://makrointelligenz.blogspot.de/2012/10/austeritatspolitik-bei-einem.html ), aber letztlich fehlt doch hier vorallem Vertrauen und das kann auch schnell zurückkommen. Internationale Aktien im Vergleich analysiert: http://makrointelligenz.blogspot.de/2012/10/wohin-mit-dem-geld-investitionsmoglichk.html

  2. Pingback: Kleine Presseschau vom 22. Oktober 2012 | Die Börsenblogger

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