Spanien ist gerettet – kein starker Kaufgrund für Aktien!

In den letzten Tagen haben sich die Wolken über der Börse wieder kräftig aufgeklart. Die Ankündigung der EZB von vor einigen Wochen, nun unlimitiert Euro-Staatsanleihen zu kaufen scheinen gefruchtet zu haben und die Refinanzierungssituation hat sich so für die Krisenländer erst einmal verbessert. Auch die Aussicht, dass Spanien unter den Euro-Rettungsschirm schlüpft scheint zu beruhigen.

Der DAX notiert mit über 7400 Punkten an einem Stand wie Anfang 2008 nicht mehr. Dennoch sehr ich für mich hier keinen Grund in der breite in Deutsche oder europäische Aktien zu investieren. Zuerst sind die Vorzeichen für viele Unternehmen eher schlecht als gut. Fakt ist, dass die Arbeitslosigkeit in Ländern wie Spanien nach den jüngsten Zahlen sogar noch schneller steigt als erwartet und hier inzwischen über 50% der unter 25-Jährigen ohne Beschäftigung sind und damit mit stark reduzierten Zukunftsaussichten dastehen. Auch in China scheint die Wirtschaft in immer schwerere Fahrwasser zu kommen, was sich durch den Konflikt mit den starken Handelspartnern USA und Japan noch weiter zuspitzen kann. Wie also viele deutsche Unternehmen diese kommende schwächere Nachfrage aus China kompensieren wollen ist mir schleierhaft.

Vielen deutschen Dax-Werten würde ich also erst einmal lieber fern bleiben…
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Die Automobilindustrie mit Daimler, Volkswagen, BMW und Audi steht vor wieder sehr viel schlechteren Zeiten. Die Nachfrage aus Europa ist schon schlecht und auch die Exporte nach Asien werden hoch wahrscheinlich einbrechen. China ordert jetzt international schon weniger Energieträger wie Kohle, was ein sicherer Indiz für verlangsamte wirtschaftliche Dynamik ist.

Auch die großen Versicherungen können von der aktuellen Situation überhaupt nicht begeistert sein. Auf den ersten Blick sind viele Aktionäre von Allianz und Co. zwar beruhigt, dass die EZB die Bonität der Krisenländer garantiert und so in nächster Zeit keine milliardenschweren Abschreibungen auf die gigantischen Staatsanleihenbestände aus Südeuropa zu befürchten sind. Die daraus jedoch folgenden niedrigen Renditen auf Staatsanleihen, die nun für länger Zeit in Stein gemeißelt sind senken hier die Gewinnspannen der Versicherer deutlich und eine Trendwende ist nicht in Sicht.

Die Banken, auch hier sehe ich europäische Werte im großen und Ganzen als wesentlich risikobehafteter als die Bankaktien aus Übersee. Europäische Banken besitzen Assets in Höhe von 300% des europäischen Bruttoinlandsprodukts, während es in den USA nur circa 100 % sind. Die europäischen Banken also wieder auf stabilere Beine zu stellen wird hierzulande viel länger dauern als in anderen Regionen der Welt.

Natürlich gibt es im DAX auch eher defensive Werte wie Fresenius, Beiersdorf, Henkel und Co. Diese sind aber nicht wirklich günstig und werden jetzt schon zu KGVs von einigem über 15 gehandelt und sind so auch kein Schnäppchen mehr.

Im Großen und Ganzen sollte man sich hier nicht an der Nase herumführen lassen. Die Aussichten für viele europäische Wirtschaftsbereiche sind nach wie vor nicht gut. Gerade in Deutschland, in dem sich viele Firmen auf exportabhängige Bereiche wie den Maschinenbau konzentrieren, wird die Lage eher schlechter als besser.

Ein reines Blicken auf Kennzahlen wie dem KGV oder dem Gewinnwachstum der jüngeren Vergangenheit lassen eine Daimler oder Volkswagen Aktie zwar sehr günstig erscheinen; Verdoppler sind diese jedoch bei den derzeitigen Aussichten nicht.

Lassen Sie sich also nicht von der Euphorie verrückt machen und nun in zyklische Werte an ihrem Höhepunkt drängen! Die Stabilisierung der Euro-Staaten ist zwar eine gute Sache für Politik und Banken, wird aber nicht zwangsläufig zu einer plötzlichen Aufhellung der wirtschaftlichen Vorzeichen führen. An hoher Arbeitslosigkeit und heftigem Spardruck der öffentlichen Haushalte hat sich in Europa dadurch nichts verändert.

2 Gedanken zu “Spanien ist gerettet – kein starker Kaufgrund für Aktien!

  1. Warum sollte man derzeit auch teure europäische Festlandswerte kaufen, wenn man gleichzeitig in USA (Microsoft, Intel, Medtronic, Becton Dickinson) oder UK (Tesco) noch zu vernünftigen Kursen einsteigen kann. Einfach eine Frage der Opportunitäten.

  2. Auf dem Höhepunkt der Krise zu kaufen ist in der Regel eine erfolgsversprechende Strategie, das lässt sich empirisch zeigen. Das Wachstum in der Eurozone war verhältnismäßig sehr schwach in den letzten 12 Monaten und die Sparkurse wurden für das nächste Jahr schon deutlich entschärft, also besteht durchaus Anlass zu Hoffnung, dass das tiefste Tal durchschritten sein könnte. Dabei helfen auch die angekündigten Anleihekäufe der EZB, die in der Peripherie die Zinsen gedrückt haben und auch Unternehmen die Finanzierung erleichtern dürfen. Eine Übersicht über erwartete Renditen international Aktienmärkt und grundsätzlich Aktienstrategien finden sich hier: http://makrointelligenz.blogspot.de/2012/10/wohin-mit-dem-geld-investitionsmoglichk.html

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