Ein Staat, der wirklich an die Zukunft denkt; Norwegen und sein Zukunfts-Fonds

Hätte man mich vor meinem aktuellen Artikel gefragt, wer der größte Investor der Welt ist (auch institutionell ), hätte ich wahrscheinlich auf die Anlageabteilung eines globalen Rückversicherer oder vielleicht auf die Bank of New Nork Mellon getippt. Falsch; das größte Vermögen der Welt wird von einem Staatsfond gemanaged. War ja klar, die Chinesen mit ihrer Billiglöhnern oder die Öl-verwöhnten Araber. Auch falsch, das größte Investmentvehikel der Welt kommt aus dem nur 5 Millionen Einwohner starken Norwegen.

Halten sie sich Fest, der Norway’s Government Pension Fund Global ( GPFG ) verwaltet aktuell über 600 Milliarden US$ an Assets und hat damit Konkurrenten wie den Staatsfond von Abu Dhabi hinter sich gelassen. Die Entwicklung des staatlich norwegischen Pensionsfonds lässt einem mit den Ohren schlackern; noch in den 90ern war der Fond einer der kleinsten staatlichen Vorsorgeinvestments der Welt…

Kurz mal den Taschenrechner angeschmissen. Dies bedeutet pro Norweger stehen aktuell mindestens 120 000 US$ an Assets im Depot der staatlichen Vorsorge. Da bleibt einem als Deutschem natürlich die Spucke weg, übernimmt man hierzulande ja bereits im Kreißsaal 25000 Euro an Schulden ( mit Pensionslasten und Co. sind es eher sicherlich einiges mehr ).

Man sollte jetzt aber auch nicht gleich damit anfangen Tomaten auf den so gar nicht schwäbischen Bundesadler zu werfen. Norwegen bewegt sich fiskalpolitisch ja auch in gerade zu einem paradiesischen Umfeld. Durch den enormen Rohstoffreichtum brummt der Export im einzigen skandinavischen nicht-EU-Mitglied wie von allein, auch ohne immer niedrige Löhne und immer mehr soziale Verlierer.

Entstanden ist der Fond 1990 mit der Absicht den Wohlstand aus den Ölverkäufen sozial auf die gesamte Bevölkerung zu verteilen und den aktuell geförderten Reichtum aus dem Boden auch für die nächsten Generationen von Norwegern zu erhalten. Die Überlegung ist also ziemlich simpel: Überschüsse aus dem Staatshaushalt gehen an den norwegischen Pensionsfond; wodurch seit 1996 regelmäßig in den Fond eingezahlt wird.
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Zusätzlich geht der norwegische Staat nach eigenen Hochrechnungen davon aus, dass bereits 2020 der Einkommenszuwachs durch Öl-Export nachgeben könnten. Der Fond hat also das fest vorgegebene Ziel dann staatliche Einnahmeausfälle abzufangen. Dabei hat der Fond einige soziale und ethnische Vorgaben, die ihm Investments in einigen Branchen schlicht nicht erlauben.

Anlageverhalten

Anfangs war der norwegische Pensionsfond noch strikt daran gezwungen in Staatsanleihen zu investieren. Bereits 1998 schien dies aber nicht unbedingt die genialste Zukunftsinvestition zu sein und so wurde der Anteil an Staatsanleihen bereits damals auf ein 60%-Muss gesenkt. Der Anteil von Staatsanleihen wurde inzwischen auf ein Muss von nur noch 40% gesenkt.

Seit einigen Jahren wird auch ein sehr großer Wert auf das Benchmarking gegen vergleichbare Fonds gelegt, daher werden hier vom finnischen Finanzministerium regelmäßig Zahlen über Asset-Gewichtungen und die Performance geliefert ( http://www.regjeringen.no/en/dep/fin/Documents-and-publications/propositions-and-reports/Reports-to-the-Storting/2010-2011/report-no-15-/4/1/1.html?id=644679 ).

Dabei wird von vielen Beobachter beschrieben, dass die Investments des Fonds sehr langfristig gedacht sind, kurzfristige Schwankungen an den Kapitalmärkten spielen keine Rolle. Der Inflationsschutz durch die Anlagen spielt beim GPFG ebenfalls eine sehr geringe Rolle. Da die norwegische Wirtschaft sowieso von Rohstoffexporten lebt, wird hier Inflation als ein eher positives Ereignis gesehen. Mehr Angst hat man vor weltwirtschaftlich deflationären Entwicklungen, weshalb auch sehr niedrig verzinste Staatsanleihen weiter ihren Platz im Depot der Norweger haben. Der Großteil der Anlagen komm aus Europa (was wohl auch an der geographischen Lage liegt 😉 ), wobei der Anteil von Asiatischen Immobilien und Firmeninvestitionen in den letzten Jahren rasant gewachsen ist.
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Auch für den Privatinvestor ist gerade dieses Fonds nicht uninteressant. Der Fond hat nämlich das klare Ziel von Werterhalt und langfristigen Zuwächsen und hat dabei auch extern einige sehr gewiefte Berater an der Hand. Gerade das langfristige Denken, kann jedoch dazu führen, dass hier auch mal mehrmals negative Renditen eingefahren werden, weil beim norwegischen Pensionsfonds zählt bewusst das langfristige Ergebnis. Die Strategie dieses Fonds zu verfolgen scheint mir langfristig ein recht sicheres Modell, wobei es kurzfristige hohe Renditen leider aufgrund seiner Philosophie stark ausschließt. Es ist den Norwegern zu wünschen, dass diese Strategie weiter gefahren werden kann; es war sicher gerade in den 2000ern nicht die einfachste Zeit für einen solchen Fond. Die größte Gefahr der norwegischen Strategie dürfte eher der Wähler als das Konzept sein: so wurde zum Beispiel nach der schlechten Performance ( – 23,3 % ) in der Öffentlichkeit viele Stimmen laut, dass die Fondsstrategie schlicht ein großer Mist wäre. Die Masse der Anleger scheint auch im Norden eher kurzfristig zu denken. Hier kann man den Norwegern also nur wünschen, dass die Bevölkerung nicht zu viel Mitspracherecht bei ihrer finanziellen Zukunft bekommen 😉 .

2 Gedanken zu “Ein Staat, der wirklich an die Zukunft denkt; Norwegen und sein Zukunfts-Fonds

  1. Norwegen ist wieder ein sehr gutes Beispiel für eine wirtschaftliche Schieflage, die einseitig als positiv angesehen wird. Diese 120000€ Guthaben in Staatshand mögen sich toll anhören, man sollte aber niemals die exorbitante Privatverschuldung ausblenden, die damit einher geht. Der durchschnittliche norwegische Privathaushalt ist mit ca 1 mio Nok verschulder (http://www.ssb.no/ifformue_en/) was ungefähr 130000€ entspricht (vergl DE ungefähr 10000€, also über 10 mal mehr). Die Kehrseite der Medaille und vielleicht auch ein zukünftiges Problem…
    Grüße
    David

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