Zykliker, bei manchen ist das Beste schon vorbei ist (Automobile), bei anderen kommts noch

Es gibt Unternehmen, die mehr oder weniger konjunkturabhängig sind. Als konjunkturunabhängig gelten Werte für den täglichen privaten Konsum oder Energiekonzerne. Das Gegenstück sind die konjunkturabhängigen Firmen wie zum Beispiel Hersteller von Baumaschinen oder Automobilen. Nun ist die Überlegung natürlich relativ einfach: in konjunkturell schlechten Zeiten kaufe ich diese Werte, früher oder später geht es wirtschaftlich wieder bergauf und ich bin dann voll mit dabei.

Das Risiko ist natürlich vor allem in vielen Branchen mit schnellem technischen Fortschritt, dass die Aktie auch bei der konjunkturellen Erholung einfach nicht aus den Puschen kommt. Dies liegt dann daran, dass das Unternehmen dahinter einfach inzwischen seinen Marktposition verloren hat…

Ein Beispiel für einen Fall wo ein Hersteller plötzlich mit massiver Konkurrenz in seinem Segment kämpfen muss ist für mich zum Beispiel der Stuttgarter Automobil-Hersteller Daimler, der Anfang der 90 den Markt der oberen Mittelklasse und Oberklasse recht fest in der Hand hatte. Anders wie oft beschrieben ist nicht nur die Chrysler-Übernahme daran Schuld, dass Daimler kein besonders gutes Investment in dieser Zeit war. Ein wesentlicher Faktor ist einfach der Aufstieg von Audi und BMW in das Premiumsegment. War früher noch die E und S-Klasse das Non-Plus-Ultra für jeden Deutschen, der zeigen wollte was er hatte, haben in diesem Segment Autos wie der Audi A6 oder die größeren BMW-Modelle massiv gewildert, was bei Daimler einfach auf den Marktanteil und die Margen geschlagen hat.

Soviel zu Daimler 😉 ( wenns interessiert hier gibt’s mehr ) . Da wären wir aber auch schon bei einer Branche, die momentan eigentlich schon ihre beste Zeit erlebt hat: europäische Automobile. Zwar haben Daimler, Audi, BMW auch aus China steigende Nachfrage zu verbuchen und auch Fiat macht mit Chrysler in den USA gute Gewinne; reichen wird dies aber nicht um die immer schwächere Nachfrage aus der Eurozone zu kompensieren.

Gerade hier ist man also gerade am Gipfel des Zyklus und jetzt einzusteigen hat das Risiko, dass es vielleicht bis nach einer sehr langen europäischen Durststrecke plötzlich unerwartet große Konkurrenz aus China oder sonstwo gibt. Läuft es also blöd sieht man die aktuellen Kurse nie mehr, dies war bereits für viele Daimler Aktionäre, die vor allem Audi unterschätzt haben, der Fall. Großaktionär Abu Dhabi ist übrigens nach neuster Meldung bei Daimler ausgestiegen.

Nun gibt es aber auch Unternehmen, die zwar auch Zykliker sind, die aber noch lange nicht an ihrem Gipfel stehen. Allen voran fällt mir hier der weltgrößte Bau- und Minenmaschinenhersteller Caterpillar ein.

Klar auch Caterpillars Geschäft könnte demnächst einbrechen und so der Kurs fallen; dies ist mir klar. Aber wer nicht dabei ist, wenn Kurse fallen ist oft eben auch nicht dabei wenn sie steigen. Die Frage ist also eher ob es wahrscheinlich ist das es für das Unternehmen in Bezug auf Umsätze und Gewinne nach einer eventuellen Abschwungsphase wesentlich höhere Gipfel gibt als bisher. Dann wäre auch ein Einstieg zu heutigen Kursen in ein paar Jahren ein gutes Investment gewesen.

Hier sehe ich bei Caterpillar, John Deere und anderen gute Chancen, dass bei diesen Aktien irgendwann noch höhere Berge bestiegen werden. Der Bedarf an Baumaschinen und Agrarfahrzeugen wird sicherlich weiter steigen, die Weltbevölkerung wächst, in China, Indien und Brasilien gibt es noch viele Häuser und Fabriken zu bauen.
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So kündigte Caterpillar ja bereits an, dass sie ihre Wachstumsprognose eingedämmt haben, für 2015 aber Umsatzsteigerungen von einem bis zu zwei Drittel erwarten und der Gewinn pro Aktie auch bis dahin um mindestens 25 % steigt. Selbst wenn es wirtschaftlich noch schlechter kommt, dieses Ziel wird einfach aufgrund von Dingen wie Bevölkerungswachstum und dem Entwicklungsbedarf in vielen Schwellenländern früher oder später eintreffen. Hersteller von Baumaschinen mit gutem Namen und guter Qualität haben also noch Potential und sind für mich Zykliker bei denen man auch aktuell noch Einsteigen kann.

Automobile dagegen sind für mich eine unsicher Wette. Wir befinden uns in Zeiten wo das Auto zum immer größeren Kostenfaktor wird, die Urbanisierung voranschreitet und sich der langsame Wandel der Antriebstechniken abzeichnet (wobei ich glaube, dass wir noch sehr lange mit Benzin und Diesel umherfahren werden). Es ist also Fraglich ob Daimler, BMW, Audi und Co. nach dem sehr wahrscheinlichen europäischen Abschwung im Automobilmarkt noch stärker als jetzt herauskommen und neue Absatz und Rendite-Gipfel erklimmen.

5 Gedanken zu “Zykliker, bei manchen ist das Beste schon vorbei ist (Automobile), bei anderen kommts noch

  1. Zu Caterpillar:
    Hier mal die Gewinnreihe eines Jahrzehnts (Gewinn pro Caterpillar-Aktie):
    1,5$
    2,41$
    2,88
    2,67
    4,65
    4,45
    5,16
    6,56
    5,69
    6,53
    6,64
    Eine schöne Gewinnreihe. Ist diese nun darauf zurückzuführen das CAT ein sehr gut gemanagtes Unternehmen ist, oder ist die Ursache dieser Gewinnreihe vielmehr die stark steigenden Rohstoffpreise während dieses Jahrzehnts?

    Es waren die Rohstoffpreise! Die Gewinnreihe von CAT sind nicht wie vielleicht von manchen vermutet die Gewinne der letzten Dekade, sondern die Gewinne von 1971-1981.
    EPS 1982: minus 2,04
    83: -3,12
    84: -2,6
    85: erstmals wieder Gewinn mit +2,11
    (Quelle: 5. Ausgabe von Graham/Dodds Security Analysis)
    Ich sehe viele Parallelen zu heute dreißig Jahre später.

    David Einhorn hält CAT eher für eine Aktie die geshortet werden sollte
    http://www.marketfolly.com/2012/11/david-einhorn-short-iron-ore-great.html
    Und bei General Motors ist er der Meinung daß das beste erst noch kommt.
    http://www.marketfolly.com/2012/10/david-einhorns-presentation-on-general.html

    Gruß Thomas

    • Ein sehr ähnliches Problem sehe ich übrigens bei den Ölgesellschaften, auch wenn die optisch billig aussehen. Aber ich befürchte die Gewinne sind durch hohe durchschnittliche Energiepreise aufgebläht. Ob in der realen Betrachtung diese Preise auf Dauer erhalten bleiben ist in meinen durchaus noch nicht ausgemacht…

  2. Thomas, interessant Zahlenreihe. Stimmt, höhere Rohstoffpreise = mehr Minenaktivität.

    Wir sollten aber nicht dir drei Stocksplits von CAT ( 1994, 1997 und 2004 ) vergessen. Der Gewinn von letztem Jahr pro Aktie lag bei 8,89 $. Dies würde 71,12 $ pro damaliger Aktie entsprechen. Der Gewinn pro Aktie ist also in den letzten 31 Jahren um 971 % gewachsen.

    Hm also langfristig sehe ich aber nicht warum Caterpillar nicht weiter stark wachsen soll. In Asien und Südamerika ist weiterhin viel zu tun allein durch die Urbanisierung und der Bedarf an Infrastruktur, hochwertigem Wohnraum…

    Die US-Autoindustrie habe ich auch unterschätzt…

  3. Ja sehr langfristig (30 jahre) hat die Caterpillaraktie gute Kursgewinne geliefert, selbst wenn man als Startpunkt das damalige zyklische Hoch nimmt. Nichtsdestotrotz hat es erstmal 10 Jahre gedauert bis das 1981-Hoch wieder überwunden wurde. Teilweise ist der Kurs 50% abgetaucht. Und auch 1981 konnte man Megatrends nennen die für ein starkes Wachstum von CAT sprachen. Für mich ist halt die Frage ist heute mit 1981 vergleichbar? Wenn ja, dann warte ich lieber noch ein paar Jahre mit einer Investition in die Branche. Aber ein Glaskugel habe ich auch nicht.

  4. Beim Öl befürchte ich auch das wir in der Nähe eines zyklischen Hochs sind, ich habe aber trotzdem einige Prozent Ölaktien im Depot, was letzlich natürlich nicht ganz konsequent ist. Aber es gibt auch viele Leute die mit Investments in zyklische Industrien reich wurden obwohl sie die Zyklustäler auch voll mitgenommen haben.
    Zyklen bei Aktie im voraus zu erkennen ist jedenfalls nicht direkt einfach. Ich habe jetzt ca. 13-14 Jahre Börsenerfahrung, und davon habe ich die meiste Zeit versucht ausschließlich in Nichtzykliker zu investieren, was mir aber nicht wirklich gelang, denn viele für mich vermeintlich nichtzyklische Aktien stellten sich dann doch also Zykliker heraus.
    Bei Industriezykliken zu denen ich in der Vergangenheit eine Meinung hatte, aber nicht investiert war(Gott sei dank), stellte sich meine Einschätzung des entsprechenden Zyklus sehr oft als falsch heraus. Ich meine aber zu erkennen, das meine Einschätzung von Industriezykliken in den letzten Jahren etwas treffsicherer wurde. Mal schauen wies weitergeht.

    Gruß Thomas

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