Aufpreis für die bekanntere Aktie zahlen, wozu?

Es gibt ja die Börsenregel „Stay with the best“. Warum soll ich Aktien des zweit- oder drittbesten Unternehmens einer Branche erwerben, wenn ich auch das Beste haben kann. Das beste Unternehmen wird dabei gern mit das größte Unternehmen verwechselt. Sicherlich es gibt Aktien bei denen dies sicherlich der beste Schachzug ist. Warum eine Pepsi Aktie kaufen, wenn ich eine Coca Cola Aktie haben kann. Coke hat die besseren Margen, wächst schneller und hat aktuell klar das bessere Management.

Coca Cola hat eine wesentlich höhere Marktkapitalisierung als Pepsi ( 174 Milliarden $ vs 111 Milliarden $ ). Da beide von der Bewertung jedoch nicht derart auseinanderliegen macht dies ja noch Sinn.

Allerdings ist mir in der Nahrungsmittelindustrie aufgefallen, dass hier die Bewertungsunterschiede aus sachlicher Sicht oft überhaupt keinen Sinn ergeben. Anscheinend zahlen hier viele Anleger anscheinend grundlos mehr Geld, nur weil sie durch den bekannteren Firmennamen auf das bessere Unternehmen schließen.

Zuletzt ist mir dies wieder aufgefallen als ich über das nun alleinstehende Kraft Foods Group schrieb. Kraft Foods Group erwartet für das erste Jahr einen Gewinn von 2,6 $ und liegt damit aktuell bei einem KGV von 18,3. Als Wachstumsaussicht wird ein branchenübliches Wachstum af dem nordamerikanischen Markt in Aussicht gestellt; also rechnet hier selbst das Kraft Management nicht damit andere Konkurrenten zu übertreffen.

Nun hab ich einmal als Vergleich die Aktie von General Mills genommen. Die Firma ist ist wohl allein vom Produktmix sehr gut mit Kraft Foods Group vergleichbar. GIS bietet auch Schokoriegel, Eiscreme, Müsli, Pizza, Joghurt und lässt sich damit recht gut gegenüberstellen.

Nun habe ich mir mal kurz angesehen, wie gut die Firma für den Aktionär in den letzten 10 Jahren gearbeitet hat.
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So dies ist jetzt natürlich eine sehr simple Gegenüberstellung, sie soll auch nur zeigen, dass hier keine der beiden Firmen die andere nass machte. Jedoch fällt durch den Spin-Off bei Kraft nun das internationale Geschäft als Wachstumstreiber weg, dies würde also Konkurrenten wie General Mills hier klar zum besseren Kauf machen.

Die Verschuldungsquote liegt bei Kraft übrigens ein wenig niedriger. Kraft hat 0,8345 $ Schulden für jeden Dollar Eigenkapital; General Mills hat einen Verschuldungsgrad von 1,23:1 . GIS hat auch auch einen schlechteren Buchwert.

Auf der anderen Seite besitzt General Mills ein großes internationales Geschäft, mit dem die Wachstumsraten ziemlich sicher über der nun rein nationalen Kraft Foods Group liegen wird. Zudem hat General Mills ausschließlich Produkte mit starken Margen und General Mills (GIS) ist laut neuer Studien „the most trusted company“; „ According to an annual study among the nation’s 150 largest corporations, General Mills has the best reputation among U.S. Consumers” (Quelle: MSNBC ). Im Film American Gangster gibt es ja auch das Zitat “no one knows the CEO of General Mills, but everyone knows the brandmark” (das ganze wurde in der deutschen Übersetzung übrigens in General Motors umübersetzt).

Gerade bei Nahrungsmittel spiel das Vertrauen eine große Rolle und allein durch diesen Bestwert beim Konsumentenvertrauen dürfte General Mills auch national wenig Probleme haben gegebenenfalls neue Marktbereiche einzunehmen.

Mehr für die bekanntere Firma bezahlen?

Also ist für mich klar. Kraft Foods Group ist nun ganz klar die schlechtere Aktie für zukünftige Gewinne und steigende Dividenden als General Mills (oder vergleichbare Nahrungsmittelkonzerne). Auch national halte ich einen Hersteller wie ConAgra mindestens für Vergleichbar was Gewinnpotentiale angeht.

Nun aber die Frage: Warum sind Anleger bereit für eine Kraft Foods Group Aktie derzeit ein KGV von weit über 18 hinzublättern, während das offensichtlich bessere Langzeitinvestment mit gleicher Stabilität (in diesem Fall GIS ) mit einem KGV von 15 für das laufende Jahr bewertet wird?

Anscheinend hat dies viel damit zu tun, dass das Unternehmen beim Normalmenschen bekannter ist. Schließlich prangert das Kraft Logo auf jeder Schokoladenpackung, während General Mills mehr wert auf das eigene Auftreten seiner Produkte legt und seinen Firmennamen nur auf der Rückseite ins Impressum druckt.
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Also scheinen viele Anleger sich mehr von Dingen wie Größe und Bekanntheit einer Aktie beeinflussen zu lassen als von Fakten und Potentialen.

In einer Radiosendung hat ein Wirtschaftsexperte mal davon gesprochen, dass im Durchschnitt Firmen mit enfachen Firmennamen höher notieren als Aktien von Firmen mit konfusen Buchstaben/Zahlen-Kombinationen.

Für Anleger kann ich also nur den Tipp geben, sich nicht nur die größten Firmen einer Branche anzusehen. Diese sind zwar oft durchaus erfolgreich, oft gibt es aber bei Nummer 3 oder 4 der Branche die günstigeren Aktien mit höherem Potential und gleicher Sicherheit. Das Argument mit der umzu größer = besser (was ich doch oft lese) finde ich oft seltsam. Natürlich haben große Firmen oft Vorteile bei der Stabilität, in vielen Branchen haben aber selbst Firmen auf Platz 10 noch Milliardenmarktwerte und ihre stabilen Eckpfeiler.

Oft schrecke ich vor Unternehmen, die bereits zu groß sind, sogar zurück, da es hier sehr schwierig wird durch geschickte Moves für Wachstum zu sorgen. Nehmen wir das Beispiel Coca Cola, hier könnte das Management selbst durch geschickte Zukäufe ihr Gesamtergebnis nur noch sehr gering verbessern. Das Kaufobjekt müsste schon Pepsi oder mindestens Dr. Pepper sein, damit sich hier etwas tut. Solche Übernahmen sind aber schon allein kartellrechtlich recht schwer einzufädeln. Den oft gelesenen Ratschlag: Kaufen sie immer die No.1, kann ich oft nicht unterschreiben.

3 Gedanken zu “Aufpreis für die bekanntere Aktie zahlen, wozu?

  1. Hallo Ulrich,

    interessant – man könnte natürlich noch einwenden, dass Du hier nur das KGV auf Basis eines Jahres vergleichst. Aber dass kleinere Firmen oft niedriger bewertet sind als die Branchenführer ist ja, glaube ich, ziemlich unstrittig.

    Es ist gut, dass Du die Frage des Risikos direkt in die Betrachtung einbeziehst – denn grundsätzlich dürften große Unternehmen weniger riskant sein und damit eine höhere Bewertung rechtfertigen. Die Frage ist nur, ob es diese Unterschiede bezüglich des Risikoprofils tatsächlich schon zwischen der Nummer 1 und der Nummer 3 einer Branche gibt – oder doch eher erst zwischen der Nummer 1 und der Nummer 30? Oder ist das tatsächlich ein gradueller Prozess?

    Wo Du die Übernahmen ansprichst: Für mich ist das sogar ein Risiko, das spezifisch besonders große Konzerne tragen – die Möglichkeit, dass sie versuchen durch spektakuläre, aber überteuerte Zukäufe zu wachsen, die letztlich Wert vernichten. Kraft/Schweppes war vor einigen Jahren ja ein recht kontroverses Beispiel dafür. Auf die Bewertung dieser Megakonzerne scheint das Risiko aber nicht durchzuschlagen. Also bin ich vielleicht der einzige, der das so sieht. 😉

    Viele Grüße
    Holger

  2. Hallo zusammen!

    Gegenbeispiel:

    McDonalds, Burger King oder Subway?

    Wenn ich durchs Gewerbegebiet gehe, wo die Schnellrestaurants alle in unmittelbarer Nachbarschaft voneinander liegen, sehe ich bei Subway: Kein Kunde im Laden. Bei BK: Einige wenige Kunden. Bei MCD: idR. min. 50 % aller Sitzplätze belegt, d.h. gute Auslastung. Wenn ich das einfach auf den Weltmarkt übertrage, bedeutet das, dass MCD wesentlich mehr Geld verdient als die Wettbewerber. Wegen diesem Geld sind mehr Investitionen und schnelleres Wachstum möglich. In neuen Orten kann man schneller vor Ort sein und die guten Standorte besetzen. D.h. vermutlich wird der Wertzuwachs des Unternehmens deutlich höher sein als bei den Mitbewerbern. Wenn die Bewertung also nicht völlig überzogen ist, mache ich hier das bessere Geschäft.

    BTW: Wenn es einen eindeutigen Marktführer gibt, hat das meistens einen Grund. Und solange dieser Grund bestehen bleibt, verdient der Marktführer das meiste Geld. Beim Kauf muss ich nur ggf. auf einen Bewertungsfehler (zu niedrige Bewertung) warten.

    Viele Grüße

    Tobias

  3. @Tobias: Das ist wahr,es ist für aber fast schon absurd warum McDonalds auch hierzulande so gut luft, während Burger King massiv Proble hat. Die Fillialen von Burger King finde ich inwzischen nicht schlechter als die von Mc; vom Essen her gebe ich mir beides sehr selten 😉 ; sehe aber hier auch nicht die große Geschmacks oder Qualitätsunterschiede.

    McDonald’s hat mit dem McCafe unc Co aber gutes Moves gemacht auch wieder älter und sozial höherstehende Kunden in den Laden zu bringen.

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