Mondelez – Kraft Foods Spin-Off, da könnte viel Musik drin sein

So, nachdem ich vorgestern den ersten Teil meiner kurzen Untersuchung der Aufteilung des amerikanischen Nahrungsmittel-Konzerns Kraft Food geschrieben habe, folgt heute nun der zweite Teil. Dabei geht es um die Aktie des nun abgetrennten internationalen Geschäftsbereichs Mondelez.

Kurz für diejenigen, die sich noch nicht mit der Aufspaltung von Kraft Foods beschäftigt haben. Der Hersteller von hierzulande bekannten Marken wie Milka Schokolade, Philadelphia Brotaufstrich und Jakobs Kaffee hat zum 1. Oktober eine Aufspaltung (Spin) umgesetzt. Dabei wird das Nordamerika-Geschäft von der bereits hier besprochenen Kraft Foods Group betrieben, während das internationale Geschäft unter dem neuen Firmennamen Mondelez formiert.

Wie man sich sicher denken kann bietet gerade das Geschäft in den Schwellenländern wesentlich mehr Potential als das wachstumsschwache Geschäft in Nordamerika. Doch nicht nur Märkte wie China oder Brasilien wecken Aussichten auf große Wachstumsraten, auch das Europa Geschäft läuft für Kraft (jetzt Mondelez) wie geschmiert…

Zuerst habe ich mir natürlich einmal die Zahlen der letzten Jahre angeschaut.
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Hier sieht man natürlich, dass es hier sowohl beim Umsatz als auch beim operativen Ergebnis sehr gut läuft. Wobei die hohe Steigerung von 2009 auf 2010 zum großen Teil durch die damals erfolgte Übernahme des Süßwarenherstellers Cadbury erfolgt ist. Auch darf man nicht den damals schwächeren US-Dollar vergessen, der hier natürlich sehr schönt. Doch auch von 2010 auf 2011 stieg der Umsatz um über 15%; so, dass man Mondelez wohl weiterhin recht hohe Wachstumsraten zutrauen kann. Natürlich sollte man hier eher konservativ in die Zukunft blicken, gerade in Europa, welches fast die Hälfte des Umsatzes stellt, wird es in einigen Regionen sehr schwierig sein stark zu wachsen.

Kraft/Mondelez hat bereits angekündigt, dass es davon ausgeht seinen Umsatz in den nächsten Jahren um 5 bis 7 % zu steigern. Der Gewinn pro Aktie soll dabei im niedrigen zweistelligen Bereich zulegen.

Ein zweistelliges Gewinnwachstum pro Aktie ist natürlich eine sehr guter Ausgangswert für einen Nahrungsmittelkonzern. Mit einem operativen Gewinn pro Aktie von 1,50 bis 1,55$ (für dieses Jahr) und einem Kurs von 28 $ ist die Aktie aber auch nicht billig. Das KGV wird dann wohl bei 18.5 bis 19 liegen.
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Natürlich sollte man immer bedenken: Einer der größten Kurstreiber sind immer die Zukunftsfantasien und da sieht es gut aus. Die Weltbevölkerung ist nach wie vor am wachsen und die Mittelschicht weltweit wächst zudem stark. Dazu kommt, dass das Geschäft mit Süßigkeiten und Snacks generell in Wachstumsregionen schneller zulegen kann als das Geschäft mit Grundnahrungsmitteln.

Im Vergleich zu anderen internationalen Wachstumsstorys der Nahrungs- und Getränke Branche ist die Bewertung auch immer noch unter der Peer-Group. Bei Coca Cola rechnen Analysten in den nächsten 5 Jahren von einem durchschnittlichen Gewinnwachstum von 7,38%, die Coke-Aktie wird zu einem KGV (fürs laufende Jahre) von 19,17 gehandelt. Eine Pepsi Aktie, die ich aufgrund des ebenfalls starken Snackgeschäfts für den am vergleichbarsten Kontrahenten sehe, wird mit einem laufenden KGV von 17,39 gehandelt ( bei einem allgemein geschätzten Gewinnwachstum pro Aktie von nur 4,55 % in den nächsten 5 Jahren ). Da hat Mondelez natürlich ganz andere Wachstumsfantasien mit geplanten zweistelligen Gewinnwachstumsaussichten, schließlich hat man das langsam wachsende US-Geschäft nicht mehr am Bein.

FAZIT

Während ich die Kraft Foods Group Aktie derzeit für zu teuer halte, kann ich dies von Mondelez so nicht sagen (außer der Markt dreht natürlich 😉 ). Zwar ist ein KGV von 18 bis 19 sicher kein Pappenstiel; bedenkt man aber die sehr guten Wachstumsaussichten kann die Aktie natürlich in den kommenden Jahren dennoch sehr gut laufen. Starkes Wachstum, konservative Branche und sehr bekannte und etablierte Marken sind sicher starke Argumente für viele Aktienkäufer. Natürlich gibt es aktuelle Ängste um die Wirtschaftslage in China und Europa, diese würden aber jeden anderen internationalen Lebensmittelkonzern ebenfalls in Mitleidenschaft ziehen.

7 Gedanken zu “Mondelez – Kraft Foods Spin-Off, da könnte viel Musik drin sein

  1. Sehr schöner aufschlussreicher Artikel.
    Kurze Frage: Wo ist denn der englische Artikel über Henkel von vor ein paar Tagen hin? Den finde ich nicht mehr.

    • Der Fiskus tut so als ob ein Spin-Off ein Ausschüttung ähnlich einer Dividende wäre. Dies ist zwar Quatsch weil sich ja das alte Unternehmen lediglich aufteilt und daraus ja noch kein Mehrwert entsteht, so ist es aber in Deutschland.

      So etwas kann einen ganz schön Ärgern!

  2. Das liegt daran, dass du dein Geld gefälligst in Bundesschätzchen anlegen sollst, damit du auch im Alter schön vom Wohlwollen der Politiker abhängig bist. ALso wird alles, was dem Vermögensaufbau dienlich sein könnte, besteuert wos nur geht, und unter den abenteuerlichsten Vorwänden. Schließlich werden selbst die echten Ausschüttungen schon aus versteuertem Einkommen geleistet, die wahre Steuerquote liegt also weit höher. In Deutschland aktuel auf Aktien bei ca. 30-48% (je nach Ausschüttungsquote). Mit der angedachten Erhöhung sinds dann (ohne nicht anrechenbare Quellensteuern) bis zu 52,5%. Wo kämen wir denn da hin, wenn jeder einfach Vermögen anhäufen könnte und im Alter den Politikern, die Versprechen zu Lasten der jüngeren und demographisch unterlegenen Generation machen, gepflegt den Mittelfinger zeigen könnte…

  3. die besteuerung des spin-offs als ertrag ist absolut ungerecht und somit widersprechend eines rechtstaatlichen systems, das die brd vorgibt zu sein.
    dass das alte unternehmen aufgeteilt wird in 2 neue, erfolgt meiner ansicht nach nur, um besser die einzelteile bewerten zu können. schnell wachsend (international) / langsam wachsend (usa).
    es hat aber keinen vermögenseinfluss ob ich 3 aktien kraft foods alt habe oder ob ich 3 aktien mondelez + 1 aktie kraft neu besitze. solange ich keine aktien davon tatsächlich verkaufe, sollte auch gerechterweise keine steuer anfallen.

    (das ist so, als wenn jeder aktionär beim kurzfristigen kusanstieg seiner weiterhin im depot gehaltenen aktien einen virtuellen gewinn als steuern bezahlen muss, obwohl gar nicht vorhat, die aktien zu verkaufen.)

    meine frage ist, wie und wo kann man gegen diese ungerechte besteuerung eine klage einreichen? gibt es die möglichkeit, dass sich mehrere kleinaktionäre zu einer sammelklage zusammentun?

    vielen dank, bin um jedes feedback dankbar

    ps: aus analystensicht macht dieser spin-off bestimmt großen sinn, wegen besserer bewertbarkeit der teile. aber das unternehmen müsste doch über die besteuerung schon vorher bereits bescheid gewusst haben, wieso haben sie dann diesen deal entgegen den shareholder value gedanken überhaupt durchgezogen?
    zuerst die sehr teuere übernahme von cadburry, um größer zu werden, und jetzt aufspaltung um wieder kleiner zu werden. richtig verdienen tun dabei nur die investmentbanken und berater.

  4. @Kraft: Eine Klage wäre eine interessante Sachen. Nur müssten dies wohl Menschen machen, die weit größere Beträge investiert haben als wir hier. Die Kosten / Nutzen Rechnung sagt mir, dass es sich nicht lohnt wenn ich nicht mit mehreren Hunderttausend in Kraft bin.

    Zum Spin-OFF. Nunja die amerikanischen Firmen schauen natürlich zuerst auf die amerikanische Gesetzeslage und dort ist ein solcher Spin-Off steuerfrei. Wie Deutschen schauen eben mit dieser unsinnigen Regelung in die Röhre. Genauso ärgerlich ist es wenn manchen Firmen bei ihren Splits praktisch Aktien als Dividenden ausschütten und man dann auch wieder auf diese neuen Aktien Steuer zahlen muss.

    Der Deal mit Cadburry stand wohl an als bei Kraft noch nicht ernsthaft über einen Spin-Off nachgedacht wurde. Diese wurde erst erwogen als Kraft eben über Jahre wesentlich weniger Rendite für die Aktionäre gebracht hat als andere Nahrungsmittelgrößen.

  5. Pingback: Kleine Presseschau vom 4. Oktober 2012 | Die Börsenblogger

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