Bundesregierung will Hochfrequenz-Handel kontrollieren – ob es das bringt…

Die Bundesregierung hat am heutigen Tag einen Gesetzentwurf beschlossen, der die Finanzmärkte enger an die Leine neben soll. Dabei geht es aktuell um den sogenannten Hochfrequenzhandel, der in Deutschland immerhin bereits 40 % der Handelsaktivität an der Börse ausmacht.

Der Hochgeschwindigkeitshandel ist eines dieser heißen Themen, spätestens seit dem Blitz Crash (engl. Flash Crash ) im Mai 2010. Am inzwischen berühmten 6. Mai, an dem der Dow Jones innerhalb von Minuten plötzlich 1000 Punkte ( – 9 % ) an Wert verlor. Das nicht mehr Menschen entscheiden ob ein Wertpapier gekauft oder verkauft wird, sondern ein Computer dies entscheidet macht schon ein wenig Bedenken. Steuern die Computer also inzwischen die Finanz- und damit die reale Welt und wie gefährlich ist dies für den Kleinanleger?…

Zuerst einmal kurz erklärt was man unter Hochgeschwindigkeitshandel versteht. Anders als in früheren Zeiten entscheiden heute bei sehr vielen Transaktionen nicht mehr reale Menschen, sondern ein sogenannter Computeralgorithmus über den Kauf oder Verkauf von Aktien.

Dabei nutzt der Computer natürlich vor allem seine Schnelligkeit gegenüber Menschen und kann durch den Kauf und Verkauf von Wertpapieren im Millisekundentakt kleine Gewinnmargen herausholen. Bedenkt man aber die vielen tausend Deals mit großen Summen ist dies für die Betreiber dieser Supercomputer natürlich ein riesengroßes Geschäft.Flash Crash computer an der börse aktie volatilität handelscomputer börsenpanik kursruscht s&p - 7% aktien stürzen ab

Nun hat man aber natürlich erst einmal Angst vor der ganzen Sache. Schließlich werden ja an der Börse reale Werte gehandelt, die in der realen Welt existieren. Da kommen dann natürlich Ängste auf! Kann der Computer einen Fehler fabrizieren und so die Finanzmärkte und in Folge auch die reale Wirtschaft auf Talfahrt schicken und damit Arbeitsplätze und Vermögen vernichten?

Dabei denke ich, dass diese Angst eigentlich unbegründet ist, da es ja spätestens bei sehr schnellen und extremen Kursschwankungen den Betreibern und Softwareschreibern, die hinter dem Computer stehen, auffallen wird, dass etwas nicht stimmt und die Maschine abschalten. Danach wird alles wieder korrigiert und fährt wieder auf normal. Das also Computer wirklich alles in die Tiefe reisen ist doch sehr, sehr unwahrscheinlich.

Dumm kann die Sache natürlich dennoch werden, wenn man als Kleinanleger seinen Aktienbesitz mit einem sogenannten Stop-Loss abgesichert hat, um sich vor Kursverlusten zu schützen. Beim Stop-Loss wird eine Aktie oder ein sonstiges Wertpapier automatisch beim Durchreisen eines bestimmen Kurses verkauft, so das man sein Verlustrisiko begrenzen kann. Was aber wenn ein Computerfehler einen kurzzeitig heftigen Absturz einer Aktie auslöst und dann die Aktie aus meinem Depot verschwindet und nach ein paar Sekunden ist der Spuk vorbei?

Dies ist natürlich ein spannendes Thema und ich bin mir sicher, dass wir hier noch mehrere Meldungen über Prozesse gegen Betreiber von solchen Handelscomputern sehen. Bis jetzt fielen hier die Strafen jedoch eher lächerlich aus.

Persönlich sehe ich das Risiko hier auch eher begrenzt. Natürlich, wer im Minutentakt kauft und verkauft kann sicherlich durch das Handeln der Großcomputer verlieren, da diese einfach immer einen Klick voraus sind. Jedoch wäre das ganze auch mit rein menschlichen Kontrahenten nicht weniger Risikobeladen, da diese zwar nicht nach Algorithmen handeln, dafür aber nach Emotion.

Für den langfristigeren Anleger sind die Risiken durch den Hochfrequenzhandel jedoch begrenzt. Hier gilt wohl nach wie vor die Regel: „Alles kommt irgendwann auf seine faire Bewertung“. Computer können sicherlich in Millisekunden irgendwelche Muster aus Transaktionen und Charts herauslesen, langfristig jedoch ein Unternehmen beurteilen? Dies ist eine ganz andere Sache und daher wird auch weiterhin der Kurs früher oder später den fairen Wert eines Unternehmens widerspiegeln, schließlich gibt es ja den Menschen als Marktteilnehmer nach wie vor (auch wenn dies bekannterweise sehr lange dauern kann 😉 ). Die Angst, dass also langfristig der Kleinanleger nur aufgrund irgendwelcher Börsencomputer verliert sehe ich nicht. Der normale Anleger sollte sich aus sehr schnellen Geschäften mit Gültigkeit von Sekunden oder Minuten sowieso heraus halten. Hier kämpft er einfach gegen übermächtige Gegner (die oft auch mit gezinkten Karten spielen oder diese selber herstellen).

Was die Bundesregierung heute also im Kabinett verabschiedet hat ist wohl eher öffentlichkeitswirksam als besonders wirksam. Die bösen Finanzmärkte kommen mehr an die Leine, dies soll die Message sein. Ob aber eine Börsenaufsicht wirklich die Computersysteme und die sich dauernd verändernde Software dahinter effektiv kontrollieren kann, wage ich zu bezweifeln. Was natürlich gelingen könnte wäre durch eine Börsenumsatzsteuer diese Geschäfte in einzelnen Staaten unattraktiv zu machen, dann würden diese Handelscomputer wohl von selbst abgeschaltet.

Irgendwo auf der Welt würden sie aber garantiert wieder aufgebaut und dann eben über einen anderen Börsenplatz das Spiel lustig fortsetzen.

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