Kapitalertragssteuer – BRD versus privaten Vermögensaufbau

Kurz zur Vorgeschichte. Seit einiger Zeit besitze ich Aktien des amerikanischen Eisenbahn-Unternehmens Norfolk Southern und befinde mich derzeit in der prozentual niedrig-zweistelligen Gewinnzone. Heute gab Norfolk Southern für das aktuelle Quartal eine deutliche Gewinnwarnung heraus. Laut Management soll der Gewinn pro Aktie sich im aktuellen Quartal nur in einer Spanne von 1,18 $ bis 1,25$ belaufen. Analysten hatten einen Gewinn von über 1,6 $ erwartet.

Als Ursache wird übrigens der starke Rückgang an Kohletransporten und eine Schwäche beim Transport für den Einzelhandel genannt. Zusätzlich kommt hinzu, dass dadurch auch 80 Millionen $ an Treibstoff-Zuschlag verloren gehen. Bitter, bitter! Aber kein Grund für mich nicht weiterhin an dieses tolle Unternehmen zu glauben.

Nun habe ich natürlich mit dem Gedanken gespielt meine Aktien jetzt zu verkaufen, einen starken Kursrutsch abzuwarten und dann wieder einzusteigen. Das Problem bei der ganzen Sache ist aber wie so oft die Kapitalertragssteuer und der Soli, die sich beim Aktienverkauf immerhin auf 26,375% belaufen…

Bin ich also zum Beispiel mit 10 000 Euro im Plus und verkaufe nun, müsste ich ja schon 2637,5 € Euro ( abzüglich der Orderkosten) an den Fiskus überweisen. Die Aktie müsste also mehr also stark nachgeben, dass sich ein Wiedereinstieg für mich wieder lohnt. Da bin ich dann immer skeptisch, ob ich dieses Risiko eingehe. Nicht in einer Branche, die sich auf kurz oder lang im Aufschwung befindet. Vielleicht geht es ja gar nicht so weit abwärts, weil andere nur darauf warten in das lukrative Eisenbahngeschäft einzusteigen.
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Hier wären wir ja schon bei einem sehr wichtigen Thema, welches im Bezug auf die Private-Vorsorge-Debatte angesprochen gehört. In Deutschland soll man selbst vorsorgen, bezahlt aber für Zinsen, Dividenden und Co. 26,375 % Kapitalertragssteuer + Soli (außer man liegt unter der Freistellungsobergrenze von 800 Euro pro Nase/Jahr , die man ja hoffentlich im Zuge seiner privaten Vorsorge irgendwann reißt).

Wenn die Politik die Sache mit der privaten Vorsorge ernst nehmen würde, dann wäre hier doch ein guter Ansatz. Statt damit anzufangen Geld aus der Rentenkasse in Riester-Renten-Zuschüsse umzuwandeln und (wie ich heute im Radio hörte) sich endlose Gedanken um die Ausgestaltung von Riester-Infoblättern zu machen könnte man doch hier einmal an die Kapitalertragssteuer denken.

Rechnet man sich nämlich aus, was einem in Deutschland (in den USA sind es nur 15 % Kapitalertragssteuer), durch diese hohe Steuerlast auf seinem Sparbuch, Festgeldkonto oder Depot auf Dauer durch den Zinses-Zins oder das Wiederanlegen von Dividenden und Verkaufsgewinnen verloren geht stehen einem die Haare zu Berge.

Spricht man über das Thema mit Leuten, die kein Geld haben (oft auch weil sie alles in Autos, teure Urlaube und Co stecken), dann erntet man bei dem Thema Unverständnis. „Was Du bekommt mehr als 800 Euro im Jahr an Kapitalerträge??? Skandal, Bonze, ohne Arbeit…“. Das ist natürlich Schwachsinn, soll man wirklich für den Fall von Arbeitslosigkeit oder kleiner Rente vorsorgen benötigt man ganz andere Summen an Kapitalerträgen. Hier schlägt die Steuer aber gnadenlos zu.

Gerade bei Dividenden ist dies aber doppelt Ungerecht. Da das Geld, dass man als Aktionär bekommt ja schon einmal im Unternehmen versteuert wurde. Da mir als Aktionär das Unternehmen ja zum Teil gehört wird mein Verdienst hier also doppelt besteuert. Persönlich bin ich ja der Meinung, dass sich aufgrund des Risikos, welches durch ein Investment in die Wirtschaft entsteht (schließlich werden durch mein (zum Teil) Unternehmen ja auch Arbeitsplätze geschaffen), sich Investment auch lohnen muss und mir natürlich ein wesentlich höherer Ertrag zusteht als jemandem der kein Risiko eingeht.

Dann könnte man ja bei einem Immobilieneigentümer genauso die Miete besteuern und dann noch einmal Steuer erheben, wenn der Vermieter das Geld auf seinem Konto einzahlt. Nun höre ich aber auf, sonst bringe ich den Fiskus hier noch auf neue Ideen.

Natürlich sieht die Situation anders aus bei Menschen, die mehrere tausend Euro pro Monat an Kapitalerträgen erzielen. Man könnte theoretisch also auch Kapitalerträge gestaffelt verzinsen, was wohl aber nicht stattfinden wird (Thema Gleichbehandlung und zweitens ist das große Geld eh bei der Masse zu holen).

Das Thema gehört aber sicher mehr ins Bewusstsein. Wenn die Politik wirklich eigenständige Vorsorge fördern will, sollte sie sich hier Gedanken über die Besteuerung (Abgeltungssteuer) und die damit folgende Erschwerung des Vermögensaufbaus machen. Die schelte, dass die Politik mit privater Vorsorge eher Unterstützung von Banken und Versicherungen meint spare ich mir an dieser Stelle.

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