Der Euro muss sinken und die armen Rentner von morgen

 

Wer in meinen Blog ab und an mal rein liest wird bemerkt haben, dass ich in letzter Zeit ( ValueBlog.de gibt’s ja erst seit diesem Jahr) eigentlich nur amerikanische und kanadische Werte gekauft habe. Dies liegt zum einen sicher daran, dass amerikanische Unternehmen wesentlich bedachter drauf sind auch ihre Kleinaktionäre am Gewinn teilhaben zu lassen als viele hiesige Unternehmen. Ein weiterer langfristiger Grund, neben demographischen Problemen, ist ein anderer und sehr entscheidender: der Euro muss einfach sinken…

Mit „sinken“ meine ich jetzt nicht, dass der Euro morgen untergeht. Wir werden nicht morgens aufwachen und plötzlich mit einem Globo, mit Goldstaub oder mit Zigaretten bezahlen. Etwas anderes kann gedacht werden, bringt einen aber auch nicht wirklich weiter.

In der letzten Woche hat der Euro ja ein kleine Rally hingelegt und steht nun knapp über 1,31 US$. Gerade wer auf ein regelmäßigen Einkommen durch Dividenden setzt und im Ausland investiert sieht es natürlich gar nicht gerne, wenn der Euro steigt. Dies bedeutet nämlich, dass bei der nächsten Dividendenzahlung weniger Kaufkraft aufs Konto überwiesen wird.

Recht langfristig gedacht ist es aber sicher egal, ob sich ein Unternehmen im Dollar, Yen, Pfund oder Euroraum befindet. Ist das Unternehmen gut aufgestellt und kann sich auch in Zukunft bewähren werden auch Wechselkurse nichts daran ändern können, dass der Aktionär über längere Zeiträume profitiert. Ein komplettes Zerbrechen oder Niedergehen einer Währung mal ausgeschlossen. Als wären wir bei Währungsschwankungen mal wieder beim Thema „nicht dauernd ins Depot schauen“. Der Euro und Dollarkurs kann sich von heute auf morgen sowieso jederzeit um mehrere Prozent ändern. Die Troika ist skeptisch, Bernanke hat vielleicht dieses oder jenes damit sagen wollen, Merkel wartet ab … und schon heißt es an den Devisenmärkten rein oder raus in diese und jene Währung.

Nun wage ich hier jetzt mal die These, dass es dennoch besser ist seine Dividendenwerte für alle Fälle lieber im Dollarraum zu suchen.

Es gibt dafür eigentlich einen ganz entscheidenden Grund: Die EZB will und muss gegebenenfalls mit allen Mitteln für einen eher schwächeren Euro sorgen. Wertet der Euro nämlich stark auf, wären alle Bemühungen die Wettbewerbsfähigkeit in vielen europäischen Staaten zu steigern einfach für die Katz. Immer wenn der Euro steigt werden Waren aus der Eurozone auf dem Weltmarkt für andere teurer. Während Politik, Spitzenbeamte und Volkswirte sich also Einen abmühen um Griechenland, Süditalien, Portugal, Spanien und Frankreich wieder oder erstmalig auf Kurs zu bringen, kann dies alles durch eine Euroaufwertung wieder zunichte gemacht werden. Jeden kleinen Prozent der an Löhnen, Renten und Staatsausgaben in ewig langen Prozessen in diesen Volkswirtschaften eingespart wird, würde durch einen stärkeren Euro doch sofort wieder zunichte gemacht werden.

Natürlich ist dies für den Sparbuchsparer eine sehr dumme Sache.
Alterarmut Vorsorge bringt nix Riester, Lebensversicherungen, Sparbuch, Immobilie, Eigentumswohnung, ETW, privat Vorsorgen, Betriebsrente
Dabei wäre ich natürlich schon beim nächsten Thema, welches mich ein wenig aufregt. Da ich in letzter Zeit, durch das viele Hartz IV-TV, mal wieder Lust auf solide Schauspielkunst hatte schaute ich mir ein paar der großen Polittalks im Fernsehen an. Hier war mal wieder das Thema Altersarmut dran und Super-Mutti von der Leyen und zahlreiche FDP-Politiker faseln immer wieder etwas von privater Vorsorge. Das ist ja auch richtig! Was aber nicht gesagt wird wie? Also wenn man den Menschen wirklich helfen will muss man den Leute schon ein wenig konkretere Aufklärung bieten. Wobei ich sowieso das Gefühl habe, dass viele Politiker selbst von privaten Finanzen überhaupt keinen Plan haben.

Ehrlich, mit der Standard-Anlage in irgendwelche Versicherungsprodukten, die in Staatsanleihen investieren. ist doch die teilweise Vernichtung eines Vermögens wirklich schon bereits beschlossene Sache. Die Zinsen werden hier längere Zeit um jeden Preis niedrig gehalten werden müssen.

Würde es die Politik wirklich ernst mit der privaten Vorsorge meine, sollten die öffentlich rechtlichen Sender lieber einmal ein wenig Hintergrundwissen zum Thema Anlegen ausstrahlen. Auch wenn viele Fachkundige in Börsenforen sehr arrogant sind und auf Menschen, die immer noch mit irgendwelchen Ramsch-Versicherungs-Absicherungen ihre hart erarbeitete Kaufkraft verdaddeln, hinunter sehen, lässt mich Altersarmut und sozialer Abstieg nicht kalt. Natürlich ist jeder Mensch für sich selbst verantwortlich, aber nicht jeder kommt auf die Idee sich selbst mit dem Theme Geldanlage zu beschäftigen oder ist einfach kein guter Autodidakt, um sich Informationen selbst aus dem Internet oder aus Büchern zu erlesen (zudem treiben sich hier auch viele Bauernfänger herum). Die Politik sollte, wenn es ihr wirklich ernst mit der finanziellen Absicherung ihrer Bürger wäre, endlich aufhören die Versicherungsbranche zu pushen und endlich für Finanzunterricht im Fernsehen oder in der Schule sorgen!

6 Gedanken zu “Der Euro muss sinken und die armen Rentner von morgen

  1. Hallo erst mal. Ich verfolge Ihren Blog schon seit geraumer Zeit und bin bis jetzt recht positiv von Ihren Beiträgen überrascht.
    Eines geht mehr mir jedoch mit Ihrer Logig bezüglich der Langfristanlage in amerikanische Werte und dem vermeiden von eurpäischen soliden Werten nicht ganz auf. Ich möchte eigentlich hier nur auf die deutschen Titel eingehen. Sind deutsche große Titel oder sogar mittelständische Titel nicht auch Weltweit vertreten? Soweit ich dies in den letzten Jahren verfolgt habe machen diese auch einen erheblichen Gewinn im außereuropäschen Ausland. Dürfte somit nicht das Risiko des demographischen Wandels gedämpft oder sogar beseitigt sein. Ausßerdem dürften mittelfristig eher die deutschen Titel davon profitieren, wenn der Euro noch weiter abgewertet wird.

  2. @Johnn: Guten Morgen,

    also bei deutschen Werten sehe ich bei vielen Unternehmen eine recht große Konjukturabhängigkeit. Firmen bei denen dies nicht so ist (zB. Henkel) sind auch nicht wirklich günstig (liebe halt diese langweiligen Storys). Nahrung, Waschmittel, Cornflakes und Co. sind für mich einfach besser einzuschätzen. Dazu kommt, dass ich mich viel mit Computertechnik und so beschäftige und dazu eben durch meine Vorlieben eher nach Amerika schaue. Wäre ich Maschinenbauer könnte dies ganz anders aussehen :).

    Zudem glaube ich, dass die Probleme in Europa uns wesentlich länger beschäftigen könnten als viele denken, was irgendwann auch auf Deutschland auswirkungen haben wird (in wie weit sich dies durch einen schwächeren Euro kompensiert???). Was jetzt nicht heißt, dass deutsche Firmen schlecht sind. Es kann gerne jemand mal einen Gast Blogbeitrag schreiben zu einem 🙂 .

    Zudem gefällt mir bei den Amis eben, dass viele Unternehmen versuchen zum Beispiel die Dividende langfristig mindestens gleichzuhalten. Da ich Dividenden als zusätzliches Einkommen (vorallem in der Zukunft) möchte ist dies für mich ein sehr wichtiger Faktor, bei deutschen Unternehmen gibt es hier nur sehr wenig verlässlige Zahler ( siehe auch Liste der Dax-Unternehmen – welche die Dividende in den letzten 10 Jahren nie gekürzt haben!).

    Lieber Gruß und Dir einen guten Start in den Tag
    Ulrich

    • Hallo,
      ich fürchte selbst wenn finanzielle Bildung eingeführt würde , würde der Unterricht von 97% der Leute verschlafen werden, wegen Interesselosigkeit. Die Leute denken nicht ans Alter (glaub mir, ich bin Altenpfleger) und wenn dann sehen sie daß der Typ der mit ihrer Oma im selben Zimmer im Heim liegt nie vorgesorgt hat ,da zahlt der Staat den Platz, bei denen die unter Verzicht vorgesorgt haben mußselbst gezahlt werden . Wenn nichts mehr da ist ,was nur wenige Monate dauert muß das Häuschen verkauft werden. Dieses Subsidiaritätsprinzip hemmt jede Vorsorgebereitschaft.
      Johnny

  3. Die amerikanische Notenbank steht vor ebenso großen Herausforderungen wie die EZB. Wer das US-Staatsdefizit und das völlige Versagen der US-Politik – die von zwei bis in die Knochen korrupten Parteien beherrscht wird – betrachtet, kann sich über ihr Fazit zum Euro nur wundern. Weder Sie noch sonst irgendjemand kann vorhersagen, welches der Währungssysteme durch welche internen oder externen Schocks wohl schneller zugrunde gehen wird. Das beide keine Zukunft haben, wenn sich nichts dramatisch ändert, ist sicher.

  4. @Dirk: Wir befinden uns hier wirklich in einem verhängnissvollen Wettlauf. Der Vorteil den die USA eben haben ist, dass die WIrtschaft hauptsächlich vom eigenen Konsum getragen wird und es ein Bevölkerungswachstum gibt.

    Meine Befürchtung ist auch, dass Bernanke und Monti beide niedrige Währungen wollen um wieder mehr Arbeitsplätze zu schaffen. Dabei kann dann ein verhängsnisvoller Kreislauf entstehen…

  5. Der entscheidende Unterschied ist doch, dass die Auswahl an renditestarken langweiligen Cashcows jenseits des großen Teichs deutlich größer ist. Hinzu kommt, dass gerade die Quellensteuerthematik Investments speziell in Frankreich, Spanien und Italien für den normalen Anleger zum Kotzen macht.

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