Neuer Schlag für Stromerzeuger kommt aus Brasilien

Aktionären der großen deutschen Energiekonzerne wird wohl das zweite Quartal 2011 noch in sehr bitterer Erinnerung sein. Nach der Atomkatastrophe ( die ja angeblich gar nicht wirklich eine ist ) in Japan kündigte Angela Merkel den Ausstieg aus der Abkehr vom Atomausstieg an. Nach kurzer Zeit war klar, Merkel hat mal wieder prompt auf den Stimmungswandel der Bevölkerung reagiert. Nachdem der deutsche Wähler durch immer neuen Schreckensbildern und einer Non-Stop Horrorberichterstattung aus Japan rund um den Atomkonzern Tepco in die Panik getrieben wurde, kam die 180 Grad Wendung der Bundesregierung und statt Atomenergie als „Brückentechnologie“ war plötzlich Ausstieg so schnell wie möglich auf dem Plan.

Was dies natürlich für Aktiendepots mit einem großen Anteil an RWE und EON Aktien bedeutete kann sich jeder denken. Die als sicher geltenden Dividendenpapiere gaben mächtig ab, die Atomkraftwerke waren ja plötzlich wertlos…

Solche Ereignisse sind natürlich sehr bitter für den Aktionär. Die Politik war mal wieder der große Spielverderber. Mir erging es heute ähnlich, denn auch in Brasilien machte die Politik am 12. September den Energieerzeugern einen Strich durch die Rechnung…

Gestern checkte ich mal wieder einmal die Kurse meiner Aktien. Das tue ich bei manchen Werten längst nicht jeden Tag. Die Wertpapiere sind langfristig eingekauft und derart nachrichtenarm, dass es meist nur sehr geringe und nichtssagende kurzfristige Kursveränderungen gibt. Was mich dann aber am gestrigen Nachmittag erwartete lies bei mir schon die Pumpe einiges schneller schlagen. Die Aktie von AES Tiete gab zeitweise über 20% nach. Ein Blick aufs Volumen zeigte noch ein sehr geringes Handelsvolumen an der Börse von Sao Paulo, da diese erst um 13 Uhr unserer Zeit mit dem Handel beginnt. Also dachte ich erst: „Vielleicht ist da ein Einzelner groß ausgestiegen oder es hat mit der Umstrukturierung der Eigentumsverhältnisse zu tun, die vor kurzem angekündigt wurde.“

Zwar konnte sich der Kurs dann im Lauf des Tages wieder ein bisschen erholen, der Kurs des Energiewertes schloss aber dennoch mit einem stark roten Minus von fast 16 Prozent. Natürlich machte ich mich schon am Nachmittag auf die Suche nach Meldungen, fand aber weder auf der Firmenwebseite noch sonst irgendwo etwas. Was mich wieder einmal an der Haltung bestärkte nur Aktien aus industrialisierten Ländern zu kaufen, wo man auch die Sprache lesen kann und es Webseiten und Blogs gibt, die einen auf dem laufenden halten.

Brasiliens Regierung setzt niedrige Strompreise durch
Dilma Rousseff mahnt Zeigefing cuts enery costs brazilian, hits energy industry, aes tiete, energias the portugal, negative influence effect on stock market
Gegen später bekam ich dann doch noch eine heiße Spur, die den Kursverfall begründet. Die brasilianische Regierung verordnet den Strompreisen nämlich einen ordentlichen Cut. Dieser Tarifverbilligungen sollen bei Privatpersonen 28% und bei Industriekunden 16% ausmachen. Bei europäischen Stromerzeugern mit großem Engagement in Brasilien konnte ich gestern keine größeren Kursverfälle beobachten, jedoch sollten Aktionäre von Energiekonzernen wie Energias de Portugal hier doch ein wenig die Augen offen halten.

AES Tiete hatte ich mir eigentlich gekauft, da ich mir von dem Investment unter anderem eine hohe Stabilität versprach. Das Unternehmen ist hauptsächlich im Geschäft der Wasserkraft tätig, hier dachte ich nicht gerade an große Geschäftsvolatilität. Die Aktien werde ich wohl dennoch behalten. Zum einen habe ich schon einiges an Dividenden eingefahren, zum anderen glaube ich langfristig an das Unternehmen und die gute Zukunft Brasiliens .

Dennoch wird mich der heutige Tag bei Energieerzeugern in Zukunft noch vorsichtiger werden lassen. Zwar wird Energie immer gebraucht und ist von daher grundsätzlich ein solides Geschäft, jedoch spuckt die Politik hier immer öfter dazwischen. Das ewige Auf und Ab mit den Subventionen oder politisch diktierte Preiskürzungen aus sozialen und wirtschaftspolitischen Gesichtspunkte oder nur um eine Wahl zu gewinnen können in Zeiten steigender Energiepreise noch viel häufiger eintreten.

Jetzt will ich aber einmal nicht zu egoistisch sein. Sicherlich gibt es in Brasilien noch sehr viele arme Menschen, für die die Strompreise wirklich eine große Belastung sind. Da sind ein bisschen kleinere langfristige Renditen wohl durchaus zu verschmerzen. Vor allem: Was gut für die Menschen und die dortige Wirtschaft ist wird langfristig auch für mein Brasilien-Investment gut sein 🙂 .

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