Vorsicht bei Bundesanleihen und USA-Bonds!

„Hauptsache mein Geld ist sicher angelegt“ denkt man sich im ersten Moment, wenn man im Fernsehen und Radio von immer neuen Rettungsmanövern für Banken und klamme Staaten hört.

Eine Anlageform, die vielen Anlegern dabei natürlich in den Sinn kommt sind die guten alten Staatsanleihen. Die Bundesanleihe, die ist solide, da kann ich nicht verlieren. In Ordnung, wer die letzten Jahre auf Anleihen der Bundesrepublik oder der größten Volkswirtschaft der Welt, den USA, gesetzt hat, hat wirklich gar keine schlechte Rendite einheimsen können.

Wer sich die Kursverläufe der starken Staaten anschaut, wird sich jedoch verwundert die Augen reiben. Hier wurden in letzter Zeit sogar Anleihen mit negativen Renditen am Markt platziert und gekauft. Inzwischen geistert deshalb der begriff von der Anlagenblase oder englisch dem Bond Bubble durch den Raum. So sollte man also auch bei der guten alten Bundesanleihe inzwischen sehr vorsichtig sein. Auch hier könnte es nun sehr schnell zu großen Kursverlusten kommen…

Schauen wir uns einfach einmal die Kursentwicklung der US Bonds und der deutschen Bundesanleihe in den letzten Jahren an.
Bundesanleihe Chart 2030 Grafik WKN:	113514	ISIN:	DE0001135143
US Bond Anleihe Chart WKN:	190302	ISIN:	US912810EZ76 Grafik 2027
Wie man unschwer erkennen kann sind die Kurse dieser Anleihen nach der Finanzkrise in die Höhe geschossen. Dieser Anstieg ist recht leicht nachzuvollziehen. Die wirtschaftliche Zukunft ist in vielen Wirtschaftszonen (und nun auch noch in China) sehr ungewiss. Dazu kommt, dass viele europäische Staaten ohne massive Unterstützung praktisch pleite wären. Also fließt das Geld in Anleihen der solventen Staaten, sprich Deutschland als größte europäische Volkswirtschaft und in US-Staatsanleihen. Die USA können durch die enge Verwebung von Regierung und Zentralbank (der Weltreservewährung No1) praktisch nicht bankrott gehen.

Durch den Kursanstieg dieser „sicheren“ Staatsanleihen sind natürlich die Renditen stark geschrumpft und liegen oft sogar unter der Inflationsrate. Viele Profis kaufen also diese Anleihen nicht mit dem Motiv der Langfristigkeit, sondern hoffen auf weitere Kursgewinne. Die Staatsanleihe wird also inzwischen oft zur Spekulation gekauft. Wer also sein Geld sicher anlegen will sollte sich dieser Tatsache sehr bewusst sein. Anleihen sind derzeit ein Spekulationsobjekt und eine Anlage, die im Kurs auch stark sinken kann. Kurz gesagt: Klart sich die wirtschaftliche Lage auf, die Zinsen für Tagesgeld steigen oder Deutschland verliert seine Top-Bonität, wer will dann noch Bundesanleihe zu solch hohen Kursen kaufen? Verkaufen sie also vor Laufzeitende kann es hier zu großen Verlusten kommen! Natürlich bekommt man beim Laufzeitende seit Geld nominal zurück, aber will man sein Geld wirklich auf viele Jahre unter der Inflationsrate anlegen?
Spanien Anleihe Bond WKN:	A0DW8E	ISIN:	ES0000012932
Wer mit Anleihen aber spekulieren will, sollte statt Bundesanleihen eher zu Anleihen aus Portugal, Spanien und den anderen Euro-Krisen-Ländern greifen. Hier sind die Kurse nämlich in den letzten Jahren nach unten abgeschmiert, da viele Anleger aus diesen Anleihen ausgestiegen sind. Nachdem die EZB gestern mitgeteilt hat nun Anleihen aus Krisenländern, ohne festgelegtes Limit, zu erwerben sinkt das Risiko dieser Anleihen natürlich enorm. Die Krisenstaaten können so ja nicht mehr pleite gehen, da die Notenbank immer neue Schuldscheine dieser Länder erwirbt. Portugal, Spanien, Italien und Griechenland haben nun praktisch einen unbegrenzten Dispo bei der Bank.

Es könnte nun also gut sein, dass viele Spekulanten nun ihre Bundesanleihen verkaufen und dafür bei Anleihen aus Südeuropa zuschlagen. Dort gibt es nun viel Sicherheit und gute Renditen, während es in der Bundesanleihe niedrige Renditen gibt. Generell würde ich bei sehr langen Investments in festverzinsliche Wertpapiere aktuell sehr vorsichtig sein. Die Wertentwicklung des Euro ist sehr ungewiss. Gerade das gestrig angekündigte unbegrenzte Anleihenkaufen der EZB beinhaltet gewaltige Gefahren. Was passiert, wenn die EZB zwar die Anleihen kauft, die klammen Staaten aber statt Strukturreformen lieber alles beim alten lassen. Dies kann zu einem starken Aufweichen des Euro führen und festverzinsliche Papiere zum gewaltigen Kaufkraftvernichtern machen.

Für Deutschland war die gestrige Entscheidung der europäischen Zentralbank wahrscheinlich wenig positiv. Zum einen zeigte sich wie alleine Deutschland in den Abstimmungsgremien inzwischen dasteht und wie wenig die Geldwertstabilität, die Entscheidungen, derzeit beeinflusst. Zum Zweiten profitiert der deutsche Fiskus stark von den derzeit niedrigen Zinsen für Bundesanleihen. Durch die Anleihenkäufe der EZB werden nun Anleihen aus dem Süden wieder attraktiver, was dazu führt kann, dass die BRD nun wieder mehr Zinsen für seine Schulden bezahlen muss.

Der gestrige Tag kann also ein guter für den Euro und die Euro-Vermögen gewesen sein, wenn die Krisen-Staaten nun die Verschnaufpause nutzen, um ihre Haushalte und Strukturen zu verbessern. Passiert dies aber nicht, werden mehr und mehr Reibungsflächen zwischen den starken und schwachen Euroländern entstehen.

Ein Gedanke zu “Vorsicht bei Bundesanleihen und USA-Bonds!

  1. Was hier in Europa geschieht, das ist auf Dauer nicht gesund. Anleihen aus Krisenländern zu erwerben und das auch noch in nicht limitierter Höhe. Ob das gut geht, frage ich mich echt. Die anderen Länder ziehen uns auch noch mit runter! Und dann gute Nacht.

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