Kein neues QE am Freitag – das ist doch schon eingepreist

Seit der Finanzkrise schauen Anleger oft nur auf einen Mann. Ben Bernanke, der Chef der mächtigen US-Notenbank hat die Macht die Märkte mit Geld zu fluten. Natürlich ist die Hoffnung, dass dieses Geld auch irgendwann wieder stärker in der sogenannten Realwirtschaft ankommt. Zu beobachten ist jedoch, dass mit jeder neuen Geldschwemme das Geld bloß wieder in den Aktien-, Rohstoff- und Anleihenmarkt fließt.

Die große Frage, die sich Anleger folglich stellen ist, ob die US-Notenbank die Märkte weiter mit billigen Dollarnoten füttert. So stehen wir nach Quantitative Easing 1 und 2 ( Schritte zur expansiven Geldpolitik) nun vor der Frage nach einem QE 3 und dessen Verkündung. Diesen Freitag könnte es vielleicht wieder soweit sein.

Bernanke hält diesen Freitag (31.August), auf dem jährlichen Treffen der führenden Notenbänker in Jackson Hole, eine seiner eventuell folgenreichen Reden. Für den Anleger wäre die Ankündigung einer erneuten Ausweitung der Geldpolitik ein wichtiges Ereignis, dass er nicht bei seinen in nächster Zeit stattfindenden Zu- oder Verkäufen außer Acht lassen sollte…

Die Wirkung einer erneuten quantitativen Lockerung in der Geldpolitik ist sehr vereinfacht ausgedrückt ein starkes Signal für steigende Aktien, Gold und sonstige Rohstoffkurse. Ein Ausbleiben eines QE3 könnte hingegen zum Gegenteil führen und vor allem die Aktienmärkte im wirtschaftlich wackeligen Europa wieder auf Talfahrt schicken. Heute habe ich auch gelesen, dass viele deutsche Top-Manager in Anbetracht der wirtschaftlich schwierigen Zukunft starke Zweifel an einem DAX von über 7000 Punkten haben.
Ben Bernanke wirft geld ab Helikopter
Viele Marktbeobachter sind also der Meinung, dass der Markt für höhere stabile Kursstände (zumindest hierzulande) auf neues billiges Geld angewiesen ist. Bleibt dieses aus, könnte schnell wieder die nicht sehr positiven Wirtschaftsdaten aus der Eurozone die Kurse nach unten bewegen.

Nach meiner persönlichen Meinung kommt am Freitag keine Ankündigung für eine Ausweitung der Geldpolitik aus den USA. Zum einen scheint es in den USA einige positive wirtschaftliche Entwicklungen (wie das wieder Anziehen des Häuserbaus) zu geben. Diese Entwicklungen könnte die Entscheidungsträger bei der Federal Reserve Bank dazu bringen erst einmal abzuwarten. Schließlich ist sich sicher inzwischen auch der letzte Notenbänker darüber im Klaren, dass billiges Geld alleine noch zu keiner gesunden wirtschaftlichen Entwicklung führt. Zum Zweiten stehen wie in den USA gerade mitten im Präsidentschaftswahlkampf. Eine derart gewichtige Entscheidung der US-Notenbank würde sicherlich als starke politische Einflussnahme aufgenommen werden und wird daher möglichst vermieden werden.

Also glaube ich nicht, dass Ben Bernanke sich gezwungen sieht diesen Freitag eine weitere geldpolitische Lockerung zu verkünden Ob dies den Markt aber derart nach unten treibt, wie viele befürchten, glaube ich nicht. Dafür gehen bereits zu viele Akteure von einem Ausbleiben eines jetzigen Eingriffes der FED aus.

Allgemein darf inzwischen die positive Entwicklung eines QE s stark bezweifelt werden. Mir ist bewusst, dass wir uns ohne Handeln der Notenbanken mit großer Wahrscheinlichkeit in einem Deflationsszenario wie in der großen amerikanische Depression befinden würden.

Dennoch hat zu viel billiges Geld auch Folgen wie hohe Öl-Preise, da das Geld dann eben auch in diese Anlageklassen fließt. In wie weit dies dann wieder die wirtschaftliche Entwicklung hemmt muss ein Volkswirt an anderer Stelle berechnen. Ausblenden sollte man die Folgen der befeuerten Rohstoffpreise auch aus ethischen Gründen nicht. Vor allem in armen Ländern können hohe Getreide und Maispreise zu verheerenden Folgen führen (Stichwort: Hohe und unerschwingliche Nahrungsmittelpreise). Bei all diesen Kritikpunkten sollte man jedoch nicht die Urangst der Amerikaner vor einem Depressionsszenario vergessen. Während die Deutschen die Angst vor der großen Inflation plagt, leben die Amerikaner unter der Angst der Depression. Ben Bernanke gilt als sehr belesen auf dem Gebiert der wirtschaftliche schlechten Situation der 30er Jahre. Von vielen Fachleuten wird die große Depression in den USA zum gewichtigen Teil mit einer zu geringen Kapitalversorgung begründet. Diesen Fehler werden die Notenbänker sicher nicht noch einmal machen wollen und feuern die Geldkanone so lieber zu früh als zu spät.

Konkret würde ich also mit dem Kauf neuer Aktien bis nächste Woche warten. Dass der Markt nach oben davon schießt glaube ich nicht und mit ein bisschen Glück sehen wir dann Anfang September wieder leicht günstigere Kaufkurse.

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