Es gibt keine Dividendenblase

In letzter Zeit habe ich viel über ein Blase bei Dividendentiteln gelesen. Dir Argumentation ist klar: Dividendentitel zeigen in letzter Zeit eine sehr gute Performance und es geht generell nach oben. Nach .com und – Immobilienblase stellen sich viele Anleger natürlich die Frage, ob wir uns bei diesen Titeln auch in einer Phase von übertrieben hohen Bewertungen befinden.

Dass wir uns in einer Blase bei Titeln wie Henkel, Coca Cola, Unilever und Co befinden kann ich jedoch nicht erkennen. Vielmehr scheinen die Vorzüge dieser Aktien in Zeiten niedriger Leitzinsen und wirtschaftlicher Unsicherheit wieder ihre Stärken zu offenbaren. Die relativ gute Performance der soliden Dividendenwerte ist wohl nicht mit einem neuen giergetriebenen Herdenverhalten zu begründen. Nicht alles was steigt ist automatisch eine Blase! Vielmehr stehen viele Dividendenwerte einfach sehr gut da und haben ihre Substanz in den letzten Jahren stark gesteigert…

Die wirtschaftliche Zukunft ist ungewiss. Wirtschaftliche Einbrüche auch in den starken Ländern Europas können nicht ausgeschlossen werden, die amerikanische Wirtschaft fast langsamer Tritt als üblich und der chinesische Wachstumsmotor läuft nicht mehr bei der gewohnt hohen Drehzahl wie bisher. Folglich sind natürlich viele Anleger kritisch bei Aktien, die stark von einer gut laufenden Konjunktur abhängig sind. Automobile, Industriegüter, das Bank und Finanzwesen; all diese Branchen versprechen im Moment nicht gerade Sicherheit.

Was hingegen eine vergleichsweise sicher erscheint sind die Geschäfte mit Waschmitteln, Getränken und täglichen Konsumgütern wie Deodorant, Windeln und Co. Natürlich bieten die Großen der Branche nicht die Fantasie „praktisch über Nacht mit ihnen zum Millionär zu werden“. Jedoch haben Anleger längst ganz andere Schwerpunkte gesetzt. Der Traum vom ganz schnellen Geld ist bei vielen Aktienkäufern längst ausgeträumt. Zu viele sind Anfang der 2000er und in der Finanzkrise damit übelst an die Wand gefahren.

Die Folgen sind klar: Heute sind andere Qualitäten bei einer Wertanlage gefragt. Wo früher noch jede Start-Up Idee gefeiert wurde schaut man heute dreimal hin. Statt potentiellen Ten-Baggern ( Wertpapieren die ihren Einstiegskurs verzehnfachen ) sind heute geringere und dafür sichere Renditen gefragt. Eine schwierige wirtschaftliche Lage und niedrige Zinsen lassen einfach umdenken. Lieber niedrige Renditen als möglicherweise gar keine oder real negative.

Wobei; so niedrig wie viele vielleicht denken sind die Renditen, die bei den langweiligen Dividenden-Aristokraten, zu erwarten sind gar nicht. Dividendenwerte in recht sicheren Fahrweisen notieren derzeit circa bei einem KGV von 15. Aktien von Unternehmen mit eher langsamen Wachstum oder Belastungen wie den hohen Getreidepreisen notieren darunter. Unternehmen mit trotz Krise stark wachsenden Geschäften wie Coca Cola notieren darüber.

Mondbewertungen gibt es allerdings hier noch nicht. Coca Cola wird derzeit zu einem Kursgewinn-Verhältnis von 20 gehandelt. In Zeiten des neuen Marktes wurde die Aktie des weltweit größten Getränkekonzerns durchaus auch zu einem KGV von 40 und darüber gehandelt. Von solch abgehobenen Bewertungen sind wie also aktuell noch sehr weit entfernt.

Viele Dividenden-Aristokraten mit soliden Finanzen und krisensicherer Dividende notieren, wie gesagt, eher um die 15. Ein KGV von 15 verspricht langfristig bei einem stabilen Geschäft mehr Rendite als man vielleicht zuerst meinen will. Ein KGV von 15 bedeutet schließlich, dass man für einen investierten Euro 0,066 € realen Gewinn ersteht. Dies sind immerhin 6,6 %; die nun für Dividenden, Aktienrückkäufe oder Investitionen bereit stehen. Natürlich könnte dieser Gewinn von den Unternehmen verdummt werden. Bei aller Kritik an Managern muss ich jedoch sagen, dass bei vielen der großen Dividenden-Werte keine Dummköpfe am Ruder sitzen.

Gehen wir also davon aus, dass ein KGV von 15 nicht übertrieben hoch für eine Aktie ist, die ein sehr solides Geschäftsmodell verbrieft. In diesem Fall werden wir uns nach Auf und Abs am Aktienmarkt, wie es sie immer gab und geben wird, in einigen Jahren sicher wieder bei Kursen befinden, die den heutigen Bewertungen gleich kommen. In dieser Zeit haben wir jedoch 6,6 % Gewinn pro Jahr eingefahren, die uns auf irgend einer Art durch das Management zugeteilt wurden. Mögen es auch nur 5 % sein; es ist besser als jedes Festgeld, Bundesanleihe und die meisten Lebensversicherungen.

Natürlich gibt es auch bei den großen Dividendentiteln aus konservativen Branchen Risiken, die ich hier nicht verschweigen möchte:

  • explodierende Kosten für Rohstoffe, die sich in entsprechenden gesamtwirtschaftlichen Situationen nicht mehr an den Konsumenten weitergeben lassen
  • stark deflationäre Situationen, in denen der Konsument selbst alltägliche Ausgaben einschränkt. Deflationäre Schockelemente sind durch weitere Schuldenschnitte und ähnlichem gegeben. Wobei die Notenbanken sich dieser Gefahr offensichtlich sehr bewusst sind.
  • starkes Anziehen von Leitzinsen, die viele der sogenannten langweiligen Aktienwerte plötzlich wesentlich unattraktiver erscheinen lassen.

Es ist wohl unschwer zu erkennen, dass ich weiterhin bereit bin Dividendenwerte mit solidem Geschäftsmodell zu kaufen. Eine Coca Cola oder Henkel würde ich aktuell nicht mehr kaufen, dazu ist mir bei KO ( Coca Cola ) die Bewertung gefühlsmäßig einfach zu hoch (wobei ich wenig Zweifel habe, dass KO über die Jahre auch zu aktuellen Einstiegskursen ein gutes Investment ist). Bei Henkel ist mir die ausgeschüttete Dividende einfach zu niedrig, da ich gerne Ausschüttungen zum erneuten Investieren oder gegebenenfalls zur Einkommenssteigerung nutzen möchte.

Wie immer am Aktienmarkt kann man natürlich einen Einbruch der Märkte, auch über längere Zeit, nicht ausschließen. Dennoch wird sich bei Werten wie Nestle, Procter & Gamble und Pepsi wie immer die Geduld über längere Zeiträume auszahlen. Ungeduld ist einfach ein Feind des langfristig erfolgreichen Investierens. 100% ige Sicherheit auf einen realen Werterhalt gibt es natürlich bei Aktien (wie auch bei jeder anderen Anlageform) nicht.

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