Von wegen Crash und das Geld haben die Anderen

Einer der großen Mythen an die unerfahrene Anleger glauben ist das bekannte „Das Geld haben jetzt eben die anderen“. Kommt es zu einem Börsencrash, Rohstoffcrash oder Immobiliencrash glauben viele, dass nun, da die eigene Anlage im Wert gesunken ist, im gleichem Maße andere reicher geworden sind.

Diese Annahme stimmt so aber nicht. Nicht nur kann bei einem Absturz von Kursen oder Immobilienpreisen der Einzelne in Probleme kommen; es kann auch Gesamtwirtschaftlich zu schlimmen Folgen kommen…

Ein Beispiel: Nehmen wir an wir wohnen auf einem kleinen Dorf. Es gibt 10 Häuser und diese sind jeweils 100 000 Euro wert. Die Menschen, die in diesem Dorf leben sind nicht arm, aber eben auch nicht reich und leben ein ganz normales und bescheidenes Leben.

Plötzlich geht das Gerücht um, dass Bundesamt XY in diesem Dorf einen Amtssitz einrichten will. Dabei sollen vor allem Beamte höhere Besoldung an diesen Standort versetzt werden. In der Folge möchte ein Spekulant eines der 10 Häuser kaufen. Der bisherige Eigentümer des Hauses lebt aber auch nicht hinter dem Mond und hat bereits von den Plänen der öffentlichen Verwaltung gehört. Also verkauft der bisherige Eigentümer nicht für den bisherigen Preis von 100 000 Euro, sondern für 300 000 Euro. Der Spekulant ist bereit diesen Preis zu bezahlen, da er glaubt, dass die Immobilien im Dorf weiter steigen wollen.

Das Spiel geht noch weiter. Es kommen weite Spekulanten und ein paar zu voreilige Beamte, die sich bereits frühzeitig eine Bleibe kaufen möchten. Diese bieten sich gegenseitig hoch und so wechselt ein zweites Haus für eine stolze Millionen € den Eigentümer.

Die Folgen? Die 9 anderen (inkl. dem ersten Spekulanten), die ein Haus im Dorf besitzen sind natürlich ganz happy als sie von dem Deal erfahren. Wenn für ein normales Haus im Dorf jetzt schon ein Milliönchen bezahlt wird kann ihr Haus diesen Preis sicher auch erreichen.

Also dreht die Dorfbevölkerung völlig durch. Sie fühlen sich nun als Millionäre und beginnen auch so zu leben. Der alte Opel muss einem neuen Mercedes weichen, die alte Digitaluhr wird gegen ein Markenfabrikat mit Handaufzug ausgetauscht und so weiter. Klar; als Millionär lebt man anders.

Glücklicherweise ist die Erfüllung all dieses Konsums dank der örtlichen Bank XY nun möglich. Da ein Gutachter nun bestätigt, dass die Immobilien der Dorfbewohner einen sehr hohen Marktwert besitzen. Also werden solche Konsumwünsche auch großzügig von der Bank finanziert. Alles kein Problem, schließlich haben die Dorfbewohner mit ihren Häusern ja ausreichende Sicherheiten.

Nun kommt aber plötzlich das böse Erwachen. Es gibt einen Regierungswechsel und im neuen Haushaltsplan kommt man zu dem Schluss, dass die Errichtung eines neuen Amtssitzes im Dorf viel zu teuer ist.

Panik macht sich nun im Dorf breit. Die beiden Spekulanten, die bereits gekauft haben, wollen ihre Immobilien im Dorf schnellst möglich wieder verkaufen. Nur es finden sich ohne neues Amt auch keine Käufer. Am Ende sinkt der Marktwert durch die Panik und die fehlenden Käufer auf 25 000 Euro pro Haus.

Nun gibt es ein echtes Problem. Die Dorfbewohner haben bei ihrem Konsum mit sehr hohen Werten ihrer Immobilie gerechnet und merken nun, dass sie sich ihren neuen Mercedes und ihre Rolex jetzt gar nicht mehr leisten können. Auch die Bank hat ein großes Problem, da sie bereits sehr großzügig Kredite vergeben hat und nun ohne Sicherheiten dasteht.

Nehmen wir an die Bank hat bereits 5 Millionen an Krediten vergeben. Nun sind alle 10 Häuser im Dorf aber nur noch 2,5 Millionen wert. Es beginnt ein Teufelskreis. Die Dorfbank kommt in Schwierigkeiten und die Dorfbewohner sind überschuldet. Dazu fängt auch noch die Wirtschaft im Dorf an extrem zu schwächeln und einige Bewohner werden sogar arbeitslos. Der Konsum bricht im Dorf völlig ein. Fühlten sich gestern noch alle Dorfbewohner als Millionäre, sind sie nun durch das Einstürzen der kleinen Immobilienblase „ärmer“ als vorher. Nun müssen alle sparen. Die Bank spart, die Menschen sparen und das Rathaus spart auch (weil es durch weniger Wirtschaftskraft auch weniger Steuererträge gibt). Wenn es nun blöd läuft folgt eine jahrelange Abwärtsspirale und das Dorf endet schließlich im Elend.

Wo sind nun aber die 10 Millionen, die die 10 Häuser im Dorf zu spitzen Zeiten wert waren? Die sind weg. Verkäufer 1 und 2 haben ein wenig davon, aber das Meiste dieses Geldes war eigentlich nie wirklich da. Also stimmt das berühmte „Das Geld haben nun andere“ nicht.

Das Dorf habe ich natürlich frei erfunden und sicher ist einiges stark vereinfacht. Das Beispiel hat aber große Aktualität. Sicherlich befinden wir uns in Japan in diesem Dorf (und zwar schon sehr lange in der absteigenden Phase) und auch in früheren Boom-Regionen wie Spanien steht die Politik vor dieser Herausforderung. Weitergesponnen kämen wir nun auch zur Diskussion des billigen Geldes. Viele werfen den Zentralbanken und besonders dem früheren US-Notenbankchef Alan Greenspan durch zu viel Geld vor viele frühere Blasen angeheizt zu haben, unter deren Folgen wir heute leiden.

10 Gedanken zu “Von wegen Crash und das Geld haben die Anderen

  1. Es hätte gar nicht zu der Situation kommen können, wenn die Bank XY ihre Kredite nur auf der Basis von tatsächlichen Ersparnissen aus dem Dorf vergeben hätte. Tatsächlich hat sie aber Geld aus dem nichts geschöpft oder sich gegenüber dem Ausdorf (analog zu Ausland) massiv verschuldet.

  2. Sehr schön erzählt. 🙂

    Ich glaube nur, hier gibt es einen kleinen Fehler:

    <Nehmen wir an die Bank hat bereits 5 Millionen an Krediten vergeben. Nun sind alle <10 Häuser im Dorf aber nur noch 2,5 Millionen wert.

    Die Häuser sind nur noch 500.000 wert, oder? Obwohl ich die Geschichte auch mit 2,5 Millionen interessant fände – funktionieren würde sie ja trotzdem, denke ich.

    Viele Grüße
    Holger

  3. Hey Holger,

    richtig;) . Hab mich wohl selbst schon auf die gedantklichen Irrwege meines Dorfes begegeben. Habe jetzt den Restwert pro Haus auf 25k gesenkt, damit stimmt die Geschichte wieder 🙂 .

    lg Ulrich

  4. Wenn Immobilien überbewertet werden, dann führt das natürlich teilweise zu fatalen Folgen. Gerade wenn Leute übermütig werden und wie im Beispiel dann wie die Geier konsumieren und auf einmal sind die Häuser nichts mehr wert…..

    In Amerika ist das Beisipiel von oben, leicht abgeändert, gut anwendbar. Gerade dort wurden ja Kredite noch und nöcher vergeben, alle auf pump dicke Häuser und Wagen gekauft, bis die Konjunktur schwächelte, die Leute arbeitslos wurden, keine die Kredite mehr zahlen konnte und die Häuser-Preise gesunken sind usw…
    Typische Blasen…

  5. Hallo,
    sehr nett erzählt. Was das ganze noch ergänzen würde: bei den oben genannten Zahlen kommt das Thema Zwangsversteigerung auf, weil die Sicherheiten nicht mehr ausreichen.
    Viele Grüße, sparFuxx

  6. Schöne Erzählung, sie taugt aber nicht, den eingangs zitierten Mythos „das Geld haben jetzt eben die anderen“ zu widerlegen. Das Geld ist sehr wohl bei anderen Mitspielern, die aber nur am Rande auftreten. Nämlich den Herstellern von Konsumartikeln wie Mercedes oder Rolex!

  7. Hallo Anonym. Es geht hierbei um den eingebildeten Wohlstand, die Passage war wohl ein wenig zu kurz. Es ging darum, dass sich alle als Millionär gefühlt haben und es dann am Ende doch nicht waren. Natürlich haben einige verdient, aber eben nicht im Verhältniss zum eingebildeten Wohlstand.

    Ist das gleiche wie wenn jeder eine Aktie zu 100 Euro hat und gleichzeitig verkaufen will, die 100 Euro werden real nicht alle bekommen; da der Kurs dann sinkt.

  8. Und in den publizierten volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen finden m.E. die Mittelabflüsse durch staatliche Abgaben bzw steuern etwas wenig Erwähnung.

    • Ja, du hast Recht; die Vorgänge haben natürlich noch einige Seitenäste.

      Das Problem, dass eben ich und andere haben, das im Internet und vorallem in einem Blog Dinge eher kurz seien sollten. Eigentlich sind viele meiner Artikel viel zu lang. Gerade wenn es um die Besprechungen von Aktien geht wäre oft noch einiges an interessanten Informationen und Entwicklungen zu nennen. Wenn ich aber dauernd über dauernd deutlich über 1000 Wörter pro Artikel käme würde dies hier den Rahmen total sprengen.

      lieber Gruß Ulrich und Dir ein frohes neues Jahr

  9. Hallo Ulrich,
    Dir auch ein gutes gesundes und erfolgreiches 2013.

    Deinen Blog habe ich erst kürzlich entdeckt und er macht großen Spaß. Da ich aber mit der Technik von Blogs noch nicht so vertraut bin habe ich wohl nicht klar genug formuliert, daß sich meine Anmerkung nicht direkt auf deinen Artikel bezog, sondern eher auf offizielle Veröffentlichungen gesamtvolkswirtschaftlicher Vermögensrechnungen bezog.

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