Der Dow Jones – eine Börsenlegende

Der Dow Jones Industrial Average Index oder kurz Dow Jones gehört wohl weltweit zu den bekanntesten und meist beobachteten Aktien-Barometern. Keine Tagesschau-Sendung geht vorbei ohne, dass kurz die Entwicklung des Dow Jones angegeben wird. Die Aussagekraft eines Indizes, der gerade einmal 30 Unternehmen umfasst, darf natürlich bestritten werden.

Geschichtlich ist die Zusammensetzung des Dow Jones interessante Wirtschaftshistorie. Erstmalig berechnet wurde der Index 1886 von der Dow Jones & Company. Das Unternehmen begann als Zeitungsverlag und begründete auch. dass bis heute sehr bekannte Wall Street Journal. Zwei der Gründer und damit Haupteigentümer der Dow Jones & Company waren übrigens Charles Dow und Edward Jones, was damit wohl auch die Namensbegründung liefert…
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Die Zusammensetzung des Indizes wurde im Laufe der über hundertjährigen Geschichte natürlich bereits zahlreiche Male verändert ( 48 Mal ) und heute befindet sich kein einziges Unternehmen aus den Anfängen im späten 19. Jahrhundert mehr im Dow Jones. Dies bedeutet nicht, dass alle Unternehmen aus dieser Zeit heute nicht mehr existieren. Einige gingen bankrott, andere wurden aufgekauft und andere veränderten schlicht ihren Namen und bestehen auch heute noch mehr oder weniger erfolgreich.

Die bekannteste Firma aus der ersten Zusammensetzung 1896 ist wohl die United States Rubber Company, welche sich 1961 in Uniroyal umbenannte und 1986 von Michelin aufgekauft wurde. Die Reifen von Uniroyal befahren noch heute viele Straßen.

Es gab übrigens auch schon einen Vorläufer zum Dow Jones, der ebenfalls von Charles Dow herausgegeben wurde und heute gerne dem Dow Jones in historischen Betrachtungen hinzugefügt wird. Anfangs bestand der Dow Jones-Vorläufer fast nur aus Eisenbahnunternehmen. Anfang des 20. Jahrhunderts folgten dann Öl-Konzerne und langsam die Automobilindustrie. Im November 1907 wurde General Electric in den Indize aufgenommen, welches heute der älteste noch aktive Bestandteil des Dow Jones ist.

Da sich die Wirtschaft verändert hat und es neue erfolgreiche Branchen gab änderte sich die mit jedem neuen Wirtschaftszyklus auch die Zusammensetzung wieder. Momentan können wir den Zerfall des bereits 1930 im Dow Jones gelistet Fotoherstellers Eastman Kodak miterleben, der zu spät die neuen Trends im Kamerasektor erkannte.

Persönlich finde ich es sehr interessant zu sehen wie sich die Zusammensetzung historisch verändert hat. Es zeichnet ein Bild vom Aufblühen und Untergang von Unternehmen, Berufen und der Veränderung im alltäglichen Leben. Wer hätte wohl noch Anfang der 80er gedacht,dass die kleine Softwareschmiede Microsoft schon bald statt Unternehmen wie die mächtige US Steel Company als weltweiter Börsen und Wirtschaftsindikator dienen wird.

Ein Tipp am Rande. Bankberater zeigen einem beim Verkauf ihrer Produkte gerne auch Langzeitentwicklungen von großen Börsenindzes wie dem Dow Jones. Dabei sollte man jedoch bedenken, dass kein einziges Unternehmen aus der Anfangszeit sich heute noch im Dow Jones befindet. Die Erfolgsgeschichten wie Coca Cola und General Electric wurden behalten, während sich an viele mächtige Firmen von einst heute niemand mehr erinnert. Es stimmt zwar, dass mit dem wirtschaftlichen Fortschritt der Wert des Produktionskapitals und damit aller Aktien ( in der Summe ) gestiegen ist. Dies schützt einen aber nicht davon, dass Unternehmen durch den technischen Fortschritt auch immer wieder ihre Daseinsberechtigung verlieren.

Der große Kritikpunkt am Dow Jones ist heute, neben der geringen Anzahl an Unternehmen, die Berechnung des Indizes. Der Index wird nicht etwas nach der Marktkapitalisierung und damit dem tatsächlichen ( das ist relativ ) Wert berechnet, sondern am Kurs der Aktie. Dies bedeutet, dass eine Aktie mit hohem Kurs mehr Anteil am Dow Jones hat als eine Aktie mit niedrigem Kurs. Dies ist natürlich wenig aussagekräftig, da eine große Firma mit niedrigem Kurs dadurch natürlich weniger den Wert des Indizes beeinflusst als eine kleine Firma mit hohem Kurs.

Auch aktuell gibt es einige Gerüchte und Wünsche, die die Zusammenstellung des Dow Jones betreffen. So soll angeblich im Gespräch sein, ob Apple den Platz des strauchelnden Hewlett Packard einnimmnt und ob eine Bank of America überhaupt noch in einen Leitindex gehört. Auch schaffen vielleicht auch alte Branchen wieder ein Comeback. Mancher wünscht sich mit Union Pacific wieder eine führendes Transportunternehmen, in Zeiten des weltweiten Güterverkehrs, in den global bekanntesten Aktienbarometer.

Für Aktionäre sind solche Auf und Abstiegsfantasien nicht ganz ohne Bedeutung. Da Fonds und ETFs oft große Indizes wie den Dow Jones oder S&P500 abbilden sind diese bei einer Aktie, die in die großen Indizes einzieht, gezwungen diese zu kaufen. Dies kann vor allem bei noch unbekannteren Firmen durchaus zu eine Unterstützung und Absicherung des Kurses führen. Vom Popularitätsgewinn, den die Mitgliedschaft in einem großen Aktienindize mitbringt, ganz zu schweigen. Schließlich läuft eine Dow Jones Aktie jeden Tag weltweit über Millionen von Tickern und Videotextseiten.

Insgesamt darf man natürlich die fundamentale Aussagekraft von großen Aktienindizes bezweifeln. Erstens finde ich die Berechnungsweise für sehr fragwürdig. Zweitens befinden sich zu wenige Unternehmen in Dow Jones, Dax und Co um wirklich eine Aussagekraft auf die Gesamtwirtschaft zu erreichen. Wirklich Länderspezifisch ist ein Dow Jones auch schon lange nicht mehr. Microsoft, Intel, McDonalds & Co sind globale Unternehmen die oft einen Großteil ihres Geldes außerhalb Nordamerikas verdienen.

Nicht vergessen sollte man jedoch die psychologische Strahlkraft der großen Indizes und die Wirkung, die von deren Punktestand ausgeht. Allein schon wie oft im Zusammenhang mit Weltwirtschaftskrisen einzelne Dow Jones Kursveränderungen genannt werden sollte nachdenklich machen. Übrigens befinden wir uns in einer nervenschonenden Zeit mit geringen täglichen Ausschlägen. An Tagen wie dem 12. Dezember 1914 verlor der Dow an einem einzigen Handelstag 24,39 %.

Es macht also alles in allem Sinn die Entwicklungen der großen Indizes zu beobachten, auch wenn die eigenen Aktien gar nicht in diesen gelistet sind. Sie sind trotz ihrer zweifelhaften Zusammensetzung und Berechnungsgrundlage ein Indikator für die allgemeine Börsenstimmung.

6 Gedanken zu “Der Dow Jones – eine Börsenlegende

  1. „Geschichtlich ist die Zusammensetzung des Dow Jones interessante Wirtschaftshistorie. Erstmalig berechnet wurde der Index 1986 von der Dow Jones & Company. Das Unternehmen begann als Zeitungsverlag und begründete auch. dass bis heute sehr bekannte Wall Street Journal. Zwei der Gründer und damit Haupteigentümer der Dow Jones & Company waren übrigens Charles Dow und Edward Jones, was damit wohl auch die Namensbegründung liefert… “

    müsste 1886 lauten.

    PS: Ihre Seite ist wirklich sehr gut und ich freue mich Ihre Artikel lesen zu können!

  2. Hallo Tobi,

    Jahreszahl habe ich soeben geändert. Danke fürs Lesen und weiterhin viel Spaß aus meinem Blog 🙂 .

    wünsch Dir ein schönes Wochenende
    Ulrich

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