Dividend Reinvestment – Ansparen â la America

Etwas zurücklegen, langsam ansparen, für die Rente oder schlechte Zeiten. In Deutschland der Anlegertyp Bausparer. Er kann ruhig schlafen und war in den letzten Jahren oft der strahlende Gewinner, wenn sich die Fonds und Derivate des Bekanntenkreisen plötzlich in Luft aufgelöst hatten. Um es gleich zu sagen halten ich den Bausparer für intelligenter als viele der restlichen deutschen Anleger. Der Bausparer weiß wenigstens wie seine Anlage funktioniert.

Wirklicher Vermögensaufbau herrscht aber bei beliebten Anlagen wie dem Bausparvertrag oder der Lebensversicherung nicht. Sie gleichen höchstens die offizielle Inflation aus, eine Anlage sollte über die Zeit aber auch einen echten Mehrwert schaffen.

Der Deutsche macht den Fehler dass es den Aktienmarkt generell als unsicher betrachtet. Hört er etwas von Börse hat er Bilder von Pferderennen oder Casinos vor Augen. Für ihn geht es ab und hinauf und bis auf ein paar Topmanager weiß eh niemand wohin die Reise geht. Diese Einstellung ist meines Erachtens völlig falsch. Den eine Aktie verbrieft schließlich die Beteiligung an einem Unternehmen, hat dieses Unternehmen langfristig gute und wichtige Produkte ist dies nicht Unsicherer als jede andere Anlage. Stellen wir uns einmal vor die großen Nahrungsmittelkonzerne wie Nestle oder Kraft Food würden pleite machen oder in die Verlustzone rutschen, welche Situation würde dann wohl vor unserer Haustüre herrschen?! Warren Buffett sprach einmal davon dass Aktien sinken und fallen, aber immer auf ihren tatsächlichen Wert zurückkommen. Kauft man eine Aktie, nicht völlig überteuert, und das Unternehmen schafft es am Markt zu bestehen wird früher oder später der Aktionär profitieren. Ob dies durch höhere Dividenden, einen Aktienrückkauf oder allgemein steigende Kurse geschieht ist nur eine Frage der Zeit. Das Eintreten dieser Belohnung in Form von steigenden Kursen kann aber manchmal Jahre dauern, daher sollte mit Geld das man zum Leben braucht keine Aktien gekauft werden. Buffet schrieb im Jahresbericht 2010 darüber, dass der größte Fehler wäre, dass Anleger zu wenig Geld halten würden. Brauchen sie dann Geld werden egal zu welchem Kurs die Anlagen verkauft. Anlagen, die in Zukunft ein vielfaches des benötigen Geldes generiert hätten.

Sind wir uns also einig, dass es sich bei Aktien nicht um Roulette oder einen einarmigen Banditen handelt können wir nun auf das eigentliche Thema zu sprechen kommen.

Das „Dividend Reinvestment“; auf deutsch „Dividenden reinvestieren“
Beim Dividenden Reinvestieren wird einmalig ein gewisser Geldbetrag aufgewendet um Aktien von Unternehmen „XY AG“ zu kaufen. Die XY AG stellt ein Produkt her, welches immer benötigt wird und mit dem die XY AG bereits seit hundert Jahren am Markt besteht und konstant Gewinne erwirtschaftet. Die Dividende der XY AG steigt seit Jahren und sieht man sich die Kursentwicklung der letzten Jahrzehnte an ging es bergauf; dennoch gab es in der Kursentwicklung immer wieder Dellen „Zusammenbruch des neuen Marktes“ oder „Lehman-Pleite“. Die Frage ist jetzt wann bei der XY AG einsteigen? Ist jetzt ein guter Zeitpunkt? Vielleicht kommt ja bald wieder ein schlechtes Börsenjahr?
Nun können wir natürlich auf ein schlechtes Börsenjahr hoffen und wir bekommen unsere XY AG wirklich günstiger in unser Depot. Doch vielleicht sind wir im schlechten Börsenjahr auch zu Feige zum Kauf. Meist kauft man nämlich nicht bei Tiefstkursen, da man Angst vor noch tieferen Kursen hat. Man kauft also nicht. Kommt kein schlechtes Börsenjahr und die Aktie steigt, weil es der XY AG gut geht, kaufen wir auch nicht. Warum? Klar, warum jetzt kaufen; die XY AG gab es auch schon billiger. Letztendlich steigen wir nie ein. Die XY AG macht weiter Geld und in ein paar Jahren beißen wir uns in den Hintern.

Irgendwann muss man also einsteigen. Hören sie nicht auf die Experten, die eine Rally oder Börsenkrise voraussagen. Dass es irgendwann fallende und irgendwann steigende Märkte gibt kann ich ihnen hier auch versichern; legen sie mich nur auf keine festen Termine fest.

Also haben wir uns entschieden bei der XY AG dabei sein zu wollen.

Zu erst machen wir doch ein wenig Analyse, bei der wir feststellen wollen ob die Aktien nicht gerade wirklich total übertrieben teuer ist, dabei greifen wir auf Zahlen wie das KGV zurück. Ist die Aktie also im Moment normal oder gar günstig bewertet schlagen wir zu. Wir kaufen für 10 000 Euro Aktien der XY AG. Nun zahlt die XY AG eine Dividende von 3%. Nach einem Jahr bekommen wir 300 Euro Dividende, wir kaufen blind einfach wieder für 300 Euro Aktien. Leider befindet sich die Aktie da in einer starken Marktübertreibung und wir kaufen eigentlich zu teuer. Im nächsten Jahr gibt der Markt stark nach und wir bekommen wieder 300 € Dividende, aber diesmal kaufen wir die Aktien sehr günstig. Dieses Spiel setzten wir fort; einmal kaufen wir teuer und einmal günstig. Am Ende haben wir zusammengerechnet weder günstig, noch teuer gekauft. Wir haben die Aktien zu einem normalen Preis gekauft und freuen uns über die Jahre an steigenden Gewinnen und Dividenden. Natürlich können sie auch regelmäßig zusätzlich zur Dividende einen Teil ihres Einkommens investieren, tun sie es aber regelmäßig!

Das ist im Prinzip schon das ganze System und es ist nicht sehr kompliziert und zahlt sich auf Dauer aus. Es gibt jedoch eine wichtige Voraussetzung! Ihre XY AG muss ein langfristig gewinnträchtiges Produkt besitzen und das Management darf nicht dem Größenwahn verfallen. Schauen sie sich die Marktposition und das Produkt und benutzen sie ihren gesunden Menschenverstand! Eine Betrachtung der Vergangenheit gibt oft weitere Erkenntnisse und Sicherheit. Haben sie auch nur einen Zweifel am Unternehmen, lassen Sie es!

Mein Tip sind Hersteller von Getränken, Nahrungsmittel oder Konsumgütern wie Waschmittel. Diese Produkte sind immer gefragt, es gibt keine Revolutionen durch neue Hersteller und egal ob es gerade einen Aufschwung oder Abschwung gibt, die Produkte werden immer verkauft. Kaufen sie sich etwas unspektakuläres, etwas bei dem es keine großen Meldungen gibt. Versuchen sie etwa das Dividenden Reinvestieren bei einem Automobilwert halten sie wahrscheinlich nicht durch. Jede Woche neue Meldungen über sinkende Absatzzahlen oder Produktionsfehler; sie halten dies nervlich nicht durch. Kaufen sie sich die Aktie von ihrer Lieblings Cornflakesmarke und sie freuen sich jeden morgen über ihrer tollen Fähigkeiten als Investor 😉 .

12 Gedanken zu “Dividend Reinvestment – Ansparen â la America

  1. und was hälst du von Dax-ETF sparen, sprich monatlich Summe X in ein ETF-Sparplan auf den Dax (doer MSCI World/Eourope/Schwellenländer) anlegen mit dem von dir schon dargestellten Cost-Average-Effect über mehrere Jahre? Oder funktioniert das nur mit Herstellern von Getränken, Nahrungsmittel oder Konsumgüter?

  2. Hallo Tobi,

    natürlich funktioniert es nicht nur mit Herstellern von Getränken, Nahrungsmitteln oder Konsumgütern. Allerding bin ich der Meinung, dass Unternehmen mit konstanten Erträgen auf dauer besser performen als zyklische Werte…
    Da ich Grafiken verwende werde ich im Forum antworten, da dies in den Kommentaren nicht möglich ist.
    http://www.valueblog.de/valueboard/viewtopic.php?f=17&t=61&sid=8c7c2d3fb1956b3d242ca171fcc4879d

    Dir noch einen schönen Samstagabend

  3. @Jim: jetzt weiß ich nicht wie wohlhabend oder reich du bist, wenn du einen richtigen Verwalter deines Vermögens hast macht dieser das sicher aus 😉 .

    Also des reinvestieren musst du bei einem Einzelwert schon selbst machen. In Amerika bieten Firmen oft an dies für den Aktionär zu übernehmen ( Direct Reinvestment Plans = DRIP ). In Deutschland wird soetwas eigentlich nicht angeboten und ich kenne auch keinen Broker der automatisch Dividenden reinvestiert.

  4. Pingback: Aktien-Anfäger, wo fang ich an? Teil 4 – Die Dividende | Der Value Blog

  5. Hallo!

    gut geschrieben und erklärt! Ich als Anfänger hätte da aber mal eine Frage.

    Ich habe von Fondsmanagersystemen gelesen die mit Dividenden wohl zwischen 25 und 35% Rendite im Jahr machen. Die managen dann alles für einen und nehmen so ca. 5% vom Gewinn, womit man ja noch bei unglaublichen 21 bis 31% im Jahr liegt.

    Ich habe so etwas noch nie gemacht und finde es sehr verlockend. Sind diese hohen % wirklich real? Wieviel % im Jahr machst du mit deinen Kellogs und „Co.“ Aktien, wenn ich fragen darf? Das hat angeblich auch nichts mit grossem Risiko zu tun. „Unidividenden ASS“ macht immer so zwischen 24 und 31%.

    Würdest du so einem Manager dein Geld anvertrauen? Die hohen % sind doch der Wahnsin oder nicht?

  6. Also habe mir den Unividenden ASS einmal angesehen und ich sehe dabei keine Outperfomance des Gesamtmarktes.
    Kursentwicklung Union Dividendenass
    Dax Chart Kursentwicklung
    Der Fond bewegt sich also genau wie der Gesamtmarkt. Eine Abkoppelung nach oben kann ich nicht erkennen.

    Die Ausschüttungen dieses Jahr betrug 1,59 €, was eine Dividendenrendite von 3,65% ergibt.Eine solche Dividende erhält man auch zum Beispiel bei Johnson und Johnson.

    Was mir an dem Fond UniDividenden Ass zusätzlich nicht gefällt ist, dass die Ausschüttung heute niedriger liegt als noch 2008. Damals lag sie bereits bei 2,89, die jährliche Ausschüttung hat sich also seitdem um 45% verringert.

    Stabilität ist das nicht. Der Sinn von Dividendenaktien ist für mich gerade die verlässlichen Zahlungen, auch in wirtschaftlich schlechten Zeiten. Dazu kommen dann auch noch Verwaltungs und Ausgabegebühren.

    Es kann durchaus sein, dass in einem Guten Jahr der Fond hohe Wertsteigerungen erlebt. Auf dauer schafft er dies aber nicht. Wenn du Dir mein Depot ansiehst http://www.valueblog.de/?p=1536 , siehst du dass ich mit langweiligen Werten und gutem Timing auch hohe Renditen schaffe. Mein Vorteil ist, dass ich bei meinen Werten keine derartigen Rückgänge bei den Ausschüttungen befürchten muss.

    Hoffe ich konnte Dir ein wenig weiterhelfen. LG Ulrich

  7. Ich glaube dir Ulrich aber in dem Buch „Die Besten Dividenen Strategien“ steht auf Seite 104 dass Unidividenen ASS (neben mehreren anderen) 31,8% Performance in einem Jahr macht.

    Hab ich da jetzt was verwechselt? Ist „Performance“ nicht gleich Renditen Gewinn pro Jahr?

    Ähnliches steht auch hier: http://www.focus.de/finanzen/boerse/aktien/tid-17438/dividendenstrategie-mit-dividendenfonds-dauerhaft-kalkulieren_aid_486206.html

    Sogar mit Gewinn von 38,48 in einem Jahr!? Wie ist das bitte zu verstehen?

    Gruss
    Jens

  8. Hi Jens, habe mir die Tabelle in dem Focus-Artikel angesehen. Die Sache ist sehr leicht zu erklären.

    Nach der Pleite von Lehman Brothers gingen die Kurse steil bergab. Es gab einen großen Crash, bei dem so ziemlich alle Aktien Kursverluste erlitten. Sieht man auch schön an dem Dax Chart. Der Artikel im Focus ist vom Februar 2010.

    Anfang 2009 war der absolute Tiefpunkt im Dax, nach dem sich die Werte wieder erholt haben. Die hohe Rendite war also eher eine Sondersituation. Hättest Du Anfang 2009 einfach blind alle 30 Dax-Werte gekauft hättest Du eine ähnliche Rendite erzielt.

    Langfristig erzielt der Fond aber lange nicht diese Rendite. Hättest du den Fond zum Beispiel schon 2007 gekauft als der Markt sehr hoch war hättest du heute ein riesen Minus. Das ist wie wenn du 100 mal für einen Euro Lotto spielst und beim 100. Mal dann mal 2 Euro gewinnst und sonst immer verlierst. Wirst Du dann gefragt sagst du: „beim 100 Mal hatte ich 100% Rendite 🙂 „.

    In meinem Depot sieht man schön wie man selbst mit Aktien wie Coca Cola, wenn man zu den niedrigeren Kursen eingestiegen ist locker 2stellige Renditen erzielt. Es ist also eine Sache der Zeitraums. Menschen die bereits 2000 in Coca Cola gegangen sind haben eine sehr bescheidene Rendite.

    Der Focus Artikel ist, meiner Meinung nach, sehr irreführen, da im Prinzip ein Jahr genommen wird in dem die Kurse alle nach oben gingen. Den guten Investor findet man jedoch nur, wenn man sich mehrere Jahre anschaut und dann kuckt ob es positive Renditen gibt.

    Der Unidividenden ASS ist heute soviel Wert wie 2005 (siehe Chart oben) von daher kann man hier kaum von genialen Verwaltern sprechen.

    Lieber Gruß Ulrich

  9. Danke für die gute Erklärung. Auch wenn es mir die schönen Illusionen genommen hat. Aber besser so als anders…

    Dann vermute ich mal sind maximal 6 bis 10 % Gewinn im Jahr drin, wenn man kein Profi ist?

    LG
    Jens

  10. Also, es hängt davon ab, ob du zu günstigen Zeitpunkten kaufs. Dann sind auch mehr drin als 6-10%, momentan gibt es einige günstige große Werte denen ich mehr zutraue mit recht niedrigem Risiko. Renditen von über 20% regelmäßig sind aber über die Jahre nicht so einfach zu schaffen.

    Bei Renditeerwartungen von über 20 bis 30% steigt dann das Risiko stark an. Als Normal-Mensch würd ich mich mit dem Großteil meines Geldes auf die sicheren Werte konzentrieren. Weil das Geld hart erarbeitet und erspart ist und besser ein Bisschen als Nichts. Wobei Du bedenken solltest was aus 1000 € mit 10 % pro jahr werden. In 10 Jahren hast Du dann schon 2600 €, wenn du also noch relativ jung bist dann wird es sich irgendwann sehr lohnen. Reichtum über Nacht kann ich dir leider hier nicht versprechen.

    LG Ulrich, schlaf trotzdem gut 🙂 .

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