Mit seinen Aktien muss man ruhig schlafen können

Es gibt viele wichtige Faktoren die man beim Kauf einer Aktien bedenken sollte. Verschuldung, Branche, Entwicklung, Cash Flow, Gewinn-Entwicklung, Innovationen, Stellung der Konkurrenz und viele andere. Ein sehr wichtiger Wert für mich ist jedoch, ob ich persönlich mit der Aktie nachts ruhig schlafen kann.

Die Aktien in meinem Depot sollten größtenteils immer Unternehmen abbilden, bei denen ich mir sehr sicher sein kann, dass sie nicht durch einzelne Meldungen plötzlich total abstürzen. Hätte ich gerade europäische Autobauer im Depot weiß ich genau was passieren würde. Fast stündlich würde ich im Internet nach neusten KFZ-Erstzulassungen schauen, schlechte Konjunkturmeldungen würden mir den Schweiß auf die Stirn treiben und sinkt die Kauflaune der Konsumenten würde ich endgültig zum Whiskey greifen.
Harald Juhnke trinkt raucht der Trinker
Sie werden lachen, aber es ist psychisch wirklich katastrophal viel Geld in Aktien zu haben, bei denen die Zukunft sehr ungewiss ist. In so etwas kommt man schneller rein als man denkt. Vor allem wenn man frisch mit der Börse anfängt steigt man sehr schnell bei Werten ein, die sehr spekulativ sind. Am Anfang will man oft einfach sehr viel in sehr kurzer Zeit.

Auf Dauer ist es mir psychisch jedoch einfach zu viel, ein Depot zu besitzen in dem ein großer Teil aus waagemutigen Wachstumsstorys und Turnaround-Kandidaten besteht. Selbst wenn man damit Erfolg hat und wirklich über Dauer riesigen Renditen erzielt ( was über die Jahre sehr, sehr schwierig ist), ist mir der Verlust an Lebensqualität dieses nicht wert. Was bringt es mir, wenn man nicht einmal mehr ein paar Tage wegfahren kann ohne dauernd nervös auf dem Smartphone seine Anlagen zu überprüfen und die News-Seiten zu kontrollieren. Meistens verkauft man dann sowieso zu schnell. Nach der dritten schlechten Nachricht in Folge verkauft man die Aktie und denkt: „Gott sei Dank bin ich da endlich raus“. Falls dann wirklich der Turnaround kommt ist man also oft schon gar nicht mehr dabei, weil es einfach zu viel für einen war sein Vermögen andauernd in akuter Gefahr zu sehen.

Aber Aktien mit denen man ruhig schlafen kann sorgen wohl auch nicht nur für ein entspanntes Anleger-Leben, sonder auch langfristig oft für die besseren Renditen. Diese Aktien sind nämlich in ihrer Zukunft überschaubar und sollte es wirklich Probleme geben, zeichnen sich diese über eine lange Zeit langsam ab und man schafft es notfalls noch zu einem guten Kurs auszusteigen. Setze ich hingegen auf spekulative Werte, dann schafft es hier mal eine Aktie und eine andere schafft es nicht. Schaut man sich dann nach ein paar Jahren die Gesamtperformance des Depots an ist es oft so, dass man mit wesentlich weniger Stress sogar eine bessere Performance hätte haben können.

Heute las ich auf einer amerikanischen Seite einen Artikel in dem der Autor Warren Buffet vorwarf seinen Biss verloren zu haben. Wieso kaufte Warren Buffet IBM Aktien, wenn doch Xerox und Hewlett Packard doch wesentlich bessere Gewinne liefern könnten. Die Betonung liegt hier auf „könnten“. IBM ist nämlich der sicherere Play. Der Markenname ist nicht so beschädigt wie bei der hier genannten Konkurrenz und auch die Zahlen sprechen ganz klar für IBM. Der große Erfolg viele Investoren liegt wohl gerade darin, dass sie sich eben langweilige Aktien unters Kopfkissen legen; bei denen sie sicher sind, dass sie langfristig kein Geld verlieren.

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