Neue Schulden – wann wenn nicht jetzt?!

Schulden, Schulden, Schulden. Wohin man sieht überall nur Probleme mit diesen blöden Schulden. Überschuldete Firmen, überschuldete Konsumenten und überschuldete Staaten. Eines scheint klar, die Schulden müssen runter. Gerade in der Euro-Krise wird klar, dass sich Schulden nicht endlos anhäufen lassen. Irgend jemand muss Schulden nun einmal irgendwann bezahlen. Ob dies nun dadurch passiert, dass ein Staatswesen zusammenbricht, der Bürger durch niedrige Zinsen real die Kaufkraft, seines Ersparten, verliert oder Gläubiger, die sich nach einem Schuldenschnitt ihre Anleihen sonst wohin stecken können.

Die Lehren der letzten Jahre sind klar und Investoren sind vorsichtiger geworden, was Schulden angeht. Wurden früher gigantische Firmendeals noch ausschweifend bejubelt, häufen sich heute bei solchen Zukäufen und Expansionsplänen schnell auch die kritischen Stimmen. Firmenerweiterung auf Kosten neuer Schulden. Nein! Dies wollen viele Aktionäre heute nicht mehr. Alles, aber keine neuen Schulden ist oft die die Devise. Die Furcht ist verständlich, aber Schulden gehören nun einmal zur Geschäftstätigkeit und in Zeiten niedriger Zinsen sind Schulden oft sogar eine tolle Möglichkeit sinnvolle Zukäufe zu tätigen…

Schulden sind gerade so günstig wie nie. Für als gut befundener Schuldner bietet sich gerade die Chance zu unglaublich günstigen Kosten Geld am Kapitalmarkt einzusammeln. Schlagzeilen wie eine negativ rentierende Bundesanleihe ging durch die Finanzpresse.

Doch auch viele große Firmen haben aktuell die Chance am Kapitalmarkt Geld zu Zinsen, unter der Inflationsrate auszunehmen. Anleihen von Procter & Gamble, John Deere oder Toyota notieren hier bei kurzen Laufzeiten oft sogar unter einem Prozent. Diese niedrig verzinsten Schulden bauen sich durch die Inflation praktisch von allein wieder ab. Eine Tatsache, die übrigens auch dem deutschen Fiskus zu gute kommt, da er durch die niedrigen Zinsen im Moment ja seine Schuldenquote senken kann. Niedrige Zinsen sind also eine dumme Sache für den Klein-Sparer, aber eine tolle Sache für große Firmen und Staaten (solang diese nicht ein Rating jenseits von Gut und Böse haben).
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Nun gibt es natürlich auch Firmen, die das ganze noch ein wenig weiter treiben wollen. Warum nur seine Schuldenstruktur umbauen und so alte Schulden günstiger finanzieren. Wäre es nicht sinnvoller nun in die Vollen zu gehen und neue Schulden zu machen? Mit dem billigen Geld könnte man ja schließlich momentan günstig Aktien zurückkaufen oder gar das Geschäftsfeld gigantisch erweitern. Genau dies passiert gerade und ich sehe dieses Handeln oft wesentlich positiver als viele andere. Natürlich ist mir ein Unternehmen ohne Schulden lieber als ein Unternehmen mit Schulden; wenn die Investition jedoch Sinn macht warum nicht.

Es gibt natürlich auch immer Risiken. Ist die Branche generell eher konjunkturabhängig kann eine Verschlechterung der Gesamtwirtschaft hier die harmlosen Schulden schnell zum ernsten Problem werden lassen. Auch verringern Schulden immer den zukünftigen Spielraum für weitere Zukäufe oder Expansionsvorhaben. Dennoch können Schulden zum Kauf guter Assets eine gute Sache sein.

Es ist eben die Frage was man aus diesen Schulden macht. Keine Schulden sind nämlich auch nicht immer ein Garant für dicke Aktien-Renditen. Schaue ich mir hier einmal amerikanische IT-Riesen wie Cisco, Apple oder Microsoft an sehe ich hier die Entwicklung sehr kritisch. Diese Unternehmen haben zwar Milliarden auf der hohen Kante, scheinen aber völlig unfähig zu sein dieses Geld in einen Mehrwert zu verwandeln. So liegen auch die Apple Milliarden aus steuerlichen Gründen in diversen Tochterunternehmen und verzinsen sich dort mit unter einem Prozent.

Einen solchen Geldüberhang sehe ich mit mehr Bedenken als wenn ein Unternehmen Schulden macht, um sinnvoll zu expandieren. Zwar wäre es mir natürlich auch lieber Kellog würde die Pringles Chipssparte aus dem Cash Flow kaufen oder Union Pacific würde neue Schienen aus irgendwelchen Reserven im Tresor bezahlen. Dennoch macht mir eine solche Entscheidung wesentlich mehr Mut als wenn ich sehe, dass Unternehmen auf Geldbergen sitzen und anscheinend überhaupt nicht wissen wohin damit. Apple, Microsoft, Cisco und anderen Giganten scheinen die Ideen ausgegangen zu sein, in die man dieses Geld investieren könnte. Früher oder später folgen aus solchen Geldreserven und der Visionslosigkeit zusätzlich auch noch Übersprungshandlungen wie der völlig überteuerte Kauf von unrentablen Konkurrenten nach dem Motto „Hauptsache es ist mal wieder etwas geschehen“.

Ein Gedanke zu “Neue Schulden – wann wenn nicht jetzt?!

  1. Die niedrigen Zinsen sind eine gute Gelegenheit um Immobilien zu kaufen. Jetzt ist die Zeit für Leute mit einem stabilen und sicheren Job, günstig sich einen langfristen Kredit zu sichern.

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