Hilfe! Meine Aktien steuern mein Konsumverhalten.

Gerade war ich im Supermarkt und kaufte typische Allerweltsprodukte wie Cola (von der ich abhängig bin 😉 ), Eiscreme und Chips. Dabei stellte ich feste wie sehr mich dabei meine Aktien im Griff haben. Es gibt ja von allen Produkten heutzutage Supermarkt-Eigenmarken von Edeka, Kaufland und Co. Dennoch kaufe ich doch recht oft Markenprodukte. Ein Grund dafür ist sicher auch, dass manche Dinge einfach besser schmecken. Bei Tiefkühlpizza, Gorgonzola Penne und anderen Dingen, die ich mir gerne auf die Schnelle mache ist mir die bessere Qualität der Markenprodukte doch einiges an Aufpreis wert. Bei diesen Produkten kann ich aber auch deutlich einen Mehrwert in Qualität und Geschmack feststellen. Stehe ich jedoch zum Beispiel vor dem Müsliregal des Supermarktes ist meine Entscheidung klar, es wandern mit 99% Wahrscheinlichkeiten Produkte von Kellog ( von denen ich Aktien besitze )in meinen Einkaufswagen. Auch wenn diese Produkte mehr kosten als qualitativ vergleichbare Cornflakes anderer Hersteller. Irgendwie habe ich das Bedürfnis Produkten, von deren Hersteller ich Aktien besitze, einen gewissen Vorrang zu geben…

Dabei spielt sich in meinem Kopf dann eine Mischung von Gedanken ab. Pro-Argumente sind, dass ich dadurch das Gefühl habe die Firma ( die mir ja zum kleinen Teil gehört ) zu unterstützen und mich schon fast wie ein Verräter fühle, wenn ich Produkte anderer Hersteller kaufe. Der nächste Gedanke ist, dass ich mir überlege, dass das Geld das ich nun Ausgebe ja zum Teil wieder an mich zurückfließt. Schließlich wandert ja jeder Euro, den in diesem Fall die Kellog Company verdient. zum Teil in den Ausbau der Firma, Aktienrückkäufe, Schuldenabbau oder Dividenden und somit langfristig wieder bei mir als Aktionär.

Meine Vernunft sagt mir dann jedoch, dass diese Rechnung reiner Blödsinn ist. Es stimmt zwar, dass nachdem der Supermarkt, der Spediteur, der Getreidelandwirt und alle möglichen anderen daran verdient haben meine Firma auch noch daran verdient. Dass dies aber wahrscheinlich nur ein recht kleiner Betrag ist, denn ich mir ja dann noch mit Tausenden anderen Aktionären teilen muss. Das also der Mehrpreis, den ich im Vergleich zu No-Name Produkten bezahle, nicht gerechtfertigt ist.
Mein Einkauf vom 28 Juli 2012 Kellog Cornflakes Froot Loops Pringles Paprike Häagen Dazs Strewberry Bindund durch Aktien General Mills Procter Gamble(Teil meines heutigen Einkaufswagens)
Da ich also trotzdem zu diesen Produkten greife muss sich eine psychische Bindung aufgebaut haben. Menschen haben ja oft ihre Lieblingsmarken. Egal ob bei Autos, Elektrogeräten oder Kleidung. Die Marke wird zum Teil des ICHs und deswegen kaufe ich sie, da sie ein Teil meiner Identität ist oder zumindest davon wie ich mich selbst an die Außenwelt verkaufen will. Warum sonst pressen sich 80 Jährige Opas in irgendwelche Sportwagen, die sie eh nicht mehr wirklich fahren können und die für ihre abgenutzten Knochen inzwischen viel zu hart gefedert sind. Dies liegt dann daran, dass die Werbung mir ein Image verkauft und ich dadurch beim Konsum dieses Produktes mir Cool, Hip oder sonst etwas vorkomme oder ich schlicht durch bestimmte Kleidungsmarken in meine gesellschaftliche Gruppe assimiliere ( bestes Beispiel sind oft Trendprodukte wie gegenwärtig die Apple Produkte; einen speziellen Mehrnutzen im Vergleich zu anderen Marken könnten mir wohl viele Konsumenten nicht erklären).

Bei der Aktie entsteht hier eine noch tiefere Bindung, da ich ja auch noch von jedem verkaufen Produkt, des Unternehmens auch noch selbst profitiere. Sprich habe ich Daimler Aktien und kaufe einen BMW beiße ich die Hand, die mich füttert. Bei dieser Art Bindung macht jedoch nicht die Firma den ersten Schritt in dem sie mir mit Werbung einimpft, dass dieses Produkt für mich notwendig ist; sondern ich kaufe die Aktie und entscheide mich dann später für ihr Produkt. Da ich mich nun Mitverantwortlich für das wirtschaftliche Wohlergehen dieses Betriebs fühle.

Das ganze ist natürlich erst einmal absurd. Denn ich bin nur ein ganz kleiner Konsument auf einem riesigen globalen Markt und hätte wahrscheinlich mehr davon, wenn ich einfach nur noch klar Preis-Leistungsorientiert kaufen würde und das gesparte Geld investieren würde.

Ein weiterer recht interessanter gesamtwirtschaftliche Punkt ist natürlich: Was wäre wenn mehr Menschen Aktien, ihres Arbeitgebers, besitzen würden oder zumindest Aktien aus ihrem Land oder Region?. Dadurch würde sich ja die Arbeitsleistung und das Mitdenken erhöhen, da man ja nicht dem Unternehmen schaden möchte das einem zum Teil selbst gehört. Auch der Beamte wäre so unter Umständen wesentlich leistungsbereiter, wenn er wüsste dass die Zukunftsfähigkeit seines Umfeldes auch für ihn wichtig ist ( was ja auch irgendwo schon jetzt so ist, aber in entsprechenden Berufsgruppen oft überhaupt nicht realisiert wird).

8 Gedanken zu “Hilfe! Meine Aktien steuern mein Konsumverhalten.

  1. Das Markenprodukte besser schmecken oder die Produkte bessere Inhaltsstoffe haben, halte ich für fragwürdig. Gut Coca Cola schmeckt schon anders, als so billig Cola. Aber ganz ehrlich, kaufe ich bei dem Discounter, wo es Aldi schönen Sachen gibt und gehe dann zu Edeka und kaufe dort Markenprodukte, schmeckt das auch nicht anders, nur mein Geldbeutel sieht dann anders aus, der ist leerer.
    Gerade bei Aldi sind die „Großen“ mit No Name Produkten vertreten,
    Nimmt man z.B. Persil vom großen Henkel-Konzern, ist das Waschmittel Tandil von Aldi, genau das gleiche Produkt, aus der gleichen Fabrik.
    Weiteres Beispiel: Milchreis von Aldi, genau der gleiche, wie das Markenprodukt von Müller-Milchreich usw.
    Spätestens hier sollte jeden klar sein, dass einige Produkte die gleiche Suppe sind. Die großen Firmen haben auch gar keine Wahl, sich nicht dem Billigmarkt zu öffnen, da sie sonst lukrative Einnahmen sich entgehen lassen und Aldi ist nun mal ein Bigplayer in Deutschland. Da müssen die Großen sowieso dann ihre Produkte als No-Name verkaufen und somit schließt sich der Kreis, da ich damit dann auch, falls ich Aktien von diesen Firmen besitze, sie auch unterstütze.

  2. Natürlich ist es logischerweise für das wohlergehen von Kelloggs unwichtig ob DU jetzt ihr Produkt oder ein anderes kaufst.
    Was ich aber ganz wichtig finde ist, dass diese überelgung zeigt, dass man Aktien nicht als ein Blip der je nach Nachrichtenlage im Wert springt sondern sich als teilhaber dieser Firma…
    Ich jedenfalls bleibe auch im Supermarkt sparsam wobei ich das Gefühl kenne… zu mindest versuch ich es… ab und zu mal so testen was die eigenen Produkte hergeben.

    PS: Is HaegenDazs jetzt auch Kellogs, war in meinem Gedächnis General-Mills

    • Hey Alex, ja Häagen Dazs gehört zu General Mills.

      Wir sind in Deutschland natürlich auch stark von der Discounter-Mentalität geprägt; dies gibt es ja aber nicht in allen Ländern.

      @Martin: Sicherlich kommen viele No-Name Produkte von Namenhaften herstellern. Allerdings sollte man nicht Pauschal davon ausgehen, dass billig-Produkte deswegen automatisch auch die gleiche Güte haben. Bei Waschmittel ist es da natürlich sehr schwierig unterschiede zu finden. Wenn man sich aber im Tiefkühlregal mal die Pizzen ansieht, wird man allein am Gemüseanteil auf der Pizza schnell erkennen, dass es durchaus Unterschiede gibt.

  3. Hallo zusammen!

    Bei mir läuft das so: Ich kaufe alles bei ALDI, außer Katzenfutter, meine Katzen sind durch Fernsehwerbung beeinflusst… Beim REWE gibt es Kitekat (Mars) und Felix (Nestle) zu vergleichbaren Preisen. Da ich Nestle-Aktien habe, kaufe ich bei identischem Preis das Nestle-Produkt, bei einem reduzierten Preis für Kitekat wird das Produkt gekauft und das eingesparte Geld investiert.

    Ich bevorzuge Discounter, weil es bei vielen Produkten so ist, dass einfachere Rezepturen mit weniger (teuren) Aroma- / Stabilisator- / Konservierungsstoff-Zusätzen verwendet werden, d.h. das Produkt ist gesünder. Und man weiß was man bekommt und kauft keine Schein-Qualität (Im Supermarkt z.B. Bertolli-Pesto mit Cashew-Kernen und nur einer Alibi-Menge Pinienkerne (siehe http://www.abgespeist.de/bertolli_pesto_verde/index_ger.html) zu überhöhten Preisen. In meinen Augen fördere ich mit diesem Kauf-Verhalten auch die effizienteren Discounter zu Lasten der oft schwerfälligen, ineffizienten Supermärkten.

    Bzgl. Tandil: Ich habe gerade in meinem Wasch-Mittelregal nachgeschaut, das Feinwaschmittel kommt aus Düsseldorf, wird wohl Henkel sein, das andere (Weiße Wäsche) von Propack (?), k.A. wer da hinter steckt, das Vollwaschmittel wurde bei den letzten Tests von Stiftung Warentest idR. von den Dalli-Werken hergestellt und war gleichwertig mit Persil / Henkel. Hier sieht man wieder, dass ein effizienter Mittelständler auch mit einem Dax-Unternehmen konkurrieren kann. Der Preis bfür den Zuschlag bei div. Eigenmarken ist für die Dalli-Werke eine extrem niedrige Umsatz-Rendite (0,5%).

    Noch ein schönes Rest-Wochenende

  4. Also ich kaufe zumindest Grundnahrungsmittel als Eigenmarke, die Preise bei den sind auch fast Identisch in den Supermärkten. Es lohnt sich imo kaum einen günstigeren Supermarkt zu finden, man muss auf günstige Produkte achten. Bei manchen Sachen kaufe ich aber auch Marke ich hab noch nie ein Discount Eis gefunden welches auch nur annährend so schmeckt wie Häagen Dazs. Bei manchen Sachen gibt es einfach Qualitäts oder Geschmacksunterschiede. Was bringt es mir bei den Ravioli 60 cent zu sparen wenn ich die billigeren gar nicht Essen möcht. Auch bei vielen Süßigkeiten bevorzuge ich Marken, leider gibt es ja keine Mars Aktien sie wären bestimmt in meinem Depot.

    Was ich bezüglich meiner Aktien festgestellt habe, ist das ich mittlerweile sehr auf das Konsumverhalten von Freunden und bekannten acht. Ich kann in kein Badezimmer gehen ohne nach Colgate Prokduten ausschau zu halten und mich bei vorfinden von welchen zu freuen, dass mir meine Freunde die Rente sichern ;). Auch an keinem Pizza Hut komme ich vorbei ohne zu schauen ob er auch Gut besucht ist und bei Rauchern achte ich immer auf die Marke.

  5. Ich investiere in ETF´s darunter die klassiker MSCI World / Emerging Markets, bei iShares sind das momentan 1.750 Aktien!

    Hier kann man sich sicher sein, das ein ausgegebener Euro mehr als einem der Unternehmen (wen auch indirekt) zu gute kommt 😉

    Auch hier wird das Auge für den Waren- und Geldverkehr geschult!

    • Das kann man so erstmal nicht unterschreiben, da viele ETF`s mit Hilfe von derivativen Finanzinstrumenten synthetisch abgebildet werden.

      Vor allem in den Emerging Markets ist oft eine ausreichende Handelbarkeit nicht gegeben. Weiter ist es meistens billiger ein Derivat zu kaufen.
      Die ETF Emittenten sind natürlich an gewisse Vorschriften gebunden.Hier muss man den ETF genauer prüfen…

      Viele Grüße

  6. Hallo,
    noch lasse ich nicht zu, dass meine Aktien mein Kaufverhalten beeinflussen 😉
    Grundsätzlich achte ich auf gesunde Ernährung, was man von Cola, … nicht unbedingt sagen kann. Das Preis-Leistungsverältnis muss aber auch stimmen!
    LG Andreas

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.