Aktienkauf und die Moral

Beim Investieren gibt es eine Komponente, welche wohl für manche gar keine und für einige wohl durchaus eine Rolle spielt: Die Moral. In unserem Kulturkreis ist es nämlich gesellschaftlich nicht akzeptiert mit allem sein Geld zu verdienen. Ansonsten würden wohl sich nicht viele Studentinnen mit irgendwelchen Mini-Jobs herumquälen, während es im Internet ja genug Potential gibt als Working Girl viel schneller sein Geld zu verdienen. Mit was man sein Geld verdient ist also scheinbar nicht egal und es soll Menschen geben, die deswegen wirklich nicht in Firmen wie Altria, Lockheed Martin investieren oder Abgaben an ihre Glaubensgemeinschaft bezahlen…

In unserer Gesellschaft gibt es ein paar Tabus, wenn es ums Geld verdienen geht. Gesellschaftliche No Goes sind Stehlen, Prostitution, Betrug. Doch auch in der regulären Geschäftswelt gibt es bestimmte Dinge, wie die Ausbeutung des Menschen, die softe Tabus sind. Softe Tabus sind Dinge, die zwar öffentlich angeprangert werden, die aber anscheinend nicht wirklich einen negativen Einfluss auf die Stellung einer Firma haben.

Eines der dauernd gegenwärtigen Beispiels sind sicher die deutschen Discounter. Hier gab es an Schlagzeilen schon alles: Ausbeutung, Videoüberwachung, gezieltes Mobbing und Aufhetzen, Durchforstung des Privatlebens, Erpressung…

Spätestens seid Günter Wallraffs letztem Buch wissen wir auch, dass es bei vielen Paketzustellern wohl nicht anders aussieht. Hier werden anscheinend sogar Sub-Unternehmer bewusst in die Schulden getrieben, um diese dann, aus der Abhängigkeit heraus, mit ganz schmutzigen Tricks diese Drecksarbeit erledigen zu lassen

Schaden tut es diesen Unternehmen aber anscheinend nicht. Es gibt zwar immer wieder einen öffentlichen Sturm der Entrüstung, wenn derartige Praktiken publik werden. Wirklich geschäftsschädigend scheinen diese Meldungenaber nicht zu sein. Hier dominiert ganz klar der Preis und man hat sich ja eh an solche Meldungen gewöhnt. Wenn man durch diese Methoden günstige Preise geboten bekommt wird es akzeptiert. Auch wenn über die Inhaber solcher Firmen zwar manches böses Wort gesprochen wird, mangelt es auch diesen Geschäftsmännern kaum an öffentlicher Anerkennung und Würdigung. Erfolg macht nun einmal auch hierzulande sexy.

Die Frage, die sich beim Investieren stellt, ist aber eigentlich noch ein wenig brisanter. Wir haben uns ja im gesellschaftlichen Kontext stillschweigend darauf verständigt, dass Ausbeutung auch hier, vor der eigenen Haustüre ,in Ordnung ist, wenn es uns dadurch einen höheren Lebensstandard in Form von günstiger Paketzustellung und preiswerten Lebensmitteln ermöglicht.

Noch einmal eine andere Frage ist jedoch, ob es für uns auch in Ordnung ist mit solchen Methoden Geld zu verdienen. Sprich uns bei Firmen zu beteiligen, die entweder ihren Profit durch einen miesen Umgang mit Mitarbeitern und Umwelt machen oder die gar Produkte kaufen, die für uns als verwerflich gelten.

Bei legalen Firmen kommen uns da natürlich zu aller erst Firmen in den Sinn, die Waffen produzieren. Sofort läuft eine Assoziationskette bei uns im Kopf ab. Firmen produzierte Waffen, Waffen werden verkauft und von den Käufern werden dann, mit Hilfe der Waffe, Menschen getötet.

Aktien von Waffenproduzenten sind also ganz oben auf roten Liste bei Moralaposteln. Nun geht es jedoch weiter. Was ist mit Firmen, die zwar nicht direkt Waffen produzieren, jedoch Teile, die für den Bau von Waffen verwendet werden. Hier wird es natürlich schon sehr viel schwieriger. Ist Rolls-Royce ein verwerfliches Unternehmen, weil ihre Antriebstechnik in Kampfflugzeugen landet. Ist eine Daimler Aktie ein moralisches verwerfliches Investment, weil auf deren Nutzfahrzeugen Maschinenpistolen und Raketenwerfer aufgebaut werden. Hier zeigt sich schon wie schwer das Thema Moral und Geld anlegen beim Weiterspinnen dieses Gedankens bereits wird.

Weitere Firmen, über die gerne die Moralkeule geschwungen wird, sind Unternehmen, die Produkte oder Dienstleistungen anbieten, die dem Menschen schaden. Glücksspiel, Alkohol, Tabak; Firmen wie Las Vegas Sands, Altria ( „Conglomerate of Sin“) und Philip Morris; dies sind Unternehmen die ebenfalls unter moralischen Gesichtspunkten oft kritisch beäugt werden. Die schweren Folgen von exzessivem Alkoholkonsum und Glücksspiel für die Kunden und deren Umfeld können ja schwer geleugnet werden.

Eigentlich kann man den Gedanken „Geld verdienen und Moral“ hier endlos weiterspinnen. Für jede windige Geschäftspraktik wird man notfalls auch eine vertretbare Antwort finden. Gebe es keine Kinderarbeit, würden die Familien ohne dieses Zusatzeinkommen verhungern. Gäbe es keine öffentlichen Kasinos, gebe es eben mehr illegales Glücksspiel, mit noch schlimmeren Folgen. Und überhaupt wer zwingt den Kunden dazu sein Geld zu verspielen oder zum Alkoholiker zu werden.

Persönlich gibt es Unternehmen, wo ich aber auch Bedenken habe. Reine Rüstungskonzerne oder Unternehmen, die Kinderarbeit nutzen sind hier schon Tabus. Die Frage ist natürlich was man hier weiß. Über fragwürdige Unternehmensaktivitäten wird ja kaum in den Investors Relations geprahlt. Außerdem betreibt man hier auch immer wieder Selbstschutz. Kommen Nachrichten über zweifelhafte Aktivitäten heraus, denkt man sich Argumente aus, warum die Sache gar nicht so verwerflich ist. Schließlich will man ja die Werte in seinem Depot auch behalten und damit Geld verdienen. Vor allem in deutschen Medien muss man hier sowieso vorsichtig sein. Oft kommt es mir so vor als würde man zwanghaft erfolgreichen Menschen und Firmen etwas unterstellen wollen. In der deutschen Berichterstattung kann man kaum noch unterscheiden, was wirklich gründlich recherchiert ist und was lediglich ein einfach konstruiertes Aufreger-Thema werden soll.

4 Gedanken zu “Aktienkauf und die Moral

  1. Also Tabakaktien (B.A.T. und Philip Morris) sind mit die erfolgreichsten Einzelinvestments in meinem Depot; darauf würde ich nie verzichten.

    Und was die übrigen „kritischen“ Bereiche betrifft:
    Das Handelsblatt berichtete einmal von einem Fond, der in die sieben Todsünden investiert und damit erfolgreich ist:

    http://www.handelsblatt.com/finanzen/fonds/nachrichten/sex-gefaengnisse-alkohol-neuer-fonds-wettet-auf-die-sieben-todsuenden/3766774.html

    aus dem Artikel:
    „Viele Sündenaktien sind konjunkturell unabhängig, haben eine gewisse Marktmacht und werden von vielen Analysten gemieden.“

    Stimmt!

  2. Solange etwas legal ist, wie z.B. die Produktion von Zigaretten, Waffen und anderen „unmoralischen“ Produkten, ist man rechtlich gesehen auf der sicheren Seite, moralisch gesehen habe ich damit auch keine Probleme solche Aktien zu kaufen.
    Gerade H&M, Kick und andere Firmen lassen ihre Waren auch in Billiglohn- Ländern produzieren und da fragt sich auch kaum jemand, wo denn das T-Shirt hergestellt wurde für einen Preis von 5€. Da ist auch Kinderarbeit im Spiel.
    Genussmittel wie Alkohol und Zigaretten haben schon immer Suchtpotential gehabt und sind deshalb aber nicht unmoralisch, jeder entscheidet für sich, wie viel er konsumieren will und muss seine eigene Grenze ziehen.

    Diese Moralgeschichten sind mir echt zuwider in Deutschland. Auch diese Neidgesellschaft ist Fragwürdig. Da wird schon konterkariert, dass jmd. der einen Porsche oder Ferrari etc fährt, dass der schlecht sei oder unehrlich sein Geld verdient usw. . Wenn man Geld hat und erfolgreich ist, sollte man das ruhig auch zeigen und ausleben dürfen. Ich persönlich würde nichts auf Neid anderer geben, nur weil sie unfähig sind auch erfolgreich zu sein.

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