Geschäfte laufen gut, der Kurs sinkt.

Als Einsteiger in die Welt der Aktien ist man oft verwundert über die Veröffentlichung von Geschäftszahlen und ihre Wirkung auf den Kurs. Da verbessert eine Firma ihren Umsatz und Gewinn und was passiert ? Der Kurs ist mehrstellig im Minus.

Bei einer anderen Aktie meldet die Firma einen Verlust in Millionenhöhe und der Kurs steigt. Was soll das? Der Grund ist wie so oft Psychologie…

Beginnen wir einmal mit ein wenig Psychologie.

Stellen wir uns vor wir wären Kinder. Bald steht Weihnachten vor der Tür und wir schreiben unseren Wunschzettel. Wir rechnen mit größeren Geschenken von den Eltern und unserem Patenonkel. Plötzlich meldet sich ein bis dato völlig unbekannter Schulfreund des Vaters und kündigt an uns eine Modelleisenbahn mit einer Lokomotive und 5 Wagons zu schicken. Gedanklich sehen wir also schon unseren langen Zug seine Kreise durch das Wohnzimmer fahren.

Es kommt Heilig Abend und wir packen voller Vorfreude das Paket des Unbekannten aus und was entdecken wir, er hat der Lokomotive nur drei statt fünf Wagen beigelegt. Plötzlich sinkt die Laune. Wir hatten uns doch schon den schönen langen Zug in Gedanken ausgemalt und nun fährt nur so ein kurzer Zug durch die Realität. Die Bescherung war also ein Reinfall und wir gehen später enttäuscht ins Bett.

Ganz anders wäre es natürlich gelaufen, wenn wir von dem Geschenk der Unbekannten vorher gar nichts gewusst hätten. Wir hätten neben den bereits eingeplanten Paketen der Eltern und des Onkels plötzlich ein weiteres Paket entdeckt und wären sehr glücklich gewesen. Wir bekamen zu unseren Wünsche ja noch ein tolles Geschenk obendrauf. Weihnachten wäre in diesem Fall ein super Ereignis gewesen.

Mit Aktien und der Bekanntgabe von Unternehmenszahlen ist es genauso.

Ob der Markt auf einen Geschäftsbericht positiv reagiert oder nicht hängt davon ab was die Analysten erwartet haben. Viele Marktteilnehmer lesen im Vorfeld von Quartalszahlen und Jahresberichten nämlich was Analysten erwarten.

Ist das Ergebnis besser als die durchschnittliche Analystenschätzung ist Jubel angesagt; ist es schlechter kommen Tränen und man ist schnell am Verkaufs-Button.

Oft ist dies aber durchaus Paradox. Würde der Markt am gleichen Tag die Quartalszahlen von Kraft Foods und Nestle bekommen und nehmen wir an; Kraft verdient weniger Geld als im Vorjahresquartal und Nestle legt zu. Damit ist noch lange nicht gesagt, dass deswegen die Kraft Aktie verliert und die Nestle Aktie steigt.

Wurde nämlich bei Kraft Foods mit einem Ergebnisrückgang von 10 % gerechnet und das Ergebnis sank nur um 5 %, dann ist der Markt positiv überrascht und, von Euphorie getrieben, wird die Aktie gekauft. Mit dem Gewinn ist es genauso, wurde bei Nestle mit einem Gewinnzuwachs von 12% gerechnet und es sind dann am Ende doch nur 8 % wird die Aktie abgestraft, da die Anleger ja enttäuscht sind.

Ob eine Meldung also kurzfristig gut oder schlecht ist hat oft wenig damit zu tun, ob sich die Firma verbessert hat oder nicht. Es geht lediglich darum ob das Ergebnis besser oder schlechter ist als erwartet.

Natürlich ergeben sich auch oft schöne Chancen damit. Entwickelt sich ein Unternehmen langfristig positiv und Gewinn, Cashflow und Umsatz wächst haben wir nach einer Meldung, die unter den Erwartungen liegt, oft die Chance die Aktie an einem Tag mehrere Prozent günstiger zu bekommen. Oft beruhigt sich die Lage dann schnell wieder, die Emotion ist weg und bereits zum Handelsschluss haben wir einen schönen Kursgewinn gemacht. Bei Aktien von Firmen, die sich langfristig negativ entwickeln können wir die Aktie nach Zahlen eventuell zu einem ganz guten Preis abstoßen. Dazu reicht es, wenn die Verluste einmal nicht ganz so groß waren wie erwartet.

2 Gedanken zu “Geschäfte laufen gut, der Kurs sinkt.

  1. Psychologie spielt hier sicher eine Rolle, allerdings sollte man auch bedenken, dass die zu positiven oder negativen Analysten Prognosen häufig in die Kurse eingepreist sind und deshalb eine Bewegung nach unten oder oben stattfindet. Generell muss man natürlich im Hinterkopf hab, dass nicht alle Marktteilnehmer so oder so ähnlich denken wie wir. Grade die Kursfristigen entwicklungen werden maßgeblich von Kursfristigen Anlegern gesteuert schon alleine weil die durch hebelungen größre Volumina verschieben.

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