Eine Aktienpostion günstiger aufbauen.

Amerikanische Anleger sprechen oft vom sogenannten „Averaging Down“. Die Übersetzung dafür ist Durchschnittskostenminderung. Bei Aktien geht es dabei um die Strategie den Einstiegskurs seiner Position zu verringern. Sinn macht dieses vorgehen, bei Erfolg, natürlich. Bin ich von einer Aktie langfristig überzeugt und ich kann den durchschnittlichen Einstiegskurs verringern habe ich nachher fürs gleiche Geld mehr Aktien im Depot.

Dieses Kaufen von Aktien in Etappen, mit dem Ziel den Anschlusskurs meiner Gesamtposition zu mindern, halte ich jedoch für recht kritisch…Die Idee hinter „Averaging Down“ ist recht schnell erklärt. Nachdem ich einen Aktienwert herausgesucht habe von dem ich langfristig überzeugt bin, entscheide ich mich für einen bestimmten Betrag einzusteigen.

Also will ich jetzt zum Beispiel für 1000 € eine Position Aktien von Firma XY erwerben. Nun gehe ich aber nicht hin, warte auf einen vertretbaren Kurs und kaufe einfach für 1000 € die entsprechende Aktie.

Die Strategie ist die Aktien in Etappen zu kaufen. Also kaufe ich erst einmal für 200 €, dann nehme ich mir vor noch einmal für 200€ zu kaufen wenn der Kurs 5% nachgegeben hat. Dann noch einmal für 200 wenn der Kurs 8 % niedriger ist usw.

Habe ich Glück und der Kurs gibt wirklich mehrmals nach und ist die Sache natürlich super. Nun habe ich für meine 1000 € mehr Aktien erhalten als wenn ich gleich für 1000 € auf einmal gekauft hätte und bekomme so mehr Dividenden und kann langfristig auch höhere Kursgewinne erzielen.

Wie gesagt alles toll, wenn der Kurs sich nach dem ersten Kauf weiter verringert. In der Durchführbarkeit sehe ich jedoch mehrere Probleme. Nun gehe ich einmal davon aus, dass bevor man sich eine Aktien langfristig ins Depot legt sich gründlich darüber informiert hat, ob die Firma langfristig im Wert steigen kann und ob die Aktie im Moment nicht überteuert ist.

Also habe ich eine Aktie gefunden die im Moment günstig ist. Nun; wer sagt mir denn, dass diese Aktie fällt. Vielleicht kommt die nächste Börsenkatastrophe erst in ein paar Jahren und bis dahin haben sich die Fundamentaldaten weiter gesteigert. Dann kann es gut sein, dass ich die Aktie selbst bei einem Crash nicht mehr günstiger bekomme als sie damals bei meinem ersten Einstieg notiert hat.

In diesem Fall hätte ich meine Chance also vertan und habe nun von dieser super Firma viel weniger Aktien als wäre ich einfach einmal mit der Gesamtsumme eingestiegen.

Von daher halte ich von der Strategie weniger. Natürlich ist das System interessant wenn die potentielle Aktie bereits sehr hoch bewertet ist und sie auch nicht in absehbare Zeit in diese Bewertung hineinwächst. Dann steht die Chance natürlich gut, dass ich sie noch einmal günstiger bekommen kann. Allerdings würde ich bei einer Aktie, bei der ich den Kurs für übertrieben hoch halte auch keine Anfangsposition erwerben.

Die Strategie wende ich selbst also nicht an; da ich versuche nur langfristige Positionen aufzubauen, bei denen ich die Bewertung für angemessen halte. Natürlich kann ich Pech haben und am Tag nach dem Einstieg gibt der Kurs um mehrere Prozent nach. Dies weiß ich aber nicht, da kann man eine Münze werfen. Die Strategie hat sicher in der Zeit von 2000 an gut funktioniert. Dies lag aber mehr an der horrenden Bewertung am Anfang der 2000er. Wer also zu diesen hohen Bewertungen diese Methode angewandt hat, hatte viele Möglichkeiten das Konzept umzusetzen. Einen Gewinn hat er aber dennoch nicht gemacht; nur weniger verloren.

Cost Averaging braucht man also eigentlich nicht. Wesentlich wichtiger ist, dass man eine gute Firma zu einem günstigen Zeitpunkt kauft. Tut man dies fallen ein paar eventuell gewonnene Prozente in ein paar Jahren nicht mehr ins Gewicht. Kaufe ich zu einem ungünstigen Zeitpunkt eine schlechte Firma, rettet mich auch die Reduzierung der Einstiegskurses nicht. Gerade bei kleineren Anlagesummen sollte man dann zusätzlich auch noch bedenken, dass beim Kauf in mehreren Tranchen auch mehrmals Transaktionskosten anfallen.

2 Gedanken zu “Eine Aktienpostion günstiger aufbauen.

  1. Da du den Tiefpunkt sowieso nie triffst und auch die beste Aktie nicht gegen schlechte Nachrichten gewappnet ist (z.B. Griechenland) finde ich solche Tiefpunkte ganz interessant zum Nachkaufen. Deshalb finde ich es auch nicht schlecht wenn man erstmal mit der hälfte reingeht um dann später die andere hälfte zu Investieren.

    Denn neben der Fundamentalen Analyse ist m.M.n. das Timing mit am wichtigsten. Aber dafür braucht man schon viel Erfahrung und eine Portion Glück!

  2. Markus, natürlich ist die Strategie in manchen Fällen gut.

    Bei Firmen, die sich in einem Umfeld bewegen in dem man politische Börsen hat die gar nicht nach Unternehmensdaten sondern nach politischen Ereignissen reagieren ist natürlich ein verteilter Kauf sinnvoll. Die EInstellung, ich kaufe bei – 7, -15 % usw. hat natürlich das Risiko, dass man nie zu einer wirklich großen Position bei einem großen Unternehmen kommt.

    Es ist wie immer mit Strategien, im Ansatz richtig. Das Durchhalten dieser Taktik ist aber weider einmal sehr schwer. Weil wenn eine Aktien nach unten geht, kauft man dann wirklich nach(auch wenn man es sich vorgenommen hat). Bin mir eben bewusst, dass mich Meldungen dann doch beeinflussen und ich am Ende dann doch nicht nachkaufe.

    Kaufe lieber einmal ein Unternehmen zu einen guten Preis und bleibe dann dabei. Folglich muss man auch dann nicht dauernd den Kurs beobachten und schläft ruhiger.

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