Das Schlechtreden der Aktienkultur und die schlimmen Folgen.

Es gibt Dinge, die ich einfach nicht verstehe. Gestern sah ich im WDR abends eine komödiantisch aufgemachte Sendung mit Dr. Eckart von Hirschhausen und anderen zum Thema Finanzen und Geld. Leider mischte sich hier ganz sinnvolle Beiträge mit den typisch dümmlichen Standard-Gags aneinander. Der böse und dumme Börsenexperte sei blöder in der Auswahl von Aktien als ein Papagei, der zufällig in der Zeitung auf Kurse pickt usw. .

Dass dieses dauernde Bashing und Einschlagen auf Aktienkultur und Co. aber für die gesamte Wirtschaft und damit auch Lebensbedingungen der Menschen eigentlich sehr negativ ist, scheinen die ach so schlauen Fernseher-Erklärbären völlig außer Acht zu lassen.Natürlich ist das wilde Gezocke an den Märkten und das verhalten einiger großer und auch kleiner Marktteilnehmer sehr fragwürdig. Das kaputtmachen guter Firmen nur für den schnellen Euro oder Dollar ist sicher eine der großen Kehrseiten des heutigen Kapitalismus. Es gab ja bereits unzählige Fälle in denen Hedgefonds und ähnlich strukturierte Konstrukte gute Firmen kauften und diese praktisch in neuen Schulden ersticken ließen, nur um sich selbst Geld auf das Konto überweisen zu können. Wobei man hier auch nicht jeden Hedgefond gleich mit über den Kamm scheren sollte.

Solche Geschäftsmodelle sind mit meiner Verteidigung des Aktienhandels ausdrücklich nicht gemeint.

Was ich Sendungen wie der gestrigen WDR-Sendung immer wieder vorwerfe, ist eigentlich gar nicht zu erklären wozu Aktien eigentlich gedacht sind. Viele Menschen glauben bei Aktien würde es primär um so eine Art seherische Fähigkeit gehen und Menschen mit Anlageerfolg wüssten genau welche Aktie morgen Vormittag steigt und welche fällt. Dies ist aber mitnichten so, genaue Kursvorhersagen kann keiner treffen. Dafür gibt es viel zu viele Faktoren, die der Mensch gar nicht alle erfassen kann. Zusätzlich gibt es täglich unzählige nicht vorhersehbare Ereignisse, die Kurse oft stärker beeinflusse als jede vorher berechenbare Größe.

Der Erfolg liegt bei den meisten Anlegern darin zu Verstehen, welche Aktie sich mittel und langfristig gut entwickelt, weil eben das Unternehmen gut aufgestellt ist und zukunftsfähige Produkte und Märkte besitzt. Der Kurs dieser Unternehmen steigt dann irgendwann auf eine faire Bewertung. Dies wird aber irgendwie mit Absicht oder Unwissenheit nie erwähnt.

Die Experimente, bei denen Papageien und Schimpansen als Gewinner hervorgehen, haben die Rahmenbedingung der Börsenspiele der Sparkassen. Als Schüler habe ich selbst einmal an einem solchen Börsenspiel für Jugendliche teilgenommen. Die ganze Sache läuft dann so ab: Man bekommt ein Startkapital und ein fiktives Depot und nach 3 Monaten wird dann ausgewertet wer den höchsten Depotwert besitzt. Obwohl meine Gruppe sogar eine Reise nach Hamburg gewonnen hat, war mich schon vor Beginn des Spiels klar, dass dieses Spiel völlig falsche Anreize setzt. Zusätzlich zu dem kurzen Zeitrahmen, welcher ja andererseits existieren muss, gab es auch noch eine Mindestzahl an Transaktionen, die man abwickeln musste. Also vermitteln solche Börsenspiele eher ein Rein und Raus im Bezug auf Aktien ohne sich langfristige Entwicklungen anzusehen. Die Gewinner eines solchen Börsenspiels haben also schlichtweg Glück.

Soviel nun zu den genannten Experimenten mit Tieren und Dartscheiben, die dem kollegtiven Bewusstsein immer wieder klar machen sollen, dass Aktien reine Glückssache sind.

Mit dem Aufbauen dieser Einstellung fügen die Medienmacher nämlich auch unserer Wirtschaft und vor allem auch den Arbeitnehmern eigentlich einen großen Schaden zu. Ein Unternehmen gibt ja nicht zum Spaß Aktien aus. Habe ich ein Unternehmen gegründet und entscheide mich dafür Aktien auszugeben, tue ich dies in der Regel, da ich für die Umsetzung meiner Geschäftsidee mehr Geld benötige als ich besitze. Sonst würde ich mir ja gar keine anderen Menschen (sprich Aktionäre) mit ins Boot holen, die dann ja später an den Gewinnen beteiligt werden müssen.

Wenn aber alle Menschen Aktien für eine Art Lotterie halten werde ich keine Aktionäre finden. Sprich, wenn ich nun keine Bank finde die mir gute Kreditkonditionen gibt fällt mein Projekt flach oder meine Investitionen können nicht wie geplant umgesetzt werden. In der Folge schaffe ich natürlich selbst auch weniger Arbeitsplätze und erzeuge weniger Nachfrage bei anderen Unternehmen, welche ja auch wiederum Menschen beschäftigen.

Eine Gesellschaft die nicht bereit ist zu investieren schießt sich ins eigene Bein. Nachfrage entsteht nämlich nicht nur dadurch, dass ich in ein Geschäft gehe und mir etwas kaufen. Sondern auch dadurch, dass ich investiere und damit einer Firma die Möglichkeit zum Konsum gebe. Durch mangelnde Investitionsbereitschaft wird der Staat gezwungen mit immer neuen Subventionen Firmen Geld zustecken, damit diese überhaupt die Möglichkeit haben sich zu erweitern oder ihr Geschäftsmodell umzusetzen und dadurch Menschen in Lohn und Brot zu bringen.

Wenn die eigene Bevölkerung nicht bereit ist Geld in die Unternehmen, im eigenen Land, zu stecken ist die Folge also ganz einfach die, dass es entweder die wirtschaftliche Entwicklung und damit sie selber schwächt oder die Investoren müssen aus einem anderen Land kommen. Wenn dann aber irgendwelche skrupellosen Hedgefonds oder ausländischen Staatsfonds die Arbeitsplätze vor Ort vernichten, sollte sich auch keiner beschweren.

4 Gedanken zu “Das Schlechtreden der Aktienkultur und die schlimmen Folgen.

  1. Ich denke das Hedgefonds bzw. Private Equity was hier wohl eher gemeint ist, selten starke und gesunde Unternehmen übernimmt sondern eher kranke und schwache bzw. welche die schlecht gemanaget werden. Die haben also häufig eher die Funktion die auch Raubtiere in der Wildnis erfüllen die ja auch meiste kranke und verletzte Beutetiere reißen.

    Mal ein konrektes Beispiel hätte vor 2 Jahren eine Privat Equite Gesellschaft Schlecher übernommen und zur Sanierung die hälfte alle Fialen geschlossen und dann ein Gesundes Unternehmen mit dicken Gewinn wieder verkauft wären sie der Buhmann der Politik weil sie ja die hälfte der Arbeitsplätze abgebaut haben, dass sie dadurch die andere hälfte gerettet haben würde nicht honoriert werden.

  2. Das Wort Hedgefond benutzt ich hier lieber, weil damit mehr Menschen etwas anfangen können und ich vereinfache hier auch, damit die Sache nicht den Rahmen eines Blogs sprengt 🙂 .

    Jens du hast natürlich Recht, alles hat zwei Seiten der Medallie. Es gibt aber auch zum Beispiel die Gagfah (Immobiliengesellschaft), die vor Jahren an Fortress ( Private Equity) gekauft wurde.

    Was dann folgte war ein verfallenlassen der Wohnungen, um damit die Kosten zu senken und sich mit hohen Ausschüttungen die Kasse voll zu machen.

    Bin aber mit dir einer Meinung, dass solche Einstiege auch positive Folgen haben können. Das Schlecker-Bsp ist gut, wäre aber da schon vor Jahren jemand eingestiegen und hätte da modernisiert und Fillialen geschlossen wäre dieser öffentlich geächtet wurden.

  3. Guter Beitrag!

    Ich bin auch immer wieder verwundert, wie die Menschen auf Aktien reagieren. Für viele ist das einfach Hokus-pokus. Man vermehrt sein Geld ohne etwas dafür zu tun. Dabei denkt aber keiner daran, dass man ja das Risiko auf sich nimmt und keinen „Gewinn“ dafür geschenkt bekommt.

    Da muss in unserer Gesellschaft noch Pionierarbeit getan werden. Aber leider fehlen BWL bzw. Finanzgrundlagen in der Schule. Das würde jedem gut tun!

  4. Gut gebrüllt, Löwe. Ich beklage die mangelnde Aktienkultur genauso. Alle wollen sie Zinsen auf Sparguthaben, meckern aber darüber, dass ich „leistungsloses Einkommen“ in Form von Dividienden kassiere. Und solche Spinner wie Dirk Müller geben der mangelnden Aktienkutlur auch noch den Rest, wenn Dirk Müller behauptet, früher wären Aktien eine gute Sache gewesen, heute aber würde nur noch gezockt. Das ist totaler Quatsch.

    Der Aktienhandel ist an sich eine gute Sache. Viele Unternehmen gäbe es gar nicht, gäbe es nicht die Form der Aktiengesellschaft. Bei einer GmbH ist es so, dass das Unternehmen noch so gut und leistungsfähig sein kann, immer im Fortbestand gefährdet wäre. Angenommen es gibt zwei Inhaber und einer stirbt oder will aussteigen. Schon sind etliche Arbeitsplätze gefährdet. Oder aber der Inhaber lässt sich scheiden und dann gefährdet vielleicht ein zänkisches Weib das Unternehmen. Eine GmbH kann man auch nicht so gut veräußern und man würde fast immer unter Wert verkaufen, weil der Käufer weiß, das unter Druck verkauft wird, weil die Ex, der Ex oder das Finanzamt Geld fordert. Auch die Weitergabe an nachkommende Generationen stellt sich bei Aktiengesellschaften viel leichter dar.

    Dadurch, dass man den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens weitestmöglich von den persönlichen Problemen der Inhaber entkoppelt, ergeben sich ernorme Vorteile für die Geschäftspartner und für die Angestellten der Aktiengesellschaften.

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