Dividendenaristokraten – deshalb haben wir Kaufkurse.

Normalerweise schreibe ich hier wenig über Kurse und lieber über Unternehmensentwicklungen, finanzielle Kennzahlen und Dividendenentwicklungen. Kursentwicklungen in naher und mittlerer Zukunft spielen für mich nämlich eine eher untergeordnete Rolle.

Trotzdem möchte ich heute einmal über mögliche Kursentwicklungen sprechen, da diese ja doch beeinflussen, ob man jetzt in einen Dividenden-Wert einsteigt oder lieber nichtDazu sollte man sich einmal überlegen was ein guter Dividendenwert oder auch Dividenden-Aristokrat ist. Es handelt sich um Werte, die langfristig in der Lage sind ihr Dividenden zu steigern und seit Jahren nicht unter Reduzierungs-Druck gekommen sind. Man kann also sagen, dass die Dividendenrendite eine sichere Mindestrendite ist, solange man natürlich nicht plötzlich seine Aktien verkauft. Kursrückgänge sitzt man einfach aus, daher gibt es „fast“ kein Risiko bei diesen Werten.

Sieht man Sinn in dieser Anlagestrategie, der sicheren Dividenden, stellt sich jedoch eine große Frage. Ist es sinnvoll jetzt in diese Wert Geld zu stecken oder gibt es sie vielleicht demnächst günstiger im Einkauf.

Nun versuche ich also mal meine Einschätzung dazu abzugeben. Meiner Meinung nach geht es mit dem Kurs der Dividenden-Aristokraten weiter nach oben. Der Grund ist in dieser Mindestrendite zu sehen. Viele private und institutionelle Investoren haben oft gar nicht die Absicht einen Wert ewig zu halten, sondern wollen lediglich eine Rendite erzielen, die höher als der garantierten Zentralbank-Zins ist. Würde dies ein Anleger nicht wollen wäre er ja auch gar nicht mit Wertpapieren unterwegs.

Dies bedeutet, dass wahrscheinlich mehr und mehr Geld in Aktien mit soliden Dividenden fließen wird. Die Begründung ist denkbar einfach. Wir befinden uns momentan in einer Phase, in der die „sicheren“ Dividenden eine weit höhere Rendite erzielen als Zinsen auf der Bank oder Anleihen der meisten guten Schuldner.
Leitzins der EZP Rate European Central Bank ECB Coca Cola Divididendenrendite aktuelle 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 Spread Differenz Zins Dividende Mindestrendite
Die Grafik oben zeigt schön, dass es inzwischen eine deutlichen Differenz (Spread) zwischen der Dividenden-Rendite von Coca Cola und dem Leitzins der EZB (Europäische Zentral Bank) gibt. Coca Cola nahm ich, da es Sinnbild eines stabilen Dividendenwerts ist und zusätzlich noch eine relativ geringe Dividendenrendite bietet. Viele solide Dividendenwerte bieten aktuell sogar höhere Dividendenrenditen. Die Leitzinsentwicklung der FED ( amerikanischen Zentralbank; Federal Reserve Bank) ist in den letzten Jahren gleich verlaufen, also wird hier nicht die Aussagekraft verfälscht.

Die meisten Investoren werden also gerade in den Zeiten niedrigen Wachstums und dem Risiko einer europäischen Rezession wahrscheinlich diese Aktien kaufen, um wenigsten die Inflation auszugleichen.

Dies bedeutet, dass bei weiterhin niedrigen Zinsen die Dividenden-Aristokraten steigen werden; da sie einfach eine wesentlich höhere Mindestrendite abwerfen.

Nun werden Sie vielleicht sagen: „Und was ist wenn die Zinsen plötzlich steigen“. Zu erst einmal halte ich es für sehr unwahrscheinlich, dass wir so schnell deutliche Zinssteigerungen erleben. Die Wirtschaft in Europa und den USA ist zu schwach und dadurch würden plötzliche Steigerungen hier zu schlimmen Folgen führen. Zweitens würden die Refinanzierungskosten der hoch verschuldeten Staaten durch hohe Leitzinsen steigen. Weil warum dem Staat günstig Geld borgen, wenn ich es bei der Zentralbank besser verzinst bekomme?!

Nehmen wir dennoch einmal an es käme wirklich zu einer deutlichen Anhebung der Zinssätze in nächster Zeit. Nun sollten wir einmal überlegen, warum eine Zentralbank Zinsen anhebt. Eine Zentralbank erhöht den Leitzins um eine wirtschaftliche Überhitzung und hohe Inflation zu verhindern. Inflation entsteht jedoch dadurch, dass die wirtschaftlichen Kapazitäten stark ausgelastet sind und es so einen Spielraum für Preiserhöhungen gibt. In Europa und den USA steht aber die Wirtschaft weit entfernt vor einer Überhitzung oder gar gigantischer Nachfrage nach ihren Produkten.

Damit der Leitzins also steigt, müsste die Wirtschaft plötzlich wieder boomen. Sollte sie dies tun, würde der Aktienmarkt sicher allgemein nach oben schießen; da Aktien generell momentan sehr niedrig bewertet sind. Ein solcher allgemeiner Anstieg der Börsen würde folglich auch dazu führen, dass die Dividenden-Aristokraten ebenfalls höher notieren.

So oder so halte ich den aktuellen Zeitpunkt daher für gut, um bei soliden Dividendenwerten einzusteigen. Die Leitzinsen werden (hoch wahrscheinlich) noch länger Zeit niedrig bleiben, dadurch wird immer immer mehr Geld in diese Werte fließen, damit Anleger überhaupt noch eine Rendite erzielen.

9 Gedanken zu “Dividendenaristokraten – deshalb haben wir Kaufkurse.

  1. „Inflation entsteht jedoch dadurch, dass die wirtschaftlichen Kapazitäten stark ausgelastet sind und es so einen Spielraum für Preiserhöhungen gibt.“

    Das ist seid den 70er Jahren überholt.

  2. Worauf willst Du jetzt hinaus. Die Inflationierung der Geldmenge, also das es mehr Geld gibt oder auf die Kaufkraft des Geldes? Nur weil eine Geldmenge wächst, muss deswegen ja kein starker Kaufkraftverlust der Währung erfolgen. Solang dieses Geld in irgendwelchen Assets rollt und nicht zum Konsum genutzt wird…

  3. Ja, das ist wohl wahr! Legt man sein Geld bei diesen Zinsen bei der Bank konventionell an, z.B. in einem festen Sparbrief, dann macht man ein Minus-Geschäft, Geldverfall , da die Inflationsrate höher als der Zinssatz ist 😀
    –>negativer Realzins.

    Da würde ich natürlich auch nur in sichere Werte mein Geld investieren.

  4. Eine Inflation (gemessen in den Preisen von Konsumgütern) muss nicht mit hohen Auslastungen einhergehen. Daher kann es auch in mitten einer Wirtschaftskrise zu einer Inflation kommen. Bisher hatte die Eurokrise eher deflationären Charakter, aber dabei muss es nicht bleiben.

  5. Wenn aber die Preise der Konsumgüter steigen sind doch gerade die starken Dividendenwerte, mit ihren Produkten des täglichen Lebens, doch wieder die Profiteure. Es geht in meinem Artikel auch nicht darum, hier wirtschaftspolitische Szenarien zu entwickeln, sondern darum hier Anlagemöglichkeiten aufzuzeigen; auf dem Boden von wahrscheinlichen Entwicklungen.

  6. Hi zusammen.

    Ich sehe das mit den Dividenden-Aristokraten genau so. Ich kaufe keine
    Zockerpapiere mehr. Mittlerweile bin ich davon überzeugt, dass es nur
    langfristig geht. Solide Werte, die am besten jedes Jahr ihre Dividenden
    erhöhen. Auf kurzfristige Kurssteigerungen zu setzen ist für mich wie
    in die Spielbank zu gehen und auf schwarz oder rot zu setzen.

    Leider geht es mit dieser Buy and Hold Philosophie halt sehr sehr
    langsam voran mit dem Vermögensaufbau. Bei unsereinem kommt
    halt auch kein Riesenbetrag automatisch jeden Monat rein (wie bei
    Buffett), der angelegt werden kann…

    Allerdings muss man sagen, dass trotzdem Gefahren lauern.
    Eine Eon zum Beispiel lief jahrelang nur nach oben. Die
    Dividende wurde regelmäßig erhöht. Das Papier galt als sicher,
    Strom und Energie würden schliesslich immer gebraucht.

    Was passierte ist ja hinlänglich bekannt. Dasselbe bei
    der Telekom. Galt auch jahrelang als sicher.

    Wer weiss was mit einer Nestle oder Coca Cola passiert, wenn
    die EU oder andere Regierungen dem Zucker und generell
    ungesundem den Kampf ansagen. Zum Beispiel könnte eine
    enorme Steuer auf Zuckerbomben erhoben werden unter dem
    Deckmantel des Gesundheitsschutzes der Bevölkerung…

    Sicher ist daher leider relativ…
    Ich weiss allerdings trotzdem keine bessere Alternative als
    langfristig solide Dividendenpapiere zu kaufen und liegen
    zu lassen.

    Gruss

  7. Hi Stefan,

    sicher ist im Leben leider nichts. Es gibt aber sichere und unsicherere Wege und da muss jeder selbst entscheinden.

    Die Sorgen mit Colca, Pepsi und dem Zucker kommen immer wieder auf, halte diese aber für übertrieben. Natürlich wäre dies ein Schlag für den Kurs. Die großen Hersteller haben aber derart viele Produkte, dass sie dies jetzt auch nicht umhauen würde. Die Inhaltsstoffe der Produkte werden eben notfalls verändert. Selbst der überregulierenden Beamtenkaste in Brüssel traue ich nicht zu generell alle Getränke zu verbieten 😉 .

  8. Hallo,
    ich glaube auch nicht, dass Brüssel diesen Schritt setzen würde.
    Selbst Warren Buffett hat Cola in seinem Depot, also wenn das nicht überzeugend genug ist 😉
    LG Andreas

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