Geld arbeitet NICHT!

Die Erziehung im Umgang mit Geld ist eine der sehr wichtigen Aufgaben, die Eltern mit ihren Kindern durchführen. Dazu dient das Taschengeld. Durch das Taschengeld soll das Kind oder der Jugendliche lernen mit einem begrenzten Budget umzugehen. Dadurch lernt das Kind, dass es sich nicht alles was es gerade sieht leisten kann und dass einmal ausgegebenes Geld weg ist. Bekommt das Kind also am Ersten des Monats sein Taschengeld und haut dieses sofort auf den Kopf ist eben nichts mehr für Wünsche in Woche 2, 3 und 4 übrig.

Spätestens als Jugendlicher wird einem also klar, dass größere Wünsche wie eine neue Stereoanlage, ein Fahrrad oder ein Ipod nicht immer sofort gleich kaufbar sind, weil das Geld in der Hosentasche dafür nicht reicht. Also muss man lernen zu sparen. Sprich nicht jeden Monat sein gesamtes Taschengeld ausgeben und so irgendwann eine höhere Summe auf der Seite zu haben um sich auch teurere Anschaffungen einmal leisten zu können.

Diese zwei Punkte sollte jeder gelernt haben und auch verinnerlichen. Wer nicht in der Lage ist, selbst bei höherem Einkommen, nichts auf die Seite zu bekommen ( zumindest ohne Kinder) für den sieht es schlecht aus. Oft gibt es Menschen, die zwar gut bezahlte Jobs besitzen, aber dennoch dauernd in Geldnot sind. Diese Menschen haben sich oft nicht im Griff und kaufen übertrieben teure Autos, Kleidung und leisten sich teure Urlaubsreisen. Diesen Menschen kann man wohl mit allen Ratschlägen nicht helfen, sie stehen sich einfach selbst im Wege und werden trotz ihres guten Berufes nie die Füße hochlegen können…Sind diese zwei Punkte vermittelt ist der Erziehungsauftrag, in dieser Hinsicht, für die meisten Eltern oder sonstige Pädagogen ausgeführt. Persönlich glaube ich dies nicht! Es ist ein Fundament um wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Natürlich kann man jetzt sagen: Es ist nicht das Ziel für jeden, dass sein Kind reich wird. Natürlich gibt es im Leben viele andere wichtige Dinge außer Geld. Dennoch ist es für einen Menschen sicher einfacher, wenn er sich nicht jeden Tag mit materiellen Sorgen beschäftigen muss.

Also ist der dritte wichtige Schritt zu vermitteln, dass das ersparte Geld weiter für einen arbeiten kann. Natürlich sollte man diese Lektion nicht unbedingt mit einem Kindergartenkind besprechen.

Der Ausdruck „Geld arbeitet“ kennen viele Menschen. Aber gerade hierzulande scheinen viele Menschen nicht richtig zu begreifen, was es heißt wenn Geld arbeitet. Für die meisten Menschen bedeutet dies nämlich: Man bringt sein Geld aufs Sparbuch und dort arbeitet es ja, schließlich bekomme ich 0,X % Zinsen.

Genau an diesem Punkt versagt die finanzielle Erziehung. Geld an sich arbeitet nämlich nicht nur indem ich es unter das Kopfkissen oder ein Sparbuch lege. Einen 10 Euro-Schein kann ich noch so lange bei den günstigsten Lichtverhältnissen auf meinem Schreibtisch legen. Entstehen wird daraus, für mich, kein Mehrwert. Gleich verhält es sich, außer in Hochzinszeiten, auch mit Sparbüchern, Tagesgeldkonten und ähnlichen Produkten.

Es ist sogar noch schlimmer. Die Inflation lässt den Wert ihres Geldes immer weiter schrumpfen.
Ein kleines Rechenbeispiel. Sie haben X Euro auf einem Konto, welches sich mit 2% verzinst. Ein momentan recht guter Zinssatz. Nun legen viele die Beine hoch und denken: Mein Geld arbeitet für mich. Falsch! Zwar haben Sie nächstes Jahr 2% mehr Geld auf dem Konto. Rein nominal ist daraus natürlich wirklich ein Gewinn entstanden, aber eben nur rein nominal. Ihnen ist sicher schon einmal aufgefallen, dass eine Döner vor 10 Jahren höchstens drei DMark gekostet hat und heute locker 3,5€ kostet.

Dies nennt man dann Inflation. Die Inflation betrug im Juni 2012 in Deutschland 1,7 %. Legen sie nun ihr Geld zu 2 % Zinsen an, haben sie nur einen Kaufkraftgewinn von 0,3%. Also ganz ehrlich, mit 0,3% können Sie einen wirklichen Vermögensaufbau vergessen.

Sind sie unter Umständen über dem Steuerfreibetrag von 800 Euro wird die ganze Sache sogar negativ. Sie bezahlen nämlich von ihrem Zins wieder 25% und davon 5,5 % Soli an den Staat zurück. Von ihren 2 % Zinsen bleibt ihnen so nur 1,473% übrig. Da dieser Nettozins unter der Inflation liegt verlieren Sie durch dieses Verhalten Jahr für Jahr an Kaufkraft.

Die Floskel „Geld arbeitet“ bezieht sich also, vor allem in der momentanen Zinssituation, nicht auf ein Sparbuch oder das aktuellere Tagesgeldkonto.

Geld an sich arbeitet nämlich nicht. Ein Geldschein baut nichts, erbringt keine Dienstleistung und fängt auch nicht an mit irgend etwas zu handeln. Er kann ihnen also auch keinen Mehrwert bieten, außer wir befinden uns in der, wirtschaftlich sehr schwierigen, Phase einer Deflation.

Dennoch gibt es Menschen, die aus Geld mehr Geld machen. Dies tun diese Menschen jedoch nicht, indem sie ihr Geld auf ein Sparbuch legen sondern in dem sie es investieren. Investieren bedeutet, sie kaufen davon eine Immobilie, kaufen sich Teile einer Firma, leihen dieses Geld jemandem, der damit real arbeitet oder kaufen etwas um es später teurer zu verkaufen.

Denken Sie also um, denn Geld arbeitet nicht von allein.

5 Gedanken zu “Geld arbeitet NICHT!

  1. Das stimme ich dir voll und ganz zu!

    Allerdings haben die meisten Menschen hier in Deutschland Angst vor Aktien und möchten sich auch nicht damit beschäftigen. Das führt dann dazu dass die Leute Ihre Kohle aufs Tagesgeld legen.

    Man muss sich ja nicht jeden Tag damit beschäftigen, aber wenn man sich mal reinliest und ein wenig informiert, dann kann man sich ein z.B. passives Depot aufbauen (z.B. nach Gerd Kommer) und man muss nurnoch jährlich neu justieren.

    Leider fehlt den Menschen hier in Deutschland die Grundausbildung dazu…

  2. Genau wegen solchen falschen Floskeln, sollte für jeden Mittelstufenschüler ein Fach zum Thema „Personal Finance“ (leider gibt es in Deutschland noch nicht mal einen passenden Begriff dafür) eingeführt werden. Aber eventuell wird das ja politisch gar nicht gewollt – Achtung: Verschwörungstheorie 😉

  3. @ Ambros, da könnte man jetzt tatsächlich dran ansetzen und beahaupten, die wollen ja, dass die Wirtschaft läuft, dies geht eben nur, wenn die Leute ihr Geld nicht sparen, sondern ausgeben. (Spaß bei Seite)

    An sonsten muss ich dem Ganzen hier wirklich zustimmen. Die Leute müssen sich unbedingt mehr mit ihrem Geld beschäftigen. Es nützt auch nichts, sich von seinem Bankberater irgend einen Fonds aufquatschen zu lassen, nur um sagen zu können: „Ich habe investiert“. Das frustriert am Ende oftmals nur und verursacht eine noch größere Distanz zu solchen Anlagen.

    Man sollte sich zumindest soweit mit dem Thema beschäftigen, dass man eine Investition aus voller eigener Überzeugung ausführen kann.

  4. Ich muss hier mal eine kleine Lanze fürs Tagesgeld brechen. Klar ist es richtig, dass man die Inflation aus der Rendite herausrechnen muss. Aber dieser Umstand trifft doch auf jede Rendite zu – ob nun mit Tagesgeld oder mit Aktien erzielt. Und wenn man das Geld unters Kopfkissen legt, hat man durch die Inflation sogar eine negative Rendite – im Vergleich DAZU ist Tagesgeld durchaus attraktiv, zumal man hier keinerlei Kursschwankungsrisiko befürchten muss.

    Zudem findet man ohne große Mühe Anbieter, die deutlich über 2 Prozent zahlen. Man muss halt nur bereit sein, sein Konto gelegentlich mal zu wechseln, um immer das beste herauszuholen. Doch dazu sind die meisten zu träge.

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