Können Technologie-Aktien doch gute Langzeitwerte sein?

 

Fragt man einen Value-Investoren, Langzeitinvestoren oder Dividendeninvestoren (eigentlich ist man ja alles drei) nach Aktien mit informationstechnischem Hintergrund erntet man schnell ein Kopfschütteln oder das Thema wird dezent gewechselt. Es gibt einfach zu viele Horrorgeschichten aus dieser Branche, in der Aktien innerhalb kürzester Zeit von einer Erfolgsgeschichte zum Flop wurden. Ein Branche, in der eine Firma den Sprung vom Start-Up zum Milliardenkonzern und wieder zurück oft in 2 oder 3 Jahren schafft ist einfach der Tod für jede langfristige Depotstruktur. Doch es gibt sie auch hier die langfristigen Perlen…Wir schreiben das Jahr 2012. Es ist also nun um die 30 Jahre her, dass Apple und IBM den Markt der Heimcomputer erschlossen haben und sich auch in kleineren Betrieben und Behörden immer mehr Computer vorfanden.
Apple 2 Computer Heimcomputer EInführung erster first PC Home Computer Personal 1977
Nach der Theorie des russischen Wirtschaftswissenschaftlers Nikolai Kondratjew wäre dieses der sogenannte Kondratjew-Zyklus der Informationstechnologie. Zur Erklärung: Die Theorie von Kondratjew geht davon aus, dass die Weltwirtschaft von neuen Technologien und deren Umsetzung angetrieben wird. Aus einer revolutionären neuen technischen Neuerung entsteht also ein Zyklus des Aufschwungs, der über mehrere Jahrzehnte geht und zu neuen Jobs und Wirtschaftswachstum führt. Am Ende des Trends flacht sich das Wachstum der Branche dann ab und es muss ein neuer Wirtschaftstreiber gefunden werden. Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir uns gerade in einer solchen Umbruchszeit befinden.

Wir befinden uns also im informationstechnischem Bereich am Ende des großen Wachstums. Was nicht heißt, dass es hier kein Wachstum mehr geben wird.

Dies ist für den Investor natürlich einerseits Schade, da er nicht mehr mit dem enorm hohen Wachstum rechnen kann. Auf der anderen Seite zeigt sich nun, wer in der Branche die wahren Giganten sind, die langfristig erfolgreich operieren können.

Am Anfang einer Entwicklung gibt es immer viele talentierte Tüftler, die in der neuen Branche ihr Glück versuchen wollen. Viele dieser neuen Firmen scheitern dann bereits am Anfang und die meisten von denen, die diese Anfangszeit überstehen, werden dann von einem Konkurrenten übernommen oder in den Ruin getrieben. Am Ende gibt es dann weniger, aber dafür sehr mächtige und dominante Konzerne. Das gleiche macht eigentlich jeder neue Wirtschaftsbereich durch oder was wurde aus den unzähligen kleinen Automobilmarken, die es einst in Deutschland gab?. Diese fusionierten, gingen pleite oder wurden geschluckt. Heute gibt es wenige Große wie Daimler, VW und BMW.

Gleich ist es natürlich im informationstechnischen Bereich. Es haben sich riesige Giganten wie IBM, Microsoft und Intel herausgebildet. Diese dominanten Riesen verfügen über massenweise Patente, Geld und Marktmacht; so, dass sie inzwischen sehr, sehr sicher im Sattel sitzen.

Auch morgen werden die meisten Computer mit Windows ausgeliefert und wieder einen Intel Hauptprozessor besitzen. Start-Ups, die diesen großen Firmen das Geschäft vermasseln könnten sind beinahe unmöglich. Die Software, die man besitzt läuft auf Windows, so, dass es für die meisten Menschen und Geschäfte keine Möglichkeit gibt Microsoft-Produkte hinter sich zu lassen. Dazu kommen die unzähligen Arbeitsstunden, die in einem Betriebssystem wie Windows stecken. Das gleiche haben wir auch bei Intel; diese Forschung und Know How kann kein neu gegründetes Unternehmen je leisten.

So halte ich einige der Technologie Giganten für sicher genug um diese langfristig als Dividendenwerte einzuplanen. Es gibt für mich keinen wirklichen Grund mehr, der gegen eine IBM, Microsoft oder Intel Aktie im Depot spricht.

Dennoch ist Vorsicht angesagt, nicht jeder Gigant der Informationstechnologie ist derart unantastbar. Nehmen wir zum Beispiel den Computer-Hersteller Hewlett-Packard in dem in den letzten Jahren einiges schief gelaufen ist. Der Grund dafür ist meiner Meinung nach, dass viele der Produkte einfach nicht sicher genug sind. Die Montage von Computern, Druckern und Smartphones ist keine langfristig sichere Strategie. Aus Einzelteilen einen Computer zusammenbauen kann jeder. Selbst technisch uninteressierte Menschen können dies mit einer Anleitung aus dem Internet hinbekommen.

Man sollte also bei der Auswahl eines langfristig erfolgreichen Computer-Titels sich den Computer als Mensch vorstellen. Das klingt jetzt wirklich sehr seltsam, aber es funktioniert.

Wenn sie einen stabilen Wert suchen denken Sie ja auch darüber nach was der Mensch braucht. Der Mensch braucht zuerst Trinken, Essen, Medizin … dadurch landet man dann bei Werten wie Coca Cola, Nestle, Johnson & Johnson und Konsorten.

Beim Computer funktioniert dieses Denkschema ebenso. Erste Überlegung, was braucht ein Computer damit er arbeitet? Der Computer braucht einen Prozessor, eine Festplatte, Arbeitsspeicher, ein Betriebssystem usw.

Der zweite Schritt ist nun zu überlegen oder sich zu informieren, wie schwer es ist ein solches Teil herzustellen. Umso schwieriger umso besser. Wir landen also bei den Komponenten wie komplizierten Microchips und dem Betriebssystem. Also wieder bei Intel und Microsoft, welche ja inzwischen ansehnliche Dividendenhistorien besitzen.

Diese Werte kann man meiner Meinung nach also inzwischen recht bedenkenlos kaufen, wenn die Bewertung vernünftig ist.
Windows Intel Inside in den meisten PCs Laptops in most Computer Sticker Windows Core Pentium Celeron
Was man jedoch nicht kaufen sollte sind Aktien von Unternehmen, die ein leicht nachzuahmendes Produkt haben. Darunter fallen für mich selbst Riesen wie Facebook oder diverse Handyhersteller. Ein soziales Netzwerk ist nämlich im Prinzip eine vergleichsweise einfache zu programmierende Software. Dadurch könnte es durchaus passieren, dass ein paar schlaue Köpfe mit einem Kasten Red Bull sich im Keller einschließen und plötzlich ein überlegenes Produkt präsentieren. Bei Handys und Smartphones verhält es sich wie bei Hewlett-Packard. Jeder kann aus zugekauften Teilen ein Handy zusammenbauen und dann ein Betriebssystem vom Microsoft oder Google Android installieren.

Bei der Auswahl von Computer-Aktien sollte man also ähnlich Vorgehen wie auch bei der Auswahl von Komsum-Werten. Statt des Menschens sollte man einfach den Computer und seine Bedürfnisse sehen. Die große Schwierigkeit für technisch uninteressierte Investoren ist dabei jedoch abzuschätzen wie Komplex ein Bauteil ist und ob beim Hersteller einen wirklich signifikanter technischer Vorsprung besitzt.

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