Arbeitsmarktdaten sind heutzutage völlig überbewertet.

Immer wieder Freitags geht es mit dem Markt entweder nach oben oder nach unten. Als Grund werden meistens herausgegebene Arbeitsmarktdaten aus den USA genannt. Geht es von 8,2% auf 8,1% herunter drehen Börsenberichterstatter beinahe durch und steigt die Arbeitslosigkeit von 8,2% auf 8,3% holt man den Maya-Kalender aus der Schublade.

Ehrlich gesagt habe ich ernsthafte Zweifel inwieweit in unserer heutigen hochtechnischen Welt Arbeitsmarktdaten überhaupt noch derart viel über die gesamtwirtschaftliche Lage aussagen…Schauen wir uns den US-Arbeitsmarkt und die Geschäftsberichte der großen Firmen an. Die US-Arbeitsmarktsituation wird immer wieder als katastrophal geschildert und den vielen armen Menschen in Amerika wünsche ich auch schnell wieder einen gut bezahlten Job. Natürlich lassen mich die Schicksale von verarmten Menschen, die in Suppenküchen ernährt werden müssen nicht kalt. Was sich jedoch als falsche Schlussfolgerung herausgestellt hat ist, dass wegen der Arbeitsmarktsituation die Firmen keine guten Gewinne mehr erwirtschaften können.

Eigentlich erleben wir doch seit geraumer Zeit, dass in der Berichtssaison immer wieder recht gute Daten geliefert wurden, obwohl die Arbeitsmarktsituation alles andere als berrauscht. So scheint mir auch die aktuelle Berichtssaison eigentlich besser zu sein als mir dies anhand von Arbeitslosenzahlen immer wieder berichtet wird.

So scheint sich trotz der für Amerikaner ungewohnt hohen Arbeitslosigkeit jeder Sektor ( außer dem Immobilienmarkt) positiv zu entwickeln, wenn auch recht langsam. Die Folgerung, dass leichte Verschlechterungen am Arbeitsmarkt sofort die Gewinn der Firmen auffressen ist meiner Meinung nach ein Trugschluss. Natürlich sind mehr Arbeitsplätze gut, signalisieren hohe wirtschaftliche Aktivität und führen auch zu höherem Konsum, dass gering steigende Arbeitslosenzahlen jedoch automatisch ein Zeichen für fallende Unternehmensgewinne sind glaube ich nicht mehr.

Ein wesentlicher Faktor ist wohl die oft erwähnte Automatisierung. Welche Ausmaße diese aber inzwischen angenommen hat scheint oft nicht bewusst zu sein. Laut Wikipedia ernährte im Jahre 1900 ein Landwirt vier Personen, im Jahr 1950 ernährte er bereits 10 Personen und heute ernährt er circa 150 Personen.

Durch die Informationstechnologie hat sich der Effizienzgewinn natürlich wahnsinnig beschleunigt. Wenn Sie gerade meinen Blog lesen, überlegen Sie sich einmal wie viele Menschen noch vor 20 Jahren damit beschäftigt gewesen wären Ihnen diese Zeilen näher zu bringen. Hätte ich vor 20 Jahren publiziert hätte es mich als Autor gebraucht, dazu jemanden der mein Geschriebenes dann auf Papier druckt … bis jemand dann das Endprodukt bei Ihnen in den Briefkasten wirft. Heute braucht es nur noch einen Autor, einen Computer und irgendwo noch einen Server, auf dem wahrscheinlich hunderte Webseiten parallel abgewickelt werden.

Wären Sie damals bereit gewesen pro Artikel einen Euro zu bezahlen und wären es heute auch noch wäre mein Gewinn, in dieser Zeit, enorm gestiegen. Da ich ja nun keine Helfer, sprich Mitarbeiter, mehr benötige. Um weitere Beispiele für diese rasante Entwicklung zu finden muss ich nicht lange nachdenken. Filme hole ich mir nicht mehr in der Videothek, sondern lade sie bei Itunes herunter oder ziehe mir diese beim DVD2Go Automaten. Wo ich jedoch selbst fast schon erschrocken bin, war als ich kürzlich eine Reportage über einen italienischen Nudelfabrikanten sah. In der Fabrik waren nur noch blinkende Maschinen und keine Menschen mehr in Sicht. Hätte ich den Ton lautlos gehabt und nicht gewusst, dass mir eine Nudelfabrik gezeigt wird hätte es genauso gut ein Serverraum der Deutschen Telekom seien können.

Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass wir in einer Zeit leben in der durchaus eine hohe wirtschaftliche Aktivität herrschen kann, ohne dass wir auch Ansatzweise an Vollbeschäftigung denken müssen.

Natürlich benötigt eine Wirtschaft auch Konsumenten. Wenn zu viele Menschen Arbeitslos oder nicht ausreichend am Produktivkapital beteiligt sind fällt der Konsum flach, außer der Staat stellt Menschen ohne Einkommen ausreichend Geld zur Verfügung. Was ich mich jedoch oft frage, wie viele Firmen produzieren eigentlich für den Konsumenten. Haben wir nicht inzwischen eine Wirtschaft, in der viele Firmen nur noch für andere Firmen produzieren. Wächst die Wirtschaft am Ende sogar ohne steigende Konsumentenausgaben; sind also Firmen letztlich schon zum eigentlichen Endverbraucher geworden. Dies sind natürlich alles nur Theorien, die mir so im Kopf herum geistern.

Der Punkt um den es mir geht ist, dass die Arbeitslosigkeit lange kein so zuverlässiger Indikator für Firmengewinne ist wie viele vermuten. Natürlich geht es hierbei um kleinere Ausschläge der Arbeitsmarktentwicklung, enorm schlechte Entwicklungen sollte man natürlich weiterhin beachten. Ein Veränderung der Arbeitslosenquote nach dem Komma halte ich inzwischen aber nicht mehr als Relevant für Investitionen.

Ein Gedanke zu “Arbeitsmarktdaten sind heutzutage völlig überbewertet.

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