DIW schlägt Zwangsanleihe vor.

Gerade ereilte mich im Fernsehen die Meldung, dass das DIW eine Zwangsanleihe zur Finanzierung der Staatsverschuldung in den Euroländern vorschlägt. Noch vor kurzem schrieb ich über meine Bedenken, der Staat könnte sich bei einer Zuspitzung der Situation bei seinen Bürgern noch dreister bedienen. Getarnt wird die Diskussion unter dem Schleier, es würde sich um eine Abgabe für Reiche handeln. Der Vorschlag zielt jedoch auf eine sehr breite Schicht der Bevölkerung…Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung präsentierte gerade eine Studie, nach der mit Zwangsanleihen die Staatsverschuldung eingedämmt werden könnte. Der Plan ist: Menschen mit einem Vermögen von über 250 000€ dazu zu zwingen dem Staat einen Kredit, in vorm einer Anleihe, zu gewähren.

250 000 € klingen natürlich erst einmal recht viel. Doch könnte im Endeffekt doch eine sehr große Schicht der Bevölkerung darunter fallen. Als Bemessungsgrundlage gelten nämlich auch Anlagen wie Immobilienbesitz und bestimmt auch Wertpapiere.

Mit einer eigenen Immobilie kämen zumindest in Städten, mit guter Arbeitsmarktsituation, sehr viele Menschen über diese 250 000€ Grenze. Dann wäre man nach DIW-Vorschlag verpflichtet mit einem einem gewissen Anteil, seines Vermögens, eine solche Zwangsanleihe zu zeichnen.

Sollte es wirklich so weit kommen entstehen natürlich drei wesentliche Nachteile. Der erste Nachteil trifft Menschen mit Anlagen, die sich schlecht zu Geld machen lassen ( Stichwort Immobilie). Habe ich nun eine Haus und dieses liegt über der Bemessungsuntergrenze von 250 000€ wäre ich gezwungen zumindest für 25000€ eine Anleihe zu zeichnen, da die 10 % schon jetzt in der Studie genannt wurden. Habe ich das Geld nun nicht auf der hohen Kante, muss ich entweder mein Haus beleihen oder anderweitig einen Kredit aufnehmen. Menschen die sich mühevoll ihr Eigenheim erarbeitet haben ohne sonst über Vermögen zu verfügen trifft es also besonders hart.

Der zweite Nachteil liegt auf der Hand. Man wird gezwungen Geld in die derzeit unrentabelste Anlageform überhaupt zu investieren. Ein Zwangsanleihe mit Bundesanleihenzinsen bedeutet real einen großen Kaufkraftverlust über die Jahre.

Natürlich wird aber auch die private Vorsorge immer schwieriger. Oft empfehle ich ja solide Dividendentitel also Absicherung für schlechte Zeiten. Dabei ist es natürlich klar, dass man dazu ,über die Jahre, einiges Geld in sein Depot ansparen muss. Durch die Zwangsanleihe würde dieses Ziel aber noch viel schwieriger zu erreichen sein. Besitze ich also durch mein Depot und gegebenenfalls eine Immobilie hoffentlich irgendwann über 250 000€ um mich damit abzusichern, müsste ich für jeden angesparten Euro darüber wieder einen gewissen Betrag in die schlecht-rentierenden Staatsanleihen stecken.

Was mich beunruhigt ist, dass solche Vorschläge vor einiger Zeit nur in Internetforen zu lesen waren, die sich das Ende unseres Systems schon fast krankhaft herbeigewünscht haben. Der Vorschlag der Zwangsanleihe kommt jedoch direkt vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, welches immerhin zu 100 % aus Staatsgeldern finanziert wird ( 50 % Bund / 50 % Länder).

Bis jetzt sind all diese Vorschläge natürlich noch Theorien. Wird die Euro-Krise sich aber weiter so fortsetzten, werden den sparenden und eigenverantwortlichen Menschen in unserem Lande noch harte Zeit bevorstehen.

8 Gedanken zu “DIW schlägt Zwangsanleihe vor.

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  2. Das wird ja immer besser, jetzt müssen Personen schon die mehr als 250.000 € besitzen den Staat leihen…

    #Stefan:
    Du hast absolut recht, wenn man etwas Geld besitzt, sollte man sich echt überlegen sein Wohnsitz in die Schweiz zu wechseln, man hat da so einige Vorteile

  3. Hier ist Vorsicht geboten. Habe das auch schonauf großen Seiten gelesen. Außerdem ist das ein „Vorschlag“ wie viele Vorschläge es schon gab und wie viele davon umgesetzt werden, das weiß fast jeder 😉
    Das Nettovermögen der Deutschen beträgt deutlich mehr als acht Billionen Euro, nach Abzug der 1,5 Billionen Euro Kreditschulden. Da kann der Staat sich natürlich über die rechtliche Hintertür bedienen, wenn es sein muss.

    Eine Reichensteuer sollte ruhig eingeführt werden, jedoch bin ich auch der Meinung, dass jmd mit 250k Vermögen weißgott nicht reich ist. Diese Vorschläge sind absurd.

  4. @Martin: Die 8 Billionen stecken zum größten Teil in Immobilien, da muss man ran. Ehrlich gesagt glaube ich wenn man sich die Probleme mit Euro, schwacher Demographie gekoppelt mit den hohen Pensionsverpflichtungen… zusammendenkt, dass hier früher oder später massiv abkassiert wird. Dadurch verschärfen sich die Probleme dann aber noch, weil dies zu weiteren Vermögensverlusten beim Mittelstand führt…

    „Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht.“

  5. Und es ist natürlich nur das gegenwärtige Vermögen betroffen. Zukünftiges Vermögen und zukünftige und sichere Einnahmen natürlich nicht. Denn darunter fallen Beamte. Es ist wirklich mehr als frech, wenn Beamte, die nie vorsorgen müssen, ungerupft durch die Krise gehen und der Bürger, der selbst vorsorgen muss, bestraft würde.

    Mein Vorschlag an die Politik: 20 % Kürzung bei allen Pension und 10 % bei jedem Beamtensold. Pauschal! Dann kommt vielleicht kein Geld rein, aber es geht weniger raus aus der Staatskasse. Das wäre ein Teil der Lösung, schließlich hat der Staat ein Ausgabenproblem und kein Einnahmenproblem.

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