Bevölkerunswachstum als Faktor für die Aktienbewertung.

Beim langfristig erfolgreichen Investieren gibt es Überlegungen, die mit der eigentlichen Aktie gar nichts zu tun haben. Natürlich sind Beobachtungen der Unternehmensentwicklung, von Innovationen, Verschuldungsgraden und ein Einblick in die Verwendung des Cashflows sehr wichtige Faktoren.

Was aber zusätzlich ein wesentlicher Faktor bei der Bewertung eines Unternehmens und des zukünftigen Wertes ist, ist die Zukunftsentwicklung. Dies ist natürlich ein relativ schwer zu errechnender Punkt, weil es nicht, wie bei den Kennzahlen, reicht ein paar Zahlen aus dem Geschäftsbericht durch den Taschenrechner zu jagen.

Ein wichtiger Faktor den man sich aber auf jeden Fall überlegen sollte, ist in welchem Land das Unternehmen den seinen Heimatmarkt und dadurch auch meist seinen größten Absatzmarkt hat.Dabei kommt das Dauerthema Demographie wieder einmal in den Blickpunkt. Kaufe ich also Aktien einer Brauerei, die eine in diesem Land schon lange eine sehr beliebte Biersorte herstellt; kann ich also davon ausgehen, dass das Unternehmen lange mit dieser Marke Gewinne erwirtschaftet. Der Sohn lernt die Marke des Vaters kennen und trinkt diese weiter. Gerade solche Produkte haben schon fast etwas rituelles und werden von Menschen selten gewechselt. Ab einem gewissen Alter fährt man die und die Automarke, trinkt dieses und jenes Bier und raucht eine bestimme Zigarettenmarke.

Bei Firmen mit solchen Traditionsprodukten kann man also an Hand der Demographie schon ein wenig Abschätzen wie das Geschäft wohl in 20 Jahren laufen wird.

Schauen wir uns hierzu einmal die Bevölkerungsentwicklung von Deutschland und Japan an.
Population Bevölkerung growth Bevölkerungsentwicklung Bevölkerungswachstum Demophraphie Japan
Population Bevölkerung growth Bevölkerungsentwicklung Bevölkerungswachstum Demophraphie Germany Deutschland
In beiden Ländern ist der Bevölkerungszenit überschritten. Die Bevölkerung schrumpft und die Bevölkerung wird im Durchschnitt älter. Umso älter ein Mensch ist, umso höher ist seine treue zu einem Produkt. Daher konzentriert sich die Werbeindustrie ja auch auf ein relativ junges Publikum um deren Markenprägung noch rechtzeitig beeinflussen zu könne.

Eine schrumpfende Bevölkerung bedeutet jedoch, dass es für Firmen generell schwieriger wird das Gewinnniveau zu halten oder auch nur zu steigern. Bei weniger Bevölkerung kämpfen ja die Firmen um immer weniger Kunden. Dies bedeutet steigende Kosten für Werbung und dabei trotzdem rückläufige Gewinne für die meisten Mitbewerber. Natürlich wird es durch geschickte Fusionen und Strategien auch Gewinner geben die es schaffen andere aus dem Markt zu drängen. Die Situation ist dennoch wesentlich schwerer als in Ländern wie den USA, in denen die Bevölkerung bis 2050 noch einmal um ein Drittel wachsen soll.

In einem Land mit wachsender Bevölkerung und damit ausgehenden Wachstumsimpulsen ist es einfach viel einfacher. Vielleicht schrumpft sogar mein Marktanteil, aber durch den wachsenden Absatzmarkt entwickelt sich mein Unternehmen dennoch positiv.

Natürlich hat heutzutage jedes Unternehmen die Möglichkeit im Ausland sein Glück zu versuchen und viele Unternehmen generieren ihr Wachstum, schon heute, nicht mehr in ihren Heimatmärkten der westlichen Welt sondern in den wachstumsstarken Regionen Asiens und Südamerika.

Diese Entwicklung ist aber, meines Erachtens, nicht so sicher wie von vielen geglaubt. Bis jetzt ist es eben so, dass viele Firmen aus den bereits entwickelten Industrieländern in Punkto Aufmachung. Technik und wirtschaftlichem Geschick noch die Nase vorne haben. Doch in diesen Wachstumsmärkten wird die heimische Geschäftswelt kaum ewig tatenlos zusehen, wie ausländische Firmen das große Geld verdienen. Heimische Anbieter werden sich dort weiterentwickeln und der Vorsprung der westlichen Firmen wird dadurch wohl kleiner werden. Zudem besitzen heimische Marken immer einen gewissen Bonus beim Konsumenten. Als Deutscher kaufe ich lieber Made in Germany und der Amerikaner kauft lieber Made in USA. Zudem trifft ein heimischer Hersteller oft auch besser den Geschmack der ansässigen Bevölkerung. Der Fast-Food Gigant McDonalds tut sich zum Beispiel trotz gigantische Marktforschungsabteilungen wahnsinnig schwer sich in China derart zu entwickeln wie in den USA und Europa.

Ein starker Heimatmarkt ist also für jede Firma ein enormer Vorteil und ist leichter zu prognostizieren. Dadurch sollten Firmen, mit etablierten Produkten, in Ländern mit Bevölkerungszuwachs es wesentlich leichter haben als zum Beispiel in vielen Ländern Europas wo der Absatzmark immer kleiner wird.

4 Gedanken zu “Bevölkerunswachstum als Faktor für die Aktienbewertung.

  1. Hi,

    bei Bevölkerungsprognosen (oder auch bei jeder anderen Prognose) bin ich sehr skeptisch!
    Keiner kann die Zukunft voraussagen.

    Sehr interessant Teil 3 von 4 der Doku „Die Prognoseindustrie „Propheten und Moneten““
    http://www.youtube.com/watch?v=c7vcKginGG8&feature=relmfu

    Der Rest der Doku ist auch sehr interessant mit Themen wie Wetter- und Aktienprognosen

    Die Zukunft ist nicht oder nur sehr sehr schwer und ungenau prognostizierber vorallem in Komplexen Bereichen wie Bevölkerung, Wetter/Klima, Börsen

  2. Naja Kinder nicht geboren wurden, bekommen auch keine Kinder. Deshlab lässt sich die Bevölkerungsentwicklung in dem Bereich sehr Gut vorhersagen. Natürlich kommen da noch Seuchen oder Kriege ins Spiel aber die wirken ja Negativ. Ansonsten gibt es noch Einwanderung aber Einwanderer haben meist weniger Einkommen als die angestammte Bevölkerung und hängt eventuell auch nicht so an den dort bekannten Marken.

  3. Das wird in China noch sehr spannend. Aufgrund der Ein-Kind-Politik wird aus meiner bescheidenen Sicht ein großes demographisches Problem entstehen: Ein Arbeitnehmer muss zwei Rentner finanzieren, hat daher weniger Geld für Investitionen und Konsum, bekommt mit seiner Frau auch nur ein Kind, sodass aus vier Großeltern nur ein Enkel wird. Es wird sehr spannend, wie die Wirtschaft sich weiter entwickelt. Ich denke entweder schaffen es die Chinesen rechtzeitig ausreichend Anteil am Weltmarkt zu bekommen, um den sinkenden Konsum auszugleichen, oder das BIP wird stagnieren, zurück gehen. Vielleicht wird auch eine Kreditblase aufgeblasen um das zu vertuschen… Es wird spannend.

    Da ist man in meinen Augen in den USA besser aufgestellt. Auch weil der American Dream immer Menschen aus aller Welt anziehen wird, die Ihr Glück machen wollen.

  4. Gabs nicht eimal den Spruch „China ist alt, bevor es reich ist“.

    Also zum Thema Vorraussage. Natürlich wäre es möglich, dass es auch Deutschlang gelingt durch Einwanderung dem Bevölkerungsschrumpfen zu entziehen. Jedoch muss man sagen, dass Deutschland bei großen Teilen der ausländischen Bevölkerung hier versagt hat und auch nicht gerade sehr gut ist wirklich ökonomisch sinnvolle Zuwanderung zu generieren. Menschen mit Bildung, Geld und Co werden also eher sofort nach Nordamerika gehen als nach Deutschland.

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