Die Machtlosigkeit der Zentralbanken.

Letzten Freitag wurden wieder einmal ernüchternde Arbeitsmarktdaten aus den USA gemeldet. In den letzten drei Monaten produzierte die US-Wirtschaft 68000, 77000 und zuletzt 80000 neue Jobs. Um die Arbeitslosigkeit jedoch zu senken bedarf es 250 000 neue Jobs pro Monat. Von dieser gewünschten Zielgröße ist die Entwicklung also derzeit weit entfernt. Was mir jedoch fast noch mehr sorgen macht als der schwache Arbeitsmarkt, ist die Machtlosigkeit der Zentralbanken…

In der einfach Theorie geht man ja davon aus, dass bei niedrigen Leitzinsen die Wirtschaft angekurbelt wird und dadurch mehr Arbeitsplätze entstehen. Durch niedrige Leitzinsen werden Menschen zu Investition angeregt und gründen dann neue Geschäfte, bauen Häuser und schaffen dadurch Arbeit.

Dieser Mechanismus scheint aber nicht mehr so zu funktionieren. Trotz sehr niedrigen Zinsen, der amerikanischen Notenbank FED, kann sich die US-Wirtschaft nur langsam von der Rezession erholen und viele fürchten sogar ein wieder komplettes Abrutschen der USA.

Das alte System der niedrigen Leitzinsen scheint nicht zu funktionieren. Das Geld kommt nicht mehr auf der Straße an. Große Firmen in den USA sitzen oft auf riesigen Geldbeständen, die aber einfach nicht investiert werden wollen. Das Geld sorgt eher wieder für neue Blasen.

Wir stecken also momentan in einer sehr schwierigen Situation, in der ein einfaches Anheizen der Wirtschaft mit den gewohnten Methoden nicht mehr greift. Meines Erachtens hat dies damit zu tun, dass wir hier vor einem sehr ungewohnten Szenario stehen. Viele Privatpersonen, Staaten und Firmen haben viel zu viele Schulden aufgenommen und die Wirtschaft damit über Jahre am Laufen gehalten. Nun stehen wir also vor dem Szenario, dass erst einmal Schulden abgebaut werden müssen, damit wieder Luft für neue Investitionen entsteht. Bevor es also wieder einen deutlichen wirtschaftlichen Aufschwung gibt, der auch von den entwickelten Ländern getragen wird, können noch einige (oder gar viele) Jahre ins Land gehen.

Die Zentralbank erreicht mit billigem Geld nicht mehr das, was sie damit erreichen will. Die amerikanische Notenbank hat ja offiziell zwei Ziele: 1) Geldwertstabilität und 2) Beschäftigung in den USA fördern. Bei Ziel 2 scheint sie im Moment sehr machtlos.

Was durch die andauernde Geldschwemme aber passiert ist für den kleinen Anleger umso interessanter. Der Euro und US$ verliert an Wert. Leider wird ja in großen Publikationen oder im Fernsehen immer nur der Euro zum US$ gezeigt. Dies suggeriert, dass eigentlich alles in Ordnung ist. Man sollte jedoch bedenken, dass sowohl der US$ als auch der Euro durch immer neues Eingreifen der Zentralbanken geschwächt wird. Man also im Prinzip zwei Währungen mit sinkenden Wert gegenüber stellt.

Schauen wir uns einmal den Euro im Vergleich mit stärkeren Währungen, aus Ländern mit vielen Rohstoffen und Bodenschätzen, an. Hier sehen wir, dass hier der Euro seit der Finanzkrise stark an Wert eingebüßt hat.
Australischer $ zu Euro Chart
Kanadischer Dollar $ to Euro Chart Kurs
Es wird viel dieser Tage viel von Inflation geredet. Dabei wird gerne von Experten das Argument gebraucht, dass es keine verstärkte Inflation geben könnte, weil die Industrie in Europa nicht am Maximum läuft. Inflation entsteht bei hoher Auslastung der Industrie, da die Wirtschaft ansonsten gar keinen Spielraum für Preissteigerungen besitzt.

Dennoch könnt die Inflationsrate steigen. Die Inflation käme praktisch von Außen. Europa ist nicht gerade bekannt für seine zahlreichen Rohstoffvorkommen, diese müssen wir also zum großen Teil aus den rohstoffreichen Ländern importieren. Der Wertverlust des Euros gegenüber den Währungen, der großen Rohstoffproduzenten, kann langfristig also doch zur Teuerung der Produkte hier bei uns führen.

2 Gedanken zu “Die Machtlosigkeit der Zentralbanken.

  1. Ja, schon erstaunlich, wie der € gegenüber dem Aussie $ und dem kanadischen $ verloren hat. Er hat auch gegenüber dem HK $ verloren.
    Klar, was hier in Europa und den USA gerade passiert ist nicht gerade balsam für die Seele von Privatleuten und Anlegern. Häuser werden in Deutschland nicht mehr so viele gebaut, eher gekauft, das schafft nicht mehr viel Arbeit, vllt noch für paar Renovierungsmaßnahmen, die unter der Hand durchgeführt werden 😀

    Noch ist nichts gravierendes passiert. Die Staaten haben schlechte Rezepte gegen die kränkelnden Wirtschaften und immer Geld reinpumpen und neue Schirme ist auch keine Dauerlösung.

  2. Europa geht zwangsläufig den Bach runter ist einfach eine Frage der Demographie. Schön das Römische Reich ist daran zugrunde gegangen und dann kamen 1000 verlorende Jahre. Ich denke so ähnlich wird es wieder werden einige jahrzehnte vllt. auch Jahrhunderte geht es Berg ab. Dann entsteht was neues und es dauert lange bis das Ursprüngliche stand wieder erreicht wird. Die Zukunft liegt in Asien auch die USA würde ich nicht so schnell Aufgeben rein Demographisch sind die deutlich besser aufgestellt die bekommen nur Temporäre Probleme mit den Babyboomern.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.