100 jährige Anleihen – Sparen für die Ur-Enkel.

100 Jahre sind eine sehr lange Zeit. Vor einhundert Jahren hatten wir noch einen Kaiser, bezahlten mit goldgedecktem Geld und Frauen trugen lange Röcke und Männer Bärte. Der Computer und der Fernseher waren noch nicht erfunden und Zeitzeugen gibt es nicht mehr. Wie die Welt in 100 Jahren aussieht wissen wir nicht. Umso beeindruckender ist es, dass es manchen Firmen gelingt am Kapitalmarkt Anleihen mit einhundertjähriger Laufzeit zu emittieren….

Letzten Sonntag hatten wir ein wirtschaftlich sehr denkwürdiges Jubiläum gehabt. Vor 150 Jahren und zwar am 1. Juli 1862 unterzeichnete der damalige US-Präsident Abraham Lincoln den Pacific Railway Act und schaffte damit die Eisenbahngesellschaft Union Pacific.
Abraham Lincon 1 Juli 1962 july pacific railway act signed Union Pacific
Der Streckenbau, der damit den Westen der USA, bis zur Pazifikküste, mit dem bereits fortschrittlichen Osten Amerikas verband hat nicht nur Drehbuchautoren zahlreicher Wild West Filme beeinflusst, sondern legte wohl auch einen der ganz entscheidenden Ecksteine für den Aufstieg der USA zur wirtschaftlichen Supermacht.

150 Jahre später wurde, zumindest an der New Yorker Börse, an dieses historische Ereignis gedacht und so läutete Union Pacific CEO Jack Koraleski am Montag die Schlussglocke an der Wall Street.

In diesen 150 Jahren hat sich natürlich einiges getan. Mehrmals totgesagt und wieder erstarkt mit zahlreichen Ausflügen in andere Geschäftsfelder gibt es Union Pacific und die anderen großen Eisenbahngesellschaften noch heute. Ende des 19. Jahrhunderts war die Eisenbahn Grundstein sagenhafter Vermögen und legendärer Namen wie Cornelius Vanderbilt, Jay Cooke, J. Pierpont Morgan und Jay Cloud.

Statt nach dieser langen Zeit aber die letzte Runde einzuläuten sieht die Zukunft der Eisenbahn heute so rosig aus wie zur Gründungszeit. Dank hoher Spritpreise und des weltweiten Handels entwickelt sich der Transport auf der Schiene seit Jahren wieder prächtig. Mehr dazu aber an in anderen Artikeln von mir.

Doch nicht nur die lange Firmengeschichte ist bemerkenswert, gerade in den Zeiten horrender Staatsschulden und einem generellen Mangel an Vertrauen überrascht das große Vertrauen der Anleger in die Eisenbahn.

Würden Sie ihrem Nachbarn Geld für 100 Jahre leihen? Würden sie der Bundesrepublik Deutschland Geld für 100 Jahre leihen?

Persönlich würde ich beides für ein sehr spekulatives Investment halten. Umso überraschender ist es, dass es Firmen gibt denen derart viel Vertrauen entgegen gebracht wird, dass wirklich große Summen mit hundertjährigen Anleihen eingesammelt werden können.

Im Jahr 2010, so kurz nach dem Schock der Finanzkrise, gab Norfolk Southern bekannt 100-jährige Anleihen im Volumen von hundert Millionen $ am Markt platzieren zu wollen. Überraschenderweise waren Investoren von der Idee derart begeistert, dass das Volumen auf 250 Millionen $ aufgestockt wurde. Der Nominalzinssatz dieser Anleihe beträgt übrigens 5,75 %.

Auch wenn es hierbei „nur“ um dreistellige Millionenbeträge geht ist es gerade in Zeiten, in denen man bei der Tagesschau täglich von immer größeren Rettungsschirmen und Bürgschaften hört, doch eine erwähnenswerte Nachricht; dass Vertrauen auch heute noch mit soliden Konzepten gewonnen werden kann.

Außer den Eisenbahngesellschaften ist mir selbst aber auch nur noch Walt Disney bekannt, die 1993 ebenfalls einen 100 Year Bond platzieren konnten.

Natürlich sind solche langfristigen Finanzierungskonzepte nicht für jeden Staat oder Unternehmer durchführbar. Auch bei größter Seriosität und Fleiß ist dieses Ziel wohl für die meisten unerreichbar. Gerade die Politik sollte sich dennoch überlegen wie das Vertrauen wieder gewonnen werden kann. Dies erreicht man sicher nicht durch wöchentliche neue Gipfel und Beschlüsse, sondern durch feste Bekenntnisse und klare Zielrichtungen. Dabei sind Detailfragen wohl lange nicht so wichtig wie eine große Linie, die gefunden werden muss bevor sich die Lage wieder beruhigt.

5 Gedanken zu “100 jährige Anleihen – Sparen für die Ur-Enkel.

  1. Ok, stimmt mein Kernpunkt vom zweiten absatz ist mir total missglückt.

    Bei Mexiko und England verhält sich die Sache im Vergleich zu vielen Euroländern jedoch ein wenig anders. England und Mexiko besitzen eigene Währungen, während man ja bei der Eurozone momentan nicht sicher weiß, wie diese Währung (oder das Konstrukt dahinter) aussieht.

    Wollte eigentlich darauf hinaus, dass die europäische Politik gefordert ist hier endlich für vertrauenserweckende Systeme zu sorgen.

  2. Das ist doch genauso Unsinn. Der SChuldner bestimmt einseitig den Wert der Rückzahlung weil er das Geld bei Bedarf einfach drucken kann. Graham hat schon Recht wenn er schreibt, es fehle die Basis für jeden Kreditvertrag, respektive jedes Schuldverhältnis, nämlich eine Instanz, die den Schuldner zu werthaltiger Zahlungs verpflichten kann.

    • Es ist natürlich Quatsch, aber dass ist für den Staat nebensächlich. Die Anleihen werden vom Markt gekauft.

      Persönlich würde ich sie auch nicht kaufen; anscheinend sind Staatsanleihen auch bei negativen Renditen gefragt.

  3. Pingback: Aus anderen Blogs – KW 27 | Kapitalmarktexperten.de |

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