Aktien-Anfäger, wo fang ich an? Teil 4 – Die Dividende

Nachdem es in den letzten Teilen um die Bewertung von Aktien ging und das Feststellen, ob eine Aktie gerade teuer ist oder nicht; geht es heute um die Dividende. Die Dividende als Auswahlkriterium für Aktien ist recht umstritten, da sie ja im engeren Sinne keine Unternehmenskennzahl ist. Ein häufiger Kritikpunkt an der Dividende ist ja, dass durch sie dem Unternehmen Geld entzogen wird. Mit dem ansonsten hätte gearbeitet werden können. Persönlich bin ich dennoch ein Verfechter der Dividende. Ein paar Dinge sollte man jedoch wissen bevor man einen Wert aufgrund der Dividende kauft…

Um einen guten Dividendenwert zu finden genügt es nicht sich einfach auf den großen Finanzseiten die aktuelle Dividendenrendite anzeigen zu lassen. Wert A mit 6 % Dividende ist als Dividendenwert nicht unbedingt besser als Wert B mit 3 % Dividende.

Einer der ersten Punkte, die man bei der Dividenden checken sollte ist woher das Unternehmen diese Dividende nimmt. Die Dividende ist ja eigentlich dazu da die Eigentümer, sprich die Aktionäre, am Gewinn und Erfolg des Unternehmens teil haben zu lassen.

Oft kommt aber das Management von Firmen, die eigentlich nicht besonders erfolgreich sind, auf die Idee dennoch hohe Dividenden auszuschütten. Meist will sich der Vorstand dadurch auf seinen Posten halten und den Aktionär durch den Dividendenscheck bei Laune halten. Wer die Aktie der deutschen Telekom verfolgt kennt sicher den Satz von Analysten „die Dividende wird aus der Substanz ausgeschüttet“. Dies bedeutet, die Dividende wird nicht aus dem Gewinn bezahlt sondern sie wird dem Unternehmen an anderer Stelle entnommen. Dabei gibt es zahlreiche Methoden: Entweder werden Unternehmensteile verkauft, es werden extra Schulden aufgenommen oder das Geld wird irgendwelchen Rücklagen entnommen und dann an den Aktionär überwiesen.

Als Faustregel schaue ich mir daher bei jedem Dividendenwert an wie viel ausgeschüttet wird und danach den letzten Jahresbericht. Ist der reguläre Dividendenbetrag höher als der Gewinn pro Aktie ist oft irgend etwas faul.

Dieses Vorgehen nennt man fachmännisch das Feststellen der Ausschüttungsquote. Diese ist also ganz leicht zu berechnen. Macht ein Unternehmen einen Euro Gewinn pro Aktie und schüttet pro Aktie 80 Cent aus, beträgt die Auszahlungsquote 80 %.

Übersteigt die Ausschüttungsquote also die 100% Marke sollte bei einem die rote Alarmglocke angehen und man sollte unbedingt nachforschen. Es gibt Firmen bei denen trotz über 100% Ausschüttung alles in Ordnung ist. Vielleicht hat man ja einen unnützen Unternehmensteil gut verkaufen können und hat so den Aktionär mit einer Sonderdividende bedacht oder es gab irgend welche besonders hohen Abschreibungen für frühere Investitionen oder ähnliches. Dann ist alles OK. Bedenken sollte man jedoch dass es sich bei solchen Sonderdividenden um Einmal-Effekte handelt und man daher im nächsten Jahr nicht auf eine derart hohe Dividende setzten kann.

Ab 100 % ist aber oft etwas faul. Selbst tendiere ich sogar bei Ausschüttungsquoten ab 70 % die Aktie deutlich zu hinterfragen. Als Anleger, der auf Dividenden setzt, sind regelmäßige und dabei steigende Dividenden ein großer Teil der Wertsteigerung. Schüttet ein Unternehmen nur 50 % des Gewinns aus, kann ich mir relativ sicher sein, dass der Vorstand die Dividende in Zukunft weiter steigern kann und dies auch in wirtschaftlich schlechten Jahren beizubehalten ist. Um zu niedriger also die Ausschüttungsquote umso größer ist die Chance auf stabile und steigende Dividenden.

In der eingefügten Grafik, wie man sie oft findet wenn ich Aktienunternehmen vorstelle, sieht man, dass hier ( in diesem Fall Kellog ) alles in Ordnung ist.
Kellog Cornflakes EPS Dividend Gewinn pro Aktie Dividende Ausschüttungsquote 2001 2000 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Nun möchte ich aber auf die Kritik an Dividenden eingehen. Der große Kritikpunkt ist, dass Unternehmen ohne Dividendenausschüttung ja mehr Geld zur freien Verwendung haben. Sprich es ist mehr Geld für Zukäufe, Expansion usw. da. Unternehmen müssen also für Erweiterungen nicht so viele Schulden aufnehmen. Dies ist natürlich richtig. Eine Dividenden sollte keine Plünderung sein; solide Finanzen und Zukunftsinvestitionen sind schließlich im Interesse des Aktionärs.

Was für mich dennoch für die Dividende spricht ist die Freiheit persönlich mehr Entscheidungsgewalt über mein Vermögen zu haben. Bekomme ich regelmäßig Dividenden kann ich selbst entscheiden ob ich dieses Geld auf den Kopf haue oder reinvestiere.
Beim reinvestieren habe ich also die frei Wahl über Zeitpunkt und Ziel meiner Investition. Ist die Aktie meines Unternehmens gerade recht teuer kann ich nun frei wählen. Warte ich ab, bis der Kurs wieder ein attraktiveres Niveau erreicht oder steige ich bei einer anderen Firma ein, die im Moment günstig ist. Lesetip dazu ist der Artikel „Dividend Reinvestment – Ansparen â la America“.

Eigentlich ist es ja die Aufgabe des Vorstandes das Geld für seine Aktionäre gut anzulegen. In der Realität ist der Vorstand aber oft nicht wirklich der bessere Anleger. Zudem hat der Vorstand weniger Freiheiten als ich. Ist mein Unternehmen zum Beispiel eine Brauerei, wird es versuchen Geld in neue Braukessel oder den Aufkauf anderer Brauereien zu investieren. Er wird aber kaum auf die Idee kommen einen Softwarekonzern zu schlucken. Vielleicht ist aber die Computerbranche gerade sehr günstig bewertet und daher macht es wirtschaftlich eigentlich mehr Sinn mein Geld in diese Branche zu stecken. Mit der Dividende habe ich nun diese Entscheidungsmöglichkeit.

Investment-Guru Warren Buffett verweigert seinen Aktionären seit Jahren eine Dividende. Seine Begründung ist: Es wäre für alle von Vorteil das Geld im Unternehmen zu belassen; dadurch könnte Berkshire Hathaway besser wachsen. Buffet hat in seinem Fall historisch sicherlich Recht. Leider ist nicht jedes Unternehmen ein Investmentvehikel, dass frei in alle möglichen Branchen investiert und zweitens ist auch nicht jeder Firmenvorstand eine gewiefte Investmentlegende.

Übrigens ist es ein Fakt, dass Aktien mit regelmäßigen Dividendenausschüttungen unterm Strich bessere Renditen erzielen als Unternehmen ohne Dividenden.

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