Firmen-Aufspaltungen bringen oft traumhafte Renditen.

Aufspaltungen eines Unternehmens ziehen oft die Börsen-Berichterstattung auf sich. Doch warum eigentlich? Wenn ich einen Euro in zwei 50 Cent Stücke wechsle, habe ich doch am Ende auch nur einen Euro. Nun ja so ist es interessanterweise meistens nicht und sogenannte Spin Offs sorgten für Altaktionäre schon oft zu beträchtlichen Gewinnen. Denken Sie nur einmal an Gordon Gekko aus Wall Street, dieser hat mit der Technik der Abspaltung und Zerschlagung von Unternehmen das große Geld verdient. Spin Offs sind also nicht nur interessante, sondern oft auch sehr lukrative Unternehmensereignisse…

Es gibt einige Persönlichkeiten in der Welt der Börse, die unglaublich reich sind und zudem unheimlich verhasst. In den 80er Jahren machte vor allem einer von sich reden Carl Icahn, der übrigens auch als Vorbild für die fiktive Kultfigur Gordon Gekko ( Michael Douglas ) gilt. Die Strategie eines sogenannten Corporate Raider ist dabei folgende: Es wird ein Unternehmen gesucht welches in Einzelteilen mehr wert wäre als in bestehender kompletter Form.

Dabei übernimmt der Corporate Raider große Anteile einer Firma und übt dann Druck auf den Vorstand aus um das Unternehmen zu zerschlagen. Als relativ aktuelles Beispiel gilt Motorola. Motorola hatte seit Jahren zwei große Firmenbereiche. Bereich A war die Infrastruktur und Netzwerksparte, in dieser wurden große Firmen und Regierungsorganisationen mit Dingen wie Paketscannern oder Funkgeräten ausgestattet (schauen Sie mal auf was für einem Gerät Sie beim Paketboten unterschreiben). Diese Sparte ist von jeher eher konservativ, da es in dieser Branche mehr um einen guten Ruf und Zuverlässigkeit geht als um den neusten Trend.

Die zweite große Motorola Sparte war das Handy-Geschäft. Motorola (oder besser Desginer Rudy Krolopp ) brachte in den 80ern das erste richtige Mobiltelefon auf den Markt und verdienten damit lange sehr gutes Geld; erinnern wir uns nur an das Klapphandy Razr. Doch leider kamen neue Konkurrenten aus Asien, der Blackberry und das Iphone und das Geschäft mit Mobiltelefonen konnte einfach kein Geld mehr erwirtschaften.

Also kam Icahn auch hier wieder eine Idee. Warum Motorola nicht aufspalten?
Die konservative Sparte würde eh von alleine überleben und wäre ohne die Endverbraucher orientierte Mobiltelefonsparte eh besser dran.

Die Mobilfunksparte, die auf keinen grünen Zweig kommt, kann man ja dann hinterher verkaufen. Schließlich ist Motorola eine der bekanntesten Marken der Welt, hat einen guten Ruf und hält zahlreiche wertvoll Patente. Ein solcher Verkauf an Microsoft, Apple oder wen auch immer wäre also zu einem hohen Preis durchführbar.

Genau so kam es dann auch. Ende 2010 war die Sache beschlossene Sache. Anfang 2011 wurde die Firma entgültig aufgespalten. Aus Motorola wurde Motorola Solutions und Motorola Mobility.

Die früheren Motorola Aktionäre bekamen für ihre alten Motorola Aktien einfach Aktien der beiden neuen Unternehmen.

Es dauerte nicht lange bis sich der Deal auszahlte. Seit dem finalen Beschluss der Aufspaltung konnte der Kurs von Motorola Solutions, bezogen auf die alten Aktien, um das dreifache zulegen. Da Motorola Solutions ohne die Verluste aus dem Endverbraucher-Segment nun wesentlich besser dastehen.

Auch bei der strauchelnde Mobilfunksparte erlebten die Altaktionäre ein gutes halbes Jahr nach dem Split plötzlich eine freudige Überraschung. Google war bereit Motorola Mobility für den doppelten Kurs zu übernehmen. Die Aktie schoss innerhalb von Minuten von 20 auf 40 $ in die Höhe.

Wer also vor dem Split dabei war hat hier schnell sehr viel Geld verdienen können. Zudem war das Risiko relativ begrenzt, da man schlimmstenfalls immer noch Aktionär eines Unternehmens mit starken Marken und vielen Patenten gewesen wäre.

Wenn also eine Firma eine Abspaltung oder englisch Spin Off ankündigt sollte man hellhörig werden; vor allem wen die üblichen Verdächtigen Namen dabei auftauchen. Die nächste gigantische Aufspaltung steht bei Lebensmittelriese Kraft Food an und ich würde mich nicht wundern, wenn es auch hier zu Überraschungen käme.

6 Gedanken zu “Firmen-Aufspaltungen bringen oft traumhafte Renditen.

  1. Ja, stimmt, bei diesen Geschichten lässt sich auch mit einem kurzfristegen Einstieg gutes Geld verdienen.

    Das mit Kraft Foods wusste ich gar nicht. Das macht die Aktie umso interessanter!

    Wie würde Kraft Foods denn aufgespalten werden?

    Interessante Info.

  2. Für den deutschen Steuersklaven sind solche Abspaltungen allerdings ein Albtraum, muss er doch die Aktien der abgespaltenen Gesellschaft wie eine Dividende versteuern.

  3. @Provinzler: Ja das hat mich auch schon öfter geärgert. Der Staat setzt hier aber wirklich falsche Anreize. Staat eigen Veranwortliches Anlegen und Vorsorgen zu unterstützen macht er die Sache, im Vergleich zu anderer Vorsorge, mit Absicht unattraktiv. *Daumer runter für die BRD *grins

  4. Kraft soll in einen Ertragsteil (Nordamerika Geschäft) und einen Wachstumsteil (Ermergine Markets) geteilt werden. Macht finde ich in dieser Art wenig Sinnvoll, da die Produkte ja zum teil die gleichen sind und man sich z. B. beim Globalen Marketing eher schwächt. Allerdings kann ich mich auch irren.

  5. @Ines: Du hast Recht; Mitarbeiter können darunter leiden. Dies ist aber ein sehr kontrovers diskutierter Punkt. Auf der anderen Seite argumentieren Investoren oft damit, dass das Unternehmen entweder anders gar nicht mehr überlebensfähig wäre und so Arbeitsplätze verlorgen gehen.

    Zum anderen führt eine Aufspaltung, bei der es dem Nachfolgeunternehmen dann gelingt zu wachsen, wieder zu neuen Arbeitsplätzen führt.

    Wie immer gibt es solche und solche…

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